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Full text of "Briefe Wilhelms II. an den zaren, 1894-1914"

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1894-1914 



BRIEFE 

WILHELMS IL 

AN DEN ZAREN 
1894-1914 



BRIEFE 

WILHELMS IL 

AN DEN ZAREN 
1894-1914 



Herausgegeben und eingeleitet 
von 

Professor Dr. Walter Goetz 

Die Übersetzung besorgte 
Max Theodor ßehrmann 



VERLAG ULLSTEIN ® CO / BERLIN 



VORWORT 



Die hier veröffentlichten Briefe Kaiser Wilhelms II: 
an Zar Nikolaus II. sind unter der bolschewistischen 
Herrschaft in Rußland aufgefunden und über Stock- 
holm ins Ausland verkauft worden. Ihre Veröffent- 
lichung in England und Frankreich wurde für den 
Beginn des neuen Jahres in Aussicht gestellt. Es er- 
schien deshalb als eine Pflicht, sie auch dem deutschen 
Volke sofort vorzulegen und damit jeder parteiischen 
Verwertung, wie sie im Ausland schon bei der ersten 
Ankündigung der Veröffentlichung begonnen hatte, 
vorzugreifen. 

Denn diese Briefe haben das Licht der Öffentlichkeit 
nicht zu scheuen. Sie tragen zwar alle die Schwächen 
an sich, die das Bild Wilhelms IL beeinträchtigen, 
aber sie sind auf der anderen Seite lauter Zeugnisse 
seines guten Willens und vor. allem seiner ehrlichen 
Friedensliebe. Das darf mit Bestimmtheit festgestellt 
werden, ehe von Vorurteilen erfüllte Gegner sie zu 
ihren Zwecken ausbeuten. 

Sowohl die ausländische wie die deutsche Presse hat 
inzwischen bereits mit der Veröffentlichung der Briefe 
begonnen. Aber diese VeröffentHchung ist ohne 

VII 



kritische Prüfung der Texte geschehen ; sie ist deshalb 
reich an Irrtümern sowohl in der Datierung wie in 
einzelnen Lesarten der Texte, und vor allem die Ver- 
tragsentwürfe von 1904 sind in irreführender Weise 
bezeichnet worden. Die deutsche Presse war zudem 
bisher nur in der Lage, Bruchstücke der Briefe wieder- 
zugeben. 

Die vorliegende Buchausgabe gibt sowohl den voll- 
ständigen englischen Urtext als auch eine deutsche 
Übersetzung, gibt einen von den Irrtümern der (von 
russischer Seite in Maschinenschrift verkauften) Ab- 
schriften gereinigten Text — denn sowohl Datierungs- 
fehler wie Namensentstellungen usw. heßen sich ohne 
große Mühe erkennen und wohl in allen Fällen ver- 
bessern. Diese Buchausgabe gibt in kurzen Einleitungen 
vor jedem Briefe dasjenige, was zur Erläuterung des 
Inhalts notwendig ist. In einer längeren Einführung 
ist zusammengefaßt, was als der hauptsächliche ge- 
schichtHche Ertrag der Briefe bezeichnet werden darf. 

Die Übersetzung sowie hilfreiche Vorarbeit zu den 
Einleitungen der einzelnen Briefe wurde von Herrn 
M. Th. Behrmann geleistet. 

Leipzig, II. Januar 1920 

WALTER GOETZ 



EINLEITUNG 

Wer immer diese Briefe Wilhelms IL als geschicht- 
liche Zeugnisse zu verwerten gedenkt, wird vorerst 
die Frage nach ihrer Echtheit aufwerfen. Ihre dunkle 
Herkunft, vielleicht auch ihre Unvollständigkeit — 
liegt doch wiederholt für ein ganzes Jahr nur ein 
einziger Brief vor, was der zeitweise so deutlich sicht- 
baren Lebhaftigkeit des Austausches nicht entsprochen 
haben kann — lassen den Gedanken an eine Fälschung 
aufkommen. Aber der Nachweis ihrer Echtheit ist 
doch wohl aus den Briefen selbst zu führen. Sie würden 
nicht als unvollständig erscheinen, wenn die zahlreichen 
Telegramme, die neben den Briefen gewechselt worden 
sind, vorhanden wären; diese fehlen leider. Die 
Schreiben sind ferner von der Gedankenrichtung des 
Kaisers so ganz erfüllt, daß ein Fälscher sich meister- 
haft in diese seltsame Ideenwelt hineinversetzt haben 
müßte. Auch entbehrte eine solche Fälschung des er- 
kennbaren Zweckes, denn in der vorliegenden Form 
könnten sie weder zugunsten des Kaisers noch zu 
seinem Schaden gefälscht sein — in beiden Fällen 
fehlten die Akzente, die der Fälschung allein Wir- 
kung geben könnten. Licht und Schatten — vom 

IX 



Standpunkt des Geschichtsschreibers gesprochen — 
wechseln hier so unablässig miteinander, daß man echter 
Wirklichkeit gegenüberstehen muß. Auch verrät der 
Stil den Schreiber — es ist ganz und gar die Mischung 
von großen und kleinen Gedanken, von Getragenem 
und Saloppem, das pathetisch Ernsthafte, dem doch der 
rechte Inhalt fehlt, das Sichgehenlassen in Kraftaus- 
drücken, v^^as auch sonst die briefUchen und vom Augen- 
bHck eingegebenen Äußerungen des Kaisers kennzeich- 
net. Zudem wird die Echtheit überall bestätigt, wo sich 
von anderer Seite (z. B. aus den- Denkwürdigkeiten des 
Fürsten Hohenlohe, II, S. 521, oder aus Hammann, Zur 
Vorgeschichte des Weltkriegs S. 71) Anhaltspunkte für 
den Inhalt einzelner Schreiben ergeben. Und ein 
letzter -Beweis: die Datierungsorte stimmen in allen 
Fällen mit den nachweisbaren Aufenthaltsorten des 
Kaisers überein. Von drei Briefen liegen zudem photo- 
graphische Wiedergaben vor — sie bestätigen, wie die 
beiden Beilagen dieser Ausgabe zeigen, die kaiserHchen 
Schriftzüge. Der Brief vom 21. Februar 1905 ist der 
deutschen Presse schon vor einiger Zeit bekannt ge- 
worden — offenbar aus derselben russischen Quelle. 

Die Briefe sind in engHscher Sprache geschrieben — 
auch die mündliche Unterhaltung der beiden Fürsten 
spielte sich immer auf englisch ab. Die Antworten 
des Zaren fehlen; hie und da sind sie aus den 
Briefen Wilhelms II. in etwas zu erschließen. Aber 
sie entbehren für uns zunächst des Interesses, das 
die Briefe des Kaisers herausfordern. Daß Wilhelm II, 



die bei weitem stärkere und tätig anregendere 
Persönlichkeit war, wird kaum des Beweises bedürfen. 
Die aktiven politischen Ziele sind, wie die Briefe zeigen, 
auf seiner Seite: er will auf den Zaren einwirken, will 
die russische PoHtik bei der deutschen festhalten, wie 
es die deutsche Notwendigkeit und der europäische 
Frieden erforderte. Zur völligen Klarstellung der ge- 
schichtlichen Ereignisse wären die Antworten des Zaren 
gewiß erwünscht, aber im Augenblick handelt es sich 
um Wilhelm IL, um seine angebHche Schuld am Welt- 
krieg, um seine ganze Persönlichkeit, und da wird uns 
sein Anteil an diesem Briefwechsel genügen. An Ein- 
bhcken in die poHtische Gedankenwelt des Kaisers ist 
er reich genug, obwohl wir gerade über die große 
PoHtik nur bruchstückweise unterrichtet werden und 
wichtige Fragen, nicht behandelt sind. Auch müßte 
man, um das letzte Urteil zu gewinnen, die gleich- 
zeitigen Beziehungen zut- Königin ' Viktoria von Eng- 
land und zu König Eduard VII. an der Hand ähn- 
licher vertraulicher Briefe verfolgen können; denn so 
eng und unbedingt offenbar die Freundschaft zu Niko- 
laus II. war und so scharf manche Wendungen gegen- 
über England khngen, so lag doch bei jedem pohtischen 
Austausch unzweifelhaft Freundschaft und Taktik nahe 
nebeneinander, und der Drang nach immer neuen 
mündhchen Austauschmöghchkeiten, wie er beim Kai- 
ser hervortritt, zeigt doch wohl die Sorge, daß andere 
Einflüsse bei Nikolaus II. die Einwirkung des deutschen 
Freundes beeinträchtigen könnten. Auch so manche 

XI 



Wendung übertriebener Schmeichelei — die öfters auf- 
tretende, dick unterstrichene Bewunderung für den 
politischen Instinkt des Zaren — gehört doch wohl 
mehr in das Gebiet der Taktik als der Freundschaft. 
Aber der Kaiser fand doch auch zeitweise sehr offene 
Worte gegenüber dem Zaren — nur auf Gunst waren 
die Briefe nicht eingestellt (vgl. Nr. V, VII, L). 

Wenn man an Bismarcks kluge Zurückhaltung in der 
Frage fürstlicher Besuche und an seinen ersten Gegen- 
satz zu Wilhelm II. um kaiserlichen Übereifers willen 
denkt, so fäUt es in diesen Briefen immer wieder auf, 
wie der Kaiser einmal über das andere neue Besuche 
beim Zaren anbietet, neue Zusammenkünfte vorschlägt. 
Er glaubte fest an die politische Wirksamkeit solcher 
Besuche und es lag ihm, trotz mancher Erfahrung, 
über die er sich hätte klar werden können, der Gedanke 
fern, daß sie auch das Gegenteil des Beabsichtigten be- 
wirken könnten. Wilhelm IL, der sich und seine Worte 
so reichlich überschätzte, vermochte offenbar nicht zu 
fühlen, daß gerade er vor den Kopf stoßen und un- 
günstige Meinungen hervorrufen konnte wie kaum ein 
anderer ; er glaubte an den Zauber seiner Liebenswürdig- 
keit, seiner Uberredungsgabe und an das tiefe Recht 
seiner Überzeugungen, und wurde sich der mancherlei 
Taktlosigkeiten nicht bewußt, die neben der Liebens- 
würdigkeit einherzugehen pflegten und ihm wichtige 
Persönhchkeiten entfremdeten. Der äußere Anschein 
sprach dafür, daß die Zusammenkünfte mit dem Zaren 
politische Wirkungen ausübten, und so wurde dies 

XII 



Mittel immer von neuem in Bewegung gesetzt. Sicher- 
lich war ja der Zar dem Kaiser treu ergeben und ge- 
neigt, sich dem Einflüsse des Freundes hinzugeben, 
der ihm an Lebensjahren ungefähr ebensoviel voran 
war wie an Regierungszeit und den er — vielleicht — 
um seiner blendenden Eigenschaften willen bevmnderte. 
Der Zar war von Natur gutmütig und schüchtern, 
der Uberredungsgabe des Kaisers gegenüber ziemlich 
waffenlos. Zudem war der Zar in den politischen 
Fragen niemals sicher orientiert. Es gab auch nie- 
mand in der Welt, der dem Zaren so herzliche 
Freundschaft entgegenbrachte — wie ein Bruder, 
heißt es in dem Briefe vom 27. JuH 1905 — und 
der ihm so viel ehrliches Vertrauen zeigte wie der 
deutsche Kaiser. Daß die Schreiben Freundesbriefe 
sein sollten, darf man ja nicht vergessen, wenn man 
Ausdrucksweise und Inhalt ins Auge faßt. Aber es 
läßt sich die Meinung nicht unterdrücken, daß zwischen 
dem selbstgewollten Gottesgnadentum und der Art 
dieser Briefe eine unausgleichbare Spannung besteht. 
Denn im Vergleich zu den geschichthchen Aufgaben, 
die diese beiden Männer zu erfüllen hatten, ist das 
Menschliche, das Unbedeutende, ja gelegenthch das 
erschreckend Platte und Stillose dieser Briefe schwer 
erträghch. Nicht nur, daß sich geschmacklose Mode- 
worte und so kühne Gedankenverbindungen finden wie 
gleich im ersten Briefe (wo Offiziere und Regiments- 
fahnen ihre Gebete vereinigen), sondern daß in einem 
Federzug nebeneinander das Beileid zum Tode eines 

XTJI 



altbewälirten Generals (den der Kaiser seinen Freund 
nennt) und die Erkundigung nach einer elektrischen 
Eisenbahn der Zarenkinder steht, daß der bevorstehen- 
den Niederkunft der Zarin ein „Weidmannsheil" oder 
ein ander Mal „Weidmannsheil für großes Wild" ge- 
widmet wird, daß neben den ernstesten politischen 
Angelegenheiten das Interesse für die Wiedereinfüh- 
rung bestimmter Uniformen und Knöpfe folgt oder 
gar ein frohgemutes „Tata", das offenbar an geistvolle 
Scherze im persönhchen Verkehr der beiden Monarchen 
anknüpft — das alles erinnert immer von neuem daran, 
daß sich hier nicht eine innerlich große Welt des Den- 
kens und Handelns vor uns auftut, sondern ein unaus- 
gegHchenes Nebeneinander von großem Wollen und 
geringem Vollbringen, von emporgeschraubten An- 
sprüchen und mangelnder Selbstzucht. Gerade da, v/o 
das InnerHchste, das ReHgiöse, zur Aussprache kommt, 
ist das Schlichte und tief Empfundene — wde in 
Nr. XVIII — eine Seltenheit und zumeist ist die 
Rhetorik stärker als der Inhalt. 

Aus solchen Veranlagungen und Begrenztheiten her- 
aus entstand die erste große Täuschung, in der sich 
Wilhelm II. befand: der Glaube nämHch, daß sich die 
PoHtik auf die persönhchen Beziehungen der Herrscher 
aufbauen lasse. Schon die Persönlichkeit des Zaren 
bot dazu wohl kaum die ausreichende Sicherheit. Denn 
wie verschiedenartig im einzelnen sie auch bisher ge- 
schildert worden ist — über den Mangel eines starken 
und klaren Willens sind sich alle Beurteiler einig. Wie 



XIV 



mächtig nun auch immer der Einfluß der deutsch- 
gesinnten Zarin auf ihn gewesen sein mag — die vor- 
liegenden Briefe liefern den Beweis, daß alle brüder- 
liche Freundschaft die Richtung der russischen PoHtik 
von ihren letzten todbringenden Zielen nicht ablenken 
konnte. Der Kaiser hatte wohl alles versucht, sich auf 
die Persönlichkeit des Zaren einzustellen * und sein 
Vertrauen sich zu erhalten — er hatte ihm und der 
russischen Marinebehörde geheime deutsche Schiffsbau- 
pläne gezeigt und dabei den Gedanken ausgesprochen, 
daß die beiderseitigen Flotten als eine große Or- 
ganisation zu betrachten seien (Nr. XXVI) ; er warf den 
Gedanken hin, daß mit der deutschen Bagdadbahn 
russische Truppen im Handumdrehen von Odessa nach 
Koweit am Persischen Meer befördert werden könnten, 
um dort den Engländern Halt zu gebieten; er unter- 
richtete den Zaren sofort über das englische Bündnis- 
angebot von 1898 (Nr. XV und XVI) — aber zuletzt 
galt in der großen Politik weder Freundschaft noch 
Vertrauen. 

Seit Ende 1905, seit dem Scheitern des deutsch- 
russischen Bündnisplanes, will es scheinen, als ob der 
Kaiser selber nicht mehr recht an die Kraft seiner Ein- 
wirkung geglaubt habe. Die Briefe, die 1904 und 1905 
bei der russischen inneren und äußeren Politik zu 

* Ob es immer in der richtigen Weise geschah, prüfe 
man an der Hand des merkwürdigen Briefes vom 21. Febr 
1905, der doch als starke Bevormundung aufgefaßt werden 
konnte! 



XV 



helfen strebten, werden seitdem, von einigen Aus- 
nahmen abgesehen, politisch immer inhaltsloser, und 
nur die Zusammenkünfte mit dem Zaren haben dann 
noch an dem eisernen Netze zu rühren versucht, das 
die englische PoHtik um Deutschland legte. Familien- 
beziehungen der Herrscher waren nicht mehr imstande, 
Einfluß auf den unvermeidHchen Gang der Dinge zu 
gewinnen. 

Wie der Kaiser die formalen Elemente der Politik 
mit falschen Voraussetzungen ansah, so vermochte er 
sich auch nicht in die Tatsächlichkeiten der Weltver- 
hältnisse richtig hineinzuversetzen. So modern der 
Kaiser oft erschienen ist, wenn er sich für deutsche 
Zukunftsfragen einsetzte, sich für Technik interessierte 
und Sachverständige der Wirtschaft an sich zog, gleich- 
viel w^elchen Glaubens sie waren, so tief war doch zu- 
gleich der Gegensatz, der zwischen ihm und der gegen- 
wärtigen Welt bestand. Seine Auffassung des Herr- 
scherberufes, so sehr sie auf Pflichterfüllung eingestellt 
war, ging von einer göttlichen Mission aus, und sie 
mußte deshalb zu einer blinden Überschätzung des 
Fürstentums und der fürstHchen Personen und zu 
einer ebenso bHnden Unterschätzung anderer Regie- 
rungsformen und anderer Personen führen. Die vor- 
liegenden Briefe sind reich an Beispielen für diese ver- 
hängnisvolle Vorstellungswelt, und sie führte trotz allen 
deutlich sichtbaren Warnungszeichen zu dem Glauben, 
daß Deutschland und Rußland gemeinsame monarchi- 
sche Interessen gegenüber einer schlechteren Welt zu 



XVI 



vertreten hätten. Der Sinn für das Wirkliche, hier und 
da vorhanden, fehlt im großen doch in überraschendem 
Maße. Die Briefe beginnen ungefähr in dem Augen- 
blick, der den Eintritt Deutschlands in die Weltpolitik 
bedeutet. Man möchte annehmen, daß damit das 
Verhältnis Deutschlands zu den großen Weltmächten 
zu neuer Erörterung und Ordnung hätte kommen 
müssen. Aber fast nirgends sieht man den Kaiser bei 
solchen konkreten Fragen einsetzen, um Gegensätze 
auszugleichen, Interessengemeinschaften herzustellen 
und der deutschen Politik den Weg zu sichern. Un- 
ausgesetzt ist es die „traditionelle Freundschaft" der 
HohenzoUern und der Zaren, ist es daneben eine Ge- 
meinschaft monarchischer Staatsordnung, was Ruß- 
land und Deutschland zusammenhalten soll. Republik, 
Parlamentarismus, Anarchismus, Nihilismus und Revo- 
lution werden vom Kaiser in eine bedenkliche innere 
Gemeinschaft gerückt, und der Verbündete der Fran- 
zösischen Repubhk soll mit solchen Ausbhcken ge- 
schreckt werden. Vor den enghschen Intrigen (an 
deren Vorhandensein gewiß nicht zu zweifeln war) wird 
im gemeinsamen Interesse gewarnt, aber man sucht 
vergebens nach pohtischen Ideen, die eine russisch- 
deutsche Interessengemeinschaft auf festem Boden 
hätten begründen können. Statt dessen ist der Kaiser 
beherrscht von der ,, gelben Gefahr", die der weißen 
Rasse, der abendländischen Kultur vom fernen Osten 
her drohe. Wie eine fixe Idee kehrt dieser Gedanke 
wieder — die Schwierigkeit deutscher Weltpolitik vv'ar 

II XVII 



dem Kaiser noch gar nicht zum Bewußtsein gekommen, 
als er in der Abwehr von „Buddhismus, Heidentum und 
Barbarei" gemeinsame, verbindende Aufgaben der euro- 
päischen Mächte zu sehen glaubte. Oder schob er hier 
nur Gesichtspunkte vor, die aus dem Geiste der rus- 
sischen Politik gedacht waren, und wollte er Rußland 
mit allen Mitteln nach Ostasien ablenken ? 

Sicherlich hat die deutsche Politik es gern gesehen, 
daß Rußland sich von dem alten Lieblingsfeld seiner 
unruhestiftenden Tätigkeit, dem Balkan, zurückzog 
und sich im Osten Ziele für lange Jahrzehnte steckte. 
Aber nicht von Deutschland ist Rußland auf dieses 
neue Feld hingewiesen worden, sondern die Erfolge 
der Japaner im Kriege gegen China haben Rußland 
zu seinem Vorgehen veranlaßt — Rußland wollte sich 
die östliche Meeresküste und den Einfluß auf China 
sichern, ehe ihm Japan ein lästiger Wettbewerber 
werde. Die russische öffentliche Meinung war schon 
wochenlang in Bewegung gegen Japan und für freie 
Hand im Osten, ehe der Kaiser sich dem Zaren gegen- 
über in dieser Sache geäußert hat. Rußland war bei 
dem gemeinsamen Vorgehen Deutschlands, Frankreichs 
und Rußlands gegen Japan der führende Teil; es be- 
durfte keines Antriebs von deutscher Seite, damit Ruß- 
land seine ostasiatischen Interessen entdecke und sie 
mit steigender Hartnäckigkeit vertrete. Wenn der 
Kaiser mit reichlich überschwenglichen Worten den 
Zaren als Urheber dieser neuen politischen Richtung 
Rußlands feierte, so lag darin wohl ein Gefühl der 

XVIII 



Befreiung von dem Alpdruck, den Rußland für Europa 
bedeutet hatte, aber auch die Hoffnung auf gemein- 
same Vorteile, wie der Wunsch nach einer deutschen 
Kohlenstation im Osten deuthch zeigt (Nr. IV). 

Für die deutsche Politik kam naturgemäß das andere 
hinzu: Rußland von einem Zusammenwirken mit 
Frankreich gegen Deutschland abzulenken. Auch die- 
sen Wunsch wird man dem Kaiser gewiß nicht zum 
Vorwurf machen können. Das Mittel, mit dem der 
Kaiser dabei arbeitete, war die Auferweckung des 
zarisch-monarchischen Instinkts gegenüber der Fran- 
zösischen RepubHk, was doch wohl nicht viel wirken 
konnte, nachdem nun einmal Zar Alexander III. die 
eingeborene Abneigung überwunden und mit der Re- 
publik ein vorurteilfreies Bündnis eingegangen hatte. 
Später, 1904 und 1905, kam der höchst seltsame Ver- 
such, Frankreich in ein russisch-deutsches Bündnis hin- 
einzuziehen. Hier liegt wohl der Höhepunkt dieses 
ganzen Briefwechsels (Nr. XL VIII ff.). 

Die erste Anregung zu einem neuen formellen Bünd- 
nis ist — in der Not des russisch-japanischen Krieges — 
vom Zaren ausgegangen, wenige Tage nach dem 
Doggerbank-Zwischenfall, der Englands Eingreifen in 
den Krieg hervorzurufen drohte. Es scheiterte zunächst 
an gewissen Bedenken Deutschlands gegenüber einer 
vom Zaren beantragten Geheimklausel und dann an 
dem russischen Wunsche nach Zuziehung Frankreichs 
zu den Verhandlungen, noch ehe Rußland und Deutsch- 
land sich einig geworden seien. Aber nachdem man 

11* XIX 



einmal in Berlin die russischen Bündnispläne kennen- 
gelernt hatte, blieb der Gedanke eines russisch-deut- 
schen Bundes, in den Frankreich schließHch durch den 
Zwang der Tatsachen hineingezogen werden sollte, das 
Ziel der kaiserHchen PoHtik, und am 24. JuH 1905, bei 
der Zusammenkunft in den finnischen Schären, gelang 
es, einen Geheimvertrag zustande zu bringen, der Ruß- 
land endgültig in das deutsche Fahrwasser hereinziehen 
soUte. Man fühlt aus den nächsten Briefen des Kaisers 
das Hochgefühl über den erlangten Erfolg heraus — 
nie war der Austausch zwischen beiden Herrschern in 
Briefen und Telegrammen so lebhaft, und niemals hat 
der Kaiser sonst Anlaß gehabt, von einem neuen Blatt 
in der Weltgeschichte, das ein Kapitel des Friedens 
und des Wohlwollens unter den großen Mächten ein- 
leiten sollte, zu sprechen. Der mündHche Austausch 
mit Witte, der im September 1905 den Kaiser in 
Rominten besuchte, nachdem er sich in Berhn mit 
dem deutschen Reichskanzler besprochen hatte, zeigt 
— nach des Kaisers optimistischen Angaben (Nr. LI) — 
auch diesen in vollem Einverständnis mit den getroffenen 
Abmachungen . In Wahrheit war sowohl Witte wie Bülow 
wohl mit der Gesamttendenz des Vertrages, nicht aber 
mit seinen einzelnen Bestimmungen einverstanden. 

Der Wortlaut der getroffenen Vereinbarung Hegt 
nicht vor. Der Kaiser schreibt am 27. JuH 1905 nur 
von dem „Bündnis auf gegenseitiger Unterstützung 
im Bedarfsfalle, das wir abgeschlossen haben". Im 
Jahre 191 7 ist in der Norddeutschen Allg. Zeitung 

XX 



(13. Sept.) der allgemeine Inhalt des Vertrags bekannt- 
gegeben worden, und Hamm an n hat in seiner „Vor- 
geschichte des Weltkriegs'* S. 218 ff. zusammengestellt, 
was über Zusammenkunft und Vertrag bis zum Som- 
mer 191 8 bekannt geworden war. Man versteht da- 
nach den Widerstand der beiderseitigen Staatsmänner, 
denn auf Klarheit kann der Vertrag keinen Anspruch 
machen. Daß ein Verteidigungsbündnis beabsichtigt 
war, Hegt nach allem, was der Kaiser darüber äußert, 
einwandfrei zutage. Und wie im Vorjahre, so ist 
auch jetzt das Ziel, Frankreich in dieses Bündnis 
hineinzuziehen, als ob es zwangsmäßig dem russischen 
Kurse folgen müsse. Auch in den Vereinigten 
Staaten sieht der Kaiser — um des Gegensatzes zu 
Japan willen — den künftigen Partner. Und obwohl 
der Kaiser am 27. JuH 1905 sogar auf die Möglich- 
keit von Japans Beitritt hindeutet, ist die Spitze 
des Bündnisses deuthch gegen England Hind Japan,' 
die Verbündeten, gerichtet, die von deutscher wie 
von russischer Seite als Friedensstörer betrachtet 
werden. Im gleichen Schreiben kann der Kaiser sagen, 
daß der neue Zweibund „in Verbindung mit dem 
Dreibund einen Fünfbund gibt, der wohl in der Lage 
ist, alle unruhigen Nachbarn in Ordnung zu halten 
und den Frieden selbst mit Gewalt aufrechtzuer- 
halten, wenn es eine so hirnverbrannte Macht geben 
sollte, ihn zu stören". 

Es wäre unzweifelhaft ein voller Triumph der kaiser- 
lichen Politik gewesen, wenn sie mit Rußland jetzt 



XXI 



zu neuen festen Abmachungen gekommen wäre. Nicht 
nur daß dann die Vorwürfe wegen Nichterneuerung 
des bismarckischen Rückversicherungsvertrages erledigt 
waren und eine bessere, ehrlichere Form des Zusam- 
menstehens mit Rußland gefunden war, sondern auch 
der Politik Eduards VII. war ein Riegel vorgeschoben 
imd die französische Revancheidee war zum Absterben 
verurteilt.%Die Ablehnung des englischen Bündnis- 
angebots von 1898 und 1901, das den kritischen Wende- 
punkt für Deutschlands ganze Stellung bedeutete, war 
wettgemacht und neue Sicherheit gewonnen. Das 
alles läßt die frohlockende Genugtuung, die aus den 
Briefen des Kaisers damals hervorleiichtet, vollkommen 
verstehen. 

Aber es sollte sich sehr rasch herausstellen, daß 
den Wirkern dieses Gewebes die Hand Bismarcks 
durchaus gefehlt hatte. Schon die ersten Mitteilun- 
gen über den Geheimvertrag, den der kaiserliche Brief 
vom 27. Juli enthält, überraschen: so war also von 
den beiden Kaisern, ohne Mitwirkung der maß- 
gebenden Minister, bei dem Zusammensein eines 
Tages das weltgeschichtliche Bündnis, das es in der 
Tat gewesen wäre, abgeschlossen worden .? Der deut- 
sche Reichskanzler wTirde erst nach der Rückkehr des 
Kaisers von seiner Reise ins Vertrauen gezogen, und 
ebenso erging es dem russischen Außenminister. Ham- 
mann hat uns berichtet, daß der Reichskanzler die 
Verantwortung für den Vertrag ablehnte und seinen 
Rücktritt anbot, auf den der Kaiser freilich nicht 

XXII 



einging. Für einen verbindlichen Staatsakt war die 
ganze Abmachung auffallend selbstherrlich und un- 
sicher aufgebaut. Man wird den Gedanken nicht 
los, daß der Kaiser, anknüpfend an den Wunsch 
des Zaren vom vergangenen Herbst, jetzt diesem 
die Bedenken gegen die deutsche Formulierung 
ausredete und unter der entmutigenden Nach- 
v^irkung der russischen Niederlage im Kampfe mit 
Japan das erwünschte Bündnis durchdrückte. Nur so 
erklärt es sich wohl, daß der Zar nachträghch zurück- 
zog, was er unter dem Einfluß des Freundes ohne die 
Beratung durch seine Minister zugestanden hatte. 
Denn die Bedenken gegen den Vertrag mußten kom- 
men — nur der Kaiser und der Zar, sich selbst über- 
lassen, konnten ernsthaft annehmen, daß die russi- 
schen Staatsmänner den Sinn des Vertrags nicht als 
eine Abkehr von der bisher betriebenen Politik an- 
sehen würden, und nur politische Illusionisten konnten 
glauben, daß die Gewinnung Frankreichs für das Bünd- 
nis im Bereiche der Möglichkeit hege. Hier vmrden 
tief verankerte Tendenzen der russischen wie der fran- 
zösischen Politik völlig mißachtet und der Versuch 
gemacht, die Weltgeschichte nach den Hoffnungen 
zweier fürstlichen Freunde einzustellen. Das Schei- 
tern des ganzen Planes war unvermeidbar, so sicher 
auch der Kaiser den Erfolg in der Hand zu haben 
glaubte. Es fehlt in den Briefen seit dem 28. No- 
vember 1905, aus dem die nachträglichen Bedenken 
des Zaren hervorgehen, jeder weitere Hinweis auf 

XXIII 



da8 Bündnis, und obwohl der Kaiser sich noch in 
der Unterschrift des Briefes vom 30. Dezember 1905 
als „Verbündeten" bezeichnet, ist doch offenbar der 
ganze Plan schon damals erledigt gewesen. 

Jetzt aber mußte sich, wenn noch ein Rest von 
politischem Scharfsinn vorhanden war, der Ernst der 
Dinge erschHeßen und selbst mit den stärksten Opfern 
hätte ein Ausweg aus der verzweifelten Sachlage ver- 
sucht werden müssen. Es kHngt entweder völlig ver- 
blendet oder durchsichtig gezwungen, wenn der Kaiser 
am 29. Januar 1906 die schwerwiegende Tatsache, daß 
der Zar einen französischen Verbindungsoffizier in 
sein Gefolge aufnehmen will, mit dem groben Scherz auf 
den „Holzfäller FaUieres" (gemeint ist der Präsident 
der französischen Repubhk) abzutun versucht und sei- 
ner Heiterkeit darüber kaum Schranken zu setzen 
vermag. Sah er wirklich nicht, wie ihm Frankreich 
selbst bei der Person des Zaren den Rang abzulaufen 
begann? Und ferner: im Juni 1906 erfuhr der Kaiser 
aus Mitteilungen des Zaren, daß England sich mit 
Rußland über Asien zu verständigen suche. Auch 
dies führt den Kaiser nicht in das Gebiet der zu 
lösenden konkreten Fragen, vielmehr arbeitet er sich 
immer von neuem in die „gelbe Gefahr" hinein, die 
er entdeckt zu haben glaubt und die nach seiner Mei- 
nung ein Anlaß zur Überbrückung der europäischen 
Gegensätze sein soll (Nr. LVHI). Dabei scheint er 
nicht zu erkennen, daß die Gegensätze z^vischen Japan 
und Amerika, Japan und Rußland poHtischer und 

XXIV 



wirtschaftHcher Art sind, und daß das Bündnis Englands 
mit Japan den nächsten Interessen der beiden Län- 
der mehr entsprach, als ein Kreuzzugskampf der 
weißen Rasse gegen die gelbe. 

In Wahrheit entfernte sich die russische Politik 
gerade seit jener Bündnisepisode in auffallender Weise 
von Deutschland. 1907 kam das enghsch-russische 
Abkommen über Mittelasien zustande und das Zu- 
sammentreffen König Eduards VII. mit dem Zaren 
in Reval im Juni 1908 drückte das Siegel unter eine 
neu gewonnene Freundschaft. Der Brief des Kaisers 
vom 8. Januar 1909 brachte das Unbehagen der deut- 
schen Regierung gegenüber Rußland in einem Einzel- 
fall zum Ausdruck. Die bosnische Krise vermehrte 
die Spannung noch erhebhch und die Beilegung des 
Konflikts ^^iirde doch so stark als eine Niederlage 
Rußlands empfunden, daß die lobenden Worte des 
Kaisers über die „hochzerzige und selbstlose Initia- 
tive" des Zaren zur Erhaltung des Friedens wohl 
kaum auf sehr fruchtbaren Boden gefallen sein dürften. 
Aber dennoch war noch nicht alles verloren. Wenn 
auch der Briefwechsel seit 1906 offenbar abflaute, so 
kam es trotz aUem immer von neuem zu Annäherungen 
zwischen Deutschland und Rußland, und vor allem die 
Potsdamer Zusammenkunft vom 4. November 1910 
schien, wie der deutsche Reichskanzler am 10. De- 
zember 1910 dem Reichstag mitteilte, die Gewißheit 
zu geben, daß sich weder Rußland noch Deutschland 
m eine Kombinarion einlassen werde, „die eine 

XXV 



agressive Spitze gegen den anderen Teil haben könnte". 
Aus dem Angriff Miljukows in der russischen Duma 
vom 15. März 191 1 auf diese Schwenkung der russischen 
Politik konnte man freilich erkennen, wie die russische 
Intelligenz darüber denke: er erklärte das von Iswolsky 
verteidigte System der russischen Bündnisse und Ab* 
kommen als in seinen Grundlagen erschüttert, Frank- 
reich und England seien verletzt und die auswärtige 
Lage sei infolgedessen geradezu bedrohlich. Man ver- 
steht die ungeheure Last, die den deutschen Reichs- 
kanzler damals bedrückte, und man versteht das Suchen 
nach einem Ausweg aus einer verzweifelt gewordenen 
Sachlage. 

Die Briefe des Kaisers sind in diesen letzten Jahren 
von 1910 — 1914 — wenn anders sie uns vollständig 
vorHegen — von dürftigstem Inhalt und ohne jedes 
politisches Gepräge. Man hat bei diesen Briefen das 
Gefühl, daß die alte Freundschaft gewohnheitsmäßig 
weiter betont wird, daß ihr aber der rechte Inhalt 
fehlte, seit Rußland nicht nur mit Frankreich, son- 
dern auch mit England sich vereinbart hatte. 

So ist der politische Ertrag dieser Briefe nicht gerade 
erhebend. Sie lassen überhaupt nur in Einzelheiten, 
nicht in das Ganze der deutsch-russischen Beziehun- 
gen hineinsehen. Manche von den wichtigsten Fragen, 
wie die russische Anregung zur Einmischung in den 
Burenkrieg, sind in den vorhegenden Briefen nicht 
behandelt. Aber sie zeigen das Scheitern einer Poli- 
tik, die den schwersten Problemen gegenüber mit 

XXVI 



unzulänglichen Mitteln unternommen wurde. Sie 
zeigen den Kaiser nicht als poHtischen Führer der 
Nation, sondern erfüllt von unhaltbaren Gedanken über 
Herrscherberuf und internationale Politik, und sie zei- 
gen uns die Schwierigkeiten, unter denen die verant- 
wortlichen Stellen der Reichsregierung fortdauernd 
zu arbeiten hatten. Aber eines ergeben diese Briefe 
unzweifelhaft: mit Angriffsabsichten, mit der Vor- 
bereitung des Weltkriegs ist der Kaiser niemals be- 
schäftigt gewesen. Immer wieder ist die Sicherung 
des Friedens der beherrschende Gedanke. Daß er 
Deutschland und Rußland als Mittelpunkt des den 
Frieden sichernden Bundes sehen wollte, bedarf keiner 
Verteidigung. Denn er hatte deutsche, nicht franzö- 
sische oder enghsche Politik zu treiben. Daß er Ruß- 
land aus französischer und enghscher Umarmung zu 
befreien trachtete, war sein gutes Recht (so unzulängHcli 
seine Mittel waren), und der Gang der Dinge hat ja 
gezeigt, daß eben diese Umarmung zuletzt den Welt- 
krieg bedeutete. Daß der Kaiser diesen Krieg ver- 
meiden wollte, dafür sprechen diese Briefe, und das 
macht sie, so unerfreuHch vieles von ihrem Inhalt ist, 
zu geschichthchen Dokumenten, die wider unsere 
Feinde zeugen werden, solange es eine unparteiische 
Geschichtsforschung gibt. 



Zar Alexander III. war am i. November 1894 in Livadia 
verschieden; als Nikolaus II. hatte der Zarewitsch am gleichen 
Tage den Thron bestiegen. 



Neues Palais, 8. XI. 1894 

Mein lieber Nicky! 

Die schwere und verantwortungsvolle Aufgabe, für 
welche Dich die Vorsehung ausersehen hat, ist Dir 
durch den so unerwarteten und vorzeitigen Tod Deines 
lieben, tief betrauerten Vaters mit der Plötzlichkeit einer 
Überraschung zugefallen. Diese Zeilen sollen meine 
vollste und wärmste Sympathie mit Dir, Deiner Alix 
und Deiner armen gebeugten Mutter zum Ausdruck 
bringen. Ich kann die Gefühle wohl verstehen, die 
Dein Herz bewegt haben müssen, als Du mit ansahst, 
wie das Leben Deines Vaters versiegte; denn seine 
Krankheit und sein plötzlicher Hingang war dem 
meines eigenen teuren Papas so ähnlich, mit dessen 



Charakter und Herzensgüte der verstorbene Zar so- 
viel Ähnlichkeit hatte. Unaufhörlich bete ich zu Gott 
für Dich und Dein Glück. Möge Dich der Himmel 
in Deinem Schmerze trösten und Dir Kraft für Deine 
schweren Pfhchten verleihen, und möge eine lange 
und friedliche Regierung Dir Gelegenheit geben, nach 
dem Wohl Deiner Untertanen zu sehen. Die Teil- 
nahme und der echte Schmerz, der in meinem Lande 
über das vorzeitige Ende Deines tief beklagten Vaters 
herrscht, wird Dir bewiesen haben, wie stark der mon- 
archische Instinkt ist, und wie Deutscliland für Dich 
und Deine Untertanen empfindet. Wie früher wirst 
Du mich in unverminderter Freundschaft und Liebe 
zu Dir stets unverändert finden. Was unsere poli- 
tischen Ideale sind, wissen wir beide genau, und ich 
habe unserer letzten Unterredung in Berlin nichts 
hinzuzufügen. Ich kann nur den Ausdruck absoluten 
Vertrauens zu Dir wiederholen und die Versicherung, 
daß ich stets die alten Beziehungen gegenseitiger 
Freundschaft mit Deinem Hause pflegen werde, in 
der ich von meinem Großvater erzogen wurde; einige 
Proben davon konnte ich zu meiner Freude Deinem 
lieben Papa in den letzten sechs Monaten seiner Re- 
gierung geben, und sie sind, wie ich zu meiner Freude 
vernehme, von ihm voll gewürdigt worden. Ich wäre 
selbst gekommen, um mit Dir beim Leichenbegängnis 
zu beten, bin aber mit Regierungsfragen zu Hause 
so beschäftigt, daß es unmöglich ist. Heinrich wird 
meine Botschaften überbringen, General von Plessen, 



der Kommandant meines Hauptquartiers, Oberstleut- 
nant von Moltke, mein Flügeladjutant, und Dein alter 
Freund General von Villaume werden ihn an Bord 
seines Schiffes nach Kronstadt begleiten. Gleichzeitig 
wird auf dem Landwege Oberst von Sausin vom Kaiser- 
Alexander-Gardegrenadierregiment I sich bei Dir als 
dem neuen Regimentschef melden. Ich habe Deinem 
Husarenregiment Deinen Namen gegeben, worauf es 
ungeheuer stolz sein wird. Im erstgenannten Garde- 
regiment ist die Person des verstorbenen Zaren immer 
hoch verehrt worden, und am letzten Montag haben 
das ganze Offizierkorps und die vier Regimentsfahnen 
ihre Gebete mit den meinigen in der Kapelle der 
Russischen Botschaft in Berhn vereinigt. Nun leb' 
wolil, liebster Nicky, Gott segne und schütze Dich 
und die Hebe AHx und verleihe Euch Glück in Eurer 
jungen Ehe, dies ist der warme Wunsch 

Deines Dich liebenden und ergebenen 

Freundes und Vetters 
Wilhelm. 



II 



Graf Paul Schuwalow, der Jahre hindurch als russischer 
Botschafter am Berliner Hofe akkreditiert und sowohl dort 
als in der Berliner Gesellschaft ungemein beliebt war, kommt 
Ende 1894 wegen hohen Alters um seine Entlassung ein, 
die ihm von Nikolaus II. unter den schmeichelhaftesten Aus- 
drücken in einem Zarenreskripte gewährt wird. Kaiser 
Wilhelm II. möchte als Nachfolger des scheidenden Grafen 
Schuwalow den damaligen russischen Justizminister, Grafen 
von Pahlen, den damaligen Kommandierenden des Zarischen 
Hauptquartiers General von Richter oder Stael von Holstein 
sehen, der zu jener Zeit als russischer Botschafter am eng- 
lischen Hofe fungierte. In beiderseitigem Einverständnis 
wird schheßlich- Fürst Lobanow-Rostowsky, russischer Bot- 
schafter in Wien, zum Botschafter in Berlin ernannt, aber 
schon am 11. März 1895 zum russischen Minister des Aus- 
wärtigen berufen und durch den Grafen Osten-Sacken er- 
setzt, General von Schweinitz, der Jahre hindurch den 
Deutschen Kaiser am Petersburger Hofe vertreten hatte, 
wird gleichzeitig durch den bisherigen deutschen MiHtär- 
bevollmächtigten, General von Werder, eine in Petersburg 
ungemein populäre Persönlichkeit, ersetzt. 



Potsdam, 5. I. 1895 

Mein lieber Nicky! 

Dein freundlicher Brief, den mir Knorring über- 
brachte, enthielt sehr interessante, aber sehr traurige 
Nachrichten. Ich bin Dir für Deine Darstellung sehr 
dankbar und verstehe vollständig die Gründe, die Dich 
zu Deiner Entscheidung über den Grafen Schuwalov^^ 
veranlassen. Gleichzeitig kann ich Dir versichern, daß 
ich über den Verlust des trefflichen Paul sehr betrübt 
bin; er war der einzige Botschafter in Berlin, mit 
dem ich auf wirklich vertrautem Fuße gestanden habe 
und der mir ein „ami intime" war, soweit ein Nicht- 
deutscher auf diesen Namen Anspruch haben kann. 
Er wird mir wirklich sehr fehlen. Er verdient durch- 
aus die Lobsprüche, die Du ihm in Deinem Reskript 
gegeben hast, und die engen und intimen Beziehungen 
unserer Hpfe und Völker waren bei niemand in 
besseren Händen. Ich hoffe und vertraue, daß die 
Persönlichkeit, die Du zu seinem Nachfolger wählen 
wirst, fähig sein wird, ihre Tätigkeit in derselben 
Weise und mit derselben Aufrichtigkeit und Offen- 
heit des Charakters wie Schuwalow fortzusetzen, da 
die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern 
auf traditionellen Grundlagen ruhen, ganz anders als 
die mit anderen Nationen, und von ausschlaggebendem 
Einfluß auf die ganze Welt sind. Auf den ausdrück- 
lichen Wunsch Deines Vaters habe ich Schweinitz 



durch Werder ersetzt; wenn ich gleichzeitig einen 
Wunsch ausdrücken darf, so wäre es der, daß Du ent- 
weder Pahlen, Richter oder Stahl [sie], wenn möglich, 
als Nachfolger wählst. 

Nun möchte ich Dir ein glückliches neues Jahr an 
der Seite des lieben Engels Alix wünschen, möge es 
ein Jahr des Glücks und des *Wohlseins sein. Mein 
Weihnachtsgeschenk wird Dich hoffentlich erfreuen, 
es ist ein Album mit Photographien von der Berliner 
Fahnenweihe. 

In der Hoffnung, daß wir uns dieses Jahr irgendwo 
treffen werden, 

verbleibe ich 

Dein Dich herzlich liebender Freund 

Willy. 



in 



Der russische Minister des Auswärtigen, von Giers, war 
am 26. Januar gestorben. — Nachdem Casimir Perier Mitte 
Januar 1895 sein Amt niedergelegt hatte, wird zwei Tage 
darauf FeHx Faure zum Präsidenten der Französischen Re- 
pubHk gewählt. Am 28. Januar genehmigt die französische 
Kammer ein Amnestiegesetz für politische Verbrechen und 
Vergehen. — Im deutschen Reichstage steht die sogenannte 
„Umsturzvorlage" zur Debatte, die später, am II. Mai, 
abgelehnt wird. — Im britischen Parlament kämpfen der 
Premierminister Lord Rosebery und der Schatzsekretär Sir 
William Harcourt gegen eine starke Opposition. — Die 
Rede, die der Zar am 29. Januar vor Deputationen des 
Adels, der Städte und der Kosaken gehalten hatte, lehnte 
jede Änderung der Autokratie al^ „absurd'* ab. 



Berlin, 7. II. 1895 

Liebster Nicky! 

Egloffstein wird, wie ich hoffe, Dir den ganzen 
Haufen Porzellan ohne Schaden überbringen können. 
Er ist angewiesen, den Tisch so zu decken, wie 



er aussähe, wenn Du ein Diner für fünfzig gäbest, 
sodaß Du das Ganze in Augenschein nehmen 
kannst. Ich hoffe, daß meine Manufaktur alles 
getan hat, um Deine Wünsche zu erfüllen, und 
daß das Geschenk für Euch beide nützlich sein 
wird. 

Seitdem die traurigen Wochen, die Du zu durch- 
leben hattest, verflossen sind, hat sich in Europa viel 
ereignet. Du hast einen trefflichen alten Diener Deiner 
Vorgänger, den alten Giers, verloren; er war ein sehr 
guter Mensch, für den ich viel Achtung empfand. 
Frankreich hat überraschenderweise sein Staatsober- 
haupt und seine Regierung gewechselt und durch eine 
Amnestie die Türen allen den schhmmsten Übeltätern 
geöffnet, die die früheren Leute unter großer Schwie- 
rigkeit haben einsperren lassen. Der Impuls, der da- 
durch den Demokraten und der revolutionären Partei 
gegeben wurde, ist auch hier .fühlbar. Mein Reichs- 
tag führt sich so schlecht wie nur möglich auf; er 
schwingt vorwärts und rückwärts zwischen den Sozia- 
listen, die von den Juden angetrieben werden, und 
den ultramontanen KathoHken; beide Parteien sind, 
soweit ich sehen kann, bald reif, samt und sonders 
gehenkt zu werden. 

In England wankt das Ministerium unter allgemei- 
nem Hohngelächter seinem Sturze zu! Kurz, überall 
wird das ,, principe de la Monarchie'* sich stark zeigen 
müssen. Ich freue mich deshalb über die ausgezeich- 
nete Rede, die Du neulich vor den Deputationen in 



Beantwortung einiger Reformwünsche gehalten hast. 
Sie war sehr treffsicher und hat überall einen großen 
Eindruck gemacht. 

Zur Eröffnung unseres Kanals Ende Juni habe ich 
alle europäischen Regierungen eingeladen, Kriegsschiffe 
nach Kiel zu senden. Ich hoffe, auch Deine Flotte 
wird durch ein oder zwei Schiffe vertreten sein? 

Mit ehrerbietigem Gruß an Deine Mamy und vielen 
Grüßen an Alix verbleibe ich 

Dein Dich herzlich liebender Freund 
Willy. 



IV 



General von Werder wird nach kurzer Zeit aus Peters- 
burg abberufen und durch den Fürsten RadoHn ersetzt. — 
Nach dem Friedenvertrag von Shimonoseki bekundet die 
gesamte russische Presse eine starke Beunruhigung wegen 
der japanischen territorialen Ausdehnung, gibt aber gleich- 
zeitig ihrer Zufriedenheit über das russisch-deutsch-fran- 
zösische Einverständnis in der japanischen Frage Ausdruck. 
— Die Erregung in Norwegen kam von der schwedisch- 
norwegischen Spannung, die schließlich zur Trennung der 
beiden Länder führte. — Der Kaiser befand sich damals 
zur Jagd im badischen Schwarzwald. 



Kaltenbronn, Schwarzwald, 26. IV. 1895 

Liebster Nicky! 

Da Fürst Radolin demnächst nach Petersburg ab- 
reist, sende ich Dir diese Zeilen durch ihn. Er ist ein 
trefflicher, mir nahestehender Freund, der sich erprobt 
hat bei der schweren Aufgabe, die ihm zugefallen war, 
als er Papas Chef des Haushalts während dessen kurzer 
Regierungszeit war. Er hat sich jedem Versuch einer 

10 



Intrige, von welcher Seite auch immer, hartnäckig 
widersetzt. Du kannst ihm voll und unbedingt ver- 
trauen, seine Diskretion ist sprichwörtKch, und er brennt 
darauf, alles in seinen Kräften Stehende zu tun, um uns 
beide zufriedenzustellen und die traditionellen Bande 
enger zu gestalten, die unsere Familien und Länder 
seit beinahe einem Jahrhundert verknüpfen. Er haßt 
die Polen und will mit ihnen nichts mehr zu tun 
haben, noch hat er ein größeres Interesse an ihnen als 
an den Sandwichinsulanern: 

Ich danke Dir aufrichtig für die ausgezeichnete Art, 
in der Du die kombinierte Aktion Europas zur Wah- 
rung seiner Interessen gegen Japan in die Wege ge- 
leitet hast. Es war hohe Zeit, daß energische Schritte 
getan vnirden, und es wird in Japan und anderswo 
einen ausgezeichneten Eindruck machen. Es zeigt sich 
klipp und klar, wie notwendig es ist, daß wir zusammen- 
halten, und auch daß es eine gemeinsame Interessen- 
grundlage gibt, auf welcher alle europäischen Nationen 
ge meinsa m für die Wohlfahrt Aller vorgehen können, 
wie auch aus dem Festhalten Frankreichs an uns beiden 
hervorgeht. Möge die Überzeugung, daß dies ge- 
schehen kann, ohne die Ehre einer Nation zu ver- 
letzen, immer fester Wurzeln fassen; dann wird uns 
zweifellos die Kriegsfurcht in Europa immer mehr 
dahinschwinden. Die freundlichen und höchst wert- 
vollen Botschaften, die Du mir durch Osten-Sacken 
durch Vermittlung des Grafen Eulenburg in Wien 
übersandt hast, haben mir einen deuthchen Beweis 



II 



Deiner Loyalität und Offenheit mir gegenüber ge- 
geben. Ich werde sicherlich alles tun, was in meiner 
Macht steht, um Europa ruhig zu halten, und auch 
den Rücken Rußlands decken, so daß niemand Deine 
Aktion in der Richtung des Fernen Ostens behindern 
wird. Denn dies ist offenbar in Zukunft die große 
Aufgabe für Rußland, seine Aufmerksamkeit dem asia- 
tischen Kontinent zuzuwenden und Europa gegen die 
Eingriffe der großen gelben Rasse zu verteidigen. Darin 
wirst Du mich immer an Deiner Seite finden, bereit, 
Dir nach besten Kräften zu helfen. Du hast den Ruf 
der Vorsehung wohl verstanden und die Bedeutung 
des Augenblicks schnell erfaßt; dies ist von ungeheurem 
politischen und historischen Wert und wird viel Gutes 
zur Folge haben. Ich werde der weiteren Entwicklung 
unserer Aktion mit Interesse entgegensehen und hoffe, 
— ebenso vde ich Dir mit Freuden helfen werde, die 
Frage einer etwaigen Annektion von Gebietsteilen für 
Rußland zu lösen — , Du wirst gütigst darauf sehen, 
daß Deutschland ebenfalls irgendwo, wo es Dich nicht 
geniert, einen Hafen zu erwerben vermag*. Ich fürchte, 
da die Norweger in einer an Irrsinn grenzenden Ver- 
fassung sind, wird es mir nicht möglich sein, meine 
Sommerreise dorthin zu machen, sondern ich werde 
an der Ostseeküste Schwedens herumkreuzen müssen. 
Sollte dies der Fall sein, könnten wir nicht irgendwo, 
wo es Dir paßt, mit unseren beiden Jachten zusammen- 

• Vgl. hierzu die Denkwürdigkeiten des Fürsten Chlodwig 
zu Hohenlohe-SchiUingsfürst, II S. 521. 



12 



kommen und eine ruhige kleine Plauderstunde unter 
uns haben ? Es wäre sehr nett. 

Leb' wohl, liebster Nicky, meine besten Grüße an 
Alix und respektvolle Empfehlungen an Deine Mama 
von Deinem 

stets ergebenen und Dich liebenden Freund 
Willy. 

P. S. Radolin ist in alle meine Ideen, die ich Dir 
eben entwickelt habe, ganz eingeweiht. 



13 



V 



Zu der feierlichen Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals 
hatte Nikolaus II. ein Geschwader unter dem Oberbefehl des 
Großfürsten Alexei Alexandrowitsch nach Kiel entsandt. — 
Dem peinlichen Zwischenfall mit dem russischen Obersten 
Bubnow wurde damals um so größeres Gewicht beigelegt, 
als, ^vie sich bald herausstellte, der russische Admiral Skryd- 
low es selber gewesen war, der auf Wunsch des russischen 
Admiralstabes, aber ohne Wissen des russischen Ministeriums 
des Auswärtigen, und selbst des „General -Admirals", des 
Großfürsten Alexe], die beiden russischen Genie-Offiziere 
an Bord des Hochseetorpedobootes „Grosjaschtschi" ein- 
geschifft hatte. 



Stora Sundby, lo. VII. 1895 

Liebster Nicky! 

Meine Reise nach Schweden und seinen Küsten 
entlang bringt mich Deinen Küsten gegenüber und 
Deinem buen retiro, und ich kann diese Gelegenheit, 
da ich nur eine kurze Kreuzerfahrt von Dir entfernt 
bin, nicht vorübergehen lassen, ohne Dir eine Zeile 

14 



zu schreiben, da ich leider nicht in der Lage sein werde, 
mit Dir auf See zusammenzukommen. Ich möchte Dir 
nochmals von ganzem Herzen dafür danken, daß Du 
Deine herrlichen Schiffe geschickt hast, die die russische 
Flotte so würdig und so machtvoll in Kiel vertreten 
haben. Alexei war die Freundlichkeit und die Liebens- 
würdigkeit selbst und tat alles, was in seinen Kräften 
stand, den Verkehr mit unseren rassischen Kameraden 
so schön wie möglich zu gestalten. Deine gütige Er- 
laubnis, ihn ä la Suite unserer Flotte zu stellen, hat 
meine Offiziere sehr stolz gemacht und anscheinend 
auch ihm viel Vergnügen bereitet. Ich hatte Gelegen- 
heit, mit Alexei und auch mit seinem lieben alten 
Baron Schilhng, einem sehr guten Freunde meines 
Großvaters, ein ernstes Wort über ostasiatische An- 
gelegenheiten zu sprechen. Alexei wird Dir vermut-^ 
Hch schon darüber berichtet haben. Ich habe mich 
gefreut, ihm darlegen zu können, wie eng unsere 
Interessen im Fernen Osten miteinander verknüpft 
sind; daß meine Schiffe Ordre hatten, die Deinigen 
im Notfalle zu unterstützen, wenn die Dinge ernst 
würden; daß Europa Dir dafür danken müsse, daß Du 
die große Zukunftsfrage so schnell erfaßt hast, die für 
Rußland darin Hegt, seine Aufmerksamkeit Asien zu- 
zuwenden, und das Kreuz und die alte christHch- 
europäische Kultur gegen Eingriffe der Mongolen und 
des Buddhismus zu verteidigen; daß Du, wenn Rußland 
mit dieser riesigen Aufgabe beschäftigt sei, natürlicher- 
weise den Wunsch hättest, in Europa Ruhe und 



15 



Deinen Rücken frei zu haben, und daß natürlicherweise 
und ohne Zweifel dies meine Aufgabe sei, und daß 
ich niemandem den Versuch erlauben würde, sich in 
Deine Sache einzumischen und Dich in Europa 
von rückwärts anzugreifen, während der Zeit, da Du 
die große Mission erfüllst, die der Himmel Dir vor- 
gezeichnet hat. Das sei so sicher wie das Amen in der 
Kirche! Einen Zwischenfall, der sich zugetragen hat, 
muß ich Dir erzählen. Ich bin überzeugt, daß es ohne 
Wissen Alexeis geschehen ist ; da es aber unter unseren 
Offizieren bekannt \'v'urde, hat es einen sehr peinlichen 
Eindruck gemacht. An Bord des „Grosjaschtschi" 
— des Schiffes, auf welchem ich den Admiral Skrydlow 
und seine Kapitäne eingeladen habe, den Kanal 
zu passieren — sind zwei Marineingenieure, die unseren 
Behörden nicht gemeldet v/orden waren, heimlich ein- 
geschifft worden. Der ältere war Oberst Bubnow. 
Diese haben, zusammen mit einem für den Zweck 
besonders ausgebildeten Leutnant, der einen großen 
Apparat mitführte, photographische Aufnahmen un- 
serer Forts und Batterien, ferner auf dem ganzen Weg 
Notizen und Skizzen gemacht; und wurden schließ- 
lich — als Skrydlow sah, daß mein Marine-Attache 
erstaunt war, ganz fremde Leute auf dem Schiff zu 
sehen, ihm als zwei Direktoren der Wasserwerke und 
Wasserwege vorgestellt. In Kiel waifde das Benehmen 
Bubnows so „suspecte", daß Polizisten und Gendarmen 
ihm folgten. Er ging im Zivilanzug und trieb sich in 
der Nähe der Festungswerke herum, was Fremden 

i6 



streng verboten war! Ich meine nun, dies ist nicht ganz 
fair: wenn man als Gast bei einer solchen Festlichkeit 
in einem fremden Lande eingeladen ist, das einem seine 
Tore ohne Vorbehalt öffnet und einem den Zutritt zu 
seinem Kriegshafen gestattet, derart die Gastfreund- 
schaft zu mißbrauchen, daß man versucht, beim Freund 
zu spionieren, noch dazu in einer Verkleidung ! In- 
folgedessen wird man russischen Kriegsschiffen bei uns 
mit großer Vorsicht begegnen und hat unbehagUche 
Empfindungen, die ich sehr beklage und zu überwinden 
hoffe. Entschuldige, bitte, daß ich dies zur Sprache 
gebracht habe, ich hielt es aber für besser, es Dir direkt 
mitzuteilen, anstatt diplomatische Noten usw. abzu- 
fassen, da Du doch weißt, welche Gefühle ich für Dich 
und Rußland hege. Ich wünsche, j'ede Schwierigkeit, 
die sich der Aufgabe, unsere Länder enger aneinander 
zu fesseln, entgegenstellen könnte, beseitigt zu sehen, 
ehe sie Wurzel faßt. 

. Lebe wohl, liebster Nicky, meine besten Grüße an 
Alix und Dich; ich wünsche Euch einen ruhigen Som- 
mer und daß Ihr einen hübschen kleinen Jungen be- 
kommt. 

Stets Dein Dich liebender 

Freund und Vetter 

Willy. 



17 



VI 



Der deutsche Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe hatte 
im September drei Tage hauptsächlich in Privatangelegen- 
heiten in Petersburg geweilt. — Den französischen Manö- 
vern hatten der russische Minister des Auswärtigen Fürst 
Lobanow und der Chef des Kiewer Militärbezirks General 
Dragomirow in amtUcher Eigenschaft beigewohnt; beide 
erhielten das Großkreuz der Ehrenlegion und wurden in 
auffallender Weise gefeiert. 



Jagdhaus Rominten, 26. IX. 1895 

Liebster Nicky! 

Mein Oheim, der Kanzler, hat sich über die gütige, 
sympathische Art geäußert, w^ie Du ihn empfangen 
hast, und gestanden, Du habest ihn durch Dein Wesen 
ganz gewonnen; Deine Kenntnis der politischen Lage 
und die ruhige, stille Art, mit der Du die Interessen- 
frage beurteilt hast, hat einen tiefen Eindruck auf ihn 
gemacht. Er berichtete mir auch. Du habest den 
Wunsch geäußert, ich möchte den Brauch, den wir 
aufgenommen haben, fortsetzen: Dir zu schreiben, so 

18 



oft ich einen Anlaß dazu erblicke. Ich tue dies mit Ver- 
gnügen. Die Lage im Fernen Osten hat Dich veranlaßt, 
sie mit meinem Oheim zu besprechen; ich danke Dir 
für die Art, in der Du auf mein Zusammenwirken mit 
Rußland in der Frage der Kohlenstation hingewiesen 
hast. Die Entwicklung im Fernen Osten, besonders die 
von dort kommende Gefahr für Europa und unseren 
christlichen Glauben, ist eine Angelegenheit, die mir 
stets sehr am Herzen gelegen hat, seitdem wir unseren 
ersten Schritt im Frühjahr gemeinschaftlich unter- 
nommen haben. Meine Gedanken yerdichteten sich 
schließlich zu einer bestimmten Form, und ich habe 
diese zu Papier gebracht. Ich habe die Skizze mit 
einem Künstler — einem Zeichner ersten Ranges — aus- 
gearbeitet und, nachdem sie fertig war, für die Öffent- 
lichkeit eine Radierung herstellen lassen. Sie zeigt die 
europäischen Mächte, jede durch ihren Genius ver- 
treten, zusammengerufen durch den vom Himmel ge- 
sandten Erzengel Michael, wie sie sich im Widerstände 
gegen das Eingreifen des Buddhismus, des Heidentums 
und der Barbarei zur Verteidigung des Kreuzes ver- 
einigen. Besonderer Nachdruck ist auf den vereinig- 
ten Widerstand aller europäischen Mächte gelegt, der 
ebenso notwendig ist gegen unsere gemeinsamen in- 
neren Feinde: Anarchismus, RepubHkanismus, Nihilis- 
mus. Ich bin so frei. Dir ein Blatt zu schicken mit der 
Bitte, es als ein Zeichen meiner warmen, aufrichtigen 
Freundschaft für Dich und Rußland entgegenzu- 
nehmen. Mitten in diese friedhche Tätigkeit und das 



19 



ruhige Jagdvergnügen fiel die erstaunliche Nachricht, 
die ich aus Paris erhielt, daß das Budgetkomitee der 
französischen Deputiertenkammer bei der Debatte über 
das Militärbudget beantragt hat, das XIX. Korps 
(Algier und Tunis) heimzuberufen und ein neues 
kontinentales Korps an meiner Westgrenze zu bil- 
den. Diese Abberufung ist nur einmal zuvor erfolgt, 
im Jahre 1870, als Frankreich mit uns Krieg führte. 
Ein solches Projekt im tiefsten Frieden hat Deutsch- 
land w^ie ein Donnerschlag getroffen und ein tiefes Ge- 
fühl der Beunruhigung hervorgerufen. Dieses ist noch 
mehr vertieft worden durch die Tatsache, daß dieser 
Antrag öffentlich bekannt woirde im Augenbhck, als 
Fürst Lobanow und General Dragomirow offiziell der 
Revue der französischen „Grenzarmee" an der loth- 
ringischen Grenze unter dem frenetischen Jubel der 
Grenzbevölkerung beigewohnt hatten. Diese Armee 
ist, wie die französischen Zeitungen uns seit Wochen 
erzählen, für den ersten Vorstoß auf unser „Grenzland" 
im Revanchekrieg bestimmt. Es ist schon vier Korps 
stark gegen meine zwei (XV., XVI.). Das in Aussicht 
genommene neue Korps würde die ohnehin überstarken 
französischen Streitkräfte auf fünf Korps erhöhen und 
bildet eine Bedrohung sowie eine ernstliche Gefahr für 
mein Land. Natürlich muß ich daraufhin jetzt an- 
fangen, die Sache ernst zu nehmen. Denn dieses Er- 
eignis, das sich in dem Augenbhck vollzieht, da Deine 
Offiziere dekoriert werden und Lobanow gefeiert wird, 
während meinem Attache nicht übermäßig freundHche 



20 



Bemerkungen zu Ohren kommen, hat hier dem Volk 
Unruhe verursacht und den Dingen ein häßliches Aus- 
sehen verHehen, als ob es Rußland lieb wäre, wenn 
Frankreich offensiv gegen Deutschland vorginge, mit 
der Hoffnung auf Hilfe von erstgenanntem. Eine so 
ernste Gefahr wird mich veranlassen, meine Armee 
stark zu vermehren, damit ich in der Lage bin, es mit 
einem so schreckHchen Übergewicht aufzunehmen. So 
schwer uns auch die finanzielle Last bedrücken würde, 
mein Volk würde nicht einen AugenbHck zögern, Ge- 
währ für seine Sicherheit zu leisten, falls dies notwen- 
dig werden sollte. Ich weiß genau, daß Du persönHch 
nicht im Traume daran denkst, uns anzugreifen. Du 
darfst Dich aber nicht woindern, wenn die europäischen 
Mächte darüber beunruhigt sind, daß die Anwesen- 
heit Deiner Offiziere und hohen Beamten in amt- 
licher Eigenschaft in Frankreich die leicht ent- 
zündHchen Franzosen zur Weißglühhitze entfacht und 
die Sache des Chauvinismus und der Revanche kräftigt^. 
Gott weiß, daß ich alles, was in meiner Macht liegt, 
getan habe, um den europäischen Frieden aufrecht zu 
erhalten; aber wenn Frankreich, offen oder heimhch 
auf diese Art ermutigt, weiter mitten im Frieden alle 
Regeln internationaler Höflichkeit und des Friedens 
verletzt, dann wirst Du Dich, mein liebster Nicky, 
eines schönen Tages nolens volens plötzHch in den 
■ schreckHchsten Krieg verwickelt sehen, den Europa 
je erlebt hat, — einen Krieg, für den die Massen 
und die Geschichte vielleicht Dich als den Urheber 



21 



verantwortlich machen werden. Bitte, sei nicht ärger 
lieh, w^enn ich Dich vielleicht ganz unabsichtlich ver- 
letze, aber ich halte es für meine Pflicht gegenüber 
unseren beiden Ländern und gegenüber Dir als meinem 
Freunde, offen zu schreiben, da die Abgeschlossenheit 
und Zurückgezogenheit, welche Dir durch die tiefe 
Trauer auferlegt sind, es Dir unmöghch machen, unter 
Menschen zu gehen und im einzelnen dem zu folgen, 
was sich — hinter den Kulissen — abspielt. 

Ich habe einige Erfahrung in der Politik und sehe 
gewisse unverkennbare Anzeichen, deshalb eile ich zu 
Dir, mein Freund, um im Namen des europäischen 
Friedens ernstlich zu mahnen ; wenn Du auf Gedeih und 
Verderb mit den Franzosen verbündet bist, gut, dann 
rufe diese verdammten Schufte zur Ordnung und heiße 
sie stillsitzen; wenn nicht, dann lasse Deine Leute, die 
nach Frankreich gehen, den Franzosen nicht den Glau- 
ben beibringen. Du seist ihr Verbündeter, lasse sie nicht 
rücksichtslos werden und ihnen die Köpfe verdrehen, 
bis sie sie verlieren, und wir dann in Europa, anstatt 
für Europa gegen den Osten kämpfen müssen! Denke 
an die furchtbare Verantwortung für das entsetzliche 
Blutvergießen! Nun lebe wohl, liebster Nicky, meine 
besten Grüße an die liebe Alix. Ich bin wie immer 
Dein ergebenster und aufrichtiger 

Freund und Vetter 
Willy 
LR. 



22 



VII 



Den grotesken Plan eines Massenmords der deutschen 
kaiserlichen Familie soll der durch und durch deutsch- 
feindhche General Skobelew gelegentlich eines übermäßig 
alkoholgeschwängerten Symposions in Paris, an dem die 
Spitzen der französischen mihtärischen und ziviHstischen 
Revanchemänner teilnahmen, tatsächlich aufgestellt haben. 
Skobelew selbst hat dies später übrigens rundweg abgeleug- 
net. — Schon Anfang Mai 1895 hatten die Botschafter Eng- 
lands, Frankreichs und Rußlands in Konstantinopel Reformen 
für Armenien gefordert. Die Pforte lehnte die ihr gemachten 
Vorschläge ab unter der Motivierung, es seien keinerlei Ver- 
änderungen für „irgend einen Teil der Untertanen des 
Sultans" erforderlich. Nachdem am 6. Juni ein britisches 
Geschwader vor Beirut erschienen war, nahm am 14. Juni 
die Pforte die Reformvorschläge an. Am 30. September 
begannen in Konstantinopel armenische Tumulte. Im 
Straßenkampfe zwischen Armenieren und türkischen Trup- 
pen wurden Hunderte von Armenieren getötet. Anfang 
Oktober erfolgten ähnhche Metzeleien in Kleinasien. Am 
17. Oktober kam es zu einer abermaHgen „Verständigung" 
zwischen der Pforte und den Botschaftern Englands, Frank- 
reichs und Rußlands über die armenische Frage. 



23 



Neues Palais, Potsdam, 25. X. 1895 
Liebster Nicky! 

Die mit Freuden begrüßte, unerwartete Ankunft 
Onkel Michas, der eben bei uns frühstückte, gibt mir 
eine angenehme Gelegenheit, Dir warm für Deinen 
freundlichen, von Moltke mitgebrachten Brief zu 
danken. Er ist noch ganz erfüllt von all Deiner Güte 
und hingerissen von Deiner ganzen Persönlichkeit und 
Deinem Wesen. Deine Ansichten über die Presse im 
allgemeinen sind genau dieselben wie die meinigen. Sie 
hat viel Schaden getan und tut es noch dauernd, und 
wir müssen sehr viel Tücke, Lüge und Unsinn ertragen, 
doch der Einfluß, den sie horribile dictu hat, muß nach 
dem Volksgeist der verschiedenen Rassen, in dem sie 
erzogen werden, und in dem sie die Zeitungen lesen, 
beurteilt werden. Deine und meine Untertanen sind 
langsamer im Denken, nüchterner und ruhiger in ihren 
Urteilen als z. B. die südlichen Völker oder die Fran- 
zosen. Die romanische und gallische Rasse sind leichter 
zu erregen, schneller bereit, Schlüsse zu ziehen, und, 
wenn sie erst eimnal in Flammen stehen, dem Frieden 
gefährhcher als die teutonische und russische Rasse. In 
England wiederum ist die Presse mehr das Mundstück 
der öffentHchen Meinung als auf dem Kontinent und 
tritt mehr für die Interessen ihres Landes ein. 

Lobanows Besuch war mir höchst interessant, er ist 
zweifellos ein sehr fähiger Diplomat und ein glänzender 



24 



Causeur, und- was er mir erzählte, war „sehr beruhi- 
gend" in bezug auf Frankreich. Ich hielt es für richtig, 
ganz offen über Frankreich mit ihm zu sprechen, denn 
er sagte mir. Du hättest ihn in Kenntnis gesetzt. In 
einer Hinsicht habe ich mich bemüht, ihm zu zeigen, 
daß ich nicht mißverstanden sein möchte. Daß es nicht 
eine Tatsache des „Rapports" oder der Freundschaft 
zwischen Rußland und Frankreich ist, die beunruhigend 
wirkt — jeder Herrscher ist der alleinige Lenker der 
Interessen seines Landes und gestaltet seine Politik 
demgemäß — sondern die Gefahr, die unserem Prinzip 
des Monarchismus dadurch droht, daß die Republik in 
der Form, wie sich die Freundschaft zeigt, auf ein 
Piedestal gehoben wird. Das beständige Erscheinen 
von Fürsten, Großfürsten, Staatsmännern, Generälen 
in „vollem Wichs" bei Revuen, Beisetzungen, Diners, 
Rennen, zusammen mit dem Haupt der Repubhk oder 
in seiner Umgebung macht die Republikaner — als 
solche — glauben, sie seien ganz ehrbare, ausgezeich- 
nete Leute, bei denen Fürsten verkehren und sich zu 
Hause fühlen können. Was ist nun die Folge zu Hause 
in unseren verschiedenen Ländern, wo die Republi- 
kaner Revolutionäre de natura sind und — mit Recht — 
behandelt werden als Leute, die erschossen oder ge- 
hängt werden müssen? Sie sagen unseren anderen 
'loyalen Untertanen: „Ach, wir sind gar keine gefähr- 
lichen, schlechten Menschen, blickt doch nach Frank- 
reich! Da seht ihr die Royalisten in bester Eintracht 
mit den Revolutionären! Warum sollte es bei uns nicht 



25 



ebenso sein ?" Die R. F. ist aus der großen Revolution 
entstanden, propagiert deren Ideen und ist dazu ver- 
pflichtet, das zu tun. Vergiß nicht: Faure sitzt — ohne 
persönliches Verschulden — auf dem Throne des fran- 
zösischen Königspaares „von Gottes Gnaden", dessen 
Häupter französische Republikaner abgeschlagen haben. 
Das Blut der Majestäten liegt noch auf diesem Lande! 
Sieh es an, ist es seitdem wieder glückhch oder ruhig 
gewesen ? Ist es nicht von Blutvergießen zu Blutver- 
gießen getaumelt ? Und ist es nicht in seinen großen 
Momenten von Krieg zu Krieg gezogen ? Bis es ganz 
Europa und Rußland in Ströme Blutes tauchte, bis es 
zuletzt noch die Kommune über sich hatte ? Nicky, 
nimm mein Wort darauf, der Fluch Gottes hat dieses 
Volk für immer getroffen. Uns christlichen Königen 
und Kaisern ist die eine heilige Pfhcht vom Himmel 
auferlegt, den Grundsatz „von Gottes Gnaden" auf- 
rechtzuerhalten. Wir können gute Beziehungen zur 
R. F. unterhalten-, aber niemals intim mit ihr sein. Ich 
fürchte immer, daß Leute bei häufigen und langen Be- 
suchen in Frankreich, ohne es zu fühlen, repubhka- 
nische Ideen einsaugen. Hier muß ich Dir ein Bei- 
spiel erzählen. Ich erinnere mich, ein Herr — kein 
Deutscher — erzählte mir vor einigen Jahren voll 
Schrecken, daß er, als er in einem eleganten Salon in 
Paris war, einen russischen General einem franzö- 
sischen auf seine Frage, ob Rußland die deutsche Armee 
zerschmettern werde, antworten hörte: „Oh, nous 
serons battus ä plate couture, mais qu'est-ce que ga 

26 



f ait ? Nous aurons alors aussi la Republique!" Das ist 
es, was ich für Dich fürchte, mein Heber Nicky! Ver- 
giß nicht Skobelew und seinen Plan, den er einmal bei 
einem Diner geäußert hat, er werde die Kaiserliche 
Familie um die Ecke bringen. Sorge deswegen dafür, 
daß Deine Generäle die R. F. nicht zu gern haben. 
Verzeih' mir bitte, daß ich so offen bin, aber ich möchte 
Dir zeigen, wie warm ich für Dich fühle und wie be- 
sorgt ich Deinetwegen bin, und Du sollst meine Mo- 
tive vollkommen sehen. 

Der nächste Punkt von Interesse war, was Lobanow 
mir über die Türkei erzählte; daß er Grund hätte, zu 
argwöhnen, England wäre hinter den Dardanellen her 
und hätte deswegen die armenische Frage wieder auf- 
gerührt. Ich bekenne, ich war über diese Neuigkeit 
äußerst verdutzt. Ohne Zweifel ist Englands äußere 
Politik seit Salisbury avenement höchst geheimnisvoll 
und unverständlich geworden, und die seltsame Art, 
wie die Flotte bei den Dardanellen herumschleicht, 
zeigt, daß da etwas vorgeht. Aber wenn sie es tun, ver- 
letzen sie den Berliner Vertrag, und sie dürfen es nicht, 
ohne die Erlaubnis aller anderen Signatar-Mächte. Und 
diese werden sie niemals geben. Aber es scheint, sie 
haben diese oder jene Idee, ihre Politik im Mittelmeer 
zu ändern. Denn vor zwei Tagen gebrauchte Malet 
bei seinem Abschiedsbesuch in unserem Auswärtigen 
Amt ziemlich polternde Ausdrücke über Deutschland, 
das sich England gegenüber in Afrika schlecht benehme, 
daß man es sich nicht länger gefallen lassen werde und 



27 



daß es England, nachdem es die Franzosen durch Kon- 
zessionen in Ägypten abgefunden hätte, frei stehe, auf 
uns acht zu geben. Er war sogar so undiplomatisch, das 
Wort „Krieg" auszusprechen, indem er sagte, daß Eng- 
land selbst vor einem Kriege mit mir nicht zurück- 
schrecken würde, wenn wir nicht in Afrika klein bei- 
geben. Ich habe darauf geantwortet, daß'die Engländer 
in diesem Falle sich selbst lächerlich machen würden, 
aber aller Welt verhaßt, und wenn sie mit irgend 
jemand sonst Scherereien hätten, würde ich nicht 
einen pommerschen Grenadier zu ihrer Hilfe in Be- 
wegung setzen. Ich nehme an, das wird sie abkühlen. 
Ich habe dasselbe Lobanow gesagt. Ich sagte ihm 
außerdem, daß ich, wenn Rußland im Fernen Osten 
ernstlich in Anspruch genommen sein würde, es als 
meine Pfhcht ansähe. Dir den Rücken frei zu halten 
gegen irgend jemand in Europa und darauf zu sehen, 
daß alles ruhig bleibt, und daß nichts von meiner Seite 
aus gegen Frankreich geschehen würde, vorausgesetzt, 
daß man mich nicht angriffe. Er dankte mir warm da- 
für. Ich teile seine Befürchtung, daß Japan eine Art 
Übereinkommen mit England hat, und daß es darum 
so dickköpfig ist. 

Bevor ich schließe, laß mich Dir meine herzHchste 
Teilnahme ausdrücken, denn der i. November rückt 
heran. Gott allein kann die quälenden Schmerzen Hn- 
dern, die Dein Herz zerreißen werden, das einen so 
freundHchen Vater und ausgezeichneten und guten 
Menschen betrauert, so ähnhch meinem armen Papa. 

28 



Darf ich Dir etwas vorschlagen, was ich auf dem Herzen 
habe r Möchtest Du mit Rücksicht auf unsere engen 
Beziehungen und unseren beständigen Brief- und Nach- 
richtenwechsel, der unnötigerweise immer unsere Ge- 
sandtschaftsmaschinen in Bewegung setzt, nicht lieber 
die alte Sitte, die unsere Vorväter fast ein Jahrhundert 
lang pflegten, erneuern und einen persönlichen Ad- 
jutanten, der unsren Stäben anzugliedern w^äre, ernen- 
nen ? Die mehr privaten und „intimen" Angelegen- 
heiten könnten' wde in alten Zeiten direkt durch diese 
gehen, was die Sache viel einfacher machen würde. Ich 
werde mit Vergnügen irgend jemand, dem Du wahrhaft 
vertraust, in meine Maison militaire nehmen. Möch- 
test Du Moltke haben ? Nun darf ich Dich nicht länger 
behelHgen. Leb' wohl, liebster Nicky, meine besten 
Grüße an Alix und den „Zukünftigen". 

Stetä Dein 

Dir ganz ergebener 

und Dich Hebender Freund und Vetter 

Willy. 



29 



VIII 



Ende Dezember 1895 erfolgte der „Raid" des Dr. Jame- 
son aus der Kapkolonie in die Transvaal-Republik, der 
aber schon am 2. Januar mit der Gefangennahme Jame- 
sons und seiner Gefolgschaft endete. Der Präsident der 
Burenrepublik Krüger rief die Konsuln Deutschlands und 
Frankreichs um Hilfe an. Eine deutsche Note vom 31. De- 
zember verlangte von England die Aufrechterhaltung des 
bisherigen Rechtszustandes in Südafrika. Die englische 
Presse wollte darin eine ungehörige Einmischung in die Be- 
ziehungen Englands zu Transvaal sehen. Als gar noch der 
Inhalt der bekannten „Krügerdepesche", worin Wilhelm II. 
am 3. Januar den Präsidenten Krüger zum Siege beglück- 
wünschte, in England bekannt woirde, drohten schon da- 
mals englische Blätter mit einer intimeren Annäherung 
Großbritanniens an Rußland und Frankreich. 



Neues Palais, 2. I. 1896 

Liebster Nickyl 

Radolins Rückkehr nach Petersburg gibt mir Gelegen- 
heit, Dir einige Zeilen zu senden. Laß mich Dir bitte 
ganz aufrichtig danken für die Zeichen von Güte und 

30 



Freundschaft, die Du mir und meinem Lande gegeben 
hast, was ein Gefühl der Ruhe und Sicherheit gegeben 
hat, und die Du uns auch im folgenden Jahre weiter 
erweisen mögest. 

Mit meinen wärmsten Glückwünschen zum neuen 
Jahre und einem „Fröhlichen Weihnachten" verbinde 
ich meine Gebete, daß Gott Dich, die liebe Alix, Euer 
süßes Kind und Eure ganze Familie segnen und vor 
allem Übel, Kummer und Krankheit behüten möge. 
Möge Deine Regierung erfolgreich sein, und mögest 
Du die Verwirklichung so manchen Planes, den Du 
für die Wohlfahrt Deiner Untertanen ausgearbeitet 
hast, sehen. Mögen unsere Länder wie bisher fähig 
sein, gemeinsam den Frieden zu stärken und aufrecht- 
zuerhalten und ihren Glauben und ihre Interessen 
gegen irgendeinen äußeren oder inneren Feind zu ver- 
teidigen. 

Der politische Horizont ist jetzt eben eigentümlich. 
Armenien und Venezuela sind offene Fragen, die Eng- 
land aufgeworfen hat, und nun ist plötzlich die Trans- 
vaal-RepubHk in höchst gemeiner Weise angegriffen 
worden, wie es scheint, nicht ohne Englands Mitwissen. 
Ich habe eine sehr ernste Sprache in London geführt 
und Verbindung mit Paris zur gemeinsamen Vertei- 
digung unserer gefährdeten Interessen hergestellt, denn 
französische und deutsche Kolonisten haben sich un- 
mittelbar aus freiem Entschluß verbunden, den ver- 
gewaltigten Buren zu helfen. Ich hoffe, auch Du wirst 
diese Frage freundlich erwägen, denn es handelt sich 



31 



um den Grundsatz der Aufrechterhaltung einmal ge- 
schlossener Verträge. Ich hoffe, es wird alles wieder 
zurechtkommen. Aber komme, was da will, ich werde 
den Engländern niemals erlauben, Transvaal zu unter- 
drücken! Ich hoffe. Du hast bessere Nachrichten von 
Deinem armen Bruder, der, wie ich sehe, an der Ri- 
yiera angekommen ist! 

Bitte grüße die Hebe Alix bestens und laß Dir noch 
einmal für alle Freundhchkeit gegenüber Strantz und 
seinen Leuten danken. Ich bin, lieber Nicky, 

stets Dein 

Dich Hebender Freund und Vetter 

Willy. 



32 



IX 



Die Streitigkeiten wegen der Rangordnung bei der bevor- 
stehenden Zarenkrönung in Moskau wurden bald darauf 
durch eine Intervention des Onkels des Zaren, des Groß- 
fürsten Wladimir Alexandrowitsch, zur Zufriedenheit des 
Berliner Hofes geschlichtet. 



Berlin, 20. IIL 1896 

Liebster Nicky! 

General Werder hat die große Ehre und das Ver- 
gnügen, Dein Gast zu sein, und so vertraue ich ihm 
diesen Brief an. Laß mich Dir noch einmal von ganzem 
Herzen danken für Bild und Brief, die Du mir zum Ge- 
burtstag geschickt hast. Die Aufmerksamkeit war ebenso 
liebenswürdig wie gnädig, denn die Eröffnung des 
Kanals war in der Tat etwas, was mir sehr am Herzen 
lag, und war tatsächlich ein Erfolg. Ich habe das Bild 
nach Kiel gesandt, wo es in meinen Privaträumen 
aufgehängt werden soll, denselben, die Dein teurer, 

3 33 



betrauerter Vater das letztemal bewohnte, als er mit 
mir in Kiel zusammenkam. Werder wird ebenfalls der 
Überbringer von zwei Photographien sein, einer für 
Dich als kleine Erinnerung an mich und einer für Alix, 
um ihr einen Begriff zu geben, wie mein Mädchen aus- 
sieht. Sie ist ein quecksilbriges Ding und t^nrannisiert 
ihren Papa schrecklich. 

Deine Botschaft hat wegen meiner Vertretung 
bei der Krönung in Moskau angefragt, und ich habe 
Heinrich zu meinem Repräsentanten ernannt. Ich 
würde sehr dankbar sein, wenn Du freundlichst ver- 
anlassen möchtest, daß die Frage seines Ranges klar- 
gestellt würde, denn ich habe gehört, Dein Zeremo- 
nienmeister habe Radohn zu verstehen gegeben, daß er 
hinter allen erblichen deutschen Großherzogen und 
Fürsten zurückstehen müsse, sogar hinter dem Sohn des 
Fürsten von Montenegro. Das ist natürlich ausge- 
schlossen. Mein Haus als das regierende in Deutschland 
kommt zuerst, und die zu ihm gehörigen Prinzen ran- 
gieren vor den Söhnen der regierenden Fürsten in 
Deutschland. Ich fragte Wladimir darüber, als er hier 
war, und er war ganz derselben Meinung und sagte 
mir, er wolle die Sache Dir gegenüber erwähnen. 
Außerdem ist er Dein Schwager, und als solcher zählt 
er zu Deiner Familie, ebenso wie es Dein Vater mit 
dem Herzog von Edinburgh bei seiner Krönung hielt. 

Ich habe Tante Sanny in Oldenburg und auf ihrer 
Durchreise hier gesehen. Sie ist außerordentlich an- 
gegriffen durch den langsamen, qualvollen Tod ihrer 



34 



armen Schwester und leidet sehr an Schlaflosigkeit, die 
Ärmste! Das Blaubuch im Parlament in London hat 
abermals bewiesen, wie richtig unsere Politik in orien- 
tahschen Angelegenheiten war, und wie England ver- 
sucht hat. Dich und uns andere in Ungelegenheiten 
zu bringen. Ihr Coup de bourse in Transvaal ist durch 
den Willen der Vorsehung mißlungen, und obgleich 
einige Todesfälle zu beklagen sind, so sind doch Revo- 
lution, Blutvergießen und allgemeine Plünderung auf- 
gehalten worden. Sie haben sich sehr unpassend gegen 
mich benommen, aber das läßt mich kalt, während die 
Mobilisation ihres berühmten fliegenden Geschwaders 
gegen uns, die wir kaum etwas der Rede wertes haben, 
sie außerordenthch lächerhch machte. 

Nun leb' wohl, liebster Nicky. Mit besten Grüßen 
an Alix bin ich immer 

Dein 

ganz ergebener Vetter und Freund 
Willy. 



X 



Am 20. April fand in Koburg die Vermählung des Erb- 
prinzen zu Hohenlohe-Langenburg mit der Prinzessin 
Alexandra von Koburg statt, wobei das deutsche Kaiser- 
paar und der russische Großfürst Paul Alexandrowitsch 
anwesend waren. 



Koburg, 19. IV. 1896 

Liebster Nicky! 

Die glückliche Hochzeit, die hier stattfindet, und die 
Gesichter mancher der Gäste erinnern mich an den 
Tag vor zwei Jahren, als ich das Glück hatte. Dir zu 
dem reizenden und vollkommenen Engel, der jetzt 
Deine Frau ist, verhelfen zu können. Die Erinnerungen 
an den April 1 894 ^vu^den auch von den anderen gefühlt, 
und aus diesem Grunde stimmten alle zu, wir sollten 
Dir das Telegramm senden, das Du bekommen haben 
wirst. Ich wage zu hoffen, daß ich damals nicht irgend 
etwas gesagt oder versprochen habe, was Du nachher 

36 



in Deinem ehelichen Leben nicht gefunden hast. Möge 
Gottes Segen auf Euch beiden ruhen, besonders im 
nächsten Monat, wenn Ihr unter dem bewundernden 
Beistand der Welt gekrönt werdet. Ich danke Dir 
herzlichst für Deinen freundlichen Brief, den Du mir 
an dem Tage, als ich nach dem Mittelmeer abfuhr, 
durch Werder sandtest ; er war so glücklich über seinen 
Aufenthalt in Petersburg, wo er so manches wohl- 
bekannte Gesicht gesehen hatte. Ich stimme dem ganz 
zu, was Du am Schluß Deines Briefes über die Eng- 
länder sagst. Ihre Fanfaronaden gegen uns machen 
sie höchst lächerlich und keinen Eindruck auf mich. 
Je schlimmer sie in Afrika gestört werden, desto besser 
für uns in Asien. 

Nun leb' wohl, lieber Nicky, beste Grüße an Alix, 
viel Glück von 

Deinem 

Dich Hebenden Vetter und Freund 

Willy. 



37 



XI 



Im Laufe des August hatte das neugekrönre Zarenpaar 
Österreich, im September Deutschland, Dänemark und 
England, Anfang Oktober Frankreich besucht. Auf der 
Rückreise kam Nikolaus II. abermals mit Kaiser Wilhelm 
zusammen. — Ende Oktober erschienen in den „Hamburger 
Nachrichten" die Enthüllungen über einen deutsch-russi- 
schen Neutralitätsvertrag (den sogenannten „Rückversiche- 
rungsvertrag"), die man sofort dem Fürsten Bismarck zu- 
schrieb. Der Aufsatz der „Hamburger Nachrichten" übte 
sowohl in Deutschland als im Auslande eine ganz gewaltige 
Wirkung aus. Bismarck wurde von den einen zum Verräter am 
Dreibunde gestempelt, von den anderen als Retter des Vater- 
landes gefeiert, der es verstanden habe, ein intimes Zusammen- 
gehen Rußlands mit Frankreich zu hintertreiben. — Hanotaux, 
der Historiker, war damals französischer Außenminister. 



Letzüngen, 12. XL 1896 
Liebster Nickyl 

Wladimir ist so freundlich, diese Zeilen mitzuneh- 
men und Dir zu übergeben, und er ist gleichfalls der 
Überbringer meiner wärmsten Grüße. Ich freue mich, 

38 



daß Du wieder sicher daheim bist, und daß die glän- 
zende Reise, die Du durch Europa gemacht hast, Dich 
nicht allzusehr ermüdet hat. 

Ich bin tieftraurig über Bismarcks schreckliches Be- 
nehmen, das — obgleich es ein „coup" ist, der sich 
ledigHch gegen mich persönHch richtet — nichtsdesto- 
weniger einen Bruch der Loyahtät gegen Deine Re- 
gierung darstellt und einen Flecken auf dem Gedächt- 
nis meines gehebten Großvaters sowohl wie auf dem 
Deines gehebten Vaters zurückläßt. Ich habe meinen 
Onkel, den Kanzler, bereits verständigt, was im Parla- 
ment zu sagen ist, und ich hoffe, Du wirst zufrieden 
sein mit der Art, v^e die ganze verräterische Angelegen- 
heit behandelt wird. Ich nehme an, bei diesem letzten 
Schlag des Fürsten und bei der schamlosen Art, mit 
der er mich in seiner Presse behandelt — insbesondere 
durch den Versuch, das Volk glauben zu machen, daß 
ich unter „enghschem" Einfluß war und es noch jetzt 
bin — , die klareren Köpfe werden anfangen zu ver- 
stehen, daß ich Gründe hatte, diesen unbändigen Mann 
mit seinem niedrigen Charakter aus dem Amt zu 
schicken. Ich setze unbedingten Glauben in die Hoff- 
nung, daß Du mir freundhch vertrauen vdrst, wie Du 
es bisher getan hast, und daß sich nichts zwischen uns 
beiden geändert hat und sich ändern kann, seit wir in 
Breslau die Richtung für unser Handeln abgesteckt 
haben. Wladimir ist mit dem besten Eindruck von 
Paris gekommen, daß dort alles ruhig ist, was ich bestä- 
tigen kann aus den Berichten meines Botschafters, der 



39 



auf bestem Fuße mit der Regierung steht und ganz 
voll von Be\vunderung für die Fähigkeiten und die 
Kaltblütigkeit Hanotaux' ist. Dieser ist, wie ich höre, 
ziemlich nervös wegen der Türkei; aber da ich nichts 
Aufregendes von dort gehört habe, nehme ich an, daß 
dazu kein wirklicher Grund vorhanden ist. Er ist, höre 
ich, einer Konferenz wegen der Türkei stark abgeneigt, 
und darin hat er vollkommen recht. 

An unserer htauischen Grenze haben war mehrere 
Fälle von Lepra entdeckt und lokalisiert. Einige Leute 
haben die Infektion aus den nächsten Ortschaften in 
den baltischen Provinzen eingeschleppt. Ich habe da- 
her befohlen, daß ein Hospital in Memel erbaut wird, 
um die armen Unglücklichen unterzubringen. Diese 
Krankheit ist furchtbar und sehr ansteckend, und ich 
mache Dir den Vorschlag, ob unsere Grenzbehörden 
bei der Überwachung und Pflege von Fällen nicht zu- 
sammengehen könnten, indem wir einige Ärzte zur 
medizinischen Oberaufsicht vereinigen. 

Wir haben prächtigen Sport und schönes Wetter 
gehabt und waren sehr erfreut, Wladimir hier an seiner 
alten Stelle zu sehen. 

Mit besten Grüßen an Alix 

Dein Dich liebender 
Freund und Vetter 
• W^illy. 



40 



XII 



Schon im Jahre 1896 war auf der Insel Kreta ein Bürger- 
krieg zwischen Mohammedanern und Christen ausgebrochen. 
Im Einverständnis mit der Pforte betraute man europäische 
Kommissare mit der Durchführung der von den Christen 
geforderten Reform.en, aber Mord und Plünderung dauerten 
fort. Von Griechenland erhielten die christlichen Aufstän- 
dischen weitgehende Unterstützung, und im Februar 1898 
entsandte die griechische Regierung ein Geschwader unter 
dem Prinzen Georg nach Kreta, wobei sie den Großmächten 
ihre Absicht mitteilte, die Insel zu besetzeh. Die Groß- 
mächte waren sich darüber einig, daß sie einen griechischen 
Angriff auf türkisches Gebiet nicht zulassen dürften — mit 
Ausnahme Großbritanniens, dem es nur genehm sein konnte, 
namentlich Rußlands Expansionsgedanken vom fernen Osten 
nach dem europäischen Orient abzulenken. Deutschlands 
Vorschlag, die griechischen Häfen zu blockieren, wurde von 
England abgelehnt. Schließlich einigte man sich dahin, 
Kretas Vereinigung mit Griechenland zwar nicht zuzu- 
lassen, aber der Insel eine Autonomie unter der Suzeränität 
des Sultans zu sichern. — Die Erwähnung des • Familien- 
standpunktes spielt auf die nahe Verwandtschaft des Zaren 
mit der griechischen Königsfamilie an. 



41 



Berlin, den 5. III. 1897 
Mein lieber Nicky! 

Mit Deiner freundlichen Erlaubnis wird Oberst von 
Moltke in einigen Tagen die große Ehre haben, seinem 
Kaiserlichen Herrn seine Ehrfurcht erweisen zu können. 
Das gibt mir Gelegenheit, Dir einige Zeilen warmer 
Freundschaft in- diesen schweren Zeiten zu senden. Ich 
bin aufs tiefste erkenntlich für die loyale, klare und 
staatsmännische Weise, in der Du diese höchst un- 
glückliche Kretaaffäre anfassest, und bin geradezu 
stolz, daß unsere Ansichten über diesen Gegenstand 
vollkommen gleich sind. Vom „Famihen"standpunkte 
aus mußt Du Momente durchgemacht haben, die Deine 
Neigungen b!s zum Äußersten belasteten, und der Ent- 
schluß, so zu handeln, wie Du gehandelt hast, muß 
nach mancher inneren Qual zustande gekommen sein. 
Aber Du hast vollkommen recht! Und du siehst an 
dem Resultat, daß Deine „Demarche" alle Mächte, 
ob sie wollen oder nicht, zu einer gemeinsamen De- 
monstration wieder vereinigt hat, die, so hoffe ich, 
den Frieden Europas zu einem ungestörten machen 
wird. Du hast der Welt abermals gezeigt, daß, wenn 
die drei großen Reiche „marchent d'accord" und die 
übrigen großen Kontinentalmächte sich ihnen an- 
schließen, d. h. wenn der ganze Kontinent in einer 
ungebrochenen Front zusammenhält, die übrige Welt 
uns folgen muß, sogar der Stärkste! Der König von 



42 



Griechenland muß rein verrückt sein, wenn er bei 
seinem wahnsinnigen Versuch, die Welt in Brand zu 
setzen, „pour allumer sa pipe", nicht einhält. Ich bin 
erfreut, daß die Türken sich so vernünftig benehmen 
und starke Truppenmengen in Mazedonien aufstellen. 
Dort liegt die größte Gefahr, und dort muß mit allen 
Mitteln die Ruhe erhalten werden. 

Ich sende Dir durch Moltke einige Momentphoto- 
graphien von der Parade, nachdem Deine Schleifen an 
den Fahnen des Alexander-Regiments befestigt waren. 
Er soll Dir auch das Buch aushändigen, das über meinen 
heben Großvater geschrieben worden ist und zur Zen- 
tenarfeier seines Geburtstages veröffentlicht wird. 
Seine schönen Briefe und Reden sind die beste Charak- 
teristik von ihm, die ich kenne. Unser Ball verhef 
sehr gut, und die Wirkung war einfach zauberhaft, 
wie ein Traum aus längst vergangenen Tagen. 

Die Schleifen, die ich meinen Grenadieren schenken 
werde, sind fertig, und ich wäre Dir sehr dankbar für 
einen Wink, ob ich sie ihnen selbst schenken kann, 
oder ob Du es für besser hältst, unsere Offiziere damit 
zu senden. Nun noch beste Grüße an AHx, der es 
hoffenthch bald wieder gut geht. Ich bin immer Dein 
Dich sehr liebender Vetter und Freund 

Willy. 



43 



XIII 



Am 7. August war das deutsche Kaiserpaar zu einem Be- 
suche der ZarenfamiHe in Petersburg angelangt, wo es fast 
eine Woche verbheb. Der Zar ernannte den Kaiser zum 
Admiral der russischen Flotte. — Am 16. Dezember verheß 
Prinz Heinrich mit den beiden Kreuzern „Deutschland" 
und „Gefion" die Kieler Reede auf der Ausreise nach Ost- 
asien. Tags zuvor hatte der Kaiser beim Abschiedsmahl zu 
Ehren des Prinzen Heinrich in Kiel in seiner Rede hervor- 
gehoben, daß „Reichsgewalt Seegewalt bedeute", und den 
Prinzen aufgefordert, „mit gepanzerter Faust dreinzufahren", 
falls es „irgend jemand unternehmen sollte, uns an unserem 
guten Rechte zu kränken oder zu schädigen". Die Kieler 
Kaiserrede — wie auch die Mission des Prinzen Heinrich — 
gaben der in- und ausländischen Presse Veranlassung zu 
langwierigen Polemiken. Am 14. November wurde Kiau- 
tschou von deutschen Landungstruppen besetzt. 



Neues Palais, 4. I. 1898 



Liebster Nicky! 



Das neue Jahr hat eben begonnen, und das alte 
Jahr ist zu Ende. Aber ich kann es nicht abschließen, 
ohne einen Blick auf die reizenden und glänzenden 



44 



Augusttage zu werfen, als ich Dich und AHx umarmen 
durfte, und ohne Dir für Deine freundliche, herzliche, 
ja verschwenderische Gastfreundschaft Viktoria und 
mir gegenüber zu danken. Mit tiefen Gefühlen der 
Dankbarkeit erinnere ich mich der schönen Stunden, 
die ich mit Euch verbringen konnte, und des Ge- 
dankenaustauschs, der zeigte, daß wir einer Meinung 
über die Grundsätze waren, denen wir bei Erfüllung 
der uns von dem Herrn aller Herren gestellten Auf- 
gabe folgen. Jeder von uns versucht, sein Bestes für 
die Entwicklung und die Wohlfahrt seines Landes zu 
tun, wie es seine Pfhcht ist! Gemeinsam aber suchen 
wir unseren Ländern den Segen des Friedens zu er- 
halten! 

Möge dieses neue Jahr ein glückliches für Dich, die 
hebe Alix, Dein ganzes Haus und Dein Land sein. 
Mögen die Pläne, die Du reifen läßt, sich zum Wohle 
Deines Volkes erfüllen. Heinrichs Mission besteht 
darin. Dir in Deinen hohen Idealen — ohne die kein 
Herrscher sein kann — in der Förderung der ZiviU- 
sation, d. h. des Christentums im fernen Osten, Hilfe 
und Unterstützung zu gewähren ! Möchtest Du freund- 
lichst eine Zeichnung annehmen, die ich für Dich 
entworfen habe, mit den symbolisierenden Gestalten 
Rußlands und Deutschlands als Schildwachen am Gel- 
ben Meer zur Verkündigung des Evangeliums der 
Wahrheit und des Lichtes im Osten. Ich habe die 
Skizze in der Weihnachtswoche unter dem Glanz der 
Kerzen des Weihnachtsbaums gezeichnet; 



45 



Außerdem ein Album mit Photographien, die die 
Parade an Deinem Geburtstag in Wiesbaden vor der 
neuen Fahne Deines Husarenregiments und die Ver- 
eidigung der Rekruten Deines schönen Alexander- 
Regiments und ferner eine Szene aus seiner Kaserne 
darstellen. Ein Buch mit Erinnerungen des Vaters 
meines Oberstallmeisters, des Grafen Wedel, folgt erst 
demnächst, da der Einband noch nicht ganz fertig ist. 
Er diente unter Napoleon I. im Jahre 1812 in Rußland, 
wurde von Euren Truppen gefangengenommen und 
gibt eine sehr interessante Beschreibung des Feldzuges 
und seiner Gefangenschaft. — Viktoria sendet ihre 
besten Wünsche, sie hat lange Zeit zu Bett gelegen, 
Htt sehr an den Nerven und der Luftröhre und ist 
erst heute zum ersten Male aufgestanden. Sie hat viel 
Plackerei wegen der beiden Jüngsten, die an einem 
schweren Anfall der hier wütenden Influenza litten 
und fast einen Monat zu Bett lagen. 

Nun leb* wohl, liebster Nicky, beste Grüße an Ahx 
und meine ehrfurchtsvollsten Empfehlungen an Deine 
hebe Mama von Deinem 

Dir ganz ergebenen und treuen Freund 

und Vetter 

WiUy; 



46 



XIV 



Am 27. März 1898 überläßt China durch Vertrag Port 
Arthur an Rußland. — Kurz vorher hatte der amtlich- 
russische „Regierungsbote" erklärt, Rußland könne nun- 
mehr „sich jeglicher aktiver Teilnahme an den Angelegen- 
heiten Koreas enthalten, in der Hoffnung, daß der dank 
der Unterstützung Rußlands gekräftigte junge Staat in der 
Lage sein wird, seine innere Ordnung und seine völlige Un- 
abhängigkeit zu bewahren". — Am 11. Mai wurde dann 
der russisch- japanische Vertrag wegen Korea geschlossen, 
wobei von beiden Segen Integrität und Selbständigkeit des 
koreanischen Staates gewährleistet wurde. — Saisnoy Weliky 
und Navarin sind russische Schiffe. 



Berlin, 28. III. 1898 

Liebster Nicky! 

General Werder brachte mir Deine und Alix' freund- 
liche Mitteilungen aus Petersburg und strahlte vor Ent- 
zücken über die Erinnerungen an seinen Aufenthalt, den 
Du, wie gewöhnlich, ihm so reizend und angenehm zu 
gestalten vmßtest. Ich danke Dir ganz aufrichtig für 
alles, was er mir von Euch übermittelt hat, und brauche 
nicht hinzuzufügen, daß ich Eure Wünsche herzlich 

47 



erwidere. Der liebe alte General ist nicht nur ein Über- 
rest der Vergangenheit, sondern fest und aus Überzeu- 
gung Dir und Deinem Hause tief verbunden ; und darum 
ist er in meinen Augen ein lebendes Beispiel der alten 
Tradition, die unsere Familien von jeher zum Wohle 
unserer Länder und dadurch der ganzen Welt verband. 

Ich muß Dich sehr herzlich beglückwünschen zu 
dem erfolgreichen Ausgang Deiner Unternehmungen 
bei Port Arthur; wir beide werden ein gutes Paar 
Schildwachen am Eingange des Golfs von PetschiU ab- 
geben, die gebührend, insbesondere von den Gelben, 
respektiert werden! Ich halte die Art, wie Du die 
Gefühle der „ärgerHchen Japs" durch das meisterhafte 
Übereinkommen betreffs Koreas zu besänftigen ver- 
standest, für ein bemerkenswertes, schönes Diplomaten- 
stück und einen großen Beweis von Voraussicht ; woraus 
sich ergibt, was für ein Segen es war, daß Du auf Deiner 
großen Reise die Frage des fernen Ostens an Ort und 
Stelle studieren konntest, und daß Du jetzt, geistig 
gesprochen, der Herr von Peking bist! 

Radolin berichtete mir von Eurer interessanten Un- 
terhaltung über China und Deine Wünsche wegen der 
Instruktoren in den Gouvernements, die als zur russi- 
schen Einflußsphäre gehörig gelten. Ich habe einen 
Befehl an die deutschen Offiziere vorbereitet, konnte 
ihn jedoch noch nicht abgehen lassen, weil es unmög- 
lich war, eine sichere territoriale Grenze ohne eine 
Angabe auf der Karte festzusetzen. — Eine kleine 
BleistiftHnie von Dir auf einem Stück Papier würde 

48 



mkh beruhigen; denn ich wäre sehr unglücklich, wenn 
die Offiziere durch ein Mißverständnis ohne ihre Schuld 
aus Mangel an einer wirklichen, gut erkennbaren Grenz- 
linie russisches Gebiet betreten würden. Die Idee, die 
man jetzt von jenseits des Kanals in der Presse zu 
erörtern anfängt, chinesische Angelegenheiten sollten 
von einer internationalen Konferenz entschieden wer- 
den, ist hier scharf von mir zurückgewiesen worden, 
da ich bald herausfand, daß es ein maskierter Versuch 
war, Dir die Hände im fernen Osten zu binden, dessen 
Verhältnisse, dachte ich, schheßhch doch Deine eigene 
Angelegenheit und nicht die anderer Völker sind. Von 
Heinrich habe ich gute Nachrichten, er ist in Hong- 
kong, um sein Schiff wiederherzustellen. Er ist gut 
Freund geworden mit Saisnoy Wehky und Navarin in 
Colombo, und sie sind einige Tage in vollkommener 
Eintracht zum großen Erstaunen anderer Völker zu- 
sammen gefahren! Hm! Das amüsiert mich sehr und 
bereitet mir als russischem Admiral zugleich Vergnügen. 
Oberst von Moltke, mein Adjutant und Kommandeur 
Deiner „Alexandriner", ist der Überbringer dieses und 
zugleich eines Kastens mit zwei Jagdfhnten kleinen 
KaHbers von außerordenthch guter Treffsicherheit und 
großer Reichweite. Ich hoffe, sie werden Dir nützHch 
sein und Dich instand setzen, manchen guten „Kapital- 
hirsch" zu erlegen. Nun leb' wohl, liebster Nicky, 
beste Grüße an Alixe und Weidmannsheil von Deinem 
Dich stets liebenden und ergebenen Freund 

WiUy. 



49 



XV 



_ Erst vier Monate nach Abgang des unten folgenden Kaiser- 
briefes wurden in der englischen Presse Gerüchte über ein 
angeblich erfolgtes deutsch-enghsches Bündnis laut. Zu 
gleicher Zeit beschäftigt sich die deutsche Tagespresse mit 
dieser Behauptung enghscher Blätter, wobei der größte Teil 
der deutschen Presse eine etwaige Annäherung an England mit 
Mißtrauen aufnahm. Über dieses englische Bündnisangebot 
vgl. Hammann, Zur Vorgeschichte des Weltkrieges (Große 
Ausgabe), S. yof. — De'r ,, berühmte englische Politiker" 
war Chamberlain. 



Berlin, 30. V. 1898 . 

Privat und streng vertraulich. 



Liebster Nicky! 



Mit einer für mich ganz unerwarteten Plötzlichkeit 
sehe ich mich vor eine Entscheidung gestellt, die von 
lebens^vichtiger Bedeutung für mein Land ist, und die 
so weit reicht, daß ich die äußersten Konsequenzen 
nicht voraussehen kann. Die Traditionen, in denen 
ich von meinem geliebten Großvater gesegneten 



50 



Angedenkens in Bezug auf unsere beiden Häuser und 
Länder auferzogen wurde, sind, wie Du mir zugeben 
wirst, meinerseits stets, als ein heiliges Vermächtnis 
von ihm, aufrechterhalten wordefi, und meine Loyalität 
Dir und Deiner Familie gegenüber steht, wie ich mir 
schmeichle, über jedem Verdacht. Ich komme deshalb 
zu Dir als meinem Freund und „confident", um Dir 
die Angelegenheit zu unterbreiten, wie einer, der auf 
eine offene und ehrhche Frage eine offene und ehr- 
Hche Antwort erwartet. 

Anfang April haben die Angriffe auf mein Land und 
meine Person, die bis dahin von der britischen Presse 
und dem Volk auf uns hagelten, plötzlich nachgelassen, 
und es trat, wie Du bemerkt haben wirst, ein zeit- 
weiliger Stillstand ein. Das überraschte uns einiger- 
maßen, und wir waren um eine Erklärung verlegen. 
Durch private Nachforschungen ermittelte ich, daß 
L M. die Königin selbst durch einen ihrer Freunde 
eine Nachricht an die britischen Zeitungen hatte ge- 
langen lassen, sie wünsche, daß dieses unvornehme, 
falsche Spiel aufhöre. Das in dem Land der „freien 
Presse"! Ein so ungewöhnhcher Schritt führte uns 
natürlich zu dem Schluß, daß etwas in der Luft liege. 
Um Ostern herum sandte ein berühmter PoHtiker aus 
eigenem Antrieb plötzlich zu meinem Botschafter und 
bot ihm a brüle-pourpoint einen Bündnisvertrag 
mit England an! Graf Hatzfeld, äußerst verblüfft, 
sagte, er könne sich nicht erklären, wie das mögHch 
sei nach allem, was sich seit 95 zwischen uns ereignet 



51 



habe. Die Antwort lautete, das Angebot sei in vollem 
Ernst erfolgt und aufrichtig gemeint. Mein Botschafter 
sagte, er werde berichten, aber er bezweifle sehr, daß 
das Pariament je einen solchen Vertrag ratifizieren 
werde, da England bisher jedermann, der es hören 
wollte, nicht darüber im Zweifel gelassen habe, daß 
es nie und unter keinen Umständen ein Bündnis mit 
einer Kontinentalmacht eingehen werde, wer es auch 
sei ! Und zwar deshalb, w^il es seine Handlungsfreiheit 
zu bewahren wünsche. 1897 (im Jubiläumsjahr) wurde 
dieser Grundsatz sogar in Verse gebracht, die besagten, 
England brauche keine Verbündeten, le cas echeant 
könne es allein die ganze Welt bekämpfen, mit fol- 
gendem Refrain: „We've got the ships, we've got the 

men, we've got the money too!" Die Antwort 

war, daß die Aussichten sich vollkommen geändert 
hätten und dieses Angebot die Folgerung daraus sei. 
Nach Ostern wurde das Ersuchen dringend erneuert, 
aber auf meinen Befehl kühl und dilatorisch in farb- 
loser Fassung beantwortet. Ich dachte, die Angelegen- 
heit wäre nun zu Ende. Jetzt aber ist das Ersuchen 
zum drittenmal in so unmißverständhcher Weise wie- 
derholt worden, wobei ein bestimmter kurzer Ter- 
min für meine endgültige Antwort gestellt und so 
ungeheure Anerbietungen hinzugefügt wurden, die 
meinem Land eine weite und große Zukunft eröffnen, 
daß ich es für meine Pfhcht gegen Deuts cliland halte, 
gehörig zu überlegen, bevor ich antworte. Ehe ich 
es aber tue, komme ich frei und offen zu Dir, mein 



52 



geschätzter Freund und Vetter, um Dich davon zu 
unterrichten, da ich fühle, daß es sich um eine Frage 
sozusagen über Leben und Tod handelt. Wir beide 
haben dieselben Ansichten, wir wünschen den Frieden, 
und wir haben ihn bis heute erhalten und bewahrt! 
Was die Tendenz dieses Bündnisses ist, wirst Du gut 
verstehen, da ich unterrichtet bin, daß es sich um ein 
Bündnis mit der Tripel-AlHanz und mit Einschluß von 
Japan und Amerika handelt, mit denen bereits Vor- 
verhandlungen begonnen worden sind! Welche Chan- 
cen in der Ablehnung oder Annahme für uns liegen, 
magst Du selbst berechnen! Nun bitte ich Dich, als 
meinen alten und vertrauten Freund, mir zu sagen, 
was Du mir bieten kannst und tun willst, wenn ich 
ablehne. Bevor ich meine endgültige Entscheidung 
treffe und meine Antwort in dieser schwierigen Lage 
absende, muß ich imstande sein, klar zu sehen, und 
klar und offen ohne Hintergedanken muß Dein Vor- 
schlag sein, so daß ich urteilen und in meinem Sinne 
vor Gott, wie ich das muß, abwägen kann, was dem 
Frieden meines Vaterlandes und der Welt zum Nutzen 
dient. Du brauchst keine Befürchtungen für Deinen 
Verbündeten zu hegen bei irgendeinem Vorschlag, den 
Du m^achst, falls er in eine von Dir gewünschte Kom- 
bination gebracht wird. Mit diesem Brief, Uebster 
Nicky, setze ich mein volles Vertrauen auf Dein Still- 
schweigen und Deine Diskretion jedermann gegen- 
über. Und schreibe, wie in alten Zeiten mein Groß- 
vater an Deinen Großvater Nikolaus L geschrieben 



53 



haben A^öirde. Möge Gott Dir helfen, die richtige 
Lösung und Entscheidung zu finden! Es geschieht 
für die folgende Generation! Aber die Zeit drängt, 
deshalb antworte bitte bald! 

Dein ergebener Freund Willy. 

P. S. Solltest Du mich irgendwo zur mündhchen 
Aussprache treffen wollen, so bin ich jeden Augen- 
bhck zur See oder zu Lande zu einer Zusammenkunft 
bereit ! 



54 



XVI 



Am 28. August wurde in Moskau ein Denkmal Alexan- 
ders IL enthüllt. — In China hatte Anfang August der 
russische Gesandte, unterstützt von Frankreich, durchgesetzt, 
daß zum Bau der Bahn Peking— Hankou eine (von England 
nicht gewünschte) belgische Anleihe aufgenommen werde. 



' Wilhelmshöhe, 18. VIII. 1898 
Liebster Nicky! 

Deine gütige Erlaubnis, den lieben alten Werder als 
meinen Stellvertreter zur Feier der Denkmalsenthül- 
lung für Deinen lieben Großvater nach Moskau zu 
senden, gibt mir Gelegenheit, Dir diese Zeilen durch 
ihn zu übermitteln. Es ist wirkHch eine Sache des 
Gefühls, die mich bewog, ihn hinzusenden, und nicht 
eine bloße Höflichkeitsform. Von Großpapa habe ich 
oft über Alexander II. sprechen hören, und als ich 
die Ehre hatte, ihm vorgestellt zu v^^erden, fühlte ich 
mich bald unter seinem „Zauber", wie es jedem wider- 
fuhr, der die Ehre seines persönlichen Umgangs genoß. 

55 



Seiner Güte verdanke ich es, daß ich die Uniform des 
glänzenden Grenadierregiments trage, dessen Ehren- 
tag heute ist, und das ein festes Band ist, das mich 
Deiner stolzen Armee verbindet, und das ich bis zu 
meinem Lebensende schätzen und in Ehren halten 
werde. 

Deine Diplomatie hat gerade einen neuen großen 
Erfolg in China davongetragen, vv^ozu ich mir erlaube. 
Dir Glück zu wünschen, um so mehr, als es ohne das 
Abfeuern eines einzigen Schusses und ohne unnötigen 
Lärm oder Poltern abgegangen ist. Der Erfolg wird 
ein starker Anstoß für Euren Handel und die Industrie- 
unternehmungen Deines Landes sein. Heinrich hat 
mir gerade telegraphiert, vAe freundHch ihn Deine 
Behörden aufgenommen haben, und wie sie alles tun, 
was in ihrer Macht steht, um seinen Aufenthalt so 
angenehm wie möghch für ihn zu machen. Das gibt 
mir die erfreuHche Gelegenheit, Dir aufs herzHchste 
zu danken ! — Ich bin höchst erstaunt über die Menge 
von unsinnigem Geschwätz, das in den Zeitungen 
Europas über meinen Besuch in Jerusalem verbreitet 
wird! Es ist höchst entmutigend, festzustellen, daß 
Gefühle wahrer Gläubigkeit, die einen Christen treiben, 
das Land aufzusuchen, in dem unser Erlöser lebte und 
litt, in den sogenannten besseren Klassen des 19. Jahr- 
hunderts nahezu völlig erloschen sind, so daß sie die 
Pilgerfahrt in gezwungener Weise mit politischen Mo- 
tiven erklären müssen ! Was für Tausende Deiner nied- 
rigsten Bauern Recht ist, ist für mich auch Recht! — = 

56 



Seit ich im Juni * mit Dir in Verbindung trat, hat Eng- 
land immer noch dann und wann Verhandlungen mit 
uns wieder eingeleitet, aber niemals das Spiel ganz auf- 
gedeckt. Soweit ich herausfinden kann, suchen sie mit 
aller Gewalt eine Armee auf dem Festland zu finden, 
die für ihre Interessen kämpfen soll! Aber ich vermute, 
sie werden nicht so leicht eine finden, wenigstens nicht 
die meine! Ihr jüngster Schachzug ist der Wunsch, 
Frankreich von Dir herüberzuziehen, und sie haben 
infolgedessen plötzHch beschlossen, den Herzog von 
Connaught zu den französischen Manövern zu schicken 
— ein netter kleiner Plan von Courcel, wie ich glaube, 
der glühend zwischen Paris und London an der Arbeit 
ist. Ich habe Deine Leute schon einmal vor ihm ge- 
warnt ! Nun lebe wohl, hebster Nicky. Wie ich Werder 
beneide, der Dich sieht und mit Dir sprechen wird! 
Viel Herzliches für Alix! Wirst Du die früheren Uni- 
formen und Knöpfe wieder einführen ? — Ich ver- 
bleibe stets Dein Dich hebender Freund und Vetter 

Willy. 
• In Wahrheit war es am 30. Mai geschehen; s. o. S. 50. 



37 



XVII 



Anfang Januar 1898 hatte das deutsche Panzerschiff 
„Oldenburg" ein kleines Detachement von zwanzig Mann 
unter zwei Offizieren auf Kreta gelandet, wo die Geschwader 
Großbritanniens, Frankreichs, Rußlands und Italiens be- 
reits versammelt waren, aber schon Mitte März verließ die 
„Oldenburg" mit der gelandeten Mannschaft wieder die 
Insel. Aus dem hier folgenden Kaiserbrief werden die Gründe 
für die Rückberufung des deutschen Kriegsschiffes ersicht- 
lich. Unter der „einmischungslüsternen Macht", vor der 
der Kaiser zweimal in seinem Schreiben den Zaren warnt, 
ist Großbritannien zu verstehen. — Der zweimalige Hinweis 
auf Unterredungen in Peterhof bezieht sich auf des Kaisers 
Besuch in Rußland im August 1897. — Der Brief ist aus 
Konstantinopel datiert, wo der Kaiser auf seiner Palästina- 
fahrt am 18. Oktober angelangt war. 



Jacht Loreley, Stambul, 20. X. 1898 

Liebster Nicky! 

Während meines Aufenthalts in Stambul habe ich 
Gesandten Audienz erteilt. Ich hatte das Vergnügen, 
die Bekanntschaft Herrn Sinowjew^s zu machen. Ich 



fand in ihm einen*vollendeten Diplomaten, einen Mann 
mit einem sehr klaren Kopf. Ein energischer Charak- 
ter, im ganzen, was man so einen bedeutenden Mann 
nennt. Ich gratuliere Dir zu einer so ausgezeichneten 
Wahl. Wir hatten eine lange Unterredung, und seine 
Ansicht über orientaHsche Fragen war natürhch von 
größtem Wert für mich. Es war ein Vergnügen, ihm 
zuzuhören. Die Unterhaltung kam auch auf die Kreta- 
angelegenheit und die letzten Ereignisse, die sich dort 
zugetragen haben. Die Quelle, der die jüngsten Ex- 
zesse entspringen, war sicher keine ungetrübte und 
zweifellos nicht der gewöhnhche sogenannte „musel- 
manische Fanatismus", von dem in der europäischen 
Presse allgemein geredet wird. Ich möchte vermuten, 
daß Intrigen einer gewissen einmischungslüsternen 
Macht etwas damit zu tun haben. Im Laufe unserer 
Unterredung hat mir Sinowjew offen gesagt, die Lage 
sei keineswegs beruhigend, und der einzige Ausweg sei, 
die Türken zu bestimmen, daß sie Kreta mit Sack und 
Pack verlassen. Ob das wirkHch sein muß, weiß ich 
natürlich nicht, aber wie ich Dir bei Gelegenheit in 
Peterhof auseinandersetzen konnte, muß die Kretafrage 
in einer Weise gelöst werden, daß kein allgemeiner 
Kladderadatsch daraus entsteht, den diese Spitzbuben 
von Kretern nicht wert sind. Ich habe mit verschie- 
denen alten und hervorragenden Türken gesprochen, 
die alle versicherten, daß das ganze Volk Kreta zu 
einer Frage der nationalen Ehre gemacht habe. 
Daß die evacuation pure et simple, falls sie der Sultan 



5Q 



zugäbe, ihn Ansehen, Krone, ja vielleicht das Leben 
kosten würde, und daß sie alle ernstlich davon betroffen 
und betrübt seien. Ich nehme es daher auf mich, Dich 
das wissen zu lassen, in der Hoffnung, daß Du in Deiner 
Weisheit die Güte haben -wirst, eine Lösung zu finden, 
die geeignet ist, die Stellung des Sultans gegenüber 
seiner Armee und als Kalif gegenüber der ganzen mo- 
hammedanischen Welt zu wahren. Du weißt aus Osten- 
Sackens Berichten, welche Ursachen mich veranlaßt 
haben, meine Flotte „auf den Tisch zu legen", weil 
ich fühlte und sah, daß eine gewisse Großmacht uns 
anderen alle zum Herausholen der Kastanien aus dem 
Feuer gebrauchen wollte, damit sie sich Kreta oder 
die Sudabai nimmt, und weil ich nicht zu den Helfers- 
helfern gehören wollte, von denen man erwartet, daß 
sie mit Brot und Salz und obendrein den Schlüsseln 
von Kjreta erscheinen und die erwähnte Großmacht 
bitten sollen, sie möchte sich freundlichst der Wohl- 
fahrt der armen heben Kreter annehmen, „die alle mit- 
einander in der Hölle braten mögen"! Die jüngsten 
Ereignisse haben mir gezeigt, daß mein Verdacht richtig 
war, und daß diese gewisse Macht auf Unheil sinnt 
und Gewalt anwenden will, d. h. sie beabsichtigt, die 
Muselmanen zu vertreiben, die Eingeborene und 
Bewohner Kretas genau wie die christlichen 
Aufrühr er sind, nur vom Islam bekehrt, die die 
Landeigentümer sind, nachdem jene alles verloren 
haben, was sie besitzen, und die nun ihr Land den 
Christen abtreten sollen, die bisher ihre bezahlten 

6q 



Sassen und Feldarbeiter waren und sich gegen ihre 
Herren empört haben. Das ist die Kretafrage in einer 
Nußschale! Und so was nenne ich glattweg Räuberei! 
Was für eine Wirkung diese Plünderung auf die mo- 
hammedanische Welt ausgeübt hat, kannst Du Dir 
nicht vorstellen, aber ich fühle und sehe und höre es. 
Welch furchtbarer Schlag für das Ansehen der Christen 
im allgemeinen in den Augen der Muselmanen, und 
welche Erneuerung des Hasses, kannst Du Dir kaum 
ausmalen! Die in Kreta in Betracht kommenden 
Mächte haben ein unsinniges und höchst gefährhches 
Spiel gespielt, und das veranlaßt mich, Deine gütige 
Aufmerksamkeit auf die Frage zu lenken! Erinnere 
Dich, wie war uns in Peterhof darüber einig waren, 
nie zu vergessen, daß die Mohammedaner ein gewal- 
tiger Trumpf in unserer Hand sind, im Falle Du oder 
ich plötzHch vor einem Kriege mit der besagten ein- 
mischungslüsternen Macht stehen sollten. Du als Herr 
von Milhonen Mohammedanern mußt dieses am besten 
beurteilen können. Wenn Du ruhig fortfährst, im Ge- 
folge der anderen Macht in Kreta vorzugehen, wie es 
bis jetzt geschehen ist, wdrd die Wirkung auf Deine 
eigenen mohammedanischen Untertanen und die Tür- 
kei bedauerlich sein, und Du wirst einen höchst wert- 
vollen Atout aus Deinem Spiel verHeren! 

Ich flehe Dich daher an, dieser Angelegenheit noch- 
mals Deine ernsteste Aufmerksamkeit zu widmen und, 
wenn möglich, ein Mittel zu finden, wodurch Du den 
Sultan aus einer gefährlichen und kompromittierenden 

6i 



Lage envers ses sujets befreien und die Kretafrage in 
einer für ihn annehmbaren Weise lösen kannst. Vergiß 
nicht,' daß sein Heer tapfer und siegreich für Kreta 
bei Larissa und Domokos gefochten und die Provinz 
zurückerobert hat. Diese Armee w^rde es nie ver- 
gessen oder vergeben, wenn eine andere Macht die 
Vertreibung ihrer Waffenbrüder und ihres Herrn aus 
einer wiedergewonnenen Provinz zuHeße ! Welch glän- 
zende Gelegenheit für Dich, in Erscheinung zu treten 
und den Sultan vor Schande, die Welt vor blutigem 
Krieg zu bewahren und die Dankbarkeit aller Moham- 
medaner zu gewinnen! Sonst könnte es eine Revo- 
lution geben, und das Blut des Sultans würde eines 
Tages auf Dein Haupt kommen! 

Ich bitte um Verzeihung, wenn ich Deine Zeit und 
Muße so in Anspruch nehme, aber die Lage ist zu 
ernst, die auf dem Spiel stehenden Interessen zu man- 
nigfaltig, und ich möchte Rußland nicht seine gute 
Stellung einbüßen sehen, in der es sich hier bisher 
befand; alle Augen sind hoffnungsvoll auf den großen 
Kaiser des Ostens gerichtet. Wird er die erhoffte Lö- 
sung bringen r Meine \ieUeicht ein wenig derbe Offen- 
heit mag Dir zeigen, me groß und stark meine Liebe 
zu Dir ist. Innige Grüße an Alix. 

Dein Dich Hebender Vetter und Freund 
WiUy. 



62 



XVIII 



Die politische Niederlage Frankreichs in der Faschoda- 
Frage (Kitchener hatte am 26. September die britische Flagge 
in Faschoda gehißt und den französischen Major Marchand 
aufgefordert, mit seiner Besatzung Faschoda zu räumen) 
veranlaßt den Kaiser, im folgenden Brief die französische 
Schlappe in den Augen des Zaren noch als weit schärfer 
darzustellen, als sie ohnehin tatsächlich gewesen ist. Nun 
versteht man, warum der damalige russische Minister des 
Auswärtigen Graf Murawjew — den der Kaiser auf Grund 
von Gerüchten als den Initiator des „verrückten Schrittes" 
der französischen Regierung bezeichnet — damals durch die 
„Nowoje Wremja" und den „Grashdanin" den Kaiser des 
Versuches zieh, einen Keil zwischen Rußland und Frank- 
reich zu treiben. 



Damaskus, 9. XI. 1898 

Liebster Nicky! 

Durch das gütige Telegramm, das Du mir nach 
Jerusalem sandtest, gibst Du kund, daß Du unsere Reise 
mit Interesse verfolgst; das ermutigt mich, Dir am 

63 



Ende unserer Fahrt ein paar Zeilen mit einigen meiner 
Eindrücke zu senden. Sie sind so mannigfaltig, daß es 
ziemlich schwer ist, sie aufzuzeichnen. 

An erster Stelle hat natürHch Jerusalem unsere Auf- 
merksamkeit durch die vielen Stätten gefesselt, die voll 
von Erinnerungen an unseren Erlöser sind. Der Ge- 
danke, daß Seine Augen auf den gleichen Hügeln ruh- 
ten, daß Seine Füße den gleichen Boden betraten, geht 
einem tief zu Herzen und läßt es stärker und hin- 
gebungsvoller schlagen. Aber ich muß offen gestehen, 
daß nicht alles, was man sieht und was Bezug auf den 
christlichen Glauben hat, zur Erstarkung dieser Emp- 
findungen besonders angetan ist. Die mannigfachen 
und verschiedenen Konfessionen und Sekten unseres 
gemeinsamen altchristlichen Glaubens haben zu viel im 
Kirchenbauen, in der Errichtung von Klöstern, Ka- 
pellen usw. an den sogenannten „traditionellen heiligen 
Stätten" getan. Das hat zu einer Art Wettbewerb oder 
Wettrennen nach den höchsten Türmen und größten 
Kirchen geführt, die ganz und gar nicht im Einklang 
mit den Stätten sind, an denen sie errichtet wurden. 
Man könnte es wahrhaftig eine Ausstellung von Kir- 
chenmodellen nennen! Das hat auch den Klerus der 
verschiedenen Kirchen in Mitleidenschaft gezogen, so 
daß er Vergnügen an Intrigen und politischen Plänen 
gefunden hat, die Haß an Stelle von Liebe säen und 
zu Kämpfen und Schlachten in den Kirchen führen, 
an Stelle von Psalmen und freundschaftlichem Ver- 
kehr. Aber was noch schHmmer ist, sie haben eine 

64 



im zweiten der Zehn Gebote untersagte Verehrung 
von Steinen und Holz an Stelle der Gottheit selbst 
geschaffen. Ein Franzose sagte mir sehr charakteri- 
stisch: „C'est l'adoration de la pierre aux lieux soi- 
disant saints, dont la saintete ne peut etre garantie, et 
la divinite n'est pour rien." Sehr wahr, aber höchst 
betrüblich für unser christliches Empfinden. Begreif- 
licherweise hat diese — ich bitte um Verzeihung — 
Fetischanbetung bei den Moslems eine grenzenlose 
Verachtung den Christen gegenüber hervorgerufen. 
Meine persönHche Empfindung beim Verlassen der 
Heiligen Stadt war, daß ich mich tief beschämt den 
Moslems gegenüber fühlte, und daß ich, wenn ich 
ohne Religion dorthin gekommen wäre, sicherHch Mo- 
hammedaner geworden wäre. In der Art und Weise, 
wie Religion in Jerusalem verstanden wird, wird sie 
nie zur Bekehrung eines einzigen Moslem führen, noch 
zum Pflanzen eines einzigen Baumes oder zum Graben 
eines einzigen neuen Brunnens ; leider scheint mir Reli- 
gion in Jerusalem von dem IClerus oft als Deckmantel 
für pohtische Pläne und Ziele benutzt zu werden, und 
das ist sehr unrecht und tut der Christenheit sehr großen 
Schaden, denn die Moslemin haben es seit langem be- 
merkt und behandeln uns dementsprechend. Ich 
komme nach Hause mit dem Gefühl einer großen Ent- 
täuschung und mit der festen Überzeugung, daß das 
Grab unseres Erlösers ganz sicher nicht unter der 
Kirche des Heihgen Grabes liegt, die sich im Äußeren 
und in ihrem Schmuck als ein recht übles Seitenstück 



65 



zu der Omar-Moschee in ihrer einfachen und Ehrfurcht 
einflößenden Größe ausnimmt! — Schade! 

Die interessanteste und schönste Stadt vom orien- 
talischen Standpunkte aus ist ohne Zweifel Damaskus. 
Beirut mit seinen hübschen Villen, Gärten und Aus- 
blicken erinnert einen mehr an eine Stadt in Süditalien 
oder in Sizilien. Das Heilige Land ist geradezu furcht- 
bar mit seiner völligen Dürre und seinem Mangel an 
Bäumen und Wasser. Aber hier ist alles wie durch 
Zauber verwandelt. Der große Fluß Barader spendet 
Leben und Kühle und befördert eine wundervolle Vege- 
tation. Die Stadt liegt inmitten großer Gärten und 
schattiger Lichtungen, die alle von kleinen Bächlein 
bewässert werden, so daß sie, von oben gesehen, wie 
eine große Fasanerie von zwei Quadratmeilen Größe 
anmutet! Die ruhigen, lieblichen Innenhöfe mit ihrer 
arabischen Steinmetzarbeit, ihren schattigen Winkeln 
und ihren murmelnden Springbrunnen voll frischen 
Wassers in Marmorbassins sind geradezu einzig, wie in 
einem Traum! Du \%airdest hier entzückt sein, da Du 
so \iel vom Osten verstehst ! — Unser Empfang hier 
ist geradezu überwältigend, nie ist ein christlicher 
— Giaur — Monarch so gefeiert und mit so schranken- 
loser Begeisterung empfangen worden. Das geschieht, 
weil ich ein Freund ihres Sultans und KaHfen bin, und 
weil ich immer eine offene und ehrhche PoHtik ihm 
gegenüber vertreten habe; die gleiche, die ich auch 
Dir so oft empfohlen habe. Der Haß gegen die Eng- 
länder ist stark und nimmt immer mehr zu — kein 



66 



Wunder — , während gleichzeitig zusehends in ihnen 
offene Verachtung Frankreichs erwächst, das alle Hoch- 
achtung, die es früher besaß, eingebüßt hat! Das ist 
die unvermeidliche Folge des schrecklichen Sumpfs, in 
dem die Franzosen jetzt mit ihren inneren Angelegen- 
heiten herumtappen, wobei sie den Schmutz nach 
rechts und hnks spritzen, bis ganz Europa von dem 
Gestank raucht! 

Das zeigt, wie weit die Korruption, die Lüge und 
Ehrlosigkeit in der Nation und vor allem in der Armee 
schon um sich gegriffen hat! Hier sieht man sie als 
ein sterbendes Volk an, besonders seit dem letzten 
höchst schimpflichen Rückzug der Franzosen aus Fa- 
schoda! Was in aller Welt ist bloß in sie gefahren? 
Nach einer so erstklassig vorbereiteten und mutigen 
Expedition des armen, tapferen Marchand! Sie waren 
in einer erstklassigen Lage und imstande, uns anderen 
allen in Afrika zu helfen, die nur eine starke Hilfe 
brauchen! Die Nachricht hat hier wie ein BHtzschlag 
die östHchen Völker getroffen, niemand wollte sie 
glauben! Auf jeden Fall, wenn es sich bestätigt, was 
die Zeitungen sagen, daß Graf Murawjew Frankreich 
zu diesem törichten Unternehmen geraten hat, so war 
er über alle Maßen und unglaubHch schlecht beraten, 
da es Deinen „Freunden und Alliierten" hier den 
Todesstoß gegeben und ihr altes Prestige hier zu Boden 
geschlagen hat, daß es sich nie wieder erhebt. Die 
Moslemin nennen es Frankreichs zweites Sedan, und 
der arme französische Konsul, mit dem ich sprach, 

5* 67 



sagte unter Tränen, daß rings um ihn alles zu Staub 
zerfalle! Frankreich wird diesen Freundschaftsdienst 
nie vergessen und nie Dank dafür wissen. 

Das, mein lieber Nicky, sind die interessantesten 
meiner Beobachtungen, die ich offen und ohne Hinter- 
gedanken berichte, nachdem ich mit meinen eigenen 
Augen gesehen und meinen Ohren gehört habe, was 
in diesem höchst interessanten Lande vorgeht. Ich fand 
alle meine Verm^utungen und Berechnungen, die ich 
Dir so oft unterbreitet habe, vollkommen bestätigt; 
die Türkei ist durchaus lebendig und nicht ein ster- 
bender Mann! Hüte Dich vor den Moslemin, wenn 
Du ihre nationale Ehre oder ihren Kahfen antastest. 

HerzHche Grüße an Alix. 

Stets ganz Dein ganz ergebener Freund und Vetter 
Willv. 



68 



XIX 



Zur Großjährigkeitserklärung des deutschen Kronprinzen 
(6. Mai 1900) hatte Zar Nikolaus II. seinen Oheim Kon- 
stantin (Kostja) und den Chef seines Hauptquartiers, General 
von Richter, nach Berlin entsandt. 



Berlin, 6. V. 1900 

Liebster Nicky! 

In Eile nehme ich mir die Zeit, diese paar Zeilen 
an Dich zu schreiben und Dir aus der Tiefe meines 
Herzens für den lieben und guten Brief zu danken, 
den Du mir freundlichst durch Kostja sandtest. In 
der Tat erinnere ich mich sehr gut der Ereignisse 
Deiner Mündigkeitserklärung und der Zeremonien, die 
sie begleiteten! Wie brav Du Deinen Eid sprachst 
und v^e tiefbev\^egt Dein Heber Vater vt^ar, als er Dich 
nachher umarmte! Wie die Zeit verstrichen ist! Nun 
bist auch Du Herrscher über ein großes Reich und 
hast Kinder, und ich habe einen erwachsenen Sohn! 

69 



Was für ein freundlicher Gedanke war es von Dir, 
Kostja herzuschicken und den lieben alten Richter und 
auch die Herren Deines Gefolges zur Teilnahme an 
der Mündigkeitserklärung meines Jungen! Es stimmt 
mich dankbar und stolz, daß Du gütigst ein solches 
Interesse an den Ereignissen nimmst, die sich in meinem 
Hause begeben, was mir wieder ein Beweis des festen 
Bandes der Freundschaft ist, die wir von unseren 
Vätern geerbt haben, und die mit Gottes Willen und 
Hilfe niemals zu bestehen aufhören soll! Die Feier 
seiner Eidesabiegung auf die alten Farben des ersten 
Garderegiments w^ar höchst eindrucksvoll und sehr rüh- 
rend, der Junge benahm sich ganz natürhch und auch 
sehr brav vor der großen Versammlung von Fürsten usw. 
Mit tausend Dank und den herzlichsten Grüßen an 
die liebe AHx und Wünschen für einen guten Sommer 
verbleibe ich 

immer Dein Dich liebender Vetter und 
Freund Willy. 

P. S. Unsere großen Manöver dieses Jahres zvdschen 
Garde und zweitem Armeekorps sind in der Nähe von 
Stettin. Wenn Du Lust hast, etwas davon zu sehen, 
könntest Du mit Deiner Jacht nach Swinemünde kom- 
men, und von da könnte ich Dich geradeswegs den 
Fluß hinauf zur Stadt bringen. 



70 



XX 



Der Zar hatte dem Kaiser gemeldet, daß er mit ihm gegen 
Mitte September anläßlich der bei Danzig stattfindenden 
deutschen Flottenmanöver zusammenzutreffen gedenke. 
Paulis war Marine-Ordonnanz-Offizier des Zaren. 



Kiel, 13. VI. 1901 

Liebster Nicky! 

Meinen besten und wärmsten Dank für Deine lieben 
Nachrichten durch Paulis. Alles soll so geordnet wer- 
den, wie Du es wünschst. Die Flotte soll je nach der 
Windrichtung Anker werfen, wo das Ankerwerfen am 
meisten geschützt ist. Bojen, mit der russischen Flagge 
markiert, werden für Deine Schiffe gelegt werden. 
Aviso- und Torpedoboote werden Dir entgegenfahren 
und Dich zu Deinem Ankerplatz geleiten. Ich werde 
keinen Diplomaten mitbringen, nicht einmal den Kanz- 
ler, ausgenommen, wenn Du ihn sehen willst. 

71 



Waldersee wird da sein, um sich zu „melden". Der 
liebe alte Schuwalow ist in Berlin, und die ganze 
Garnison pilgert zu ihm, in den Straßen macht jeder 
Soldat Front, die MiHtärmusik spielt, wenn sie an 
seinem Fenster vorbeikommt, seine Hymne. 

Mit dem größten Vergnügen sehe ich der Begegnung 
mit Dir entgegen! Weidmannsheil für Alix. 

Willy. 



72 



XXI 



Die Zarin wurde am S./iS. Juni von ihrer jüngsten Toch- 
ter, Anastasia, entbunden. — Das Datum dieses Briefes ist 
vielleicht in 8. VI. zu verbessern, da der Kaiser am 8. VII. 
der Zarin nicht mehr Wünsche für die noch bevorstehende 
Entbindung senden konnte. 



Swinemünde, 8. VIL 1901 
Liebster Nicky! 

Ich sende Dir diese Zeilen durch meinen Sohn Adal- 
bert, auf den Du, wie ich hoffe, gütig Deine Huld über- 
tragen wirst. Es ist das erste fremde Land, das er 
besucht, und da er vorläufig noch Kadett ist, bitte ich 
Dich, amtlich nicht zuviel mit ihm zu machen. Er 
ist jung und kräftig, und- ich vertraue darauf, Du 
wirst freundlich darauf acht haben, daß er nicht in 
falsche oder schlechte Gesellschaft gerät. 

Mit besten Wünschen für Alix und ihre Entbindung 
verbleibe ich im voraus mit großer Freude an unser 
Zusammentreffen auf See denkend, 

immer Dein Dich liebender Vetter und Freund 

WiUy. 

73 



XXII 



Die in diesem Briefe erwähnte Zusammenkunft der beiden 
Monarchen fand Mitte September auf der Reede von Heia 
bei Danzig statt. Dem Wunsche des Zaren, die beider- 
seitigen verantv\^ortlichen Minister mitzubringen, kommt der 
Kaiser in auffallend kühlem Tone entgegen. Lambsdorff war 
allerdings kränklich, aber der Kaiser sah in der Tat die An- 
wesenheit der Minister nicht gern. 



Wilhelmshöhe, 22. VIII. 1901 
Liebster Nicky! 

Dein lieber Brief vom 17. ist heute morgen ange- 
kommen, und ich. danke Dir für die freundlichen Ge- 
fühle, die Du darin ausdrückst. Ich bin sehr dankbar 
und hoch erfreut, aus Deinem Brief zu ersehen, daß 
ich v^irklich die große Freude haben werde, mit Dir 
bei Danzig zusammenzutreffen. Um so mehr, als es an 
der Spitze meiner Flotte geschehen wird, die darauf 
brennt, ihren Admiral zu begrüßen, und die hofft, daß 
es ihr gelingen wird, seine Anerkennung zu erringen, 
wenn er sie besichtigt. Denn es ist bei den Offizieren 
und der Mannschaft meiner Flotte bekannt, daß Du 
mit Deinem Interesse an Marineangelegenheiten und 
mit Deiner Sachkenntnis Deine Stellung als unser 



74 



Ehrenadmiral ernst nimmst, und daß Du wirklich mit 
den Augen eines Sachverständigen musterst. Infolge- 
dessen werden sie sich alle Mühe geben, zu zeigen, 
was sie können. Ich bitte Dich nur, nicht zu vergessen 
— was Dir ja aus unseren Pubhkationen vollkommen 
bekannt ist — , daß meine Flotte sich gerade im Zu- 
stand der Erweiterung und Umbildung befindet. 
Das "ist natürlich ein Mißstand in ihrem äußeren 
Eindruck, da altes und neues Material und viele ver- 
schiedene Typen durcheinander gruppiert sind, wodurch 
der allgemeine Eindruck der Flotte einen bedauerhchen 
Mangel an Harmonie und Gleichartigkeit zeigt. 

Du hast freundhch Adalberts Besuch erwähnt, den 
Du durch Deine großartige Gastfreundschaft schreck- 
Hch verwöhnt hast. Dein Lob macht Papa und Mama 
sehr stolz. Ich hoffe, er wird es immer verdienen. 
Dein Anteil an dem schmerzlichen Verlust meiner 
armen Heben Mama hat mich tief gerührt. Du bist 
natürhch imstande, aus Deiner eigenen traurigen Er- 
fahrung, als Dein armer Vater starb, zu begreifen, was 
es bedeutet, einen von den Eltern zu verheren, der 
nach menschhchem Ermessen noch jahrelang hätte 
leben können. Doch in diesem Falle w^ar das Leiden 
so schreckhch, daß man das Ende als eine Erlösung 
betrachten konnte, da der Herr sie abrief, und ihre 
letzten Stunden waren, wie ich voll Dankbarkeit sagen 
muß, ganz friedlich und schmerzlos. Dank der großen 
SchneUigkeit meiner Jacht und ihrer Begleitschiffe, die 
mich in achtundzwanzig Stunden von Bergen nach Kiel 



75 



beförderte, war ich. imstande, Kronberg zeitig genug zu 
erreichen, um sie noch bei Bewußtsein zu finden. Ich 
habe Deine freundliche Einladung, daß Du mit ihm 
zusammentreffen möchtest, dem Kanzler übermittelt, 
der sich hoch geehrt fühlt, daß Du ihm solches Ver- 
trauen erweist, worauf er gar nicht vorbereitet war. 
Ich selbst bin sehr glücklich, weil er ein sehr guter 
„connaisseur" russischer Angelegenheiten und Tradi- 
tionen ist und eine dankbare Erinnerung und tiefe 
Anhänglichkeit an Deine Familie von seinem. Aufent- 
halt in Petersburg her bewahrt. Was den Grafen 
Lamsdorf* betrifft, so werde ich ihn natürhch emp- 
fangen, falls er an Bord Deiner Jacht sein sollte; sollte 
das nicht der Fall sein, und da wir gar nicht an Land 
gehen, bitte, bemühe den armen Minister nicht, die 
lange Reise nach Danzig zu unternehmen. — Die 
Hitze, unter der wir in Norwegen Htten, war schauder- 
haft, bis zu 32^ R im Schatten! Wie in Syrien! Mein 
Gefolge, einige zwanzig Mann, vertilgten hundert- 
siebenundsechzig Flaschen Apollinaris in einem Tage! 
— Möge das Wetter schön sein, ohne das obige Resul- 
tat, wenn Du kommst ; die Einzelheiten des Programms 
werden Dir durch Pauhs übermittelt werden. Besten 
Dank für die Anna-Medaille, die ich eben erhielt. Sie 
ist hübsch und macht mir viel Freude. 
Beste Grüße an AHx von Deinem ergebensten und Dich 
Hebenden 

Willy. 
• So schrieb der Kaiser statt Lambsdorff. 

76 



XXIII 



Der Bruder des Zaren, Großfürst Michael Alexandrov,dtsch 
(Micha), weilte Ende Dezember 1901 mehrere Tage bei der 
KaiserfamiUe in Potsdam. 



Neues Palais, 12. XII. 1901 

Liebster Nicky! 

Deines lieben Bruders Micha Besuch geht zu Ende, 
und mit großem Bedauern sehen wir ihn scheiden. Er 
ist ein fröhlicher und sehr verbindhcher junger Mann, 
der jedermann hier für sich eingenommen hat, sogar 
meine Tochter! Er hat sehr gut abgeschlossen und 
alle „Corvees" eines offiziellen Diners mit Vorstellung 
und Cercle wacker überstanden, wenn er sich auch 
sehr erleichtert fühlte, daß es keine Reden gab. AUe, 
die mit ihm zusammenkamen, waren von seinem klaren, 
offenen, männlichen BHck und seinem freimütigen Aus- 
druck angenehm berührt. Er hatte einen durchschla- 
genden Erfolg! Ich bin für die freundlichen Worte 

n 



über Danzig, die mich ungemein stolz machen, sehr 
dankbar. HoffentUch werde ich bei meinem Besuch 
im nächsten Sommer imstande sein, eine gleichartigere 
Flotte und einen der neuen geschützten Kreuzer zu 
zeigen! Ich sehe mit Vergnügen unserer Zusammen- 
kunft entgegen. Oberst Kasnakow ist hier mit meinen 
Dragoneroffizieren zusammen und scheint ein bemer- 
kenswert netter Offizier zu sein. Ich bin froh, sie alle 
hier zu haben. — Ich bitte Dich, als ein Andenken von 
meiner lieben Mama, eine Nadel und ein Medaillon 
für Alix anzunehmen. Micha wird sie Dir überbringen. 
Mit den aufrichtigsten Wünschen für ein glückhches 
neues Jahr und ein fröhliches Weihnachtsfest verbleibe 
ich 

Dein Dich liebender Vetter und Freund 
WiUy. 



78 



XXIV 



Der russische Kreuzer „Warjag", der im September 1901 
mit in Danzig gewesen war, war Ende Dezember 1901 
im Persischen Golf erschienen, um dort den Bewegungen 
der Engländer bei Koweit zu folgen. Es entspann sich dar- 
über eine lebhafte Polemik zwischen der englischen und 
russischen Presse, wobei letztere erklärte, Rußland benötige 
für seine Besitzungen in Ostasien einen Ausgang nach dem 
Persischen Meerbusen. 



Neues Palais, 3. I. 1902 
Liebster Nicky! 

Diese Zeilen sollen Dir ein fröhliches Weihnachtsfest 
und ein glückliches neues Jahr wünschen. Möge Gott 
Dich, Frau und Kinder segnen und beschützen und Euch 
alle gesund an Leib und Seele erhalten. Möge Deine 
Arbeit für den Frieden der Welt so erfolgreich sein wie 
die Pläne, die Du für die Wohlfahrt Deines Landes hegst. 

Ich sende Dir als Weihnachtsgeschenk ein Dolch- 
messer, dem Modell entsprechend, das ich bei unserer 
Marine durch die vom „Variag" datierte Order, ein- 
geführt habe. Ich bitte Dich, es anzunehmen als 



79 



Erinnerung an den lieben Besuch, den Du mir auf der 
Höhe von Danzig gemacht hast, und an die fröhlichen 
Stunden, die wir zusammen verbracht haben. 

Dieses neue Seitengewehr ist bei unseren Offizieren 
so beliebt, daß- ich glaube, sie gehen damit zu Bett. 

Meine Flotte, Heinrich und ich freuen sich bereits 
auf den Tag, an dem wir in diesem Jahr Deinen Be- 
such erwidern können, und ich würde mich freuen, 
zu erfahren, wann und wo Du uns erwartest. 

Da Du solches Interesse an unserer Flotte nimmst, 
wird es Dich interessieren zu hören, daß der neue 
Panzerkreuzer „Prinz Heinrich" sehr bald fertig sein 
wird und bereits seine Maschinen in Leerlauf mit 
durchaus befriedigendem Resultat probiert hat. Er 
wird voraussichtHch nach dem Manöver Ende des 
Winters zur Flotte stoßen. Das neue Linienschlacht- 
schiff „Karl der Große", das fünfte der Kaiserklasse, 
wird hoffenthch zu seinen Versuchsfahrten auf See 
Ende der nächsten Woche bereit sein, und Heinrich 
hofft, in einem Monat dazu stoßen zu können. Die 
„Wittelsbachklasse" wird mit großer Eile fertiggestellt, 
und es ist zu hoffen, daß sie Heinrichs Flagge nach den 
Manövern führen wird. Das bedeutet einen Zuwachs 
von fünf Linienschlachtschiffen, was ihn in den Stand 
setzen wird, über eine völlig gleichartige Flotte von 
„Friedenswächtern" zu verfügen; die werden sich 
zweifellos sehr angenehm fühlbar machen und nütz- 
Hch erweisen, sofern sie helfen, die Welt in Ruhe zu 
erhalten. Die fünf neuen Linienschlachtschiffe sind 



80 



alle bestellt und angefangen. Sie bilden die erste 
Division des zweiten Geschwaders. 

Übrigens ersehe ich aus den Zeitungen, daß der 
historische „Variag" in Koweit angekommen ist. Es 
ist sehr klug, daß eine andere Macht die Absicht 
hatte, das sehr erfolgreiche Experiment, das sie auf 
dem Nil gemacht hat, zu wiederholen, als sie die 
Flagge des Sultans herunterholte, Mannschaft und 
Geschütze landete, unter irgendeinem Vorwand die 
eine oder andere Flagge hißte und dann sagte: „]'y 
suis, j'y reste !" In diesem Falle hätte es unumschränkte 
Herrschaft über alle Handelsstraßen Persiens bis zum 
Golf bedeutet, und damit über Persien selbst, und 
damit „Gute Nacht" für Deinen beabsichtigten Auf- 
bau des russischen Handels, den Du durch den Anschluß 
Persiens an den Zollverein so tüchtig begonnen hast. 

Das Benehmen der fremden Macht in Koweit 
setzt die enormen Vorteile einer überragenden Flotte 
ins rechte Licht, die die Zugänge beherrscht von der 
See zu Orten, die über Land keine Verbindungswege 
haben, an die wir anderen aber nicht herankönnen, 
weil unsere Flotten zu schwach sind und ohne sie 
unsere Transporte der XYillkür des Feindes preis- 
gegeben. Das zeigt wieder einmal, wie sehr not- 
wendig die Bagdadbahn ist, die ich mit deutschem 
Kapital zu bauen vorhabe. Wenn der famose Sultan 
nicht Jahre mit dieser Frage vertrödelt hätte, so 
wäre die Linie schon vor Jahren begonnen worden 
und hätte Dir jetzt den Vorteil geboten, ein paar 

6 8l 



Regimenter aus Odessa geradeswegs nach Koweit zu 
schicken, und das würde die Rechnung der anderen 
Macht gestört haben, wegen der russischen Truppen, 
die die inneren Linien an Land beherrscht hätten, 
wogegen sogar die größte Flotte aus vielen Gründen 
machtlos ist. Der Hauptgrund — nach der überliefer- 
ten Antwort des Kommandeurs von Kronstadt an 
Peter den Großen, als sie ihn nicht gegrüßt hatte: 
„d'abord parce que les vaisseaux ne peuvent pas 
marcher sur terre," während Du sagen kannst: „cela 
suffit!" Die ursprüngliche Antwort des tapferen 
Admirals: „D'abord parce que je n'ai plus de poudre** 
wurde am Tage vor St. Nikolaus von dem Kapitän 
des „Askold" an Heinrich gegeben. Meine Flotte 
hatte Ordre bekommen. Deinen Namenstag durch 
reichen Flaggenschmuck und Abfeuern des Königs- 
saluts zu feiern. Doch als Heinrich sich beim Kapitän 
von Reitzenstein erkundigte, zu welcher Zeit die 
Zeremonie vonstatten gehen solle, erklärte dieser, 
er werde nichts Derartiges tun, und sogar nachdem 
Sergius ihm Bescheid hatte zukommen lassen, ver- 
weigerte er glatt, seine Wimpel, zu hissen und seinen 
Kaiser zu grüßen, obgleich sie (die Flotte) bevoll- 
mächtigt ist und ihre gesamte Mannschaft an Bord 
hat. Mein Geschw^ader war entrüstet und von dem 
Benehmen dieses Mannes sehr — wenn ich sagen 
darf — angewidert ! Ich sende Dir außer dem Dolch- 
messer ein sehr interessantes Buch über den süd- 
afrikanischen Krieg, von einem Engländer geschrieben, 

82 



der die Art, wie er unternommen wurde und die 
Ziele, für die er geführt wurde, scharf verurteilt 
Es wirkt sehr aufKlärend über diesen Punkt und zeigt, 
daß der Autor seine Unparteilichkeit bis zum letzten 
Augenblick aufrechterhält, eine sehr dankenswerte 
Ausnahme von der jetzt in England üblichen Regel. 
Die Parallele, die er zwischen diesem Krieg und dem 
Krieg gegen die amerikanischen Kolonien 1773 — 83 
zieht, ist sehr überraschend und treffend. Der Über- 
bringer meiner Geschenke ist mein Adjutant von 
Usedom — vor Jahren eine Zeitlang Heinrichs Adju- 
tant. Er führte das Kommando der „Hertha" während 
der Chinaaffäre, und er hat die Seymourexpedition 
gerettet und sie heil nach Tientsin zurückgebracht. 
Er war tatsächlich der Chef des Admiralstabes, und 
ihm wurde der jetzt „historische" Befehl erteilt, auf 
welchen meine blauen Jungens so stolz sind: „Germans 
to the front!" als die englischen Matrosen sich weiger- 
ten, weiter vorzugehen. Er war in Danzig nicht an- 
wesend, denn er hatte sich durch einen Sturz vom 
Pferde am Bein verletzt, und darum dachte ich. Du 
würdest aus seinem eigenen Munde gern erfahren, 
was für ein Übermaß von Leiden die an der unseligen 
Expedition Beteihgten erduldet haben. Nun, liebster 
Nicky, leb' wohl, beste Grüße an Alix, Micha und 
Deine Mama von Deinem Dich stets liebenden und 
ergebenen 

Vetter und Freund 
Willy. 

83 



XXV 



Die Erwähnung von Reval bezieht sich auf das für Som- 
mer 1902 in Aussicht genommene Zusammentreffen der 
beiden Kaiser. — Prinz Heinrich solhe'l^itte Februar an 
Bord eines Dampfers des Norddeutschen Lloyd sich nach 
Nordamerika begeben. Er verblieb dann in den Vereinigten 
Staaten bis zum li.März. 



Berlin, 30. I. 1902 



Liebster Nickyl 



Nochmals brieflichen Dank, daß Du so freundlich 
warst, mir Deinen LiebHngsadjutanten Obolenski mit 
den Geburtstagsgeschenken hierherzusenden. Die Pe 
lerine ist höchst praktisch und wird mir bei jeder 
Witterung gute Dienste tun, ganz besonders bei den 
Fahrten mit der Motorschaluppe zwischen der „Stan- 
dard" und der „Hohenzollern" in Reval. Die Vasen 
sind bezaubernd: die blaue mit „Pate sur Pate" ist 
ein kostbares Stück und ein schöner Schmuck für 
meinen Salon. Obolenski machte an meiner Seite all 



^^4 



die verschiedenen Verpflichtungen meines Geburts- 
tages mit und wird Dir erzählen können, was so ein 
armer, überarbeiteter „Landesvater" alles durchzu- 
machen hat, bevor er sich ruhig hinsetzen darf, um 
einen Happen zu essen und eine Zigarette zu raucheru 
Trotzdem gelang es uns, sehr vergnügt zu sein, zu- 
mal alle meine Geschwister hier waren und Heinrich 
die Familie in Stimmung hielt, da er selbst aufgeräumt 
ist durch die Aussicht auf den kurzen Besuch, den er 
den Amerikanern und ihren schönen Frauen abstattet, 
was zu unserer großen Erheiterung auf der anderen 
Seite des Kanals erhebliche Zahnschmerzen zu be- 
reiten scheint! 

Aber ich darf Deine kostbare Zeit nicht länger in 
Anspruch nehmen; Obolenski bringt Dir die Tabellen 
der russischen, am^erikanischen und japanischen Flotte, 
die nach den letzten Berichten aufgestellt sind, und 
Photographien von Danzig. Auf die Tage dort bHcke 
ich noch immer dankbar und freudig zurück und bin 
Dein pflichtgetreuer und wohlgeneigter Vetter und 
Freund 

Willy. 
Beste Grüße an Ahx. 



85 



XXVI 



Anfang August 1902 fanden bei Reval russische Flotten- 
manöver statt, zu denen der Zar den Kaiser eingeladen 
hatte. Die Zusammenkunft der beiden Monarchen erfolgte 
am 6. August im Beisein des Reichskanzlers Bülow. — Der 
in dem Schreiben erwähnte König ist Viktor Emanuel von 
ItaHen, der vom 27. — 31. August in Berhn weilte. — Der 
am Schluß genannte General Tschertkoff war General- 
gouverneur von Warschau. 



Generalkommando Posen, 2. IX. 1902 

Liebster Nicky! 

Seit meiner Rückkehr aus Reval war ich sehr be- 
schäftigt, wie Du aus den Zeitungen gesehen haben 
wirst. Jetzt, da mein erlauchter Gast, der König, nach 
seinem gut verlaufenen Besuch abgereist ist, finde 
ich endlich in dem Trubel der Manöver ein paar 
Minuten Zeit, die ich diesem Brief an Dich wid- 
men will. Überflüssig zu sagen, daß die Erinnerung 
an Reval mir noch frisch vor Augen steht; ebenso 

86 



die Güte und Freundschaft, die Du mir bezeugt hast, 
das schöne militärische Schauspiel, die Tüchtigkeit 
Deiner Flotte sowohl bei Schießübungen wie beim 
Manövrieren und nicht am wenigsten die vielen Stun- 
den liebenswürdiger und ungestörter Gesellschaft und 
freundlicher Unterhaltung, die ich mit Dir ver- 
bringen durfte. Dies alles steht in meinen Gedanken 
noch voran und beschäftigt meinen Geist und mein 
Fühlen noch so vollkommen, daß ich es als einen ent- 
schiedenen Mangel an Takt und Erziehung empfinden 
würde, wenn ich Dir nicht nochmals durch diesen 
Brief von ganzem Herzen danken würde. Der ganze 
Aufenthalt war für mich ein einziger Hochgenuß, 
aber er war noch mehr. Die Schule des Flotten- 
artilleriewesens, die mir auf Deinen Befehl vorgeführt 
wurde, ist der lebenswichtigste Teil in der Entwick- 
lung der Flotte und in ihrer Vorbereitung für ihr 
„Geschäft". Durch diese Erlaubnis hast Du mir ein 
besonderes Zeichen Deines Vertrauens gegeben — 
allerdings in Erwiderung dessen, was ich Dir in Danzig 
zeigte — und es schließt vollkommenes Vertrauen zu 
dem Besucher ein, vne es nur möglich ist zwischen 
Männern von gleichen Ideen und Grundsätzen, und 
zwischen Monarchen bedeutet es vereinigte Arbeit 
an der gemeinsamen Sache, den Frieden ihrer Länder 
zu wahren. Diese Zuversicht und dieser Glaube, den 
Du mir gezeigt hast, ist nicht, ich versichere Dich, 
übel angebracht, denn er beruht durchaus auf Gegen- 
seitigkeit. Das wird durch die Tatsache bewiesen, 

87 



daß die geheimen Pläne meiner neuesten Schiffe — 
für jeden Fremden unsichtbar — Dir und der Dis- 
kretion Deiner -Marinebehörden anvertraut wurden. 
Zu diesen Tatsachen füge noch hinzu, daß wir beide 
das gleiche Interesse an der Entwicklung unserer 
Flotten haben, so daß uns die Leidenschaft für die 
See eingeboren ist; dies wird zur Genüge zeigen, daß 
wir unsere beiden Flotten als eine große Organisation 
zu betrachten haben, die einem großen Kontinent 
angehört, dessen Interessen sie an seinen Küsten und 
auf dem offenen Meere zu verteidigen hat. Dies be- 
deutet praktisch den Frieden der Welt. 

Denn als Herrscher der beiden führenden Mächte 
der beiden großen kontinentalen Staatenkombinationen 
vermögen wir, unsere Ansichten 'über irgendeine all- 
gemeine, ihre Interessen berührende Frage auszu- 
tauschen, und sobald wir geregelt haben, wie sie anzu- 
fassen ist, so vermögen wir, unsere Alhierten dahin zu 
bringen, die gleichen Gesichtspunkte anzunehmen. 
Haben aber die beiden Allianzen — das sind fünf 
Großmächte — entschieden, daß der Friede bewahrt 
werden muß, so muß die ganze Welt Frieden halten 
und wird sich seiner Segnungen erfreuen können. 
Das ist eine überzeugende Illustration der Tatsache, 
daß die beiden Allianzen das Gleichgewicht Europas 
und der Welt aufrechterhalten, wenn sie durch die 
jährliche Zusammenkunft ihrer beiden Führer zum 
Zwecke des Gedankenaustausches in enger Verständi- 
gung bleiben. 

88 



Dies ist um so notwendiger, als gewisse Erschei- 
nungen im Osten zeigen, daß Japan ein ziemlich ruhe- 
loser Kunde wird, und daß die Lage alle Kühle und 
Entschlossenheit der Friedensmächte erfordert. Die 
Nachricht, daß der japanische General Yamai — der 
frühere Führer der Japstruppen in China — der japa- 
nischen Gesandtschaft in Peking attachiert worden 
ist, um die Reorganisation der chinesischen Armee 
in die Hand zu nehmen, d. h. zu dem nicht ein- 
gestandenen Zweck, jeden anderen Ausländer aus 
China zu vertreiben — , ist sehr ernst. Zwanzig bis 
dreißig MilHonen ausgebildeter Chinesen, unterstützt 
von einem halben Dutzend japanischer Divisionen 
und geführt von tüchtigen, unerschrockenen japa- 
nischen Offizieren, voll Christenhaß, das ist ein Zu- 
kunftsbild, das sich nicht ohne Besorgnis betrachten 
läßt, und nicht unmöglich. Es ist vielmehr die Ver- 
wirkHchung der gelben Gefahr, die ich schon vor 
einigen Jahren ausgemalt habe und für deren gra- 
phische Darstellung ich von 'der größeren Masse des 
Volks verlacht worden bin. 

Da es interessant ist, die Verteilung der Flotten- 
macht für den Fall entstehender Komplikationen im 
Osten zu übersehen, habe ich davon eine flüchtige 
und nur annähernde Berechnung in der Form einer 
Tabelle gemacht, die ich Dir vorlege. Die Ziffern 
sind nicht genau wegen der beständigen Schiffsver- 
änderung, aber sie können mehr als allgemeinem: An- 
haltspunkt gelten. Die fast fertig gebauten Fahrzeuge 

89 



sind als verfügbar aufgezählt, die ältesten Schiffe 
dagegen sowie die kleineren sind nicht berück- 
sichtigt. 

Die Manöverschau ist sehr gut verlaufen, und das 
fünfte Korps war so gut, wde damals, als Du es bei 
GörHtz gesehen hast. Alle freuen sich sehr. Deine 
Offiziere und den Gouverneur-General Tschertkoff 
begrüßen zu können. Ich bin Dir sehr dankbar, daß 
Du ihnen erlaubt hast, zu kommen, und ich bin ganz 
entzückt von der Haltung dieses prächtigen alten 
Soldaten, der sich genau so gezeigt hat, wde Du ihn 
mir beschrieben hast. Ich habe ihm den Schwarzen 
Adler verHehen zum Zeichen, v^ie ich seinen Besuch 
zu würdigen weiß. Er und alle Deine Offiziere, die 
auf mich einen ausgezeichneten Eindruck machten, 
waren von dem Mißgeschick, das Alix zugestoßen 
ist, tief betroffen, und natürHch auch wir alle samt 
meiner Frau. Gebe Gott, daß sie sich bald erholt und 
keine üblen Folgen verspürt. Mit den herzlichsten 
Grüßen von Viktoria und mir an Euch beide bin ich 

Dein ergebener F-reund und Vetter 

Willy, 

Admiral des Atlantik. 



OO 



XXVII 



Der deutsche Kronprinz hatte vom i6. bis 24. Januar 1903 
einen Besuch am Zarenhofe in Petersburg abgestattet. 



Berlin, 14. I. 1903 

Liebster Nicky! 

Diese Zeilen werden Dir von meinem Sohne ge- 
bracht. Meine Schwestern nennen ihn gev/öhnlich 
„Billy Nr. 2" oder den „kleinen Willy", um ihn vom 
Vater zu unterscheiden. Ich stelle ihn unter Deinen 
freundlichen Schutz und hoffe. Du wirst mit seinem 
Benehmen zufrieden sein. Er ist noch sehr jung und 
beginnt erst, sich zu bilden, so daß Du, wenn er irgend- 
welche „bevues" macht, sie freundlichst übersehen 
mußt. Außer diesem Brief bringt er noch eine Anzahl 
Weihnachtsgeschenke für Dich, die ich nicht früher 
senden konnte. Erstens ein großes Modell unserer 
neuen (H.) Klasse von Schlachtschiffen, das Du, 
wie Du in Reval sagtest, gerne haben möchtest. 

QI 



Schimmelmann kann es Dir jederzeit erklären. Zwei- 
tens ein Aquarell, das eine Geschichte der Formen und 
Farben aller unserer Regimentsabzeichen und Fahnen 
darstellt von der Zeit des Großen Kurfürsten bis 1806, 
die zweite bis 1900. Drittens sämtliche zu Deinem 
neuen Kürassierregiment gehörenden Uniformstücke, 
Wappen, Küraß und Gehänge, die Dir hoffentlich 
passen werden. Ich habe sie meinem alten Kammer- 
di^er anvertraut, den Du in Reval gesehen hast, 
„Vater" Schultz. Er wird Deinen Leibdiener instruie- 
ren, wie die verschiedenen Stücke anzulegen sind. 
Viertens einige Broschüren und Zeitschriften, von 
denen ich dachte, daß sie Dich in Deinen Mußestunden 
vielleicht interessieren könnten. 

Bezüglich der Armeefarben habe ich eine Bitte an 
Dich: Auf der ersten kurfürstlichen Tafel sind die 
ersten Fahnen des Leibregiments des ersten Königs, 
wie sie nach seiner Krönung als Friedrich L verheben 
wurden, blau mit goldenen Flammen, Kronen und 
Adlern, und weiß mit schwarzen Adlern und goldenen 
Kronen. Diese Fahnen sind in unserem Arsenal bis 
zum Siebenjährigen Krieg aufbewahrt worden, dann 
wurden sie von den russischen Truppen, die damals 
Berlin besetzten, mit vielen anderen Dingen aus dem 
Arsenal weggetragen. Wir sind nun dabei, mit großer 
Sorgfalt und Mühe die Geschichte unserer Fahnen 
wieder aufzuschreiben, und ich wäre Dir sehr dank- 
bar, wenn Du freundlichst erlauben würdest, daß sie 
in Aquarell oder Öl kopiert werden, damit wir eine 



92 



authentische Vorlage von ihnen haben, wie sie in 
Petersburg sind. 

In der Hoffnung, daß alles gut ankommt, und indejn 
ich meinen Sohn um das Vergnügen, Dich zu sehen, 
beneide, bleibe ich stets Dein Dich hebender Freund 
und Vetter 

Billy Nr. i. 



93 



XXVIII 



Die kleine Tochter des Großherzogs Ernst (Ernie) Lud- 
wig von Hessen war am l6. November gestorben. — 
Anfang November fand in Wolfsgarten bei Darmstadt 
eine Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren statt. Der 
Reichskanzler Bülow und der russische Minister des Aus- 
wärtigen Graf Lambsdorff nahmen an der Zusammenkunft 
teil. Bei dieser Gelegenheit wurde abermals die Balkan- 
frage — insbesondere die mazedonische Frage — besprochen, 
über die einen Monat vorher zwischen dem Zaren und 
dem Kaiser Franz Joseph, bzw. zwischen ihren beider- 
seitigen Ministern des Auswärtigen die sogenannte „Mürz- 
steger Punktation" vereinbart worden war. Schon im Jahre 
zuvor hatte in Bulgarien eine leidenschaftliche Agitation 
für eine Unterstützung der aufständischen Bulgaren in Maze- 
donien eingesetzt, und da diese Bewegung auch in der bulga- 
rischen Armee weitgehenden Anhang fand, war zu befürchten, 
daß der Fürst von Bulgarien — der ,, Erzverschwörer", wie 
er im Schreiben genannt wird — unter diesem Druck sich 
schließlich zu einer Kriegserklärung an die Türkei werde ent- 
schHeßen müssen. Rußland und Österreich-Ungarn waren 
bestrebt, diese Kriegsgefahr zu beschwören, indem sie die 
Pforte schon im Februar 1903 zu Reformen in Mazedonien 
zu bewegen versuchten, die den Bulgaren den Anlaß zu ihrer 
nationalen Agitation nehmen sollten. In Mürzsteg war im 
Herbst 1903 ein neues Reformprogramm festgesetzt und dem 
Sultan durch zwei identische Noten zur Annahme empfohlen 
worden. Die Pforte lehnte jedoch zunächst das Programm ab. 



94 



Neues Palais, 19. XL 1903 

Liebster Nicky! 

Es ist mir unmöglich, an dem plötzlichen, tragischen 
Tod des süßen kleinen Sonnenscheins vorüberzugehen, 
ohne Dir wenigstens mit einem Wort zu sagen, wie 
tiefes Mitgefühl ich für Euch alle in dieser traurigen 
Angelegenheit hege. Es ist wirkhch sehr schwer, sich 
die Tatsache zu vergegenwärtigen; daß dieses geliebte 
Kind nicht mehr unter uns weilt! Wie vergnügt und 
fröhHch war sie an dem Tage in Wolfsgarten, als ich 
da war, so voller Leben, Laune und Gesundheit, und 
nun denken zu müssen, daß man sie auf dieser Erde 
niemals wiedersehen soll! Was für ein schrecklicher, 
herzzerreißender Schlag für den armen Ernie, der das 
kleine bezaubernde Kind schwärmerisch liebte und 
anbetete! Gott möge ihm Kraft geben, einen solchen 
Sclilag zu tragen. Ich stehe noch unter dem be- 
glückenden Eindruck der beiden Tage, die ich mit 
Dir verleben durfte, und sie bleiben eine entzückende 
Erinnerung für mich. Du entsinnst Dich unserer 
Unterhaltung über den Balkan und die Türkei, und 
meines späteren Telegramms mit meinen Anweisungen 
an meinen Gesandten, dem Sultan eine energische Vor- 
lesung darüber zu halten, daß es höchste Zeit für ihn 
sei, sich endUch dem Mürzsteger Programm anzu- 
schließen ? Nun, diese Anweisungen haben vor einigen 
Tagen zwischen meinem Gesandten und dem Sultan 



95 



zu einer Unterredung geführt, die eine und drei Viertel 
Stunden dauerte. Der Sultan war sehr zähe und ent- 
schieden der Vorstellung, eine Weigerung, sich den 
russisch-österreichischen, von mir unterstützten Wün- 
schen zu fügen, brächte ihm nicht großen Schaden! 
Der Gesandte hatte jede denkbare Überredungskraft, 
die einem Monarchen gegenüber nur angebracht war, 
aufzubieten, um Seiner Majestät den Ernst der 
Situation beizubringen, und er verließ ihn „als krän- 
keren, aber klügeren Mann", nachdem er ihm völlig 
klargemacjit hatte, daß ich unter gar keiner Bedingung 
eine Hand zu seiner Unterstützung erheben oder ein 
Wort für ihn reden würde, wenn er sich und sein 
Land durch die Weigerung, die Wünsche Ihrer Maje- 
stäten, des russischen und des österreichischen Kaisers, 
zu erfüllen, in Schwierigkeiten brächte, nachdem diese 
eine wahrhafte Engelsgeduld und Nachsicht mit seiner 
Haltung gezeigt hätten und sich streng an das Februar- 
und das Mürzsteger Programm hielten, das auch ich 
unterstütze. Der Gesandte steht unter dem Eindruck, 
daß sehr lebhafte Intrigen im Palast bei einer Bande 
von Individuen sehr anrüchiger Art umgehen. Diese 
umgeben den Sultan und haben es mit Hilfe unglaub- 
licher Lügen fertiggebracht, seine Leichtgläubigkeit zu 
mißbrauchen und den Großwesir fernzuhalten, dessen 
Einfluß sie fürchten und der völlig im Einverständnis und 
loj'^alerweise „d'accord" mit unseren drei Gesandten ist. 
Eine andere interessante Nachricht hat mich aus 
Sofia erreicht. Der Ministerpräsident des „Erzver- 



schworers" gab bei einer UnterKaltung nach einem 
Diner seinem und seines Landes äußerstem Mißver- 
gnügen über das Mürzsteger Programm Ausdruck. 
Daß es nicht ausreichend für sie wäre, und daß sie 
darauf bestehen müßten, mehr zu erhalten. Aber da 
er ganz sicher sei, daß die kaiserhchen Mächte nicht 
mehr zugestehen würden, richteten alle in Bulgarien 
ihre Bhcke auf Itahen, England und Frankreich! Nur 
von diesen Ländern könnten sie noch etwas für Bul- 
gariens und Mazedoniens Zukunft erwarten; nur sie 
würden ihnen „Freiheit" — das heißt Parlamente 
und Republiken für die unterdrückten Balkanstämme 
bringen ! Das beweist Dir aufs neue, worauf ich schon 
in unserer Unterhaltung anspielte, daß die Krim- 
Kombination wirkt und gegen die russischen Inter- 
essen im Osten arbeitet. „Die demokratischen Länder 
von Parlamentsmehrheiten regiert im Kampf gegen 
die kaiserhchen Monarchien" — die Geschichte wieder- 
holt sich immer. 

Mit herzlichen Grüßen für Alix und Wünschen für 
ihre baldige Genesung bleibe ich wie immer 

Dein wahrer und ergebener Freund und Vetter 
Willy. 



97 



XXIX 



Die russisch-japanischen Beziehungen, die bald darauf zum 
Kriege führen sollten, hatten in der zweiten Hälfte des 
Jahres 1903 eine beunruhigende Spannung gezeigt. Als der 
damalige russische Kriegsminister Kuropatkin im Juni 1903 
Japan besuchte^ erklärten enghsche Zeitungen, die Ansicht 
der russischen Presse, die Ministerreise bedeute eine russisch- 
japanische Annäherung, widerspreche den Tatsachen. Ende 
August schlug allerdings Japan in Petersburg eine Ver- 
ständigung wegen einer Abgrenzung der beiderseitigen 
Interessensphären in der Mandschurei und in Korea vor, 
aber die liberalen Parteien im japanischen Parlament lehnten 
sich dagegen auf und forderten schließlich die Absendung 
eines Ultimatums nach Petersburg mit der Forderung einer 
Räumung der Mandschurei durch die Russen, was zu einer 
Auflösung der japanischen Kammer führte. 



Neues Palais, 4. XII. 1903 
Liebster Nicky! 

Beigeschlossen übersende ich Dir einiges interessante 
Unterhaltungsmaterial. Artikel über Politik, über 
maritime Fragen, eine Beschreibung der Petersburger 

98 



Lebensmittelversorgung — von der ich nicht weiß, 
ob sie richtig ist — und ein illustriertes Heft über die 
letzten Manöver. Vielleicht findest Du darin Abhand- 
lungen wieder, die Dich an unsere letzte Unterredung 
erinnern und die Dir zeigen, vi^ie man die Entwicklung 
der Dinge in Europa betrachtet, zuweilen wohl von 
einem anderen Gesichtspunkt als in Petersburg. Wenn es 
bekannte Nachrichten für Dich sind, bitte ich um 
Entschuldigung, aber da Du in Wolfsgarten sagtest, 
es mache nichts aus, wenn es nur Nachrichten seien, 
die die Sicherheit unserer beiden Nationen betreffen, 
so habe ich mir erlaubt, sie Dir zu unterbreiten. Es 
sind Ausschnitte aus den verschiedensten Quellen 
und Zeitungen. Wie froh bin ich, daß Alix wieder 
in Ordnung ist und frei von diesen scheußlichen 
Schmerzen! Die Schießresultate sind sehr gut, und 
ich wünsche Dir Weidmannsheil von ganzem Herzen. 
Ich habe meinen Generaladjutanten von Loewenfeld 
nach London geschickt, um Onkel Arthur das Kreuz 
für langgeleistete Dienste (25 Jahre) zu übergeben, 
und gleichzeitig, um sich über die Stimmung und den 
allgemeinen Stand der öffentHchen Meinung zu infor- 
mieren. Seine Mutter ist eine Engländerin. Er 
spricht daher die Sprache sehr gut. Was er sah und 
hörte, werde ich Dir noch mitteilen. 

Die Offiziere meiner nach China kommandierten 
Truppen haben schon vor langer Zeit den geheimen 
Befehl erhalten, die Beziehungen zwischen japanischem 
und chinesischem Militär zu überwachen und den 

r 99 



wachsenden Einfluß Japans bei der chinesischen Armee 
zu beobachten. Vor zwei Tagen erhielt ich die Nach- 
richt, daß die Japsen in aller Stille hinter Deinem und 
meinem Rücken die Chinesen gegen uns bewaffnen. 
Daß sie ein Geheimabkommen mit China getroffen 
haben, die Armee mit 20 000 neuen Repetiergewehren 
und Munition zu versehen, ferner mit 48 Feldge- 
schützen und 12 Bergkanonen (Schnellfeuer) mit 
Munition, lieferbar bis nächsten Sommer. Die chine- 
sischen Truppen exerzieren Tag und Nacht und nach 
Angabe von Leuten, die sie z. B. in Pao-ting-fu 
sahen, recht gut! Kommandiert werden sie von 
japanischen Instruktionsoffizieren, deren Zahl ständig 
wächst ! Feine Sachen ! Ich glaube, man sollte den Chi- 
nesen nicht erlauben, Japsen in ihrer Armee zuhaben! 
Sicherhch erwecken sie Hoffnungen bei den Chinesen, 
entflammen ihren Haß gegen die weiße Rasse im 
allgemeinen und bedeuten eine schwere Gefahr in 
Deinem Rücken, falls Du einem japanischen Abenteuer 
an der Küste gegenüberstehen solltest. Mit der Bitte 
um Verzeihung für die Freiheit, die ich mir genommen 
habe, spreche ich die Hoffnung aus, daß der Admiral 
des Pazifik nicht böse sein wird, über die Signale des 
Admirals des Atlantik, der immer auf dem Ausguck 
steht! Tata. 

HerzHche Grüße für AHx 

von Deinem ergebenen Freund und Vetter 

toujours en vedette 

VVillv. 



100 



XXX 



Ende Oktober 1902 weilte der Kronprinz von Dänemark 
als Gast des deutschen Kaiserpaares in Berlin, was in der 
Presse als ein Zeichen der Besserung in den politischen Be- 
ziehungen zwischen Deutschland und Dänemark ausgelegt 
wurde. Im April 1903 erfolgte dann der Besuch des Deutschen 
Kaisers in Kopenhagen, wobei sowohl die bürgerHche als 
die sozialdemokratische dänische Presse den Kaiserbesuch 
einstimmig als ein Symptom begonnener freundschafthcher 
Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark kommen- 
tierte. Der König von Dänemark stattete am 17. Dezember 
in Potsdam seinen Gegenbesuch ab. Der in diesem Schreiben 
erwähnte „Plan" bezieht sich auf Versuche, Dänemark in 
ein engeres Verhältnis zu Deutschland zu bringen. Vgl. darüber 
das dänische Weißbuch von 1919. — Wie schon in seinem 
Briefe an den Zaren vom 4. Dezember kommt im nach- 
folgenden Schreiben der Kaiser abermals auf die russischen 
Expansionswünsche im Fernen Osten, denen er nicht nur 
in bezug auf die Mandschurei, sondern auch hinsichtlich 
Koreas rückhaltslos zustimmt. Die koreanische Frage war 
es bekanntlich denn auch, die bald darauf die unmittelbare 
Ursache des russisch-japanischen Krieges abgeben sollte. 



lOI 



Berlin, 3. I. 1904 

Liebster Nicky! 

Diese Zeilen sollen Dich an Eurem Weihnachtsabend 
erreichen und werden Dich hoffentlich wolil und glück- 
lich antreffen, mit Ahx wieder an Deiner Seite und der 
lustigen kleinen Gesellschaft, die im Lichterglanze des 
Christbaumes um Euch herumtollt. Ich wünsche Dir 
abermals alle Segnungen des Himmels auf allen Deinen 
Wegen, möge sowohl Dein kostbares Leben uns noch 
lange erhalten bleiben wie das aller, die Dir teuer 
sind. Mögen Deine Pläne vollen Erfolg haben; wenn 
auf friedlichen Wegen, so sanft wie ein plätschernder 
Bach; wenn durch Entscheidung der Waffen, dann 
mögen sie siegreich sein und Deine Fahnen mit fri- 
schem Lorbeer geschmückt flattern. Vielen Dank für 
Deinen freundlichen Brief vom 20. Dezember, der ein 
neues Zeugnis Deines für mich so kostbaren Vertrauens 
ist. Wir müssen nur sorgsam vorgehen, damit der Plan, 
den wir so verheißungsvoll angefangen haben, nicht 
durch Einzelheiten Schaden leidet. Als ich von Deinem 
guten alten Großvater, dem König, Abschied nahm, 
stand ich unter dem Eindruck, daß ihn der Gegenstand 
beschäftigte, und daß er darüber nachdachte, die Form 
zu finden, die den Bedürfnissen seines Landes am besten 
entspricht. Als Grundlage unserer Unterredung be- 
nutzte ich einige dänische Zeitungsartikel über die 
dänische Neutralität. Da ihr Inhalt anscheinend in 



102 



Dänemark ziemlich viel Aufmerksamkeit erregt hat, 
füge ich einen kurzen Auszuj; daraus bei, der dazu bei- 
tragen möge, Dir die Natur der Schwierigkeiten zu 
zeigen, die der König bei seinem Volke vorauszusehen 
und zu befürchten scheint. Daraus geht klar hervor, 
daß der König als der am meisten von dieser Frage Be- 
troffene in allererster Reihe zv^eifellos zum Ausdruck 
seiner Ansichten berechtigt ist, und daß er sie von 
jemand, der sein vollstes Vertrauen besitzt, in Worte 
fassen und ausarbeiten ließ. Ich meine daher, als der 
nächste Schritt, der in dieser Angelegenheit unter- 
nommen werden muß, wäre es am besten, Du schriebest 
Deinem Großvater, er möge uns die Vorschläge, sobald 
sie eine für ihn annehmbare Form erlangt haben, über- 
mitteln, und daß wir abwarten, bis er uns vollen Spiel- 
raum bezüghch seiner Ideen über die Frage der däni- 
schen Neutralität gibt. Wenn man an die Tage von 
66 zurückdenkt, ist es verständlich, daß uns die Dänen 
noch immer etwas scheel ansehen, und darum werden 
sie einen Vorschlag, der ihr Schicksal betrifft, günstiger 
betrachten, wenn er von Dir kommt, der mit ihrem 
König so nahe verwandt ist und der Sohn einer von 
ihnen leidenschaftlich verehrten Prinzessin ist. Ich 
sende Dir beifolgend einige interessante Artikel. 
Einen über unsere Marine und Rußlands Politik im 
19. Jahrhundert; einen über unsere Handelsflotte; 
ferner zwei Ausschnitte aus, einem englischen Groschen- 
blatt, das täglich von Tausenden in den Straßen Lon- 
dons und auch sonst in England gelesen wird. Sie 



103 



sollen Dir zeigen, mit was für Zeug und in welchem 
Ton diese Presse ihre Lesqr schon seit vielen Wochen 
füttert, und daß sie die Flammen anfachen, wo sie nur 
können. Für uns hier auf dem Kontinent ist diese 
Heuchelei und dieser Haß äußerst widerlich und un- 
verständlich. Jeder Mensch begreift hier vollkommen, 
daß Rußland, dem Gesetz der Ausdehnung folgend, 
versuchen muß, für seinen Handel einen eisfreien Aus- 
gangsplatz zur See zu finden. Durch dieses Gesetz hat 
es Anrecht auf einen Küstenstrich, der solche Häfen 
hat (Wladiwostok, Port Arthur). Das „Hinterland" 
muß in Deiner Macht stehen, damit Du die Eisen- 
bahnen bauen kannst, die die Güter nach den Häfen 
einschaffen (Mandschurei). Zwischen beiden Häfen 
befindet sich eine Landzunge, die, wenn sie in den 
Händen eines Gegners liegt, eine neue Art von Darda- 
nellen werden kann. Das zu gestatten ist für Dich 
unmöglich. Derartige ,, Dardanellen" (Korea) dürfen 
die Landverbindungen nicht bedrohen, weil dadurch 
Dein Handel benachteiligt wird. So liegen die Dinge 
schon am Schwarzen Meer, und das ist nicht das, was Du 
Dir auch für den Fernen Osten wünschst ! Daher leuch- 
tet es jedem unvoreingenommenen Geist ein, daß Korea 
russisch werden soll und muß. Wann und wie, geht 
niemanden etwas an und betrifft nur Dich und Dein 
Land. Das ist die Ansicht der Leute hier bei uns, und 
darum gibt es hier auch keine Aufregung oder „em- 
ballement" oder Kriegsbefürchtungen oder irgend 
etwas dieser Art. Daß Korea einstmals Dir gehören 



104 



\^ird, ist eine schon lange bestehende Ansicht hier, 
ebenso wie die Besetzung der Mandschurei, und darum 
regt sich hier niemand da^rüber auf! 

Die Neujahrskarten werden Dich amüsieren. Sie 
sind bei Deiner Ankunft in Wiesbaden aufgenommen 
worden! Ein kleines Erinnerungszeichen an diese 
glückHchen Tage. Ein glückliches neues Jahr und auch 
Weidmannsheil für „großes W^ild" von 

Deinem Dir ergebenen Vetter und Freund 
Willy. 



105 



XXXI 



Der hier folgende Kaiserbrief i^t etwa drei Wochen vor 
Ausbruch des russisch-japanischen Krieges geschrieben. 
Auch in diesem Schreiben machte der Kaiser den Zaren auf 
die gegen Rußland gerichtete japanfreundhche Pohtik 
Englands — des „gewissen Landes" — aufmerksam. — Die 
beiden ursprünglich für Argentinien bestimmt gewesenen 
Panzerkreuzer, über die der Kaiser in der „Marine-Rund- 
schau" einen Aufsatz geschrieben, und deren Risse er dem 
Zaren übersendet, spielten bald darauf als „Nischin" und 
„Kasuga" eine wesentliche Rolle bei den japanischen Kriegs- 
aktionen zur See. Die zwei Kreuzer wurden übrigens nicht 
von England an Japan geschenkt, sondern von der japanischen 
Regierung angekauft. 



Neues Palais, 9. I. 1904 



Liebster Nicky! 



Nur eine Zeile, um Dir mitzuteilen, wie sehr meine 
Gedanken in dieser ernsten Zeit mit Dir beschäftigt 
sind. Gott gebe, daß alles glatt geht, und daß die 
Japaner auf die Stimme der Vernunft hören, trotz der 

106 



tollen Bemühungen der üblen Presse eines gewissen 
Landes. Auch dieses scheint Geld übrig zu haben, um 
es in dem Abgrund der japanischen Mobilisation an- 
zulegen. Ich danke Dir für das Communique, das Du 
mir durch Osten-Sacken offiziell geschickt hast. Es ist 
sehr klar und wird unbedingt zur Stärkung des Friedens 
beitragen. Ich hoffe, es wird die Gefühle der unver- 
schämten Kriegspartei in Japan beruhigen, wie es auch 
sicherlich die übrigen Mächte befriedigen dürfte, 
denen an ihrem Handel liegt und denen auch die 
,, offene Tür" einmal versprochen wTirde. 

Ich schicke Dir ein Exemplar der „Marine-Rund- 
schau" mit einem Artikel über gepanzerte Kreuzer, 
geschrieben von L; Dieses L. ist eine Maske, hinter der 
ich mich verberge; ich habe ihn geschrieben, aber nie- 
mand außer Tirpitz hat die geringste Ahnung davon. 
Als Material für meinen im November geschriebenen 
Artikel gelang es mir, sehr interessante Einzelheiten 
über „Rivadaria" und „Moreno" zu bekommen, die 
für Argentinien erbaut, aber nun von England Japan 
geschenkt worden sind. Diese Risse, die vollkommen 
„geheim" sind und mir auf ausdrücklichen Wunsch 
des Präsidenten der Argentinischen Republik vorgelegt 
wurden, hat mir Amaldo gesandt. Da diese Schiffe 
Dich wahrscheinlich interessieren, sende ich Dir den 
Atlas für Deinen persönlichen Gebrauch. Ich 
halte diese Schiffe für vollkommene Typen des gepan- 
zerten Kreuzers, denn trotz ihrer kleinen Tonnage, 
„multum in parvo", sind sie sehr gehaltvoll. Sie kosten 



107 



jedes 15 Millionen Franken, was nicht viel ist. Mögen 
Deine Leute nicht gegen sie zu kämpfen haben; es ist 
wirklich sehr schade, daß Du sie nicht gekauft hast. 
Der Zeitungsausschnitt zeigt Dir, was ein gewisses 
Volk Neutralität nennt. 

Beste Wünsche für ein Jahr des Glücks und Friedens 
und in der Hoffnung, mit Dir in diesem zusammen- 
zukommen, mit herzlichen Grüßen für Alix 

immer Dein Dich liebender 
Willy. 

P. S. Entschuldige, wenn ich Dich so oft mit Tele- 
grammen störe, aber in Wolfsgarten sagtest Du, daß 
Du mir für alle interessanten Nachrichten dankbar 
wärest, die ich Dir mitteilen könnte; ich verlasse 
mich natürlich auf Deine Verschwiegenheit, 
denn es ist alles nur für Dich. 

Admiral des Atlantik, 



108 



XXXII 



In der Nacht vom 7. zum 8. Februar unternahmen die 
Japaner einen Torpedoböotangriff auf Port Arthur, wobei 
es ihnen gelang, zwei russische Schlachtschiffe und einen 
russischen Kreuzer außer Gefecht zu setzen. Dadurch wurde 
die russische Flotte in Port Arthur bis auf weiteres am Aus- 
laufen verhindert, und der japanische Admiral Togo konnte 
bald darauf an eine scharfe Blockade des russischen Kriegs- 
hafens gehen. Erst die Ernennung Makarows zum komman- 
dierenden Admiral der russischen Seestreitkräfte im Fernen 
Osten (im März 1904) veranlaßte die Flotte von Port Arthur 
zu einer stärkeren Aktivität. 



Berlin, 11. II. 1904 

Liebster Nicky! 

Die Antwort auf Dein freundliches Gratulations- 
schreiben zu meinem Geburtstag, das mich so glücklich 
machte, war bereits angefangen, als die Ereignisse ein- 
traten, die zum Kriege zwischen Dir und Japan geführt 
haben. Ich hielt es für besser, auf irgendeine 

loq 



Mitteilung von Dir zu warten, vorausgesetzt, daß ich Dir 
würde antworten können. Der Ausbruch der Feind- 
seligkeiten hat für Deine tapfere Flotte traurige Folgen 
gehabt, die mich tief bewegt haben! Wie könnte es 
auch anders sein, da ich doch russischer Admiral und 
auf diesen Rang stolz bin! Die ernsten Ereignisse be- 
weisen offensichthch, daß die warnenden Mitteilungen, 
die ich Dir in meinen Chiffredepeschen senden konnte, 
durchaus zutreffend waren, und daß die japanische 
Regierung schon lange Ernst machte und den Krieg be- 
schlossen hatte. Ein Teil der Schiffe in Port Arthur ist 
mir durch meine Besichtigungen bekannt, ebenso ihre 
Offiziere und Mannschaften, und mein Herz ist voll 
Teilnahme für die armen FamiHen, die durch den 
Verlust so vieler von ihnen getroffen sind. 

Ich kann mir wohl vorstellen, wie sehr es Dir zu Her- 
zen gehen muß, daß alle Deine Bemühungen, den Frie- 
den aufrechtzuerhalten, fruchtlos geblieben sind. Aber 
andererseits gibt Dir dies ein gutes und reines Gewissen, 
und das läßt, wie ich oft sage, den Menschen ohne Tor- 
nister und Gepäck ins Gefecht marschieren. Es scheint, 
der Himmel — auf dessen Hilfe und Willen wir beide 
bauen — hat es so gewollt ! Dann mußt Du diese Er- 
eignisse im Lichte einer Prüfung für Dich und Dein 
Land betrachten, die es Dir und ihnen ermöglichen 
soll, alle guten Eigenschaften, die in den Russen 
schlummern und die sie schon einmal in den großen 
Zeiten der ersten Jahre des 19. Jahrhunderts an den 
Tag gelegt haben, zu zeigen und zu entfalten! 



HO 



fes ist — vorbehaltlich Deiner freundlichen Zu- 
stimmung — mein Wunsch, daß womöghch ein Prinz 
meines Hauses Deine Truppen als Zuschauer begleiten 
soll, um die Kriegskunst zu erlernen. Ich würde dann 
meinen Schwager, den Prinzen Friedrich Leopold, 
wählen, der darauf brennt, hinzugehen- und Russisch 
zu sprechen. Lasse mich freundlichst wissen, ob meinem 
Ersuchen stattgegeben werden kann. 

Sei versichert, daß meine Gedanken sich Tag und 
Nacht mit Euch beschäftigen ! Ich schicke diesen Brief 
durch Schenk — Deinen Oberst — , der Dir die „Gre- 
nadier-Mütze" anbieten soll, welche das Alexander- 
Regiment Dich anzunehmen bittet. Ich bete zum 
Himmel, daß er Dich und Deine ganze Famihe in den 
bevorstehenden Zeiten schirmen und schützen möge. 
HerzHchste Grüße an Alix und Deine Mutter von 

Deinem stets sehr ergebenen Freund und Vetter 
WiUy. 

Die Mitteilung, die ich Dir vor einem Monat über 
den Verkauf von Waffen an China — Yuan-Shi-Kai — 
von Seiten Japans machte, bestätigt sich. Es ist mir 
gelungen, eine Abschrift des Vertrags zu erhalten, der 
letzten Oktober mit der Firma Okwa & Comp, in Ja- 
pan abgeschlossen worden ist. 

I. 14 000 neue jap. Infanterie-Gewehre (Meyji) mit 
Patronenkisten usw., zu je 22Taeil3und 7 Mill. Patro- 
nen, lieferbar nächsten April in Tientsin. 



Iir 



2. 4^ (Arisaklia) Feldgeschütze 7,^, zu je 5668 Verl. 
12 (Arisakha) Gebirgsgeschütze 7,5 cm, zu je 1710 Yen. 
48 Munitionswagen zu 8 Yen. 
200 Granaten, 200 Schrapnell per Geschütz, 
zu 10 Yen, zu 8 Yen. 

Das Stahl-Rohmaterial wird in Frankreich (Creusot) 
— Deinem Verbündeten! — hergestellt und in Japan 
fertiggestellt. Es soll nächsten Mai in Tientsin abge- 
Hefert werden. Der Vizekönig von Nanking hat von 
derselben Firma im September 1903 200 000 Kisten 
Munition und Tornister für 70 000 Mann bestellt. 



112 



XXXIII 



Kaiser Wilhelm hatte sich am 12. März auf eine sechs- 
wöchige Fahrt durch das Mittelmeer begeben und traf am 
26. März in Neapel mit dem König von Italien zusammen. 
Die deutsch-russischen Handelsvertrags- Verhandlungen, über 
deren langsames Tempo der Kaiser sich in seinem Briefe 
an den Zaren beklagt, gerieten in rascheren Fluß, nachdem 
der russische Ministerpräsident Witte mit dem Reichskanzler 
Bülow Mitte Juli in Norderney eine Woche hindurch über 
die einzelnen Vertragspunkte verhandelt hatte. 



Gaeta, 29. III. 1904 

Liebster Nicky! 

Du w^irst Dich sicherlich für meine Mittelmeerfahrt 
interessieren. Unsere Reise auf dem großen Lloyd- 
dampfer „König Albert" war sehr erfolgreich. Wir 
hatten immer stille See; sogar die Bucht von Biskaya 
benahm sich vi^ie der Teich in Petershof. Wenn wir 
etwas Wind oder hohe See hatten, so war es direkt von 
rückwärts. Auf dem großen Schiff — es hat zwischen 

8 113 



15 und 16000 Tonnen Wasserverdrängung — fuhr es sich 
sehr behaghch: keine starke Bewegung, kein Vibrieren 
durch die Maschinen; das Schiff war sehr gut gehalten 
und von seinem ausgezeichneten Kapitän prächtig 
navigiert. Die Küche war vorzügHch, die Gesellschaft 
sehr munter. Wie schade, daß Du nicht dabei sein 
konntest, welches Vergnügen würde Dir dies alles be- 
reitet haben! Die spanische Küste ist sehr schön, aber 
ohne Vegetation. Vigo eine große Bucht, in der alle 
Flotten der Welt Platz haben. Britische Flotten 
machen hier jeden Monat Besuch; Heinrich war letztes 
Jahr hier mit unserem Geschwader. Die Meerenge ist 
imposant, aber Gibraltar ist einfach überwältigend! 
Das Großartigste, was ich je gesehen habe. Worte sind 
gänzlich unzulänglich, davon auch nur die schwächste 
Vorstellung zu geben. Großartig in seiner natürhchen 
Anlage und in der militärischen Gewalt, welche auf 
und um diesen mächtigen Felsen herum gesammelt ist. 
In mihtärischen Kreisen habe ich ^del Interesse an dem 
Krieg gefunden, aber keine Vorbereitungen für ihn und 
keine Animosität gegen Rußland. Port Mahon ist eine 
ruhige und die reinlichste spanische Stadt mit einem 
hübschen, überall von Land umgebenen Hafen. Eine 
Art Malta en miniature. Neapel ist zu hebUch und be- 
zaubernd; Sommerkhma, eine Menge Blumen, beson- 
ders Nelken, Orangenbäume voll Orangen. Der König 
war wohlauf, er interessiert sich sehr für den Krieg, 
den er genau verfolgt. Er erwähnte, er hätte Nachricht 
von der Mobilisierung der turkestanischen und kauka- 



114 



slschen Truppen erhalten, die sich schon in Bewegung 
gesetzt hätten. Ich sagte, ich hielte dies für höchst 
unwahrscheinlich, ich hätte nie ein Wort davon gehört. 
Ich beruhigte ihn über den Balkan, der anscheinend 
eine große Anziehungskraft für ihn hat, und sagte ihm, 
daß sich dort nichts ereignen würde, da die Groß- 
mächte entschlossen seien, sich nichts von irgend jeman- 
dem bieten zu lassen. Nebenbei bemerkt, ersehe ich 
aus den Zeitungen, daß in unserem Handelsvertrage 
anscheinend eine Stockung eingetreten ist. Vermutlich 
haben sich die Geheimräte und Tschinowniks einem 
süßen Schlummer hingegeben, nachdem sie eine Menge 
Tinte vergossen haben, mehr, als gut ist. Ich gäbe 
etwas darum, wenn ich zusehen könnte — was für ein 
Spaß wäre es — wenn Du plötzlich mit Deiner kaiser- 
lichen Faust auf den „grünen Tisch" schlügest, daß 
die trägen Leute hochführen! Schheßhch kann man 
doch nicht ewig warten, es sind ohnehin schon viele 
Monate vergeudet worden. Die Aussicht auf ein hüb- 
sches Pic-nic in Sibirien wird bestimmt Wunder wirken. 
Vielleicht würde es dazu beitragen, das Tempo der 
Dinge zu beschleunigen, wenn Du irgendeine gewich- 
tige Persönlichkeit nach Berlin geradeswegs zu Bülow 
schicken möchtest, um die Sache mit ihm persönlich 
ins reine zu bringen; einen Mann von ausgezeichneten 
Fähigkeiten, der in diesen Dingen wohlbewandert ist; 
das hätte eine gute Wirkung. 

Morgen fahren wir nach Sizilien — Messina — ab, 
wo wir die Osterwoche verbringen werden. Lebe wohl. 



115 



liebster Nicky. Gott segne Dich und sei mit Dir in 
all den schweren Zeiten, Du weißt, wie meine Ge- 
(^anken jetzt bei Dir weilen. 
Beste Grüße an AHx 

von Deinem Dich liebenden Vetter und Freund 
Willy. 



11^ 



XXXIV 



Es ist nicht recht klar, welcherlei Befehle der Zar dem 
russischen Höchstkommandierenden in der Mandschurei, 
General Kuropatkin, gegeben haben konnte, denen dieser 
angebhch nicht nachgekommen war. Aus dem nachfolgenden 
Kaiserbrief müßte man entnehmen, der Zar habe Kuropatkin 
bis zur Ankunft genügender Reserven eine Defensive an- 
geraten, wogegen der russische Heerführer zu einem „leicht- 
fertigen" Draufgehen geneigt gewesen sei. TatsächHch war 
aber eher das Umgekehrte der Fall : Petersburg drängte gleich 
nach Kriegsbeginn zu einer Offensive, während Kuropatkin 
erst im August 1904 (Schlacht bei Liaoyang) genügende 
Truppen und Artillerie zu haben glaubte, um unter Um- 
ständen dem Gegner seinen Willen aufzuwingen. — Ob 
Charles Hardinge der russischen Regierung auf Wunsch 
Königs Eduard VH. (Onkel Bertie) eine britische Vermitt- 
lung behufs einer eventuellen Beendigung des russisch- 
japanischen Krieges angeboten hat, läßt sich vorerst nicht 
feststellen. Jedenfalls ist von späteren dahingehenden An- 
geboten nichts bekannt geworden. König Eduard traf Ende 
Juni mit dem Kaiser in Kiel zusammen. — Der vom Kaiser 
als Graf Lansdorf bezeichnete Flügeladjutant heißt richtig 
Graf Lambsdorff. 



117 



Berlin, 6. VI. 1904 

Liebster Nicky! 

Dein lieber Brief, den Krupensky mir vor zwei Tagen 
überreichte, hat mich sehr gerührt. In diesen für Dich, 
Deine Armee und Dein Land so schweren Tagen ist 
es doppelt freundhch von Dir, mir so viel Zeit zu wid- 
men; da es aber so ist, so war ich andererseits um so 
stolzer darauf, da ich aus dieser Tatsache schließen 
kann, daß Du auf mich als auf Deinen echten Freund 
zählst, \\de Du es richtig ausdrückst. So ist es auch! 
Und ich kann Dir versichern, daß niemand alle Phasen 
des Krieges mit größerem Interesse und Eifer verfolgt 
als ich. Deine Bemerkung über Kuropatkin war für 
mich eine wahre Enthüllung! — Ich \vundere mich 
sehr über seine Kurzsichtigkeit, daß er Deinen Be- 
fehlen nicht bedingungslos gehorchte. Er hätte Deine 
Ratschläge um so mehr befolgen müssen, als Du doch 
selbst in Japan gewesen und daher ein viel sachkun- 
digerer Beurteiler der Japaner bist als er. Deine Er- 
mahnungen waren durchaus richtig und sind durch die 
Tatsachen vollauf bestätigt worden. Ich hoffe nur um 
Himmels willen, daß der General nicht den Enderfolg 
Deiner Streitkräfte dadurch gefährden wird, daß er sie 
leichtfertig einem „echec" aussetzt, bevor nicht alle 
seine Reserven zu ihm gestoßen sind, die, wie ich glaube, 
zum Teil noch unterwegs sind. Das alte Wort Napo- 
leons I. gilt noch: „La victoire est avec les gros 

118 



bataillons" ; man kann für die Schlacht nie zu stark sein ; 
hauptsächHch was die Artillerie betrifft: eine absolute 
Überlegenheit muß ohne Frage hergestellt sein, um 
den Sieg zu sichern. 

Ich hatte eine interessante Unterredung über den 
Krieg mit dem französischen Militärattache. Auf 
meine Bemerkung, daß ich es für sehr erstaunlich hielte, 
daß die Franzosen als Deine „Verbündeten" nicht ihre 
Flotte hinschickten, um Port Arthur offenzuhalten, bis 
Deine Ostseeflotte dort eingetroffen sei, antwortete er, 
dies sei wahr, die Franzosen hätten aber mit anderen 
Mächten zu rechnen. Nach vielen Anspielungen und 
Winken fand ich heraus — was ich immer befürchtet 
habe — , daß das enghsch-französische Übereinkommen 
die eine hauptsächliche Wirkung hat, nämlich: die Fran- 
zosen zu verhindern, Dir zu helfen! II va sans dire, 
daß, wenn Frankreich verpfhchtet gewesen wäre. Dir 
mit seiner Flotte oder Armee zu helfen, ich natürlich 
keinen Finger gerührt hätte, um es daran zu hindern; 
denn dies wäre doch höchst unlogisch von dem Urheber 
des Bildes „Gelbe Gefahr" gewesen! 

Ich bin überzeugt, England wird demnächst seine 
Bemühungen erneuern. Dir Vermittlungsvorschläge zu 
machen — dies ist tatsächhch, wie ich weiß, die beson- 
dere Mission Hardings, trotzdem Du die Vorschläge 
schon so energisch zurückgewiesen hast, was auch ein 
überaus starkes Stück von Englands Seite ist, da der 
Krieg doch eben erst begonnen hat; — es fürchtet für 
sein Geld und möchte gern Tibet billig bekommen — 



119 



ich werde gewiß versuchen, Onkel Bertie, sobald ich 
ihn sehe, davon abzuraten. Dich noch länger mit sol- 
chen Vorschlägen zu beheUigen. Sollte im Laufe der 
Ereignisse Dir eine Vermittlung ratsam erscheinen, so 
ist es klar, daß der erste Wunsch in dieser Richtung von 
Dir kommen muß, und Du kannst sicher sein, daß ich 
auch immer zu Deiner Verfügung stehen werde! Ich 
möchte Dich zu dem Mut und der Tapferkeit Deiner 
Soldaten und Matrosen beglückwünschen, die alles Lob 
verdienen und sehr brav gekämpft haben! Ich habe 
über Deine Anregung hinsichtlich des Handelsvertrages 
nachgedacht und die Sache mit dem Kanzler bespro- 
chen. Wir haben kein besonderes Interesse daran, an 
welchem Ort die Verhandlungen abgeschlossen werden 
sollen; da Du Dich aber freundhch erbietest, Witte 
hierherzuschicken, so werden wir ihn hier willkommen 
heißen, und je eher Du ihm Deine Vollmacht zu Ver- 
handlungen überträgst, desto besser für unsere beiden 
Länder. Ich habe den Major Graf Lansdorf, meinen 
persönlichen Adjutanten, als Militärattache ausersehen. 
Er ist von mir angewiesen worden, sich als lediglich 
Deiner Person attachiert zu betrachten, wie es in 
den Tagen Nikolaus' I. und Alexanders II. war. Er ist 
in seinen Berichten nur mir persönlich verantwortlich, 
und es ist ihm ein für allemal untersagt, mit irgend 
jemand sonst in Verbindung zu treten, weder mit dem 
Generalstab, noch mit dem Auswärtigen Amt, noch 
mit dem Kanzler. Du kannst ihm daher jede Botschaft, 
jede Anfrage, jeden Brief usw. für mich anvertrauen 



120 



und Ihn in jeder Hinsicht als ein direktes Verbindungs- 
ghed zwischen uns beiden verwenden. Solltest Du mir 
einen aus Deinem Gefolge, der Dein volles Vertrauen 
besitzt, zu schicken wünschen, so werde ich ihn mit 
Vergnügen empfangen, denn ich halte es während die- 
ser schweren Ereignisse für höchst notwendig, daß es 
Dir möghch sei, „le cas echeant" Dich mit mir schnell 
in Verbindung zu setzen, ohne den schwerfälligen und 
indiskreten Apparat der Kanzleien, Botschaften usw. 
Ich bin gespannt, was ich von Onkel Bertie in Kiel 
hören werde, jedenfalls werde ich Dich auf dem lau- 
fenden halten. Nun lebe wohl, Hebster Nicky, die 
besten Grüße an Alix und Deine Mutter. Möge Gott 
Euch alle beschützen, das ist der aufrichtigste Wunsch 

Deines stets 
Dich liebenden Freundes und Vetters 
WiUy. 



121 



XXXV 



Am 12. August wurde die Zarin von einem Sohne, dem 
Thronfolger, entbunden, der am 24. August in der Taufe 
den Namen Alexejew erhielt. — Am 10. August hatte die 
russische Flotte (6 Linienschiffe, 4 Kreuzer und 8 Torpedo- 
boote) unter Admiral Witthöft Port Arthur" verlassen, um 
sich mit der W'ladiwostok- Flotte, die gleichzeitig ausgelaufen 
v^^ar, zu vereinigen. Das Port-Arthur-Geschwader wird vom 
japanischen Admiral Togo angegriffen, Admiral Witthöft 
fällt, und Fürst Uchtimski flüchtet mit der russischen Flotte 
nach Port Arthur zurück, nachdem auch das Wladiwostok- 
Geschwader am 14. August vom japanischen Admiral 
Kamimura zur Umkehr gezwungen war. — Die russische 
Ostseeflotte, von der der Kaiser in seinem hier folgenden 
Briefe hofft, sie werde die japanische Flotte zwingen, 
„sich in ihre Häfen zurückzuziehen", hat später — sie war 
monatelang unterwegs — in der Seeschlacht bei Tsuschima 
ein tragisches Ende gefunden. 

Schloß Wilhelmshöhe, 19. VIII. 1904 

Liebster Nicky! 

Welch ein freundlicher Einfall von Dir, mich auf- 
zufordern, bei Deinem kleinen Jungen Pate zu stehen! 
Du kannst Dir denken, wie wir uns gefreut haben, als 



122 



wir Dein Telegramm, das seine Geburt ankündigte, 
lasen! „Was lange währt, wird gut"*, sagt ein altes 
deutsches Sprichwort; möge dies bei dem lieben Klei- 
nen zutreffen ! Möge er heranwachsen und ein tapferer 
Soldat und ein weiser und mächtiger Staatsmann wer- 
den; und möge der Segen Gottes immer auf ihm ruhen 
und ihn vor allem Leid an Körper und Seele bewahrem 
Möge er immer wie ein Sonnenstrahl auf Eurem Lebens- 
wege sein, wie er es jetzt in dieser Zeit der Prüfung 
ist! Heinrich ist der Überbringer dieser Zeilen und 
meiner aufrichtigsten, herzlichsten Wünsche für Dich, 
Alix und den Jungen ! Er nimmt auch mein Geschenk, 
einen Becher, für mein kleines Patenkind mit, das ihn 
hoffenthch in Gebrauch nehmen wird, wenn es denkt, 
daß sich der Durst eines Mannes nicht immer bloß 
mit Milch stillen läßt! Vielleicht wird es dann eines 
Tages selbst darauf kommen, daß „Ein gut Glas 
Branntwein soll Mitternacht nicht schädHch sein"* 
nicht nur ein Gemeinplatz ist, sondern daß oft „Im 
Wein ist Wahrheit nur allein"*, wie der Kellermeister 
in „Undine" singt, und zum Schluß das klassische 
Wort unseres großen Reformators Dr. Martin Luther: 
„Wer nicht hebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt 
ein Narr sein Leben lang"*. Zu diesen Grundsätzen 
möchte ich gern mein Patenkind erzogen sehen! Es 
hegt ein tiefer Sinn in ihnen, und nichts läßt sich 
gegen sie einwenden! 

Der Verlauf des Krieges ist für Deine Armee und 
* Im Original deutsch. 



12^ 



Flotte sehr schmerzlich gewesen, und ich bin tief be- 
trübt über den Verlust so vieler tapferer Offiziere und 
Leute, die in Erfüllung ihrer Pflicht gefallen oder er- 
trunken sind, in loyaler Treue zu dem Eid, den sie 
ihrem Kaiser geschworen haben. Mögen die Verstär- 
kungen, die ausgeschickt werden, die Zahl und die 
Schlagkraft Deiner Armee in solchem Maß erhöhen, 
daß die absolute Überlegenheit auch zahlenmäßig her- 
gestellt wird. Soweit ich ausfindig machen konnte, hat 
Kuropatkin 180000 Mann im Felde, während die 
Japaner ungefähr 250 — 280 000 aufgebracht haben. 
Dies scheint noch ein Mißverhältnis und erschwert 
Deinem tapferen General die Aufgabe sehr. Sollte es 
Deinen Schlachtschiffen bei ihrem letzten Ausfall aus 
Port Arthur wegen der Beschädigungen, die sie im 
Kampf erhalten, nicht mögHch sein, Wladiwostok zu 
erreichen, so ist das beste, was sie tun können, den 
Versuch zu machen, nach Tsingtau zu gelangen, wo 
sie bis zum Kriegsende gut versorgt werden sollen; 
das ist besser, als in die Luft gesprengt oder versenkt 
zu werden. Sie werden dort von uns so gut versorgt 
werden, wie wir uns des „Zesaro witsch" und der Tor- 
pedoboote annehmen werden. Möge das nächste Jahr 
Dir mehr Glück bringen, wenn die Armee, gerüstet 
und in voller Kampfstärke formiert, fähig sein wird, 
den Feind mit besserer Aussicht auf Erfolg anzugreifen, 
als es augenblicklich der Fall ist; denn es scheint mir, 
daß Kuropatkin noch immer in Gefahr ist, von seinem 
Zufluchtsort, den er sich in der Richtung auf Mukden 



124 



zu erkämpfen haben wird, abgeschnitten zu werden; 
gebe Gott, daß ihm der Durchbruch ohne Schaden 
gelinge. Das alte Wort Napoleons I. gilt noch immer: 
„La victoire est avec les gros bataillons." 

Ich zweifle nicht daran, daß Du schließHch siegen 
wirst und mußt, aber es wird Geld und viele Menschen- 
leben kosten, da der Feind tapfer ist, gut geführt wird 
und nur durch eine Übermacht an Zahlen, durch Zeit 
und Geduld geschlagen werden kann. Die Operationen 
der Feldarmee werden natürlich leichter sein und bes- 
sere Ergebnisse haben, sobald die Ostseeflotte auf dem 
Schauplatz erschienen sein und die japanische Flotte 
in Ihre Häfen zurückgetrieben haben wird, wodurch 
die jetzt durch die Untüchtigkelt der Admirale an der 
Spitze der Flottenstreitkräfte in Port Arthur verloren- 
gegangene Herrschaft zur See wieder zu Deinen Gun- 
sten hergestellt wird. Die Herrschaft zur See ist 
eine unbedingte Notwendigkeit, gleich vnchtig wie 
der Enderfolg der Landkamxpagne des Heeres, da sie 
dem Feind seine Stützpunkte, Verstärkungen usw. be- 
nimmt, über die er jetzt für den Massentransport von 
Reserven, Munition, das Verpflegungswesen, die Fort- 
schaffung der Verwundeten usw. frei verfügen kann. 

Als der Krieg im Februar ausbrach, habe ich selb- 
ständig einen Mobilisierungsplan ausgearbeitet, der 
sich auf die Anzahl der japanischen Divisionen der ersten 
Linie gründet. Da diese lo — 12 Divisionen ausmachen, 
so ergibt es 20 russische Divisionen, um absolutes 
Übergewicht über die Japaner zu erzielen, das bedeutet 



125 



10 Armeekorps, davon müssen 4 sibirische Korps ab- 
gezogen werden, die in der Mandschurei zur Stelle sind 
und die mandschurische Armee bilden, so daß 6 Korps 
von Rußland abgeschickt werden müssen. Diese müß- 
ten in 2 Armeen von je 3 Korps formiert werden, 
unterstützt durch ein Kavalleriekorps von 8 Brigaden 
mit 4 reitenden Batterien der Armee. Ich nahm an, 
daß Armeen in dieser Stärke ausgeschickt würden, und 
daß dies genügen werde, zu siegen, wobei der Man- 
dschureiarmee die Aufgabe zufallen würde, als eine Art 
Avantgarde zu dienen und die Ankunft der russischen 
Truppen an ihrem Stützpunkt sowie ihre Formation 
und Aufstellung als Armee zu maskieren. Ich habe es 
nicht gewagt, Dir meine Ideen schriftlich mitzuteilen, 
weil es nicht meine Sache ist, mich in Deine Angelegen- 
heiten zu mischen, und befürchtete. Du w^ürdest mir 
sagen, ich sollte mich um meine eigenen Angelegen- 
heiten bekümmern, da Du besser wüßtest, was Ruß- 
land nötig hat. Da aber augenbhcklich das erste Sta- 
dium des Feldzuges tatsächlich vorbei ist, so dachte 
ich, es wäre für Dich von Interesse. 

Mit besten Grüßen an Alix und den „Sonnenschein" 
verbleibe ich 

Dein Dir stets sehr ergebener und Dich 

liebender Freund und Vetter 

Willy. 



126 



XXXVI 



Bis Ende Oktober 1904 hatte zwar General Kuropatkin 
die russischen Landstreitkräfte in der Mandschurei in dem 
Feldzuge gegen die Japaner befehligt, den Oberbefehl aber 
zu Lande und zu Wasser führte dort nach wie vor der Statt- 
halter des Zaren im Fernen Osten, Admiral Alexe jew. Nach 
den für die Russen ungünstigen Schlachten bei Liaoyang 
und am Schahoflusse waren tiefgehende Unstimmigkeiten 
zwischen General Kuropatkin und Admiral Alexe jew ent- 
standen, und man sprach bereits von einem Entlassungsgesuch 
Kuropatkins. Am 25. Oktober wurde jedoch Alexejew ab- 
berufen und General Kuropatkin zum Oberbefehlshaber der 
russischen Land- und Seestreitkräfte in der Mandschurei 
ernannt. Die gänzlich ungenügenden Leistungen der russi- 
schen Flotte in Ostasien führten in Petersburg zum Ent- 
schluß, die baltische Flotte ebenfalls dahin zu entsenden 
und ihr eventuell auch das beste russische Geschwader, das- 
jenige im Schwarzen Meere, beizugeben. Obwohl der Kaiser 
dazu dringend riet, kam man jedoch in Petersburg schließ- 
lich von diesem Gedanken ab: man scheute sich dort an- 
scheinend, durch das Passieren der Schwarzen-Meer-Flotte 
durch die Dardanellen — selbst wenn die Pforte dies ohne 
weiteres geduldet hätte— den Pariser Vertrag von 1856 zu 
verletzen und dadurch namentlich England zu reizen, wenn 
nicht gar zu aktiven Schritten zu veranlassen. — Schebeko 
war damals Flügeladjutant des Zaren. 



127 



Hubertusstock, lo. X. 1904 
Liebster Nicky! 

Um keine Zeit zu verlieren, habe ich Dir sofort, 
nachdem ich mit Schebeko gesprochen hatte, telegra- 
phiert. Ich bin von all den gütigen Botschaften, die 
Du mir durch ihn übersandt hast, sehr gerührt, und 
ich ersehe daraus, daß Dein Glaube an meine LoyaHtät 
unerschüttert ist. Es wird die Dinge tatsächhch un- 
geheuer erleichtern; jetzt, da Alexejew abberufen ist, 
wird ein General, der den absoluten Oberbefehl und 
die Kontrolle über alle Truppen in der Mandschurei 
hat, sicherlich allen Erfordernissen der Kriegführung 
besser entsprechen. Kuropatkin ist anscheinend bei sei- 
nen Truppen behebt, und sie setzen volles Vertrauen 
in ihn ; das ist der Punkt, auf den es für den Enderfolg 
hauptsächlich ankommt. 

Schebeko teilte mir Deine Absicht mit, gemein- 
schaftHch mit der Ostseeflotte auch die Schwarze-Meer- 
flotte auszuschicken, und bat mich, meine Meinung 
über die Ausführung dieses Planes zu äußern. Es ist 
eine gesunde miHtärische Idee und wird den Sieg sichern. 
Was die beste Aktionsmethode betrifft, so bin ich, 
nachdem ich die Frage gründhch erwogen und mich 
eingehend informiert habe, zu folgendem Schlüsse ge- 
kommen. Es wäre der beste Plan, die Flotte in aller Ruhe 
und Heimhchkeit für ihre Zweckbestimmung vorzu- 
bereiten, keiner Person und keiner Macht gegenüber 

128 



ein Sterbenswort über Deine Absicht verlauten zu 
lassen. In dem Augenblick, den Du für den geeigneten 
hältst, dampfe dann ruhig und stolz durch die Darda- 
nellen. Der Sultan wird — wie wir beide genau wissen 
— nicht die Spur eines Widerstandes leisten, und wenn 
Du erst draußen bist, werden wir alle vor ein „fait 
accomph" gestellt sein, das wir alle ruhig hinnehmen 
werden. Ich zweifle nicht im. geringsten daran, daß 
auch England es hinnehmen wird, wenngleich die 
Presse schäumen und wüten wird und die englischen 
Geschwader, wie sie es oft tun, ein wenig im Mittel- 
ländischen Meer herumkreuzen werden. Sie werden 
sich aber nicht ernstlich rühren, wenn sie sehen, daß 
die übrigen Mächte ruhig bleiben. Die Hauptsache ist, 
daß es ganz plötzlich und unvermutet vor sich gehen 
und für die ganze Welt eine Überraschung sein muß; 
das Geheimnis darf nicht früher verraten werden. Wenn 
es Dir recht ist, so werde ich eine Order unterzeichnen, 
durch die Lamsdorf Deinem Gefolge zugeteilt und 
Deiner Person attachiert wird, und sei Du so freund- 
lich, das nämliche mit Schebeko zu veranlassen. 
Viele Grüße an Alix 

Dein Dich liebender 

WiUy. 



12g 



XXXVII 



Dies Schreiben weiht in einen Bündnisvorschlag ein, den 
der Zar in einem Telegramm vom 29. Oktober — das Da- 
tum ergibt sich aus dem Briefe vom 17. November — ge- 
macht hatte und der aus der damaligen Bedrängnis der 
russischen Lage hervorging, da nach dem Zwischenfall an 
der Doggerbank ein Krieg mit England drohte. — Der im 
Briefe erwähnte Zwischenfall in der Nordsee bezieht sich 
auf die Beschießung englischer Fischerboote an der Dogger- 
bank bei Hüll durch das nach Ostasien fahrende Geschwader 
des russischen Admirals Roschdjestwenski, das die Fischer- 
boote bei dem damals herrschenden unsichtigen Wetter für 
japanische Torpedoboote gehalten hatte. 



Neues Palais, 30. X. 1904 
Mein lieber Nicky! 

Dein freundliches Telegramm hat mir das Vergnügen 
bereitet, zu empfinden, daß es mir vergönnt war, Dir 
in einem ernsten Augenblick ein v^^enig nützlich zu sein. 
Ich habe mich sofort mit dem Kanzler in Verbindung 
gesetzt, und wir beide haben insgehei m — ohne sonst 
jemand davon zu unterrichten — die drei Vertrags- 
artikel, wie Du gewünscht hast, entworfen. Es sei, wie 



ISO 



Du sagst. Wir wollen zusammenhalten. Das Bündnis 
würde natürlich rein defensiv sein und sich ausschheß- 
lich gegen einen europäischen Angreifer oder mehrere 
richten, in der Gestalt einer gegenseitigen Feuerver- 
sicherungsgesellschaft gegen Brandstiftung. Es ist sehr 
wesentHch, daß sich Amerika nicht durch unser Über- 
einkommen bedroht fühlt. Roosevelt hat, wie ich weiß, 
infolge der eingeborenen amerikanischen Abneigung 
gegen alle farbigen Rassen keine besondere VorHebe für 
Japan, trotzdem England sich auf das äußerste an- 
strengt, die Gefühle Amerikas zugunsten der Japaner 
zu bearbeiten. Außerdem haben die Amerikaner ein 
klares Verständnis für die unbestreitbare Tatsache, daß 
ein mächtiges japanisches Reich eine dauernde Gefahr 
für die amerikanischen Philippinen ist. Was Frank- 
reich betrifft, so wissen wir beide, daß die Radikalen 
und die antichristlichen Parteien, die augenblicklich die 
stärkeren sind, England zuneigen — alte Überliefe- 
rungen aus der Krimzeit — , aber gegen einen Krieg 
sind, weil ein siegreicher General die sichere Zerstö- 
rung dieser Republik elender Zivilisten bedeuten würde. 
Die nationaHstische oder klerikale Partei hat für Eng- 
land nichts übrig und Sympathien für Rußland, denkt 
aber nicht im Traum daran, sich im gegenwärtigen 
Kriege für Rußland einzusetzen. Zwischen diesen 
beiden Parteien wird die republikanische Regierung 
neutral bleiben und nichts tun. England rechnet mit 
dieser Neutralität und mit der daraus sich ergebenden 
Isoherung Rußlands. Ich weiß ganz bestimmt, daß 



131 



sogar schon letzten Dezember der französische Finanz- 
minister Rouvier aus eigenem Antrieb dem Finanz- 
agenten einer anderen Macht gesagt hat, Frankreich 
werde unter gar keinen Umständen Dir bei einem 
russisch- japanischen Kriege zur Seite stehen, selbst 
dann nicht, wenn England auf die Seite Japans träte. 
Um sich dieser RepubHkaner doppelt zu versichern, 
hat England Marokko den Franzosen überliefert. Die 
absolute Sicherheit, daß Frankreich beabsichtigt, neu- 
tral zu bleiben und sogar seine diplomatische Unter- 
stützung England zu leihen, ist der Grund, der der 
enghschen PoHtik gegenwärtig ihre ungewöhnHch bru- 
tale Sicherheit verleiht. Dieser unerhörte Zustand wird 
sich zum Besseren wenden, sobald Frankreich sich 
direkt der Notwendigkeit gegenübergestellt sieht, Farbe 
zu bekennen und sich offen für Petersburg oder London 
zu erklären. Wie ich schon sagte, verwerfen die Radi- 
kalen, die nach England gravitieren, den Krieg und den 
Militarismus, wogegen die NationaHsten, wenngleich 
sie gegen den Krieg an sich nichts haben, weder für 
England noch gegen Rußland kämpfen werden. Es liegt 
daher augenfällig im Interesse beider Parteien, auf 
England einen Druck auszuüben und es zu ermahnen, 
sich ruhig zu verhalten. Wenn Du und ich Schulter 
an Schulter zusammenstehen, so wird das hauptsäch- 
lichste Ergebnis das sein, daß Frankreich sich uns 
beiden offen und in aller Form anschließen 
muß und damit endlich seine vertraglichen VerpfHch- 
tungen gegenüber Rußland erfüllt, was für uns vom 



132 



größten Wert ist, besonders im Hinblick auf seine 
schönen Häfen und seine gute Flotte, die dadurch auch 
zu unserer Verfügung stehen würden. Du kannst ver- 
sichert sein, das wird den künstHch aufgemachten Be- 
schwerden über sogenannte Neutrahtätsverletzungen 
ein Ende bereiten. Wenn dieses Ziel einmal erreicht 
ist, so werde ich, wie ich erwarte, in der Lage sein, den 
Frieden aufrechtzuerhalten, und Dir wird freie und un- 
gehinderte Hand in Deinem Vorgehen gegen Japan ge- 
lassen sein. Ich möchte noch bemerken, daß ich Deinen 
meisterhaften poHtischen Instinkt bewundere, der Dich 
veranlaßt hat, den Zwischenfall in der Nordsee vor das 
Haager Tribunal zu verweisen. Denn gerade diesen 
systematisch entstellten Zwischenfall haben sich die 
französischen Radikalen zunutze gemacht, Clemenceau 
und alles übrige Lumpengesindel, als weiteres Argu- 
ment gegen die Notwendigkeit, daß Frankreich seine 
vertragHchen Verpfhchtungen gegenüber Rußland er- 
füllte. Natürhch muß dieser lästige Zwischenfall in der 
Nordsee erst erledigt sein, ehe wir irgendwelche Schritte 
in dieser Frage unternehmen und an Frankreich heran- 
treten können. Denn Delcasse und Cambon haben, vde 
mir mitgeteilt wird, sich bereits die britische Auf- 
fassung dieses Zwischenfalls zu eigen gemacht und 
demgemäß die Stellungnahme der französischen Re- 
gierung in einer für England freundHchen Weise fest- 
gelegt. Sollten v/ir daher in dieser Frage einen Druck 
auf die Franzosen ausüben, so würden sie unzweifelhaft 
sich für die britische Seite entscheiden, also gerade 



133 



das tun, was wir nicht wollen. „II faut que l'incident 
de la Aler Noire [!] soit clos" zuerst, dann erst kann 
unsere Alvtion einsetzen. 

Ich lege den Entwurf der Vertrags artikel, wie ge- 
wünscht, bei; möge er Deine Billigung finden; niemand 
weiß etwas davon, selbst nicht mein Auswärtiges Amt; 
Bülow und ich haben es persönlich besorgt. ,,Möge 
Gottes Segen ruhen auf dem Vorhaben der beiden 
Herrscher und die mächtige dreifache Gruppe Rußland, 
Deutschland, Frankreich für immer Europa den Frie- 
den bewahren helfen, das walte Gott," so lauteten 
seine Worte, als wir fertig waren. 

Ich werde den General der Infanterie von der Goltz 
und den Oberpräsidenten von Ostpreußen von Moltke 
nach Suwalki entsenden, um Dich zu begrüßen, wenn 
Du Dich unserer Grenze näherst. Ersterer befehligt 
das I. Armeekorps, früher war er der Chef unseres 
Pionierkorps; er hat diesen Posten nach seiner Rück- 
kehr aus der Türkei eingenommen, wo er viele Jahre 
mit dem fruchtlosen Versuch einer Reorganisierung zu- 
gebracht hat. Der letztere ist Oberpräsident von Ost- 
preußen, ein Neffe des alten Feldmarschalls und Bruder 
meines Generaladjutanten, der Deine Grenadiere kom- 
mandiert hat und oft gütig von Dir empfangen worden 
ist, wenn er in besonderer Mission zu Dir kam. Mit 
bestem Gruß an Alix 

verbleibe ich 

Dein Dich stets liebender Vetter und Freund 

Willy. 



134 



XXXVIII 



Kaiser und Reichskanzler hatten nach den Vorschlägen 
des Zaren den folgenden Vertragsentwurf in drei Artikeln 
aufgesetzt. Aus dem Schreiben des Kaisers vom 17. Novem- 
ber ergibt sich, das der Zar dem Berliner Entwurf einen 
Article secret hinzugefügt hatte, der hier nicht vorhegt. 
Dem kaiserUchen Schreiben vom 17. November ist dann 
aber ein neuer Entwurf mit Änderungsvorschlägen für die 
Eingangsformel und für den Article secret beigegeben 
(Brief Nr. XL). 



PROJET (i) 

Leurs Majestes l'Empereur de toutes les Russies et 
l'Empereur d'Allemagne afin de localiser autant que 
faire se peut la guerre russo-japonaise, ont arrete les 
articles suivants d'un traite d'alliance defensive. 

Article I 

Au cas oü l'un des deux Empires seralt attaque par 

une puissance Europeenne, son allie l'aidera de toutes 

ses forces de terre et de mer. Les deux allies le cas 

echeant feront egalement cause commune afin de 



135 



rappeler ä la France les obligations qu'elle a assumees 
aux termes du traite d'alliance franco-russe. 

Article II 

Les deux hautes parties contractantes s'engagent 
a ne conclure de paix separee avec aucun adversaire 
commun. 

Article III 

L'engagement de s'entr'aider est valable egalement 
pour le cas oü des actes accomplis par l'une des deux 
hautes parties contractantes pendant la guerre tels 
que la livraison de charbon ä un belligerant donne- 
raient Heu apres la guerre ä des reclamations d'une tierce 
puissance comme pretendues violations du droit des 
neutres. 

Deutsche Übersetzung: 

ERSTER VERTRAGSENTWURF 

Ihre Majestäten der Kaiser aller Reußen und der Deutsche 
Kaiser haben, um den russisch-japanischen Krieg möglichst zu 
lokalisieren, folgende Artikel eines Defensivbündnisses vereinbart. 

Artikel I 
Falls eines der beiden Kaiserreiche von einer europäischen 
Macht angegriffen werden sollte, wird sein Verbündeter mit 
allen seinen Streitkräften zu Lande und zur See ihm beistehen. 
Vorkommendenfalls werden die beiden Verbündeten ebenso ge- 
meinsame Sache machen, um Frankreich zur Beachtung der Ver- 
bindlichkeiten aufzufordern, die es nach dem Wortlaute des 
französisch-russischen Bündnisvertrages übernommen hat. 



13^ 



Artikel II 
Die beiden hohen Parteien verpflichten sich, keinen Separat- 
frieden mit irgendeinem gemeinsamen Feinde zu schließen. 

Artikel III 
Die Verpflichtung zu gegenseitiger Hilfeleistung ist auch gültig 
in dem Falle, falls Handlungen, die von einer der beiden hohen 
vertragschließenden Parteien während des Krieges vollzogen wor- 
den sind, wie z. B. die Lieferung von Kohlen an einen der 
Kriegführenden, Reklamationen seitens einer dritten Macht als 
angebliche Verletzungen des Neutralitätsrechtes sollten veranlassen. 



^Ol 



XXXIX 



In seinem Briefe an den Zaren vom 30. Oktober hatte der 
Kaiser hervorgehoben, daß der vom Zaren vorgeschlagene 
deutsch-russische Vertrag unter anderem Frankreich zwingen 
würde, sich den beiden Großmächten „offen und in aller 
Form" anzuschheßen. Aus dem hier folgenden Kaiserbriefe 
ersehen wir, daß dieser sicheren Hoffnung zuerst vom Zaren 
in seinem Telegramm an den Kaiser vom 29. Oktober Aus- 
druck gegeben worden war. Aus dem Austausch der beiden 
Kaiser entwickelte sich nun ein abgeänderter Bündnis- 
efntwurf (Brief Nr. XL). — Mit der „Dreier-AUiance von 
1895" meint der Kaiser das Zusammenwirken Deutschlands, 
Rußlands und Frankreichs gegenüber Japan. 



Neues Palais, 17. XI. 1904 

Liebster Nicky! 

Dein freundliche^ Brief zeigt mir abermals, daß die 
Lokalisierung des gegenwärtigen Krieges und die Ver- 
m.eidung eines europäischen Krieges die leitenden Prin- 
zipien unserer gemeinsamen Bemühungen sind. Ich 

138 



bin so frei, von Deiner freundlichen Erlaubnis 
Gebrauch zu machen und in unserem gemeinsamen In- 
teresse zwei Änderungen vorzuschlagen; eine soll 
meinen Vorschlag modifizieren, die andere betrifft 
Deine letzte Klausel. 

Es wäre möglich, daß der Satz „afin de localiser la 
guerre russe-japonaise", wenn durch eine Veröffent- 
lichung auf amtlichem oder durch eine Indiskretion 
auf geheimem Wege der Inhalt des Vertrages bekannt 
werden sollte, von anderen Mächten so ausgelegt wer- 
den könnte, als hätte er die Bedeutung, daß der Ver- 
trag nur dann in Kraft treten würde, falls England 
als Verbündeter Japans in den Krieg einträte, das 
heißt als eine ausschheßlich gegen England gerichtete 
herausfordernde Absicht. In Wirklichkeit und tat- 
sächlich ist es auch so; aber „toute verite n'est pas 
bonne a dire". Wir sehen jetzt die öffentliche Mei- 
nung in England in einem nervösen, fast an Wahnsinn 
grenzenden Zustand, von dem man uns allen gerade 
jetzt einige erbauhche Beweise gegeben hat. In solcher 
Stimmung muß England eine direkte Herausforde- 
rung in diesem Vertrag erblicken und geradeswegs 
auf die Schlußkatastrophe hindrängen, die v^r beide 
zu vermeiden oder mindestens hinauszuschieben ver- 
suchen. Darum schlage ich einen Satz vor, den Du 
selbst gebraucht hast: „afin d'assurer le maintien de 
la paix en Europe", der unserer Absicht vollkommen 
entspricht und unter keinen Umständen als Pro- 
vokation betrachtet werden kann. Wir denken nur 



139 



an uns selber und enthalten uns, auf irgend jemand mit 
Fingern zu deuten (was außerdem in der guten Ge- 
sellschaft als Mangel an Erziehung gilt). Niemand — 
mit einem reinen Gewissen, NB. — hat irgendein 
Recht, sich durch einen solchen Vertrag beunruhigt 
zu fühlen, und es wird für die zornwütigen Jingoes in 
England schwer sein, aus seinem Abschluß eine „causa 
belli" zu m.achen. 

Diese Änderung im Wortlaut des Vertrages er- 
fordert, meiner Meinung nach, eine gewisse zeitliche 
Beschränkung. Entweder eine kurze mit einer zu jeder 
Zeit des Jahres möglichen Kündigungsfrist, oder, 
wenn Dir das Heber ist, eine längere Gültigkeitsdauer. 
Die Verlängerung würde, für den Fall — und dies ist 
mein heißes Hoffen — , daß der Vertrag den Wünschen 
der beiden Nationen entspricht und ihnen zum Segen 
wird, ganz von selbst automatisch vor sich gehen. Dies 
kann genau nach Deinen Wünschen eingerichtet 
v/erden. 

Die nächste Änderung bezieht sich auf die dem 
Vertrage neu hinzugefügte Schlußklausel. Man muß 
bedenken, daß, solltest Du z. B. eine Veröffentlichung 
des Vertrages nicht Vv^ünschen, Indiskretionen möglich 
sind — Mauern haben Ohren und Diplomaten Zun- 
gen, die wackeln — ; unter solchen Umständen würde 
die Auslegung dieses Satzes die sein, ich hätte mich 
klipp und klar verpflichtet. Dir zum Schutze der 
Eroberungen Rußlands beizustehen, was auf eine so- 
fortige Ersetzung des Artikels I in einem rein aggressiven 



140 



Sinne hinauskommen würde. Das würde die ganze 
politische Welt zu der Annahme führen, daß wir — 
an Stelle einer Verteidigungsalliance — eine Art 
eingetragene Gesellschaft mit Annexionsabsichten ge- 
bildet haben, die möglicherweise noch geheime Ab- 
machungen zum privaten Vorteil Deutschlands be- 
sitzt. Das daraus hervorgehende allgemeine Miß- 
trauen dürfte unsere gemeinsame Lage schwer ge- 
fährden, denn Amerika würde sich — was unter keinen 
Umständen erlaubt werden darf — sofort England 
anschließen, und zwar unter dem Verdacht, daß Ruß- 
land und Deutschland aggressive Operationen zur 
Förderung eigennütziger Zwecke zu unternehmen vor- 
hätten. Es wird aber gerade die Hauptaufgabe der 
russischen und deutschen Diplomaten sein, Amerika 
von einer Verbindung mit England abzuhalten. Würde 
der Vertrag durch amtliche Veröffentlichung oder 
Indiskretionen bekannt, so muß Bülow — bei der Be- 
antwortung von Anfragen im Parlament — in der 
Lage sein, zu erklären, daß keinerlei geheime Ab- 
machungen bestehen, durch die die defensive Natur 
des Vertrages verletzt werden könnte, noch daß 
Deutschland — „au detriment des autres" — irgend 
etwas anderes zugesagt würde, das über die Hilfe zur 
Verteidigung des Friedens in Europa hinausginge, 
falls er von sonst einer Seite gefährdet wäre. Das ist 
der Grund für meinen Vorschlag zu einer anderen 
Fassung des Satzes. Die ausschlaggebende Idee dabei 
ist die fortgesetzte Polemik der russischen Presse 



141 



während der letzten Monate gegen die Vermittlung 
eines Friedenskongresses, ähnlich wie im Jahre 1878, 
dessen abermalige Einberufung Eure Zeitungen fürch- 
ten, — und es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß 
einige Mächte schon wieder nach dieser Richtung hin 
arbeiten, besonders Paris und London — und der 
alles, was in seiner Macht steht, aufbieten würde, um 
Sieger und Besiegte auf das gleiche Niveau zu bringen, 
und versuchen würde, den Sieger seiner Eroberungen 
und Vorteile zu berauben, wie 1878. Außerdem 
schließt dieser Satz in seiner neuen Form ein für alle- 
mal jede Möglichkeit für Deutschland aus, an einem 
derartigen Friedenskongreß teilzunehmen, und nimmt 
zu gleicher Zeit allen Übelwollenden und Kritikern 
die Gelegenheit zu unterstellen, daß wir ein anderes 
Ziel haben als das, den Frieden ohne Herausforderung 
zu erhalten. Dieses sind meine beiden Vorschläge, die 
ich mir erlaube. Deiner gütigen Zustimmung zu unter- 
breiten, die ihnen auch, wie ich hoffe, zuteil werden 
mrd. Ich habe damit die Absicht zu verhindern, 
daß England an diesem Kriege aktiven Anteil nimmt 
und, wenn irgend möglich, zu verhüten, daß Amerika 
sich England anschließt. 

Ich weiß nicht, ob Du es für notwendig hältst, die 
Geheimklausel (III) Frankreich mitzuteilen .? Du 
kannst das ganz machen, wie Du willst, aber ich glaube, 
die anderen Artikel werden es verhindern, beiseite zu 
treten. Delcasse wird bestimmt die dem Sinne nach 
gegen den Kongreß gerichtete Tendenz sofort heraus- 



142 



finden, und wenn man bedenkt, daß er bereits zwischen 
Paris und London und mit anderen Mächten Verhand- 
lungen aufgenommen hat, die die Einberufung eines 
Friedenskongresses zur Vermittlung bezwecken, wird 
es ihm angenehm sein, infolge gewisser Schwierigkeiten 
sofort seine Verhandlungen, bereits „entamees", ab- 
brechen zu können. 

Zweifellos würden die Franzosen irgendeine andere 
Mächtegruppierung der der Dreier-Alliance von 1895 
bedeutend vorziehen; wenn aber der russisch-deutsche 
Vertrag erst einmal eine Tatsache geworden ist, 
wird er eine starke Anziehungskraft auf Frankreich 
ausüben, was Du ja auch in Deinem Telegramm vom 
29. Oktober vorausgesehen hast, worin Du sagst : „Nach- 
dem das Arrangement von uns angenommen wor- 
den ist, ist Frankreich genötigt beizutreten." Es wird 
natürlich die Arbeit Deiner Diplomatie sein, die not- 
wendigen Vereinbarungen mit Frankreich zu treffen, 
während Deutschland still hinter Dir steht. Die 
demokratischen Zivihsten und Freimaurer Delcasse, 
Combes & Co. haben von einem Siege ebensoviel zu 
fürchten wie von einer Niederlage, und in dem Augen- 
blick, wo sie erkennen, daß Frankreich nicht mehr 
neutral bleiben kann und unter dem Zwang steht, 
sich auf die eine oder andere Seite zu schlagen, werden 
sie alles tun, um England davon abzuhalten, in den 
Krieg einzutreten. Schließlich würde ein ausgezeich- 
netes Mittel, die enghsche Anmaßung und Überheb- 
lichkeit abzukühlen, eine militärische Demonstration 



143 



an der persisch -afghanischen Grenze sein, wohin 
Du, wie die Briten annehmen, während des Krieges 
Truppen zu senden nicht die Macht hast. Selbst 
wenn die Dir zur Verfügung stehenden Truppen nicht 
zu einem wirkhchen Angriff auf Indien genügen soll- 
ten, werden sie für Persien — das keine Armee hat — 
ausreichen, und ein Druck an der indischen Grenze 
von Persien aus wird in England Wunder wirken und 
einen auffallend beruhigenden Einfluß auf die heiß- 
köpfigen Jingoes in London haben. Denn ich weiß 
und bin darüber unterrichtet, daß dies das Einzige 
ist, was sie fürchten, und daß die Angst vor Deinem 
Eindringen nach Indien von Turkestan aus und nach 
Afghanistan von Persien aus die wirkliche und ein- 
zige Ursache ist, warum die Kanonen von Gibraltar 
und der britischen Flotte vor drei Wochen geschwie- 
gen haben ! Die indische Grenze und Afghanistan sind 
die einzigen Teile der Erdkugel, wo die gesamte bri- 
tische Flotte für England unwirksam ist, und wo 
deren Geschütze gegen die der Eindringlinge macht- 
los sind. Indiens Verlust ist der Todesstoß für Groß- 
britannien ! 

In dieser Weise wird hoffentlich unser Vertrag seinen 
Zweck erfüllen, den Frieden Europas zu erhalten. 
Sollten der revidierte Entv^oirf und die Motive dafür 
Deine Zustimmung finden, so kann die Unterzeich- 
nung sofort erfolgen. Ich nehme an, daß Lamsdorff 
Deine Befehle zur Vorbereitung der Formalitäten 
erhalten wird. Gott gebe, daß wir den rechten 



144 



Weg gefunden haben, die Schrecken des Krieges 
einzudämmen, und spende unseren Plänen seinen 
Segen. Mit herzhchsten Grüßen an Ahx bin ich, 
Hebster Nicky, 

immer Dein 

Dir zugetaner Vetter und Freund 

Willy. 



145 



XL 



PROJET (2) 

Leurs Majestes les Empereurs de toutes les Russies 
et de TAllemagne afin d'assurer le maintien de la paix 
en Europe ont arrete les articles suivants d'un traite 
d'alliance defensive. 

Article I 
Au cas oü l'un des deux Empires serait attaque par 
une puissance Europeenne, son allie l'aidera de toutes 
ses forces de terre et de mer. Sa Majeste l'Empereur 
de toutes les Russies fera les demarches necessaires pour 
initier la France ä cet accord et l'engager ä s'y associer 
comme allie. 

Article II 
Les hautes parties contractantes s'engagent a ne pas 
conclure de paix separee avec aucun adversaire com- 
mun. 

Article III 
Le present traite restera en vigueur tant qu'il ne 
sera pas denonce une annee d'avance. 

146 



Article secret 

Les hautes parties contractantes sont convenues de 
faire cause commune dans le cas oü des actes accomplis 
par une d'elles pendant la guerre (actuelle ?) tels que 
la livraison de charbon ä un belligerant, donneraient 
Heu par la suite ä des reclamations d'une tierce puis- 
sance comme pretendues violations du droit des neutres. 

II resulte des termes du premier alinea de Tarticle 
I que PAllemagne ne s'associera a aucune action quelle 
qu'elle soit qui pourrait impliquer des tendances ho- 
stiles ä la Russie; 



Deutsche Übersetzung: 

ZWEITER VERTRAGSENTWURF 

Ihre Majestäten der Kaiser aller Reußen und der Deutsche 
Kaiser haben zum Zwecke der Aufrechterhaltung des Friedens 
in Europa folgende Artikel eines Defensivbündnisses vereinbart. 

Artikel I 
Falls eines der beiden Kaiserreiche von einer europäischen 
Macht angegriffen werden sollte, wird sein Verbündeter mit 
allen seinen Streitkräften zu Lande und zur See ihm beistehen. 
Seine Majestät der Kaiser aller Reußen wird die nötigen Schritte 
unternehmen, um Frankreich in diese Abmachung einzuweihen 
und es verpflichten, sich als Verbündeter anzuschließen. 

Artikel II 
Die hohen vertragschließenden Parteien verpflichten sich, keinen 
Separatfrieden mit irgendeinem gemeinsamen Feinde abzuschließen. 



147 



Artikel III 
Der gegenwärtige Vertrag verbleibt in Kraft, solange er nicht 
ein Jahr im voraus gekündigt wird. 

Geheimartikel 

Die hohen vertragschließenden Parteien sind übereingekommen, 
gemeinsame Sache zu machen, falls Handlungen, die während 
des (gegenwärtigen?) Krieges von einer derselben vollzogen 
worden sind, wie z. B. die Lieferung von Kohlen an einen der 
Kriegführenden, Reklamationen seitens einer dritten Macht als an- 
gebliche Verletzungen des Neutralitätsrechtes veranlassen sollten. 

Aus dem Wortlaute des ersten Satzes des Artikels I ergibt 
sich, daß Deutschland an keiner Aktion wie immer teilnehmen 
wird, die eine feindselige Tendenz gegen Rußland enthalten sollte. 



148 



XLI 



Der Zwischenfall an der Doggerbank in der Nacht vom 
21. zum 22. Oktober hatte die englische Presse zu außer- 
ordentlich scharfen Angriffen nicht nur gegen Rußland, 
sondern auch gegen Deutschland veranlaßt. Die „Army and 
Navy Gazette" erklärte sogar, Deutschland habe den Zwischen- 
fall verschuldet, da es der russischen Regierung mitgeteilt 
habe, daß das Baltische Geschwader von „Japanern, die in 
Verbindung mit britischen Untertanen handeln würden", 
in der Nordsee angegriffen werden sollte. Zugleich erklärte 
dieselbe Zeitschrift, die Hamburg-Amerika- Linie versorge das 
Baltische Geschwader mit Kohlen, was eine Verletzung der 
deutschen Neutralität bedeute. Zu jener Zeit sprach man 
in England tatsächlich von der Möglichkeit eines deutsch- 
englischen Krieges. Daraufhin empfing im November der 
Reichskanzler Graf Bülow den englischen Journalisten Bash- 
ford vom ,,Nineteenth Century", dem er unter anderem er- 
klärte, er könne nicht denken, daß der Gedanke eines deutsch- 
englischen Krieges in beiden Ländern ernstlichen Anklang 
finden könnte. Der nachfolgende Kaiserbrief zeigt, daß diese 
Gefahr damals denn doch nicht so gering gewesen war — 
wenigstens nach Ansicht Wilhelms IL 



149 



Berlin, 7. XII. 1904 

Liebster Nicky! 

Die britische Regierung scheint, wie Du aus der 
enghschen Presse ersehen haben wirst, den gegen- 
wärtigen Moment zu einer Aktion gegen die Versor- 
gung Deiner Ostsee-Flotte mit Kohlen für geeignet 
zu halten. Unter dem Vorwand, daß es ihre Pflicht 
sei, strikteste Neutralität aufrechtzuerhalten, hat sie 
den deutschen Schiffen, die der Hamburg-Amerika- 
Linie gehören oder von ihr gechartert sind, ver- 
boten, die enghschen Häfen zu verlassen. Meine Be- 
fürchtungen — ich schrieb Dir vor längerer Zeit 
darüber — daß dies geschehen könne, sind also schließ- 
Hch eingetroffen, und es Hegt mir nun ob, rechtzeitig 
Schritte zu unternehmen, die die Haltung, die Deutsch- 
land dieser Aktion gegenüber einzunehmen hat, fest- 
setzen. Es liegt mir fern. Dich mit Deiner Antwort 
auf meine letzten Bemerkungen über Deinen Vorschlag 
in bezug auf unseren Verteidigungsvertrag zu drängen. 
Aber Du wirst Dir, dessen bin ich sicher, vöUig klar 
sein über die Tatsache, daß ich jetzt absolut positive 
Garantien von Dir haben muß, ob Du beabsichtigst, 
mich ohne Hilfe zu lassen oder nicht, falls Eng- 
land und Japan mir infolge der KohlenbeHeferung der 
russischen Flotte durch Deutschland den Krieg er- 
klären sollten. Solltest Du nicht imstande sein, mir 
dafür zu garantieren, daß Du in einem solchen Kriege 



150 



treu Schulter an Schulter mit mir kämpfen wirst, dann 
bin ich leider in die Notwendigkeit versetzt, den 
deutschen Dampfern sofort zu verbieten. Deine Flotte 
fernerhin mit Kohle zu versorgen. 

Alvensleben hat Befehl, die Kohlenfrage mit Lams- 
dorff sogleich klarzustellen. 

Beste Grüße an Alix 

Immer Dein Dich Hebender Vetter und Freund 
Willy. 



151 



XLII 



Der zweite deutsche Vertragsentwurf war offenbar in 
Petersburg auf Widerstand gestoßen; auch wollte man hier 
Frankreich noch var Abschluß des Vertrags ins Vertrauen 
ziehen, was man in BerHn nicht wünschte. Deshalb suchte 
die russische Regierung jetzt, nachdem sich die von England 
drohende Gefahr wieder vermindert hatte, mit einer bloßen 
,, Erklärung" das Bündnis überflüssig zu machen. 



Neues Palais, 21. XII. 1904 

Liebster Nicky! 

Aufrichtigsten Dank für Deinen lieben Brief und die 
zw^ei Telegramme, ebenso für Deinen freundlichen 
Befehl zur Regelung der Kohlenfrage. Natürlich sind 
wir heute noch nicht in der Lage, vorauszusehen, ob 
die von Deiner Regierung abgegebene Erklärung ge- 
nügen wird, jeder Art von Komplikation zu begegnen, 
die aus dem gegenwärtigen Verlauf der Angelegenheit 
entstehen kann. Es ist trotzdem nicht meine Absicht, 
Dir eine Lösung aufzudrängen, die Dir unerwünscht 
scheinen mag. Wir werden unter allen Umständen 
treue und loyale Freunde bleiben. Meine Meinung 



152 



über den Vertrag ist noch dieselbe; es ist unmöglich, 
Frankreich in unser Vertrauen zu ziehen, bevor wir 
zu einer definitiven Regelung gekommen sind. Loubet 
und Delcasse sind zweifellos erfahrene Staatsmänner, 
aber da sie keine Fürsten oder Kaiser sind, bin ich 
nicht in der Lage, sie — in einer Vertrauensfrage wie 
dieser — auf denselben Fuß zu stellen wie Dich, 
meinesgleichen, meinen Vetter und Freund. 

Solltest Du es daher für geboten halten, die fran- 
zösische Regierung mit unseren Verhandlungen be- 
kannt zu machen, bevor v/ir zu definitiver Überein- 
kunft gelangt, so betrachte ich es für alle in Frage 
kommenden Parteien als besser, in unserer jetzigen 
Haltung gegenseitiger Unabhängigkeit und freiwilli- 
ger Förderung unserer beiderseitigen Ziele, soweit es 
die Lage erlauben wird, zu beharren. Ich vertraue 
fest darauf und glaube, daß die Hoffnungen, einander 
nützen zu können, sich nicht nur während des Krieges 
erfüllen werden, sondern auch nachher, während der 
Friedensverhandlungen, denn unsere Interessen im 
fernen Osten sind in mehr als einer Hinsicht identisch. 

Ich wünsche Dir und Alix von ganzem Herzen fröh- 
liche Weihnachten und ein glückliches neues Jahr; 
möge des Herrn Segen auf Euch allen ruhen, den 
Jungen nicht zu vergessen. 

Mit aufrichtigen Grüßen an Alix bin ich, liebster 
Nicky, immer Dein Dich liebender und ergebener 
Vetter und Freund 

Willy. 



153 



XLIII 



Am 2. Januar 1905 fiel Port Arthur. General Stössel kapi- 
tulierte, obwohl die Festungswerke noch verteidigungsfähig 
waren. Stössel, dem Kaiser Wilhelm „für die vorbildHche 
Verteidigung der Festung" den „Pour le merite" übermittelt 
hatte, wurde später vor ein russisches Kriegsgericht gestellt 
und zu einer langjährigen Festungshaft verurteilt. Der am 
Schluß des Briefes erwähnte Ernie ist der Großherzog Ernst 
Ludwig von Hessen. 



Berlin, 2. I. 1905 
Liebster Nickyl 

Besten Dank für Deinen freundlichen Brief und die 
Neujahrskarten, die hübsch ausgeführt sind. Der Ko- 
sakenangriff ist höchst wirkungsvoll, und ich kann nicht 
umhin, daran zu denken, was hätte geschehen können, 
wenn bei Liaoyang General Samsanow mit seinen 
17 000 Säbeln und Lanzen einen solchen Angriff gegen 
den japanischen linken Flügel geritten wäre. Die Nach- 
richt vom Fall von Port Arthur, die gestern abend hier 
eintraf, erregte die größte Sensation. Wir alle hier 

154 



fühlen tiefe Sympathie mit den kühnen Generalen 
und der tapferen hinschwindenden Heldenschar unter 
ihrem Befehl, die bis zum Alleräußersten kämpfen, 
um ihre Pflicht gegen ihren Kaiser und ihr Land zu 
erfüllen. Ihre Verteidigung von Port Arthur wird für 
alle Zeiten berühmt und als nachahmenswertes Vor- 
bild angeführt werden, solange es einen Soldaten gibt. 
Ehre sei ihnen für immer! Der bevorstehende Fall 
der vom Schicksal dazu verurteilten Festung hat schon 
einige Zeit die diplomatischen Zungen in verschiedenen 
Hauptstädten der Welt in Bewegung gesetzt; zahl- 
reich und verschieden waren die Gerüchte und Nach- 
richten von Waffenstillständen und sogar Friedensver- 
handlungen, die von überall zu mir drangen. Es war 
ziemhch schwer, die Wahrheit von phantastischen Er- 
findungen zu unterscheiden. Ich hoffe, Du wirst 
nicht denken, daß ich mich in Deine Privatangelegen- 
heiten mische, wenn ich mich mit der Bitte an Dich 
wende, mir Deine Zukunftspläne zu sagen, so daß ich 
mich, wenn möglich. Dir nützlich erweisen kann und 
imstande bin, die Richtung meiner Politik danach zu 
gestalten. Um so mehr, als Lamsdorff neulich Al- 
vensleben erzählte, „que la France connait dejä nos 
conditions". Nun, ich ziehe es vor, mich von Dir 
selbst informieren zu lassen, statt auf Umwegen durch 
andere Vermittlungen, da ich fest zu Dir und Deinem 
Land als Dein treuer Freund vom ersten Tage an ge- 
halten habe! Nach einer längeren Zeit ungewöhnlich 
warmen und nebeligen Wetters, das uns in den Stand 



155 



setzte, beinahe bis Weihnachten zu reiten, ist 
plötzlich ein Sturm losgebrochen, gefolgt von scharfem 
Frost und Schnee, und der Winter scheint ernsthaft 
angefangen zu haben. Das läßt mich an die Lebens- 
bedingungen denken, welche die Armeen in der Man- 
dschurei jetzt aushalten müssen, wenn sie monatelang 
dort stehen. Ich bin so froh darüber, daß Du die 
Tapferkeit meines Regiments, das sich am Sha-ho 
besonders hervorgetan hat, durch so viele Auszeich- 
nungen anerkannt hast. Ich hoffe, sie haben auch eine 
große Zahl von Georgskreuzen erhalten. 

Jetzt, da das Programm für den Ausbau Deiner 
Flotte veröffentlicht worden ist, vnrst Du hoffenthch 
nicht vergessen, Deine Fachleute an unsere großen 
Firmen in Stettin, Kiel usw. zu erinnern; sie werden 
gewiß schöne Modelle von Linien-Schlachtschiffen 
Hefern. Ich bin so froh darüber, daß Ernie sich vneder 
verlobt hat, und ich wiYL zu seiner Hochzeit Anfang 
nächsten Monats gehen. Ich hoffe. Du v^arst die 
beiden Vasen freundlichst zu Weihnachten annehmen, 
die aus unserer KönigHchen Porzellanmanufaktur 
stammen, sie sind ein Symbol meiner wärmsten 
Wünsche für Dich, Deine Familie und Dein Land zum 
kommenden Jahr, in dem Gott Euch alle behüten 
möge. 

Ich bin immer Dein 

Dich liebender Vetter und Freund 
Willy. 

156 



XLIV 



Iswolsky, der zuletzt vor dem Weltkrieg als russischer 
Botschafter in Paris stark gegen Deutschland arbeitete, 
war ursprünglich ohne antideutsche Tendenz, wenn er 
auch in seiner Belgrader Zeit gegen Österreich-Ungarn 
gearbeitet hatte. — Der Schwager des Kaisers, Prinz 
Friedrich Leopold, sollte schon gleich nach Beginn des 
russisch-japanischen Krieges sich nach dem Hauptquartier 
Kuropatkins begeben, die Zustimmung des Zaren hatte 
sich jedoch monatelang verzögert. 



Berlin, 15. I. 1905 
Liebster Nicky! 

Die Witwe des alten Fürsten Anton Radziw^ill, die 
Fürstin Marie, fährt nach Petersburg, um Deine Ein- 
willigung zum Testament ihres verstorbenen Gatten 
zu erlangen. Fürst Anton war nicht nur ein geschätzter 
und bewährter Diener meines verstorbenen Großvaters 

157 



als sein Generaladjutant, sondern auch ein treuer und 
geliebter persönlicher Freund von ihm, wie von meinem 
verstorbenen geliebten Vater und mir. Seine gewin- 
nenden Formen und seine Frohnatur wie auch sein 
ritterhcher Charakter haben ihm überall, wo er war, 
Freunde gewonnen, und auch Dein Großvater und 
Vater haben ihn beide immer sehr liebgehabt. Seine 
Frau war die intime lebenslängliche Freundin meiner 
verstorbenen Mutter und ist von ihrem Mann zu seiner 
Testamentsvollstreckerin ernannt worden. Die ganze 
Zukunft ihrer Kinder und ihrer Familie beruht auf 
der Tatsache Deiner gütigen Genehmigung seines letz- 
ten Willens, und ich erlaube mir, ihre Sache bei Dir 
zu führen und Dich zu bitten, sich gütig ihrer an- 
nehmen zu wollen, denn sie ist sehr traurig und durch 
ihren Verlust gebrochen; sie fühlt ihn um so mehr, 
als ihr ältester Sohn ein hoffnungsloser Idiot in einer 
Anstalt ist, so daß sie sich auch um ihre Enkelkinder 
kümmern muß. — Dein Botschafter Osten-Sacken ist 
sehr in Sorge um seine arme alte Frau. Sie hat eine 
sehr schwere Operation an ihrem Rücken durchgemacht 
— ohne daß sie chloroformiert werden konnte — und 
ist nicht imstande zu liegen, sondern muß die Nächte 
im Stuhl sitzend zubringen und leidet schreckhche 
Schmerzen, so daß man in Anbetracht ihres Alters von 
84 Jahren für ihr Leben fürchtet. Der arme, alte Mann, 
die Ungewißheit lastet schwer auf ihm, und ich fürchte, 
daß er, wenn sie sterben sollte, nicht mehr imstande 
sein wird, so gut zu arbeiten wie früher, und vielleicht 

158 



daran denken wird, sich zurückzuziehen. Sollte in 
Deiner Botschaft hier einmal eine Änderung eintreten, 
so würde ich mir erlauben, Dich ganz privat zu 
bitten, Iswolsky herzuschicken. Er ist einer der Besten 
in Deinem auswärtigen Dienst und ein langjähriger 
intimer Freund des Grafen Bülow, der überaus erfreut 
sein würde, ihn hier zu haben, da sie früher zusammen 
im diplomatischen Dienst standen und er ihn sehr 
liebhat. — Darf ich Dich schHeßHch noch einmal an 
Dein zweimal gegebenes und zweimal hinausgescho- 
benes Versprechen erinnern, daß mein Schwager Fried- 
rich Leopold die Erlaubnis bekommt, in Deine Armee 
einzutreten. Das letztemal im JuH war alles erledigt 
und fertig, als er vertröstet v^oirde, was ihn unserer 
Armee und unseren Offizieren gegenüber in eine sehr 
schwierige Lage brachte. Er war, vde wir sagen, „bla- 
miert", besonders als Karl Hohenzollern nach Japan 
abreiste, was deshalb geschah, weil wir dachten, Fried- 
rich Leopold würde ebenfalls nach Mukden kommen. 
Jetzt zeigen die Leute mit Fingern auf Friedrich Leo- 
pold, und der arme Bursche ist schreckHch mutlos. Er 
hat Kleider und Sachen die Menge eingekauft, alle 
möghchen Vorbereitungen getroffen, sogar Eure Sprache 
gelernt und wird in keiner Weise Deinen Generalen 
irgendwie Hindernisse bereiten, da er ein ruhiger 
Mensch ist. Da die Armee groß und mächtig ist, 
glaube ich, es hat nichts auf sich, wenn er hingeht. 
Darum erlaube ich mir nochmals, zu fragen, ob Du 
gestatten kannst, daß er hingeht. 



159 



Mit der Bitte um Verzeihung, daß ich Dich mit 
allen diesen Angelegenheiten belästige, aber sie sind 
zwischen uns beiden am besten in Ordnung zu bringen, 
und mit besten Grüßen an Alix 

verbleibe ich immer 

Dein Dich liebender Vetter und Freund 

WiUy. 



röo 



XLV 



Das Jahr 1905 begann in Rußland unter dem Zeichen 
einer tiefgehenden innerpolitischen Gärung. Schon Anfang 
Januar hatte der Präsident des Moskauer Semstwo, Fürst 
Trubetzkoi, in einem offenen Schreiben die Notwendigkeit 
von Reformen dargelegt, um eine Revolution zu vermeiden. 
Es folgten zahlreiche Kundgebungen der russischen Intelli- 
genz und Arbeiterschaft, große Streiks in fast allen Städten, 
blutige Zusammenstöße zwischen Ausständigen und Trup- 
pen. Am 9./22. Januar versuchten in Petersburg Zehntau- 
sende von Arbeitern unter Führung des Popen Gapon zum 
Zaren zu gelangen. Vor dem Winterpalais stießen die De- 
monstranten auf ausgerückte Regimenter und wurden von die- 
sen beschossen, wobei Hunderte getötet und verwundet wur- 
den. Tags darauf wurde durch einen zarischen Ukas General 
Trepow zum MiHtärdiktator von Petersburg ernannt. — Der 
am Anfang erwähnte kranke Kaisersohn ist Prinz Eitel Friedrich. 



Berlin, 6. II. 1905 

Liebster Nicky! 

Dein freundlicher Brief erreichte mich am Morgen 
meines Geburtstages so früh, daß Deine Glückwünsche 
die ersten waren, die ich empfangen habe; Nimm, 

II t6i 



bitte, meinen wärmsten Dank dafür entgegen, Gott 
gebe, daß sie in Erfüllung gehen! Dein Brief ist in 
einem Augenblick schwerer Angst bei mir eingetroffen, 
denn gerade damals war mein armer Junge ernstlich 
krank, und es ging um Leben und Tod! Die ganze 
darauffolgende Woche war eine schreckliche Prüfung, 
meine arme Frau Htt Qualen, als sie am Bett des Pa- 
tienten wachte; Gott sei gedankt, daß er unsere Ge- 
bete erhört und das Leben unseres Jungen gerettet hat. 

Mein Schwager ist für die ihm von Dir erteilte 
gütige Erlaubnis, endUch zur Front reisen zu dürfen, 
sehr dankbar. Auf seinem Wege dahin soll er sich bei 
Dir melden und Dir diese Zeilen übergeben. Sein 
Gefolge ist. Deinem Wunsche 'gemäß, eingeschränkt 
worden, und er ist angewiesen, sich ruhig im Hinter- 
grund zu halten, um so dem Oberbefehlshaber in keiner 
Weise hinderHch zu sein, und er bittet darum, daß die- 
ser nicht unnötigerweise Notiz von ihm nimmt und nicht 
vergißt, daß er ein einfacher Zuschauer ist, der die 
Kunst der Kriegführung gründHch erlernen möchte. 

Du hast infolge der Gärung und der Erregung, die 
in den unteren Klassen herrschte, ernste Wirren durch- 
zumachen gehabt. Ich freue mich, daß Deine Soldaten 
sich zuverlässig gezeigt haben und dem ihrem Kaiser 
geleisteten Eide treu geblieben sind. Der Empfang der 
Arbeiterabordnung — die, wie es scheint, schlecht 
beraten und zum Teil durch Agitatoren in den 
Streik getrieben worden sind — hat überall guten Ein- 
druck gemacht, da es ihnen bewies, daß sie ihrem 

162 



„Väterchen"* ins Gesicht sehen konnten, wenn sie um 
diese Ehre in gebührender Form nachsuchten ! Die Re- 
formpläne in Deinem Lande sind zahlreich und höchst 
vage — soweit ich es beurteilen kann — , aber der ver- 
nünftigste Plan und der, der sich am besten dem Volk 
und seinen Sitten anpaßt, scheint meiner unmaßgeb- 
Hchen Meinung nach die Bildung einer Körperschaft 
zu sein, die sich aus den besten und fähigsten Köpfen 
in den verschiedenen „Semstwos" zusammensetzt. 
Diese Körperschaft müßte dem „Reichsrat" angeglie- 
dert werden, und ihr könnte jede wichtige Frage, die 
für die Gesamtheit Rußlands ein Lebensinteresse hat, 
zur Ausarbeitung und Vorbereitung für den „Reichs- 
rat" überwiesen werden; ebenso könnten Männer, die 
auf dem Sondergebiet, das zu erörtern steht, genau 
Bescheid wissen, herangezogen werden, um ihren Rat 
zu erteilen; diese müßten aus allen Teilen des Volkes 
ad hoc ausgewählt werden. Am schönsten wäre es, 
wenn Du von Zeit zu Zeit selbst den Vorsitz führen 
würdest und dadurch in der Lage wärst, möghchst 
viele verschiedene Leute anzuhören, so daß Du Dir 
ein richtiges Urteil über die vorliegenden Fragen bilden 
könntest. So habe ich es im Jahre 1890 getan, als ich 
nach dem großen Streik den großen Ausschuß zur 
Ausarbeitung der „Sozialgesetze" für die Arbeiter- 
klassen einberief, in dem ich wochenlang den Vor- 
sitz führte. Auf diese Art wäre es der Körperschaft 
möglich, den „Reichsrat" mit jeder erforderHchen 
• Im Original deutsch. 

Ti 163 



Information zu versehen, und gleichzeitig Dir, mit 
der großen Masse der unteren Klassen in Berührung 
zu bleiben; dadurch wird diesen jedes Mittel, sich in 
allen auf ihre Wohlfahrt bezüglichen Angelegenheiten 
Gehör zu verschaffen, gesichert, und so bilden sie einen 
direkten Verbindungskanal zwischen den einfachen 
Leuten und ihrem „Kaiser und Vater". Außerdem 
wäre es Dir auf Grund eigener Informationen möglich, 
Deinen „Reichsrat" und das „Ministerkomitee" gut 
zu überwachen und zu kontrollieren, und danach zu 
sehen, daß die Arbeit so von ihnen getan wird, wie 
Du es wünschest und Dein Volk es braucht. Auf diese 
Art ist die Exekutive ein für allemal dem „Auto- 
kratischen Zaren" gesichert und nicht einem lei- 
tenden Minister mit einem Kollegium hilfloser Amts- 
genossen, die seiner Leitung blindhngs folgen. 

An meinem Geburtstage ist mein größter Adjutant 
— der Dir wohl bekannt ist — H. v. Plüskow — in 
Paris haben ihn die Damen „Plus que haut !" genannt — 
zum Oberst Deiner Alexander-Grenadiere ernannt 
worden; sie gaben der Ehrengarde zu meinem Geburts- 
tag „Razwod"* und sahen prächtig aus, wie Du aus den 
beiliegenden Photographien ersehen wirst. Zu geeigneter 
Zeit — wenn es etwas ruhiger geworden ist und wenn es 
Dir paßt — wird der neue Oberst sich bei Dir melden; 

Da ich erfuhr, daß Sergius davon gesprochen hat, 
Deine Behörden wären über Krupp ärgerlich, weil er 
die Lieferungszeit für die von Rußland bestellte^i 

• Wachtparade. 

164 



Batterien nicht eingehalten hätte, so habe ich in seiner 
Fabrik Erkundigungen einziehen lassen, und ich sende 
Dir die Abschrift des empfangenen Berichtes, woraus 
hervorgeht, daß die erwähnte Beschwerde unbegründet 
ist. Ebenso haben die Nachforschungen in den Bureaus 
der Hamburg-Amerika-Linie erwiesen, daß die Ge- 
rüchte, deren Schiffe hätten Geschütze und Munition 
für Japan befördert, gänzlich unbegründet sind; sie 
haben nie Waffen oder Kriegsmaterial irgendeiner Art 
nach oder von Japan befördert. Augenscheinhch setzen 
die französischen und ^ngHschen Agenten, die das 
Marine- und das Kriegsministerium in Schwärmen be- 
lagern — aus Ärger darüber, daß unsere Firmen Deine 
Regierung gut und besser bedienen, als sie es selbst 
können — , zahllose Enten „au detriment" der Deut- 
schen in die Welt; ich möchte anregen, daß man ihnen 
weniger glaubt und sie außerdem in die Newa vdrft. 

Die Japaner haben soeben 4 Linien- oder Schlacht- 
schiffe in England bestellt; sie sollen dem neuesten 
Typ in England, zwischen 18000 — 19 000 Tons mit 
25-cm-Geschützen als mittlere Artillerie und 30-cm- 
Geschützen als schwere Artillerie nachgebildet werden; 

Mit den besten W^ünschen für bessere Aussichten für 
Dich und Dein Land und vielen Grüßen an Alix 
verbleibe ich 
Dein Dich stets liebender Vetter und Freund 
Willy. 

P. S. Ende nächsten Monats werden wir unseren Jun- 
gen nach dem Mittelmeer und nach Sizilien bringen. 

165 



XLVl 



Am 17. Februar wurde der Generalgouverneur von Mos- 
kau, der Oheim des Zaren, Großfürst Sergius, durch ein 
Bombenattentat getötet. — In seinem hier folgenden aus- 
führlichen Schreiben legt Kaiser Wilhelm den „europäischen 
Gesichtspunkt" in bezug auf die revolutionären Zustände 
in Rußland nieder, die sich immer weiter ausbreiten und 
immer drohender werden. Man geht wohl nicht fehl, wenn 
man annimmt, daß mit diesem „europäischen* Gesichts- 
punkt" der Kaiser vielfach seine eigenen Ansichten deckt. 
Die drakonische Zensurherrschaft unter dem berüchtigten 
russischen Minister des Innern, von Plehwe, hatte unter 
dessen Nachfolger, dem Fürsten Swjatopolk-Mirski, eine 
wesentliche Erleichterung erfahren. Inzwischen hatte der 
Zar am 17. Februar der Anbahnung von Verwaltungsreformen 
unter Hinzuziehung der örtlichen, ländlichen und städtischen 
Korporationen seine Zustimmung erteilt. 



Berlin, 21. II. 1905 
Liebster Nicky! 

Fritz Leopold ist soeben mit Deinen freundlichen 
Wünschen und Grüßen zurückgekehrt, unter dem 
tiefen Eindruck Deiner außergewöhnlichen Güte und 

166 



Liebenswürdigkeit wie auch des netten Empfangs, den 
Du ihm bereitet hast. Wie froh bin ich, von ihm zu 
hören, daß Du wohlauf bist, ruhig, gefaßt und fest bei 
der Arbeit, und daß es derheben AUxund den Kindern 
gut geht. Es ist so viel leichter, eine schwere Aufgabe 
zu verrichten, wenn man weiß, daß die, die man liebt, 
wohlbehalten sind. Ich bin froh, daß ich Deinen 
Wünschen entsprechen konnte, indem ich Fr. Leop. 
zur See nach Asien entsandte. Eure Bahn ist hier- 
durch unbehindert gebheben. Was für schreckhche 
Nachrichten sind von Moskau gekommen! Diese Be- 
stien von Anarchisten haben eine dunkle, feige Tat 
vollbracht. Die arme Ella, was für ein furchtbarer 
Schlag muß es für sie gewesen sein, möge Gott ihr 
Kraft und Ergebenheit verleihen, ihn zu ertragen. Es 
ist sehr hart für die schöne alte Hauptstadt Rußlands, 
daß ihre Mauern durch ein so schändHches Verbrechen 
besudelt worden sind, doch sicherHch beherbergt sie 
keinen treuen Bürger, der diese Tat biUigen könnte. 
Ich kann nicht glauben, daß diese Dämonen aus den 
Reihen Deiner moskowitischen Untertanen hervorge- 
gangen sind, es waren vermutlich Ausländer, die von 
Genf kamen. Denn die große Masse Deines Volkes 
glaubt noch immer an ihr „Väterchen" den Zaren und 
verehrt seine geheihgte Person. Ich habe diese Über- 
zeugung aus meiner genauen Beobachtung der ver- 
schiedenen Phasen der Bewegung in Rußland gewon- 
nen, soweit ich dazu fähig war auf Grund der Nach- 
richten, die direkt von dort kamen, und der Ansichten, 

167 



die Beobachter, bisweilen auch Russen, in der euro- 
päischen Presse geäußert haben. 

Die russische Bewegung ist, wie Du Dir wohl vor- 
stellen kannst, der wichtigste Grund aller Gespräche 
und Korrespondenten, nicht nur in Rußland, sondern 
auch außerhalb. Die ganze europäische Presse ist mit 
Artikeln über Rußland überschwemmt; deren Tendenz 
hängt von dem Standpunkt der Partei ab, der die Ver- 
fasser angehören. Auf diese Weise hat sich ein — sozu- 
sagen — europäischer Gesichtspunkt ergeben, der, 
wie es scheint, der öffentlichen Meinung unseres 
Kontinents ziemlich korrekt entspricht. Ich dachte 
nun, es möchte vielleicht für Dich von Interesse sein 
— in Deiner Einsamkeit zu Zarskoe-Sjelo — , einen 
Begriff von dieser Meinung Europas zu bekommen 
und zu erfahren, wie die Ereignisse in Deinem Land 
beurteilt werden, von dem, was man mitunter die 
„zivilisierte Welt" im allgemeinen nennt. Ich werde 
demnach versuchen, in den folgenden Zeilen für Dich 
eine kleine Skizze vom „Widerschein des russischen 
Bildes" zu zeichnen, wie es sich von außen ansieht. 
Natürhch, da die Leute außerhalb Deines Landes nicht 
in die Details der verwickelten, jetzt in Rußland zu 
entscheidenden Fragen eingeweiht sind, so kombinieren 
und schließen sie oft aus einer Wirkung, die sie 
sehen, ohne ihre Ursache zu kennen, und deshalb wird 
eine falsche Kombination oft zu einem falschen 
Schlüsse führen, weil die Unwissenheit der Leute über 
die wahren Tatsachen eine Lücke gelassen hat. Der 

i68 



ausländische Betrachter ist oft gezwungen, voreilige 
Schlüsse zu ziehen, doch man muß hinzusetzen: „Wo 
die Begriffe fehlen, stellt oft ein Wort zu rechter Zeit 
sich ein*." 

Deshalb muß ich „avant tout" Dich um Verzeihung 
bitten, daß ich Dir Dinge schreibe, die Du wahrschein- 
lich schon lange aus den Berichten Deiner Diplomaten 
erfahren hast, und um Deine freundliche Nachsicht 
und Vergebung, wenn ich — wozu ich als Dein ehr- 
licher, treuer und ergebener Freund verpflichtet bin — 
auch Meinungen erwähnen muß, die Dir hart, unedel, 
falsch erscheinen oder sogar Deine Gefühle verletzen. 
Aber Rußland ist dabei, ein neues Blatt seiner Ge- 
schichte aufzuschlagen, und die Entwicklung zeigt sich 
dahin gerichtet, den Anfang einer gewissen Moderni- 
sierung vorzubereiten. 

Ein solcher Prozeß bei einer großen Nation vde der 
Deinen muß, wie Du zugeben wirst, das weiteste Inter- 
esse in Europa wachrufen und vor allem „comme de 
raison" in dem Nachb^rlande. Die einzuschlagenden 
Methoden, die anzuwendenden Mittel und die mit 
dem Werk zu betrauenden Männer haben über Deine 
Grenzen hinaus einen direkten Einfluß auf die anderen 
Nationen. Wenn ich sagte, die „Meinung" sei eine 
„europäische", so darf ich nicht über die Tatsache 
hinweggehen, daß viele Russen, die in den letzten 
Monaten hier durchgereist sind, und alle die, die 
in allen Teilen Europas — namentlich in Paris und 

• Im Original deutsch. 

i6q 



London — wohnen, gleichfalls dazu beigetragen haben, 
dem Bilde Farbe zu verleihen, so daß die Tatsachen, 
auf die sich die „europäische Meinung" stützt, zumeist 
von Frankreich gehefert werden, das als „amie et alliee" 
immer am besten über Rußland unterrichtet ist. 

Das Ergebnis ist folgendes: 

„On dit": Das Regime Mirski hat der Presse zu 
plötzHch eine größere Freiheit als früher eingeräumt 
und die Zügel, die Plehwe so straff gehalten hatte, zu 
frühzeitig locker gelassen. Daher eine plötzliche Hoch- 
flut unerhörter Artikel und offener Briefe an die Adresse 
des Herrschers, eine bis dahin in Rußland für unmög- 
lich gehaltene Sache; einige davon außerordentlich un- 
verschämt, mit dem Zweck, die Achtung vor der auto- 
kratischen Herrschaft zu verringern. Die revolutionäre 
Partei hat sich dieser Gelegenheit bemächtigt, um 
maßgebenden Einfluß auf die arglosen Arbeiter zu ge- 
winnen, unter ihnen eine Gärung hervorzurufen und sie 
zu Forderungen zu veranlassen, die sie nicht verstehen 
konnten, und dies in einer befehlenden, mißachteten 
Art, von einer Sprache und von Handlungen begleitet, 
die sehr große Ähnlichkeit mit der Revolution hatten. 
Dies brachte die Arbeiterklasse — nach meiner Über- 
zeugung gegen ihren Willen — in direkte Opposition 
zur Regierung und in Konflikte mit den Behörden, 
die Gesetz und Ordnung aufrechtzuerhalten hatten. 
Da diese irregeführten, schlecht unterrichteten Men- 
schen, zumeist solche, die gewohnt waren, den Zaren 
als ihren „Vater" zu betrachten und ihn als solchen 



170 



zu „duzen", den Eindruck hatten, daß es ihnen mög- 
lich sein würde, ihm ihre Wünsche vorzutragen, wenn 
sie vor seinem Palast erschienen, so läßt man durch- 
blicken, es sei vielleicht praktisch gewesen, wenn der 
Zar eine gewisse Anzahl von ihnen — in der Mitte 
des Platzes aufgestellt und von einem Truppenkordon 
umgeben — empfangen und an sie vom Balkon des 
Winterpalastes aus, begleitet von der höchsten Geist- 
lichkeit, dem Heiligen Kreuz und seinem Gefolge, eine 
Ansprache gehalten hätte, wie ein „Vater" zu seinen 
Kindern spricht, ehe das MiHtär in Aktion zu treten 
hatte; vielleicht wäre es nicht unmöglich, daß auf 
diese Art Blutvergießen ganz hätte vermieden oder 
wenigstens vermindert werden können. 

Man hat oft an das Beispiel Nikolaus' I. erinnert, 
der einen sehr ernsten Aufstand dadurch unterdrückte, 
daß er persönlich, sein Kind auf dem Arm, mitten 
unter die Rebellen ritt und sie in kurzer Zeit auf die 
Knie brachte. Man ist der Ansicht, daß die Person 
des Zaren jetzt wde damals noch einen ungeheuren 
Einfluß auf das einfache Volk hat, und daß sie sich 
vor seiner geheiligten Erscheinung noch immer beugen 
Ein Wort aus solcher Lage heraus und in solchem 
„entourage" würde den Massen Ehrfurcht eingeflößt, 
sie beruhigt, weit über ihre Köpfe hinweg in den 
entlegensten Winkel des Reiches geklungen haben mit 
einer sicheren Niederlage für die Aufwiegler. Wie es 
heißt, haben diese noch immer die Massen mehr oder 
weniger in ihren Händen, weil ein solches Wort von 



171 



dem Herrscher noch nicht gesprochen worden ist. Die 
Aufwiegler treiben daher ihr Spiel mit der Phantasie 
des Volkes weiter, indem sie behaupten: „Es ist Sein 
Wunsch, Er glaubt dies, aber ihr könnt Ihn nicht 
hören, weil die Beamtenscharen ihn einzuzäunen und 
von seinem Volke weit fernzuhalten wissen." Die be- 
törten Massen folgen und glauben diesen Leuten, bis 
es zu spät ist und Blut fließen muß. 

Viele Reformen sind in Angriff genommen worden, 
neue Gesetze werden bündelweise erörtert, aber merk- 
würdigerweise sagt das Volk in der Regel: „Dies ist 
von Witte, das ist von Murawjew inspiriert, jenes die 
Idee Pobjedonoszews." Vom Zaren aber ist niemals 
die Rede, denn sie kennen seine wirklichen Gedanken 
nicht ! Wenngleich das Ministerkomitee oder der Senat 
die Manifeste im Namen des Zaren erlassen, so sind 
doch diese Körperschaften für den Zuschauer zu un- 
bestimmt und zu geheimnisvoll, als daß sie auch nur 
die geringste Begeisterung an ihren Handlungen her- 
vorrufen. Die Leute sagen: In einem autokratischen 
Regime muß es der Herrscher selbst sein, der das 
Kennwort und das Aktionsprogramm in unmißver- 
ständhcher, amtlicher Art kundgibt. Anscheinend er- 
wartet jedermann etwas dergleichen, vermittels eines 
vom Zaren selbst ausgehenden Willensaktes. Solange 
ein solcher nicht erfolgt, wird allgemein der Eindruck 
weiterbestehen, daß die angekündigten Reformen und 
Gesetzesparagraphen lediglich ministerielle Arbeit und 
nur auf den äußeren Schein berechnet sind, dem Volke 



172 



Sand in die Augen zu streuen^ man \vird nach wie vor 
die feste Hand am Steuerruder des Landes ängstlich 
vermissen, die Führung durch einen überlegenen Geist 
mit klarer Zweckrichtung, der einem genau bestimmten 
Ziele zusteuert. Dieser Zustand erzeugt ein Gefühl 
des Unbehagens, dem seinerseits wieder Unzufrieden- 
heit entspringt, und daraus erwächst selbst bei den 
sanftesten Leuten mit den besten Absichten, die von 
den aufrichtigsten und reinsten Motiven geleitet wer- 
den, eine Nörgelsucht „ä tort et ä travers" in großem 
Maßstabe. Infolgedessen ist der enttäuschte Zuschauer 
— vielleicht auch die Untertanen — mehr und mehr 
geneigt, die Verantwortung für alles das, womit man 
unzufrieden ist, den Schultern des Zaren aufzubürden. 
In gewöhnhchen Zeiten hat dies nicht viel zu be- 
deuten, und bei konstitutionellen Völkern ist es nicht 
so gefährhch, da die Minister des Königs in die Bresche 
zu springen und seine Person zu verteidigen haben. 
In Rußland aber, wo die Minister nicht in der Lage 
sind, die geheihgte Person des Herrschers zu schützen, 
da man weiß, daß sie lediglich seine Werkzeuge sind, 
bilden solche Wirren, welche die Gemüter der Russen 
mit Unruhe und Unbehagen erfüllen und den Herr- 
scher mit dem Odium aller unerquicklichen Gescheh- 
nisse belasten, eine sehr ernste Gefahr für den Herrscher 
und seine Dynastie, weil sie geeignet sind, ihn un- 
populär zu machen. Jetzt, so heißt es, wo die In- 
telligenz und Teile der guten Gesellschaft schon unzu- 
frieden sind, könnten die Agitatoren, wenn der Zar 



173 



auch bei den Massen unpopulär werden sollte, mit 
Leichtigkeit einen solchen Sturm heraufbeschwören, 
daß es sehr ungewiß wäre, ob die Dynastie ihn über- 
dauern könnte. 

In einem Punkt scheint man in Europa ganz all- 
gemein übereinzustimmen, daß der Zar persönlich für 
den Krieg, seinen Ausbruch, die durch den plötzlichen 
Angriff hervorgerufene Überraschung, allein verant- 
wortHch ist, der augenfäUige Mangel an Vorbereitung 
falle ihm zur Last. Die Leute sagen, daß die Tausende 
von Familien, die ihre männlichen Angehörigen durch 
den Krieg verloren haben oder auf lange Zeit hinaus 
entbehren müssen, das vergossene Blut und ihre Klagen 
an den Stufen des Zarenthrones niederlegen. Es wird 
behauptet, daß die Reservisten, die aus ihren Wohn- 
stätten heraus einberufen worden sind, zögernd Folge 
leisten, weil sie nur mit Widerwillen in einem Lande 
kämpfen wollen, dessen Vorhandensein sie gar nicht 
kannten, und für eine Sache, die bei ihnen unbeliebt 
ist. Sie sind von Gram erfüllt, wenn sie an ihre Frauen 
und Kinder denken, die sie zurücklassen und die all- 
mähhch in Armut und hilfloses Elend versinken; sie 
legen ihre Ängste und ihre Sorgen vor das Tor des 
Zarenpalastes und wünschen, er hätte sie zu Hause 
gelassen. 

Die Berichte der fremden und der russischen Korre- 
spondenten von der Front besagen, daß die Armee 
unter äußerst ungünstigen Umständen gegen einen 
überaus furchtbaren Feind zu kämpfen hat. Sie mußte 



174 



den Krieg unter sehr schwierigen Verhältnissen begin- 
nen, hatte nicht Zeit, sich für die Aufgabe entsprechend 
vorzub^ereiten, hatte den Nachteil einer zu geringen 
Stärke und war so nicht in der Lage, die herein- 
brechende Flut von Widerwärtigkeiten einzudämmen 
und dem furchtbaren, mörderlichen Angriff eines Feindes 
zu widerstehen, von dem man weiß, daß er sich wäh- 
rend der letzten fünf Jahre auf diese Aktion vorbereitet 
hat. Für alles dieses ist, wie man glaubt, der Zar ver- 
antworthch. Auch die fürchterlichen Verluste werden 
ihm aufgebürdet. 

Nun ist die Verantwortung für einen Krieg etwas 
sehr Ernstes für einen Herrscher; das weiß ich aus 
Erfahrung durch das, was mein seliger Großvater mir 
erzählt hat. Er, persönlich ein Mann von mildester, 
friedfertigster Sinnesart, der auch schon in hohem 
Alter stand, wurde dazu berufen, drei Kriege während 
seiner Regierung zu führen. Und für jeden von ihnen 
übernahm er die volle Verantwortung. Doch er hatte 
ein reines Gewissen, und sein Volk unterstützte ihn 
loyal und begeistert; die ganze Nation erhob sich wie 
ein Mann, entschlossen, den Krieg zu gewinnen oder 
zu sterben, zum Sieg oder Untergang, doch bis zu 
Ende zu kämpfen; er und seine Untertanen fühlten, 
daß die Vorsehung auf ihrer Seite war, und das ist so 
gut, als wäre der Sieg schon gewonnen. Solche Kriege 
vermag der Herrscher leicht zu tragen, weil sein ganzes 
Volk die Last mit ihm^ teilt. Die Verantwortung für 
einen unpopulären Krieg jedoch ist etwas ganz anderes. 



175 



Wenn die Glut des flammenden Patriotismus entfacht 
ist und die Nation als Ganzes keinen willigen Anteil 
daran nimmt und plötzlich ihre Söhne zur Front 
schickt, weil der Zar es so befiehlt, doch ohne seine 
Sache zu ihrer eigenen zu machen, so ist das eine furcht- 
bare und schwer zu tragende Bürde. Ihr Gewicht 
kann nur durch die Lauterkeit der Motive erleichtert 
werden; die gibt dem Herrscher die Gewissensreinheit, 
welche notwendig ist, ihn zu der Erwartung zu be- 
fähigen, daß seine Untertanen für ihn auch dann 
kämpfen, wenn sie selber die Motive nicht unter- 
scheiden können. 

Diese Worte müssen Dir sehr sonderbar vorkommen, 
und ich höre Dich voll Erstaunen fragen: „Der Krieg 
unpopulär? Unmöglich!" Ich kann nur antworten: 
Die Menge von Privatbriefen, die in Frankreich ein- 
gegangen sind, läßt keinen Zweifel, daß dem so ist. 

Der Krieg ist sehr unpopulär bei allen Klassen in 
Rußland, das Offizierkorps nicht ausgenommen, zumal 
da Siege bis jetzt den russischen Waffen versagt waren. 
Bei den Offizieren der französischen Armee — Eurer 
Verbündeten — besteht der Eindruck, daß sogar das 
Vertrauen zu Kuropatkin nachzulassen beginnt und 
als ob die für den Erfolg wesentliche Eintracht unter 
den verschiedenen Befehlshabern der russischen Streit- 
kräfte viel zu wünschen übriglasse. Ist das wahr, so 
würde dieser Zustand die Operationen hindern und 
die Siegesaussichten gefährden; und es muß xA.bhilfe 
geschaffen werden, und zwar bald, sonst leiden die 



xy^ 



Armee und ihre Disziplin. Die Lösung ist, ich gebe 
es zu, sehr schwierig. 

Es scheint jedoch die aligemeine Auffassung, daß 
Kuropatkin mehr dazu Talent hat, Chef des General- 
stabs unter einem anderen General als Heerführer zu 
sein, denn selbst zu führen, da er ziemhch schwerfällig 
ist und es ihm ein wenig daran gebricht, was m.an die 
„Offensive" nennt. Dieser Führer ist schwer zu finden, 
da die Generale, die älter als Kuropatkin sind, meist 
zu alt und seit langem außer Aktivität sind; nebenbei 
wäre es zweifelhaft, ob er in einen solchen Wechsel ein- 
willigen würde. Andererseits sind, so heißt es, seine 
Kenntnisse des Landes, der Feinde, ihrer Kampfweise, 
der Verpflegung und Versorgung der Armee ganz un- 
schätzbar und im Felde nicht zu ersetzen. Das Resul- 
tat aller dieser Erwägungen ist, daß das Volk Andeu- 
tungen zu machen beginnt, der Zar selbst möge viel- 
leicht persönlich das Oberkommando übernehmen, zu 
seinen tapferen Truppen gehen, ihr Vertrauen wieder- 
herstellen, sie aufmuntern, indem er seinen Teil der 
Mühsal trägt, sie durch seine Gegenwart begeistern 
und seinen Truppen die Dienste Kuropatkins erhalten, 
insofern dieser als Chef des Stabs unter seinem „Kriegs- 
herrn" wirken würde. Wie ich schon vorher gezeigt 
habe, ist — so kann man sagen — etwas wie eine lang- 
sam steigende Flut von Mißdeutung, Unruhe und Un- 
gehorsam vorhanden, und die muß offenbar einge- 
dämmt und beschwichtigt werden. Die europäische 
öffentHchkeit blickt so ?ut wie die russische Nation 



// 



instinktiv auf den Zaren und erwartet von ihm, daß er 
hervortreten und etwas Großzügiges, eine große per- 
sönHche Tat tun werde: die allen zeigen soll, daß er 
der autokratische Herrscher seines Volkes und gewillt 
ist, ihnen in ihren Ängsten und Schmerzen zu helfen, 
soweit es in seiner Macht steht. Die allgemeine Er- 
wartung hat jemand sehr fein in Worte gekleidet: „II 
faut que l'Empereur fasse un grand acte pour affermir 
son pouvoir de nouveau, et sauvegarder sa dynastie qui 
est menacee, il faut qu'il paye de sa personne!"* 
Aber wie ! ? Nach dem, was ich über den Krieg ge- 
schrieben habe, steht es Dir vollkommen frei, eine 
andere Frage zu stellen: „Warum ist der Krieg unpo- 
pulär? Warum hat es den Anschein, daß ich nicht, 
von meinem ganzen Volk unterstützt werde ? Warum 
lassen sie es an Begeisterung für den Kampf fehlen ? 
V/ir sind angegriffen, unsere Fahne ist beschimpft wor- 
den, wir haben für ihre Ehre und für unser Prestige 
zu kämpfen!!" Die ausländischen Beobachter meinen, 
daß hier eine Antwort gegeben werden kann. Und 
zwar diese. In früheren Zeiten pflegten Deine Vor- 
väter, bevor sie in den Krieg zogen, sich nach Moskau 
zu begeben, in den alten Kirchen zu beten, dann die 
Notabein im Innern des Kreml und das Volk draußen 
im Hof zu versammeln, unter feierlichem Gepränge 
ihnen die Notwendigkeit des Krieges zu verkünden und 

* Der Kaiser muß eine große Tat tun, um seine Macht 
von neuem zu festigen und seine bedrohte Dynastie zu 
schützen, er muß mit seiner Person sich einsetzen. 

178 



ihre loyalen Untertanen aufzurufen, ihnen auf das 
Sclilachtfeld zu folgen. Ein solcher Ruf vom Kreml 
in Moskau — das noch immer die wahre Hauptstadt 
Rußlands ist — hat nie seinen Widerhall beim rus- 
sischen Volk verfehlt! Eine solche Tat, einen solchen 
Ruf zu den Waffen hat Moskau und Rußland in den 
Tagen, die dem 8. Februar des vergangenen Jahres 
folgten, von Dir erwartet; da waren sie bereit, mit En- 
thusiasmxus zu antworten, im ersten Schmerz über den 
grausamen Schicksalsschlag, der sie unversehens ge- 
troffen hatte, und die Bürger der großen Stadt hielten 
gierig Ausschau nach Deinem Kommen; es wird sogar 
davon geredet, die Beamten hätten Deinen Extrazug 
zur Abfahrt bereit gestellt. Aber der Zar kam nicht. 
Moskau \^airde sich selbst überlassen; der mit Begier 
erwartete „Heilige Krieg" wurde nicht verkündet, und 
kein Ruf zu den Waffen erging. Moskau betrachtete 
dies als Geringschätzung und empfand es schmerzlich. 
Es ist mißvergnügt geworden, zeigt sein Mißvergnügen 
offen, und sein Beispiel wird überall in Rußland be- 
folgt. Neulich fiel die Bemerkung: „II est temps que 
l'Empereur remette la main sur Moscou; avec Moscou 
il parviendra ä remettre l'ordre en Russie, sans Mos- 
cou, cela sera tres difficile!"* 

Nun denn, europäische Beobachter glauben, es lasse 

* Es ist Zeit, daß der Kaiser seine Hand wieder auf 
Moskau legt; mit Moskau wird er die Ordnung in Rußland 
wiederherstellen können, ohne Moskau wird das sehr schwer 
sein. 



179 



sich einrichten, daß der Zar die erwartete „große Tat* 
tue, indem er nach Moskau gehe, den Adel und die 
Notabein in seinem prächtigen Palast versammle und 
zu ihnen spreche; vielleicht, indem er mit einem Ver- 
weis beginne, weil man an ihn gerichtete Briefe und 
Adressen veröffentliche, was von schlechten Manieren 
zeuge und sich nicht wiederholen dürfe, und dann die 
Reformen bekannt gäbe, die er für sein Volk vorbereitet 
hat, soweit er das für angebracht hält. Nicht das Ver- 
sprechen einer allgemeinen gesetzgebenden Versamm- 
lung, keine Konstituante oder Convention Nationale, 
doch eine Habeas-Corpus-Akte und eine weitere Aus- 
dehnung des Staatsrats; Keine Versammlungs- oder 
Preßfreiheit, doch strenge Weisung an alle Zensoren, 
sich hinfort jeder Schikane zu enthalten. Ferner solle 
der Zar seine Hörer wissen lassen, was er über die Armee 
beschlossen hat — falls er es für möglich oder notwen- 
dig hält, selbst hinauszugehen — ihnen zu sagen und 
sie zu ermahnen, alle inneren Zwistigkeiten einzustellen, 
bis der Feind geschlagen sei. Dann solle der Zar, 
„entoure" vom Klerus mit Bannern, Kreuzen, Weih- 
rauchkesseln und Heiligenbildern, auf den Balkon hin- 
austreten und dieselbe Rede, die er vorher gehalten, 
verlesen, als ein Manifest an seine im Hofe unten ver- 
sammelten, von den dichten Reihen der Truppen 
„la bajonette au canon", „le sabre au poing" um- 
ringten treuen Untertanen. Wenn Du ihnen sagtest, 
daß Du — falls es Dir notwendig scheint — die Be- 
schwerden ihrer Brüder und Angehörigen im Felde, 

i8o 



die auf Deinen Befehl hinausziehen mußten, mit ihnea 
teilen, sie ermutigen und versuchen wolltest, sie zum 
Sieg zu führen, so wird, macht man geltend, das Volk 
tief gerührt sein. Dir zujubeln, auf die Knie fallen und 
für Dich beten. Die Popularität des Zaren wäre zu- 
rückerlangt, und er würde dazu die Neigung seines 
Volkes gewinnen. Alle Personen, die an den Vorgängen 
in Rußland Interesse nehmen, sind übereinstimmend 
der Ansicht, das „a la longue" der Zar nicht in per- 
petuum in Zarskoe oder Peterhof bleiben darf; sondern 
daß, wenn er zum erstenmal unter den obenerwähnten 
Begleitumständen erscheinen sollte, ganz bestimmt die 
Sensation und der Eindruck in der ganzen Welt enorm 
wäre; sie würde mit stockendem Atem auf ihn hören, 
wenn er, wie einst seine Vorväter taten, von der Veste 
des Kreml zu ihr spräche. 

Dies ist, hebster Nicky, meine Skizze der öffentlichen 
Meinung Europas im Hinbhck auf die Vorgänge in 
. Rußland. Zum Beginn habe ich Dir die Gründe nahe- 
gelegt, weswegen ich es für meine Pfhcht erachtete, 
diese Zeilen zu schreiben. Nochmals bitte ich Dich 
um Verzeihung, daß ich Deine kostbare Zeit in An- 
spruch genommen habe, und falls ich in meiner Dar- 
stellung manchmal zu persönhch gewesen sein sollte. 
Aber als Dein ehrhcher Freund bin ich ein eifersüch- 
tiger V/ächter Deines „Renomees" in dieser Welt, und 
ich wünsche, Du mögest von ihr richtig und gerecht 
beurteilt werden; und auch das ist meine Pflicht, Dich 
über die Meinungen zu unterrichten, die sich die Welt 

i8i 



über Dich bildet, so daß ich Dich in den Stand setze, 
sie durch Taten zu korrigieren, wenn Du Neigung dazu 
fühlst. In jedem Fall: „Honni soit, qui mal y pense." 
Mit aufrichtigsten Wünschen für das Wohlergehen 
und die Zukunft Deines Landes und Hauses, herz- 
lichsten Grüßen an Alix und dem Wunsche, daß Gott 
Dich segne und beschütze, bin ich, Hebster Nicky, wie 
immer 

Dein Dich Hebender Vetter und Freund 
WiUy. 



182 



XLVII 



Das Baltische Geschwader, unter Führung des russischen 
Admirals Roschdjestwenski, wurde am zj.jzS. Mai von der 
japanischen Flotte unter Admiral Togo bei Tsuschima in 
der Meerenge von Korea völlig vernichtet. — Die am 
Schlüsse erwähnte Braut ist die Kronprinzessin Cecilie. 



Berlin, 3. VI. 1905 
Liebster Nicky! 

Die freundlichen Zeilen, die Du Micha zur Besor- 
gung anvertraut hast, wurden mir gestern übergeben 
und haben mich tief gerührt. Die denkwürdigen Er- 
eignisse, auf die Du anspielst, sind alle deutlich in mein 
Gedächtnis eingegraben und erinnern mich daran, wie 
die Jahre vergangen sind, und wie oft wir beide seitdem 
in persönliche Beziehung getreten sind. Die natürliche 
Folge davon ist ein starkes Gefühl gegenseitiger Freund- 
schaft, das sich in uns beiden entwickelt hat und auf 
unser vollkommenes Verständnis für einander gegründet 
ist. Diese Beziehungen sind in langen Jahren unseren. 

183 



Ländern zur Wohlfahrt gediehen, an deren Spitze uns 
die Vorsehung berufen hat. Sie haben und werden 
hoffenthch weiter den Frieden und die Wohlfahrt bei- 
der Länder sowohl wie der Welt gewährleisten. Ich er- 
innere mich noch gut des Augenbhcks in der Kirche des 
Winterpalais, als Du unter dem atemlosen Schweigen 
einer riesigen Zuhörerschaft hervorragender Menschen 
auf die glorreichen Fetzen der alten Kosakenstandarte 
den Eid leistetest. Wie bewegt war Dein Heber Vater, 
als er Dich nach der Feier küßte! Wie lange das her 
ist! Jetzt stehst Du an seiner Stelle und mußt Dein 
Land durch eine der schwierigsten Phasen seiner Ent- 
wicklung leiten. Wie ich voll Mitgefühl in diesen 
letzten Monaten an Euch alle gedacht habe, das brauche 
ich Dir nicht zu sagen! Auch bei jeder Phase des Fort- 
schrittes von Admiral Roschd jestwensky ! Der große Ein- 
satz, den er in Deiner Hand bildete, ist gewagt und mit 
Ehren verloren worden. Er tat alles, was in seiner 
Macht stand, um Deinen Wünschen nachzukommen. 
Aber die Vorsehung wollte es anders, und er mußte 
eine Niederlage erleiden, seinem Herrn bis zum letzten 
tapfer dienend. Meine vollste Sympathie ist mit ihm 
und mit Dir. 

Vom rein militärisch-strategischen Gesichtspunkt 
aus beendet die Niederlage in der Meerenge von Korea 
die Aussichten für eine entschiedene Wendung der 
Dinge zu Deinen Gunsten. Die Japaner sind nun in 
der Lage, jede Menge von Reserven, frischen Truppen, 
Munition für die Belagerung von Wladiwostok in die 

184 



Mandschurei zu werfen. Es w-ird kaum ohne Flotten- 
unterstützung sehr lange Widerstand leisten können; 
Die Armee von Lenewitsch braucht mindestens drei 
oder vier frische Armeekorps, um auf ihre frühere 
Schlagkraft zu kommen, und selbst dann ist es schwer, 
vorauszusagen, was die Folgen sein werden, und ob 
eine neue große Schlacht mehr Erfolg haben wird als 
die früheren. Formell ist es natürhch möglich, selbst 
unter diesen ungünstigen Umständen den Krieg noch 
beliebig lange fortzuführen. Aber anderenteils darf die 
menschliche Seite nicht übersehen werden. Dein 
Land hat Tausende seiner Söhne an die Front ge- 
schickt, wo sie starben oder erkrankten oder für den 
Rest ihres Lebens zu Krüppeln WTirden. Nun ist, wie 
ich Dir in meinem letzten Briefe vom 6. Februar 
schrieb, der Krieg sehr unpopulär, und das Volk sieht 
seine Söhne und Väter widerstrebend, sogar unwillig 
ihre Heimat verlassen, um für eine Sache zu kämpfen, 
die sie nicht nur nicht gutheißen, sondern sogar ver- 
abscheuen! Ist es mit der Verantwortlichkeit eines 
Herrschers vereinbar, ein ganzes Volk gegen seinen aus- 
gesprochenen Willen weiter zu zwingen, seine Söhne 
hinauszuschicken, in Hekatom^ben töten zu lassen, nur 
für ihn ? Nur für seine Auffassung von nationaler Ehre ? 
Nachdem das Volk durch sein Verhalten klar bewiesen 
hat, daß es eine Fortsetzung des Krieges mißbiihgt? 
Wird nicht in kommenden Zeiten das Leben und das 
Blut all dieser nutzlos geopferten Tausende vor des 
Herrschers Tür gelegt werden, und wird er nicht eines 

185 



Tages von Ihm, dem Herrn' und Meister aller Könige 
und Menschen, aufgerufen werden, sich für die zu ver- 
antworten, die seiner Macht von dem Schöpfer unter- 
stellt waren, der ihm ihre Wohlfahrt anvertraute ? Na- 
tionale Ehre ist eine sehr gute Sache an sich, aber nur 
in dem Falle, wenn das ganze Volk selbst beschließt, 
sie mit allen denkbaren Mitteln aufrechtzuerhalten. 
Aber wenn der Wille eines Volkes zeigt, daß es genug 
hat, und daß „tout est perdu fors l'honneur" seine Auf- 
fassung ist, ist es dann nicht vernünftig, daß auch sein 
Herrscher dann — zweifellos mit schwerem Herzen — 
die Konsequenzen zieht und Frieden schließt ? Selbst 
wenn es ein bitterer Friede ist? Besser als durch die 
Verlängerung eines unpopulären Krieges ein derart 
bitteres Gefühl in seinem Lande zu schaffen, daß es 
sich sogar nicht zurückhalten ließe, ernsthche Schritte 
zu unternehmen, um den Herrscher schließlich zu 
zwingen, ihre Wünsche zu erfüllen und ihre Auffassung 
anzunehmen ? Natürhch ist die Armee zu berücksich- 
tigen. Sie hat gefochten, und brav gefochten — 
anderthalb Jahre lang in Hitze und Kälte, um für Dich 
und Dein Land den Sieg zu erringen; aber bis jetzt hat 
ihr die Vorsehung den Erfolg versagt. Niederlage, 
furchtbare Menschenverluste und unsagbare Leiden 
sind statt dessen Deinem armen Heere beschieden ge- 
wesen und von diesen prächtigen, tapferen, ruhigen, 
aufopferungsvollen Burschen, Deinen Soldaten, willig 
ertragen worden. Daß sie nach Vergeltung lechzten 
und bereit sind, sich in jedem möghchen Moment zu 

i86 



schlagen, ist ganz natürlich. Aber gibt es unter den 
Befehlshabern irgendeinen neuen Führer oder General, 
der imstande ist, den Erfolg zu garantieren, so daß 
eine neue gewaltige Anstrengung den Einsatz von 
Tausenden von Soldatenleben rechtfertigen würde ? 
Ist das Heer wirkhch unbedingt überzeugt davon, daß 
es das Geschick zu wenden vermag? Auf diese Frage 
kannst Du allein natürlich die Antwort wissen. Sollte 
diese Antwort jedoch von Deinen Generalen im Namen 
Deiner Soldaten im verneinenden Sinne gegeben werden, 
indem sie auf ihre Ehre erklären, daß sie nur für ihren 
Kaiser sterben, aber schwerlich einen entscheidenden 
Sieg für ihn erkämpfen könnten, dann, glaube ich, kann 
Dein Gewissen ruhig sein, ob Du weiterkämpfen sollst 
oder nicht, und Du kannst die Friedensverhandlungen 
eröffnen, was von allen Deinen getreuen Untertanen 
in ganz Rußland mit Freude begrüßt werden würde 
nach dem Blutzoll, den sie bereitwillig für ihren Kaiser 
entrichtet haben. Du kannst dann sagen, wie der alte 
französische Grenadier Bombardon singt: „Das Glück 
des Kriegs hat wider uns entschieden, doch die Armee 
hat ihre Pflicht getan; die Hälfte fiel, der Rest ward 
Invahden! Je nun, man trägt, was man nicht ändern 
kann*." 

Napoleon der Erste und Friedrich der Große haben 
auch Niederlagen erlitten! 

Es muß als Gottes Wille betrachtet werden, daß die 
Dinge diesen Lauf genommen haben! Gott hat diese 

* Im Original deutsch. 

187 



Last auf Dich gelegt, und sie muß getragen vi^erden, 
aber vieD eicht wird durch seine Absicht und mit seiner 
Hilfe schheßlich etwas Gutes von Dauer daraus, ein 
neues Leben und eine neue Ordnung der Dinge wird 
vielleicht aus dieser Zeit der Prüfung erstehen, als Be- 
lohnung, die Deine Untertanen reichlich verdient 
haben. 

Entschuldige die Länge meines Briefes, aber ich fühle 
mich als Dein Freund und. Kollege verpfhchtet, Dir zu 
sagen, was ich für wahr und richtig halte. Du kennst 
die Motive, die mich bewegen, und es steht Dir frei, 
mit diesen Zeilen zu tun, was Du für angemessen hältst; 

Sollten jedoch die in diesem Brief niedergelegten Ge- 
danken mit den Deinigen übereinstimmen, und solltest - 
Du glauben, ich könnte Dir auch nur vom kleinsten 
Nutzen bei den vorbereitenden Schritten für den Frie- 
den sein, so verfüge bitte nach Deinem Gefallen über 
mich. Ich darf vielleicht Deine Aufmerksamkeit auf 
die Tatsache lenken, daß die Japaner zweifellos die 
größte Hochachtung vor Amerika haben, mehr als vor 
allen anderen Völkern, da diese starke, aufstrebende 
Macht mit ihrer furchtbaren Flotte ihnen zunächst 
liegt. Wenn irgend jemand in der -Welt imstande ist, 
die Japaner zu beeinflussen und sie dahin zu bringen, 
vernünftig in ihren Forderungen zu sein, so ist es der 
Präsident Roosevelt. Sollte es Deine Billigung finden, 
so könnte ich mich leicht privatim ins Einvernehmen 
mit ihm setzen, da wir sehr intim sind; auch mein 
dortiger Botschafter ist ein Freund von ihm. Außerdem 

i88 



hast Du Herrn Meyer, den ich seit Jahren kenne, 
der mein vollstes Vertrauen besitzt. Du kannst ihn 
holen lassen, offen mit ihm reden, er ist sehr diskret 
und vertrauenswürdig, ein reizender Causeur mit an- 
genehmen Manieren! Hier hat der Einzug der Braut 
bei prächtigem Wetter unter großem Enthusiasmus 
stattgefunden. 

Beste Grüße an Alix 

von Deinem Dich liebenden Freund und Vetter 
Willy. 



189 



XLVIII 



Der Brief ist am Tage nach der Zusammenkunft bei 
Bjoerkoe geschrieben; vgl. hierzu die Einleitung! — Birilew 
ist der russische Marineminister. — Der in diesem Briefe er- 
wähnte Minister des Innern Bulygin hatte auf zarische 
Anordnung einen Verfassungsentwurf für Rußland ausge- 
arbeitet, dessen Grundzüge am 26. Juni amtlich bekannt- 
gegeben werden. Zwei Monate später — am 19. August 
1905 — erließ der Zar . das Manifest wegen Einführung 
einer Verfassung und Errichtung der Reichs-Duma. — In 
Brest fand am 9. Juli ein Besuch der englischen Flotte statt ; 
die französische Flotte erv/iderte den Besuch im August 
in Cowes. — Wlad. ist Großfürst Wladimir. 



Pillau, 27. VII. 1905 
Liebster Nicky! 

Bei der Landung an der Küste meiner Heimat be- 
nutze ich die erste Gelegenheit, Dir eine Zeile zu 
senden, um Dir noch einmal für die mir bereitete 
Aufnahme und die mir durch Dich bewiesene Liebens- 
würdigkeit zu danken. Die Stunden, die ich in Deiner 
Gesellschaft zubringen durfte, werden für immer in 



IQO 



meinem Gedächtnis eingegraben sein, Du warst zu 
mir wie. ein lieber Bruder. Ich werde Deine Gefühle 
immer mit derselben Wärme und Stärke erwidern, und 
Du kannst auf mich als auf einen treuen Freund zählen, 
der von dem einzigen Wunsche und der Hoffnung 
erfüllt ist, Dich in Deinem schweren Werk erfolgreich 
und Dein Land bald wiederhergestellt zu sehen von 
der schweren Prüfung, die es durch den Willen der 
Vorsehung zu bestehen hatte. Das von uns geschlossene 
Bündnis auf gegenseitige Unterstützung im Bedarfs- 
falle v^drd für Rußland von großem Nutzen sein, da 
es in den Gemütern des Volkes die Ruhe und das Ver- 
trauen zur Aufrechterhaltung des Friedens in Europa 
wiederherstellen und die finanziellen Kreise in fremden 
Ländern ermutigen wird, Fonds in Unternehmungen 
zu stecken, um Rußland und seine gewaltigen, bisher 
unberührten Reichtümer zu erschließen. In Zukunft 
ist es vielleicht nicht unmöglich, daß sich sogar Japan 
geneigt fühlen könnte, beizutreten. Das würde Eng- 
lands Anmaßung und Impertinenz abkühlen, da es 
ebenfalls sein Verbündeter ist. Der 24. Juli 1905 ist 
ein Eckstein In der europäischen Politik und schlägt 
ein neues Blatt der Weltgeschichte um; es vdrd ein 
Kapitel des Friedens und Wohlwollens unter den Groß- 
mächten des europäischen Kontinents sein, die ein- 
ander respektleren werden in Freundschaft, Vertrauen 
und im Verfolgen einer allgemeinen Politik in der 
Richtung einer Interessengemeinschaft. In dem Augen- 
blick, wo die Nachricht von dem neuen „Groupement" 



IQT 



in der Welt bekannt werden wird, werden die kleineren 
Völker wie Holland, Belgien, Dänemark, Schweden, 
Norwegen, alle zu diesem neuen, großen Schwer- 
gewichtszentrum hingezogen werden durch das ganz 
natürliche Gesetz der Anziehung kleinerer Körper 
durch die größeren und kompakteren. Sie werden sich 
um die Bahn des großen Mächteblocks (Rußland, 
Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien) drehen 
und voll Vertrauen sich an diesen Hauptkörper an- 
lehnen und um ihn kreisen. Die Doppelalhanz in Ver- 
bindung mit dem Dreibund ergibt einen Fünfbund, 
der wohl in der Lage ist, alle unruhigen Nachbarn in 
Ordnung zu halten und den Frieden vorzuschreiben, 
selbst mit Gewalt, wenn eine Macht so unbesonnen 
sein sollte, ihn zu stören. In der Unterhaltung mit 
diesem ausgezeichneten Mann Birilew — eine vorzüg- 
liche Wahl hast Du da getroffen — erwähnte ich, 
wenn Ihr Euch erst einmal über Euren Schiffstyp 
schlüssig geworden seid, solltet Ihr soviel vne möghch 
sofort bauen und neben den Franzosen auch die deut- 
schen Privatfirmen nicht vergessen. Deswegen, weil 
sie vsde für ihr eigenes Land arbeiten würden, während 
andere Mächte die Geheimnisse Eurer Schiffsbauer und 
Ingenieure gegen Euch selbst und das Land ausnützen 
würden. Zwischen Bjoerkoe und Hochland traf ich 
meinen aus Schweden kommenden Kreuzer, unrasiert, 
ungewaschen und von dem Rauch des Torpedobootes 
vollkommen schwarz wde ein Schornsteinfeger — - ein 
Bild des Jammers. Ich erhielt einige französische 



IQ2 



Zeitungen, in denen ich einen Bericht über die Feier- 
Hchkeiten in Brest las: „II 7 a 12 ans nous avions Tou- 
lon et Cronstadt, c'etait le mariage d'amour. Comme 
chez tous les mariages d'amour est survenu un des- 
illusionnement general surtbut depuis la guerre 1904 
ä 1905. Maintenant nous avons Brest et Cowes, c'est 
le mariage d'affaires, et comme chez tous les mariages 
d'affaires il en resultera un mariage de raison!"* Ich 
denke, das ist wirkUch unverschämt für einen Verbün- 
deten! So seine „amie et alhee" fallen zu lassen! Es 
wird den Franzosen sehr gut tun, wenn Du die Zügel 
ein bißchen schärfer anziehst. Ihre 10 MiUiarden 
-Francs, die sie in Rußland angelegt haben, hindern sie 
zwar, vollständig abzufallen, aber die Sprache zeigt, 
bis zu welchem Punkt die enghschen Schmeicheleien 
die Franzosen bereits gebracht haben! Ich hoffe, sie 
werden ihren Kopf in Cowes nicht ganz verHeren. 
Um das Gleichnis von der „mariage" noch einmal zu 
gebrauchen : „Marianne" (Frankreich) muß daran den- 
ken, daß sie mit Dir verheiratet und verpfhchtet ist, 
mit Dir im Bett zu hegen, schheßUch auch mich hin 
und wieder Uebkosen oder mir einen Kuß geben, aber 
nicht in das Schlafzimmer des immer intrigierenden 
„touche-ä-tout" auf der Insel kriechen soll. 

* Vor 12 Jahren hatten wir Toulon und Kronstadt, das 
war eine Liebesheirat. Wie bei allen Liebesheiraten ist eine 
allgemeine Enttäuschung darauf gefolgt, insbesondere seit 
dem Kriege 1904/05. Jetzt haben wir Brest und Cowes, 
das ist eine Geschäftsheirat, und wie bei allen diesen Ge- 
schäftsheiraten wird daraus eine Vernunftheirat sich ergeben! 

X3 193 



Nun leb' wohl, liebster Nicky; vergiß nicht die 
Magna charta (Habeas-corpus-Akte) und die Beloh- 
nung für Deine Linientruppen, indem Du sie auf die 
gleiche Höhe wie die Garden bringst! Du hast es mir 
versprochen! Kehre Dich nicht an die schlechte Laune 
von Wlad. oder an die. Opposition der Garden, denke 
an die zehn Armeekorps im Feld, die für Dich geblutet 
haben, und an die in den Provinzen daheim, die täg- 
lich für Dich gegen die Revolution kämpfen. Herz- 
liche Grüße an Alix von Deinem 

sehr ergebenen Freund 
WiUy. 

P. S. Da Du mir gesagt hast, daß Bulygin bereits 
einen Gesetzentwurf nach Deinen Anweisungen, ent- 
sprechend den Gedanken, von denen ich Dir gespro- 
chen hatte, fertiggestellt hat, so halte ich es für drin- 
gend, ihn jetzt sofort zu veröffentlichen, damit 
die Mitglieder so bald wie möglich gewählt werden; 
dann kannst Du, wenn Dir die Friedensbedingungen 
vorgelegt werden, sie dem russischen Volke mit- 
teilen, das die Verantwortung für die Ablehnung 
oder Genehmigung zu tragen hätte! Dies würde 
Dich vor einem allgemeinen Angriff auf Deine Politik 
schützen, der von allen Seiten erfolgen würde, wenn 
Du es allein tätest. 



194 



XLIX 



Mit dem im ersten Absatz erwähnten Telegramm des 
Kaisers an den Zaren ist vielleicht der Brief vom 27. Juli 
(Nachwort!) gemeint. In russischen poH tischen Kreisen 
wurde zu jener Zeit von einem derartigen Ratschlage des 
Kaisers viel gesprochen. 



Schloß Wilhelmshöhe, 22. VIII. 1905 

Liebster Nicky! 

Dein Manifest, das die Bildung der Duma bestimmt, 
hat in Europa einen ausgezeichneten Eindruck gemacht, 
besonders in meinem Lande, und ich bitte Dich, meine 
vi^ärmsten Glückvmnsche entgegenzunehmen. Es ist in 
der politischen Entw^icklung Deines Landes ein großer 
Schritt vorwärts und gibt dem Volk eine Möglichkeit, 
Dir seine Hoffnungen und Wünsche vorzulegen, wo- 
durch ein Zusammenarbeiten zmschen Herr und Land 
zum Wohlergehen der Nation bevdrkt wird. Du wirst 
in der Lage sein, mit allen Arten und Klassen von 
Menschen in Berührung zu kommen und ihnen direkt 

X3* 195 



Deinen Geist und Deine Ideen einzuflößen, was früher 
durch den großen, dicken, von Deinen Untertanen mit 
viel Mißtrauen betrachteten Wall der „Tchin-Bureau- 
kratie" verhindert ^\Tlrde. Entschuldige, bitte, mein 
Telegramm von neuHch, aber ich dachte, es sei eine 
gute Idee, die Duma einmal auf die Probe zu stellen 
und zu sehen, ob sie arbeitsfähig ist oder nicht. Zu 
gleicher Zeit bekommst Du einen ausgezeichneten Ein- 
bhck in das Wesen Deines Volkes und läßt es in Zukunft 
einen Teil der Verantwortung tragen, die es wahr- 
scheinlich gern Dir allein aufgehalst hätte; dadurch 
wird es unmöghch, an Dir allein Kritik zu üben und 
Dir alle Unzufriedenheit zuzuschieben. 

Ich sende Dir beigeschlossen einige interessante Ar- 
tikel, aus denen Du die Richtung des französischen 
Geistes ersehen kannst. Die Engländer haben sich vor 
den Franzosen und den französischen Marineleuten 
prostituiert, in der Hoffnung, sie Dir abzugewinnen 
und jeder Annäherung zwischen Dir, mir und ihnen ein 
Ende zu machen. Die Franzosen fühlten sich sehr ge- 
schmeichelt, aber ich hoffe, die vernünftigen Leute bei 
ihnen haben den Kopf kühl und klar behalten und ein- 
gesehen, daß alles „cousu de fil blanc" ist, und daß 
Britannien Frankreich nur als sein Werkzeug gegen uns 
gebrauchen will, wie es Japan gegen Dich gebraucht 
hat. Der Artikel im,, Forum" ist von dem Korrespon- 
denten Maurice Low geschrieben, den die ,,Morning- 
Post" nach Amerika gesandt hat. Er ist sehr geschickt 
geschrieben und äußerst indiskret über die Erweiterung 

196 



des neuen englisch-japanischen Vertrages, die bis jetzt 
in London vollkommen geheimgehalten worden ist; 
aber es scheint, er hat die Katze aus dem Sack gelassen. 
Der „Erzintrigant und Unheilstifter" in Europa, wie 
Du den König von England richtig nennst, hat in den 
letzten Monaten wieder tüchtig gearbeitet. In Cowes 
sagte er zu einem meiner Freunde — einem deutschen 
Herrn, den ich zur Beobachtung der „Entente Cor- 
diale" hingesandt hatte: „Ich kann nicht herauskriegen, 
was in Bjoerkoe vorgegangen ist! Benckendorff weiß 
nichts — denn er sagt mir immer alles — , 
Kopenhagen weiß nichts, und selbst die Mutter des 
Kaisers — die mich immer alles wissen läßt — 
hat diesmal von ihrem Sohne nichts gehört; selbst 
Lamsdorff, der ein so netter Mensch ist und 
mich alles wissen läßt, was ich hören möchte — 
weiß nichts oder will nichts sagen ! Es ist sehr ärgerlich !" 
Dies zeigt Dir, wie sehr weit das Netz der geheimen 
Informationen ist, das er über Europa und über Dich 
ausgeworfen hat. Zuerst ließ er seine Presse den Ge- 
danken eines Besuchs bei mir lancieren, und nachdem 
alle Zeitungen Europas dies aufgegriffen und be- 
sprochen hatten, veröffentlichte er plötzlich ein be- 
leidigendes Dementi, die Idee wäre von meinem 
Auswärtigen Amt ausgegangen. Die feinste Lüge, 
die mir je begegnet ist! Dann lädt er hinter meinem 
Rücken meinen Sohn ein, ihn in England zu besuchen ! 
Daraus wird natürlich nichts. Seine Flotte ist im Be- 
griff, unsere Küsten zu besuchen; hoffentlich vAid 



197 



dies vielen Deutschen die Augen öffnen, die noch immer 
keine Lust haben, für eine Vergrößerung unserer Flotte 
Geld zu bewilligen; wir werden viele mit der Bahn 
und zu Schiff hinschicken, damit sie eine Stunde An- 
schauungsunterricht erhalten. Sie werden, hoffe ich, die 
Notwendigkeit verstehen lernen, eine starke Flotte zu 
bauen. Die beigeschlossene Broschüre ist mir von 
Amerika geschickt worden ; ich füge sie bei, in der An- 
nahme, daß sie Dich interessieren wird, besonders vom 
Gesichtspunkt der zukünftigen Pläne aus, die England 
gegenüber Rußland in Asien hat, und wofür es die 
Japaner zu benutzen sucht. Sie wirft Licht auf die 
japanische Expedition nach der Grenze Turkestans, 
worüber ich Dir Mitteilung gemacht habe. 

Dein Dich hebender Vetter und Freund 
WiUy. 



198 



L 



Noch in der zweiten Augusthälfte — der Friede von 
Portsmouth zwischen Rußland und Japan wurde am 29. Au- 
gust unterzeichnet — hatte der Zar in dreizehn Gouverne- 
ments des europäischen Rußlands eine neue Mobilisierung 
zur Verstärkung der Truppen in Ostasien befohlen. Ende 
August hatte ein britisches Geschwader vier Tage hindurch 
vor Swinemünde geweilt und das deutsche Manöverge- 
schwader seine Übungen unterbrochen, um, wie damals amt- 
lich bekanntgegeben wurde, die Engländer in der Ostsee 
zu begrüßen. Tino ist wohl Kronprinz Konstantin von 
Griechenland. 



Kronberg, 24. VIII. 1905 

Heute vor vier Vv^ochen „Bjoerkoe"! Die köstlichen 
Stunden, die wir zusammen verbrachten! Und die 
festen Bande freundschaftlicher Vereinigung, die un- 
seren Ländern, so Gott will, gute Früchte bringen 
wird. Ich habe eben Dein freundliches langes Tele- 
gramm erhalten! Vielen Dank! Wie gütig. Dich so zu 
bemühen. Ich verstehe durchaus Deine Lage und Deine 
Entschlüsse. Sobald Du der Unterstützung Deines 



199 



Volkes sicher bist und sie bereit sind, weiterzukämpfen, 
dann ist alles gut. Und ich wünsche Dir die Hilfe de? 
Himmels und raschen Sieg. Ich bin zu Besuch bei mei- 
nen Schwestern hier, die gerade von einem langen Auf- 
enthalt in England zurückgekehrt sind. Sie erzählen 
mir, die Nachricht von unserem Zusammentreffen in 
Bjoerkoe hätte dort alle Leute und^ die Presse in einen 
Zustand \\aldester Erregung versetzt. Der König und 
der Hof vor allem waren ganz „aus dem Häuschen" *. 
Er versuchte, von meinen Schwestern herauszukriegen, 
ob sie etwas wüßten von dem, was vorging. Sie lachten 
ihm natürlich ins Gesicht und amüsierten sich sehr. 

Die Stelle aus dem Brief Bismarcks an Schleinitz aus 
Rußland im Jahre 1858 v.ird Dich interessieren, da sie 
zeigt, daß die Geschichte sich wiederholt und die Zei- 
ten ganz ähnlich waren wie jetzt. Heute sprach ich den 
Großfürsten Georg mit Minny von Griechenland. Er 
erzählte mir, seine Nachrichten aus privater Quelle 
wären, daß die Ankündigung der „Duma" in russischen 
Provinzkreisen große Befriedigung hervorgerufen hätte, 
und daß die Sympathie für Deutschland und die An- 
erkennung unserer Haltung gegenüber Rußland wäh- 
rend des Krieges warm und lebhaft wäre. Meine 
Schwestern, Tino und die ganze FamiHe senden Dir 
ihre besten Grüße. Vergiß nicht den Befehl, daß die 
Avancements der Linie in gleichem Range wie bei 
der Garde stehen. Es wird prächtig einschlagen. Ich 
füge einige neue Postkarten von der Saalburg bei, die 

* Im Original deutsch. 



200 



ich heute besuchte. Sie ist beinahe fertig und sieht 
hübsch bei dem schönen Sommerwetter aus. Nun leb' 
wohl, mein lieber Nicky. Gott helfe Dir und beschütze 
Dich und Deine ganze Familie. Meine Gebete werden 
Dich stets begleiten. 

Dein ergebener und Dich liebender Freund 

und Vetter 

Willy. 

25. VIII. 

P. S. Gerade als ich meinen Brief beendet hatte, er- 
hielt ich eine Botschaft vom Präsidenten Roosevelt. Da 
er mein Interesse an der Friedenskonferenz kennt, 
sandte er mir liebenswürdigerweise eine Information 
über die Lage und über die streitigen Punkte, die zu 
Meinungsverschiedenheiten zwischen Japan und Ruß- 
land führten, und seine Vorschläge, die Wünsche beider 
Parteien so weit wie möglich in Einklang zu bringen. 
Ich halte seine Vorschläge für sehr vernünftig und prak- 
tisch und hoffe, sie werden Deinen Erwartungen ent- 
sprechen. Soviel ich daraus ersehe, scheinen sie Rußland 
alle Vorteile eines ehrenvollen Friedens zu sichern. Aber 
natürlich liegt bei Dir allein die Entscheidung, da Du 
am besten die Gefühle Deiner Landsleute zu beurteilen 
in der Lage bist. Noch einmal bitte ich Dich um Ent- 
schuldigung, daß ich Dir so lästig falle und Dich so quäle, 
aber Du weißt ja, daß alles aus freundschaftlichem 



201 



Herzen kommt, das warm für Dich und Deine Wohl- 
fahrt sowie für die Deines Landes schlägt. 

Ich habe meiner Flotte befohlen, der britischen wie 
ein Schatten zu folgen, und wenn sie Anker geworfen 
hat, in der Nähe der britischen Flotte anzulegen, ihnen 
ein Diner zu geben und sie so betrunken zu machen wie 
möglich, um herauszukriegen, was sie vorhaben, und 
dann wieder fortzusegeln. Ich glaube, das Erstaunen 
wird groß sein, da die Engländer sowolil wie unser Volk 
glauben, daß unsere Flotte in der Nordsee Hegen wird. 
Sage also keinem davon, denn das Geheimnis muß gut 
bewahrt werden! Tata! Das ist das wirkHche Ende 
meines Briefes! 

Willv. 



Beilage 
BISMARCKS BRIEF AN SCHLEINITZ* 

„Für Rußland verlangt und erwartet jeder," 
schreibt Bismarck, „der nicht gerade ausschheßhch 
von einem Amte lebt, nach Erlaß der Bauerngesetze 
irgendeine verfassungsmäßige Form der Beteiligung 
des Volkes und namentlich der höheren Schichten an 
der Regierung des Landes; die Gemäßigten mit 

* Der Brief Bismarcks ist nicht von 1858, wie der Kaiser 
schreibt, sondern vom 30. November 1860. Vgl. Bismarcks 
Briefwechsel mit dem Minister Freih. v. Schleinitz 1858 
bis 1861 (Stuttgart 1905). S. 118, 



202 



Maßen; aber man hört Stimmen, die an den Konvent 
erinnern und den Standpunkt der Girondisten schon 
überwunden haben. Man spürt die Tätigkeit von 
Wühlern, welche kein Mittel vernachlässigen, um 
Mißstimmung gegen den Hof und das KaiserHche 
Haus bis in die untersten Volksschichten zu verbreiten. 
Die nächste Umgebung des Kaisers ist leider nicht 
rein von Elementen, welche die übelsten Anhalts- 
punkte für dergleichen gewähren, und deren Hand- 
lungen sowie die Verantwortung für den ganzen 
Augiasstall amthcher Mißbräuche künsthch dem Kaiser 
zugeschoben werden, dessen mildes Herz ohne Zweifel 
für manche ihm bekannte Personen zu nachsichtig ist, 
dessen ehrliches Streben nach Besserung der Dinge 
sonst aber selbst von denen anerkannt wird, die ihm 
aus der Erfolglosigkeit desselben einen Vorwurf 
machen. Den armen Leuten, selbst den gemeinen Sol- 
daten, wie man sagt, rechnet man die Geldausgaben 
des Hofes, die Beamten für die Großfürsten,^ die 
Häuserankäufe für die jüngsten Söhne des Kaisers, 
den Verbrauch bei Hofe vor und vergleicht damit ihre 
Armut. Leute in hohen Stellungen, durch Amt und 
Geburt, sprechen mir von Revolutionen als von Din- 
gen, die wohl möghch wären, sie aber eigentlich wenig 
angingen, sondern nur den Kaiser beträfen, so daß es 
keinesfaUs scheint, als ob sie in der Verteidigung des 
Thrones ihr Leben einzusetzen gedächten. Nun hat 
man sich hier zwar jederzeit durch scharfen Tadel in 
der Konversation für di^ Unterwürfigkeit entschädigt, 

203 



die man der amtliclien Gewalt im praktischen Leben 
erweist, dabei aber war in früheren Zeiten der ge- 
samte europäische Wind nicht so ungünstig für 
monarchische Autorität wie heutzutage und wie 
besonders seit 4 Jahren in Rußland. Vielleicht geht 
das vorüber wie ein Wechselfieber, vielleicht aber 
reicht auch ein kleiner und zufälliger Funke hin, hier 
einen großen Brand anzuzünden. Von Offizieren hört 
man über Abnahme der Disziplin unter den Soldaten 
klagen und den Krieg als nötig bezeichnen, wenn 
nicht schlechter Geist einreißen soll. Bedrohlich sieht 
es überall aus in der Welt, und wenn man hier erlebt, 
daß Edelleute von anscheinend ruhigem und fried- 
liebendem Temperament ganze Ladungen von Re- 
volvern und Munition aufkaufen, um sich auf den 
Sommer zu rüsten, so weiß ich nicht, ob man nicht 
besser als Christenhund in Damaskus aufgehoben wäre 
wie als Gentleman im Lande des Kaisers Nikolaus. Die 
Aussichten der Deutschen in Nordschleswig sind jeden- 
falls weniger unbehagHch als die des russischen Land- 
junkers, der gleich einer lebendigen Höllenmaschine 
mit Revolvern ausgestopft unter seinen Bauern lust- 
wandelt. Der Kaiser ist gedrückt von dem Ernst der 
Situation im Innern und hat für auswärtige Politik 
nicht dasselbe Interesse wie sonst. Gestern sagte er 
mir mit tiefem Seufzen, daß die Mittwoche seine ein- 
zigen glücklichen Tage seien, weil die Geschäfte ihm 
dann 24 Stunden Ruhe ließen. Er fährt nämlich jeden 
Dienstag abend zur Jagd. Auch bei meiner neuhchen 



;o4 



Audienz war er niedergeschlagen; er schenkte mir 
seine und der seligen Kaiserin Photographie und knüpfte 
daran eine Beschreibung der Originale aller im Zimmer 
hängenden Familienporträts. — Wenn Redensarten 
tödlich wären, so lebte in der Tat vom ganzen 
Hause Holstein-Gottorp keine männliche Seele mehr. 
Dem edlen Herzen des Kaiser läßt jeder Gerechtigkeit 
widerfahren, die „Aber", die dann jedoch folgen, sind 
von der Art, daß ich in den Fall komme, fortzugehen, 
oder um eine Änderung des Gesprächs zu bitten. 
Sehr übel ist es, daß der Kaiser für alle die weitver- 
zweigten und vielfachen Mißbräuche verantwortlich 
gemacht wird, die mit dem Namen Minna Iwanowna, 
zu deutsch Frau v. Burghof, Freundin des alten 
Adlerberg, zusammenhängen. — Daß Gardeoffiziere 
in Gegenwart Fremder die Frage diskutieren würden, 
ob sie auf das Volk schießen werden oder nicht, hat 
der Kaiser Nikolaus gewiß auch nicht so schnell er- 
wartet. — Man hat hier eine zu gute Polizei von alters 
her, als daß der Kaiser nicht viel von allen diesen 
Dingen erfahren sollte, und der praktische Chef dieses 
Institutes, Timaschew, sieht allerdings sehr schwarz 
in betreff der nächsten Zukunft." 



205 



LI 



Auf seiner Rückreise aus Portsmouth in Paris angelangt, 
erhielt dort der russische Ministerpräsident Witte eine Ein- 
ladung des Königs Eduard VII. nach VVindsor. Witte lehnte 
diese Einladung ab, reiste weiter nach Berlin, wo er vom 
Reichskanzler Grafen Bülow empfangen wurde, und hatte 
am 27. August eine Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm in 
Rominten. 



Rominten, 26. IX. 1905 
Liebster Nicky! 

Wittes Besuch gibt mir die angenehme Gelegenheit, 
Dir einige Worte zu senden. Dies bereitet mir stets 
große Freude, und ich hoffe nur, daß mein Brief Dich 
nicht zu sehr langweilen wird. Ich hatte höchst in- 
teressante Unterredungen mit Witte. Er hat mir 
den Eindruck eines Mannes von ungewöhnlicher Scharf- 
sichtigkeit, Voraussicht und der seltenen Gabe der 
Energie gemacht. Es ist ihm gelungen, — mit Roosevelts 
gleich energischer und kluger Hilfe, — die Konferenz 

206 



von Portsmouth zu einem sehr guten Abschluß zu 
bringen. Und zv/ar in solchem Maße, daß man es 
in der übrigen Welt als einen deutlichen und wir- 
kungsvollen Sieg Rußlands über Japan ansieht. Das 
wird Dich wohl interessieren, weil zweifellos Feinde 
von ihm und boshafte Leute in Rußland seine Arbeit 
schmälern und glauben machen möchten, er habe die 
Interessen seines Landes nicht in solchem Maße wahr- 
genommen, wie er dies hätte tun müssen. Große 
Männer — und er muß meiner Ansicht nach zu ihnen 
gezählt werden — werden immer bis zu einem ge- 
wissen Grade sich auf Neid und Lügen gefaßt machen 
müssen; die bilden ein Gegengewicht zu dem Lobes- 
beitrag, womit sie von ihren Bewunderern über- 
schüttet werden. Es sind aber die Tatsachen, die für 
sie sprechen, und Portsmouth spricht für sich selbst. 
Ich fand zu meiner großen Befriedigung, daß seine 
politischen Ideen vollständig mit der Basis überein- 
stimmen, auf die wir unsere in Bjoerkoe ausgetausch- 
ten Ansichten gründeten. Er ist ein fester Befür- 
worter einer russisch-deutsch-französischen Alliance, 
die, wie er mir sagt, von Amerika gern „coudoyee" 
wird, zur Aufrechterhaltung des Friedens und des 
Status quo in der Welt, deren Gleichgewicht durch den 
englisch- japanischen Vertrag gestört worden ist. Er 
war infolgedessen sehr angenehm überrascht, als ich 
ihm von unserer Arbeit in Bjoerkoe erzählte. Das ist 
die natürlichste Gruppierung der Mächte — sie sind 
die Repräsentanten des Kontingents — und sie wird 



207 



in der Folge alle kleineren Mächte Europas in das Be- 
reich dieses großen Blocks ziehen. Amerika wird auf 
der Seite dieser „Kombination" stehen. Erstens vom 
Rassenstandpunkt aus: sie sind entschieden „Weiße" 
anti „Gelbe". Zweitens politisch: aus Furcht vor 
Japan wegen der Philippinen, auf die die Japaner ein 
verlangendes Auge geworfen haben; ihr Verlust würde 
die Stellung Amerikas im Stillen Ozean beeinträchtigen. 
Drittens wegen des gefährlichen Wettbewerbs des 
japanischen Handels infolge sehr biUiger Arbeitskräfte 
und ohne die Kosten eines langen Transports mit 
seinen Frachttarifen und den Abgaben für die Durch- 
fahrt durch den Suezkanal. Die Summen, die dafür 
bezahlt werden, sind eine schwere Belastung des ge- 
samten europäischen Handels. Dasselbe gilt vom 
Panamakanal. 

Der von Amerika flankierte „Kontinentale Bund" 
ist das einzige Mittel, den Weg wirksam zu blockieren, 
der dahin führen würde, daß die ganze Welt John 
Bulls Privatbesitz wird; er beutet sie nach Herzens- 
lust aus, nachdem er, durch endlose Lügen und In- 
trigen, die übrigen zivihsierten Nationen zu seinem 
eigenen Vorteil so weit gebracht hat, daß sie einander 
in den Haaren Hegen. 

Wir sehen dieses niederträchtige Prinzip jetzt in der 
Marokko-Frage angewandt, wo John Bull gleichfalls 
sein Bestes tut, die Franzosen gegen uns aufzu- 
hetzen; dadurch entstehen endlose Verzögerungen und 
Scherereien. Aber Deine Verbündeten sind derartig 

208 



durch „Cowes" und „Brest" und die „Entente Cor- 
diale" hypnotisiert, daß sie kaum noch etwas in der 
AußenpoHtik unternehmen, ohne vorher London zu 
befragen. Ich glaube, es wäre gut, wenn Du NeHdow 
anweisen würdest, dieser Anglomanie ein Ende zu 
machen und die Franzosen daran zu erinnern, daß 
ihre Zukunft bei Dir und uns Hegt; denn wie ich höre, 
ist auch er etwas „Anglomane". Witte hat freund- 
licherweise den Franzosen in der Marokko-Frage den 
Rat gegeben, Vernunft anzunehmen, und ich habe 
Radolin beauftragt, so „konziliant" wie möglich zu 
sein, so daß ich nunmehr hoffe, wir werden uns in 
ein paar Tagen einigen. 

Hinsichtlich der anglo-französischen „Entente Cor- 
diale" wirst Du vielleicht in meinen Dir vor zwei 
Jahren geschriebenen Briefen finden, daß ich Dich vor 
der beginnenden Annäherung der beiden Regierungen 
und Länder warnte; damals opponierten sie nach den 
„Mürzsteger Punktationen" gemeinsam gegen Deine 
Politik in Mazedonien. Ich wies darauf hin, daß sie 
wieder ihre alte, von der Krim her bekannte Politik 
aufnahmen, und nannte sie damals die „Krimsche 
Verbindung"*. Die „liberalen westlichen Mächte" 
haben sich zusammengetan, wie ich vorausgesagt habe; 
sie opponieren Dir nicht nur in , der auswärtigen Po- 
litik, sondern noch hitziger und offener auf dem Felde 
der inneren russischen Politik. Die französische und 

* Wortspiel: im Englischen klingt bei ,,Crimean** das 
Wort ..crime'' (Verbrechen) an. 



•09 



die englische liberale Presse brandmarkt ganz offen 
und mit vereinten Kräften alle monarchischen, tat- 
kräftigen Aktionen in Rußland — das „Zarentum", 
wie sie es nennen — und tritt offen ein für die Sache 
der Revolutionäre in ihren Plänen für Ausdehnung und 
Aufrechterhaltung des Liberalismus und der „Auf- 
klärung" gegen das Zarentum und den Imperialismus 
„gewisser" rückständiger Länder. Das bezieht sich 
auf Dein und mein Land. Die Phrase, mit der die 
Franzosen von den Engländern immer wieder einge- 
fangen werden, ist: „gemeinsam die Interessen des 
Liberalismus in der Welt aufrechtzuerhalten und in 
anderen Ländern zu fördern". Das heißt, Revolu- 
tionen in ganz Europa großzuziehen und zu unter- 
stützen, besonders in Ländern, die glücklicherweise 
noch .nicht unter der absoluten Herrschaft jener ver- 
teufelten Parlamente stehen. 

Alvensleben, der auf Urlaub zu Hause ist, ist leider 
mit seiner Gesundheit völlig zusammengebrochen und 
hat darum nachgesucht, sein Amt niederlegen und 
sich vom Dienst zurückziehen zu dürfen. Mit Deiner 
freundlichen Zustimmung schlage ich vor, Herrn von 
Schoen, den Gesandten in Kopenhagen, an Deinen 
Hof zu schicken. Er war früher lange in Paris, ist 
mit einer eleganten, reizenden Frau verheiratet. Er 
hat mich dieses Jahr auf meiner Fahrt nach Tanger 
und durch das Mittelmeer begleitet und ist ein loyaler, 
durchaus verschwiegener Mann. Ein persönlicher 
Freund von mir, der seit vielen Jahren mein vollstes 



210 



Vertrauen besitzt. Er ist mit allen englischen In- 
trigen in Dänemark, denen er vielfach wirkungsvoll ent- 
gegentreten konnte, vertraut. Er kennt Itahen gut, 
spricht französisch, itahenisch, englisch wie seine 
Muttersprache, ist sehr rührig und ein guter Tennis- 
spieler — falls Du einen nötig hast. 

Der Besuch der britischen Flotte in Swinemünde 
und Danzig ist ojme Reibungen verlaufen. Das 
Publikum war höfhch und „hospitaher", aber frei von 
Begeisterung. Ich habe in Ejsberg einen Freund, der 
gut dänisch und enghsch spricht. Er ist, als Kohlen- 
händler verkleidet, an Bord der Schiffe gegangen und 
hat dort häufig mit den Offizieren zu Mittag und zu 
Abend gegessen. Sie sagten ihm, sie seien in die Ost- 
see entsendet worden, um den Kaisern zu zeigen, daß 
sie gar keine Macht hätten, irgend etwas nach ihrem 
Gutdünken zu entscheiden, denn die enghsche Flotte 
würde ihnen das nie erlauben!!! Ein feines Stück 
Unverschämtheit! Möge Deine Flotte bald wieder 
mit guten Schiffen neuer Typen zu Wasser kommen, 
von körperhch rüstigen, geistig hellen Offizieren be- 
fehligt und mit gut ausgebildeten Mannschaften be- 
setzt sein. 

Eine Neuigkeit, die Dich amüsieren wird, ist dieser 
Tage von Wien gekommen. Der amerikanische Ge- 
sandte, Mr. Bellamy Storer, erzählte einem Freunde 
von mir, daß er einige Tage vor Abschluß des Friedens 
mit dem König von England in Marienbad zusammen- 
gewesen sei. Der König sagte zu Storer, es könne gar 

14* 211 



kein Gedanke an Frieden sein, weil Japan niemals auf 
eine Entschädigung verzichten dürfe, die ihm als 
Sieger zukomme. Er sagte dann ferner, es sei sehr 
nötig, daß Rußland auf lange Zeit hinaus finanziell 
hilflos und verkrüppelt sei und bleibe. Storer sagte, 
er sei in einer sehr fatalen Lage gewesen, denn der 
König hätte ihn ganz laut auf der Promenade um 
seinen Rat gefragt, vor vielen Leuten, die ihn be- 
gleiteten und zuhörten!!! Anscheinend befürchtet 
er, Amerika könne sich den anderen Nationen an- 
schließen und Rußland Geld vorstrecken, wenn eine 
große internationale Anleihe zustande kommt. Er 
wollte Storer beeinflussen, in diesem Sinne nach Hause 
zu berichten, was dieser selbstverständHch ablehnte. 
Würdest Du nun, wo der Friede unterschrieben ist 
und die Aushändigung der Ratifikationen bevorsteht, 
es nicht für praktisch halten, wenn wir unsere Ge- 
sandten an fremden Höfen übereinstimmend dahin 
instruierten — ohne sie in das Geheimnis von der 
Existenz eines Vertrages einzuweihen — , daß in allen 
Angelegenheiten, die nicht speziell die eigenen Inter- 
essen unserer Länder betreffen, sondern in allen Fragen 
allgemeiner Politik unsere Gesandten zusammenarbei- 
ten und sich gegenseitig über ihre Instruktionen und 
Ideen unterrichten sollen ? Diese gemeinsame Zur- 
schaustellung einer gemeinsamen Sache wird nicht 
verfehlen, in der Welt den Eindruck zu machen, daß 
unsere Beziehungen enger geworden sind, und so all- 
mählich Deine Verbündeten, die Franzosen, auf die 



212 



neue Orientierung vorbereiten, die ihre Politik zwecks 
Eintritts in unseren Verband nehmen muß. Die 
Marokko-Frage wird in wenigen Tagen erledigt sein. 
Witte hat vernünftig gesprochen und beiden Seiten 
guten Rat erteilt, und ich habe Weisung gegeben, so 
„coulant" wie möglich zu sein. Witte hat alle Damen 
und Herren hier entzückt mit seinen amüsanten Ge- 
schichten von Amerika und seinen Erfahrungen, die 
auch Dich sehr amüsieren w^erden! 

Nun leb' wohl, liebster Nicky. Herzlichste Grüße 
an Alix und einen Kuß für den Jungen von Deinem 
Dir stets ergebenen 

Freund und Vetter 
WUI7. 



213 



LH 



Der hier folgende Brief des Kaisers an den Zaren sucht 
die nachträgUchen Bedenken des letzteren wegen des in 
Bjoerkoe geschlossenen deutsch-russischen Geheimabkommens 
zu zerstreuen. — Graf Tattenbach war zu jener Zeit deut- 
scher Gesandter in Tanger. Die marokkanische Frage hatte 
damals den europäischen Frieden Monate hindurch bedroht, 
und erst im September/Oktober waren die an dieser Frage 
beteiligten Mächte allmähhch übereingekommen, zu Beginn 
des Jahres 1906 eine gemeinsame Konferenz in Algeciras 
abzuhalten. 



Neues Palais, 28. XL 1905 
Liebster Nicky! 

Der Kanzler, dem ich Teile Deines Briefes vorge- 
lesen habe, sagt mir, unser rein defensives Abkommen 
könne unmöglich mit dem französischen Vertrag kolli- 
dieren, den Dein Vater geschlossen hat. Wäre dies 
der Fall, so wäre der Sinn davon, daß durch den fran- 
zösischen Vertrag Rußland verpflichtet ist, Frankreich 

314 



auch in einem Angriffskrieg gegen Deutschland zu 
unterstützen. Aber eine solche Möghchkeit, nämlich 
daß. Rußland Frankreich in einer aggressiven Politik 
gegen uns unterstütze, haben wir niemals auch nur 
eine Sekunde für erwägenswert gehalten; denn Dein 
lieber Vater hat mir oft gesagt, daß er sich jederzeit 
einem Angriffskrieg offen entgegenstellen werde — 
ganz abgesehen davon, daß er auf freundschafthch- 
stem und vertrautestem Fuße mit mir stand. Dies wird 
durch die Tatsache beleuchtet, daß er im Jahre 1891 
während der Manöver bei Narwa mir offen seine Ab- 
neigung gegen das französische republikanische System 
bekundete und für die Wiederherstellung der Monar- 
chie in Paris eintrat, wobei er meine Unterstützung 
erbat. Wenn Eure französische Vereinbarung wie die 
unsrige rein defensiv ist, so besteht keine Unverträg- 
lichkeit zwischen beiden; die eine schHeßt die andere 
nicht aus, und besondere Erklärungen darüber wären 
überflüssig. 

Andererseits kann ich verstehen, daß es Dir besser 
paßt. Dich nicht öffenthch als meinen Alliierten zu 
bekennen, in dem AugenbHck, wo die internationalen 
Revolutionäre in der ganzen Welt die niederträchtige 
Lüge verbreiten, ich hätte versucht, Dich im reak- 
tionären Sinne zu beeinflussen. 

Mein glühender Wunsch ist. Du mögest unversehrt 
aus der augenblicklichen Krisis hervorgehen und Dein 
Volk Deine edlen Absichten voll fassen. Jetzt mußt 
Du abwarten und zusehen, wie die von Dir ins Leben 



215 



gerufenen Einrichtungen in der Praxis wirken; erst 
danach wird es später mögHch sein, zu beurteilen, ob 
und welche Änderungen sich als nötig erweisen. 

Was Deine Meinung über Witte betrifft, so kann 
ich natürhch nicht den Anspruch erheben, ihn ebenso 
gut zu kennen wie Du, aber er hat mir sicher den Ein- 
druck eines hoch über den Durchschnitt hinausragen- 
den Mannes gemacht. Andererseits freue ich mich, 
daß Du Deinen Onkel Nikolai Nikolajewitsch ins Ver- 
trauen gezogen hast. Er scheint mir ein Element der 
Festigkeit darzustellen, und Festigkeit dürfte nötig 
sein, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Ohne 
Ordnung kann die junge Freiheit nicht leben. 

Was Tattenbach und Marokko betrifft, so ist Deine 
Information aus Frankreich unrichtig. Ich erstrebe 
nicht und habe niemals einen besonderen Vorteil für 
Deutschland erstrebt, und Tattenbach hat niemals 
eine eigene Politik befürwortet. So etwas wäre in 
meinem Dienst noch nicht dagewesen. Meine Ver- 
treter im Ausland treiben nur eine Politik, und das ist 
die meine! Wir wünschen nur, uns die offene Tür 
zu sichern. Das ist ein Interesse, das mit uns alle see- 
fahrenden und handeltreibenden Nationen haben. 
Es ist nicht abzusehen, warum, man nicht auf dieser 
Grundlage zu einer gerechten Vereinbarung mit 
Frankreich kommen sollte. Ich vertraue darauf, daß 
Du, dessen ständiges Ziel es ist, den Frieden zwischen 
allen Völkern und den guten Willen in der ganzen 
ziviHsierten Welt zu fördern, mir Deine mächtige Hilfe 

2l6 



leihen wirst, um die Konferenz auf der Grundlage der 
Erhaltung der offenen Tür zu einer allgemeinen Ver- 
ständigung zu bringen. Ein Wort in dieser Richtung 
an Deine Vertreter auf der Konferenz würde meinem 
Minister seine Aufgabe außerordentHch ferleichtern. 

Mit den herzlichsten Grüßen an Alix und das Baby 
bin ich, Heber Nicky, immer 

Dein Willy. 



217 



LIII 



Xjeneral Graf Ta tisch tschew woirde Ende 1905 vom Zaren 
zum russischen IMilitärbevollmächtigten, „attachiert der Per- 
son des Deutschen Kaisers", ernannt, während der deutsche 
General v. Jacobi in gleicher Eigenschaft nach Petersburg 
ging. 



Neues Palais, 30. XII. 1905 
Liebster Nicky! 

General Tatischtschew hat mir Deinen Brief über- 
bracht und sich in seiner neuen „Charge" vorgestellt. 
Für mich ist es von größter Wichtigkeit zu wissen, 
daß er sich Deines vollen Vertrauens erfreut, und ich 
werde mich „le cas echeant" seiner Dienste in meinen 
Privatangelegenheiten mit Dir gern bedienen. Er ist 
hier willkommen und gehört nun zu meinem Haupt- 
quartier. 

Der neue Gesandte v. Schoen reist heute mit 
General v. Jacobi ab. Ich kann für den Charakter des 
Generals in jeder Hinsicht Gewähr leisten. Er war der 

218 



erste Adjutant, den ich jemals gehabt habe, studierte 
mit mir in Bonn, diente im l. Bataillon des i. Garde- 
regiments; später zum zv/eiten Male, weil nach meiner 
Thronbesteigung mein „aide-de-camp" mehrere Jahre 
als militärischer Attache in Rom verbrachte, und 
schließlich kommandierte er Mamas Regiment in 
Wiesbaden, wo Du ihn gesehen hast. Ich bin sicher, 
er ist Deines Vertrauens so Vvürdig, wie er meins be- 
sitzt, der ich ihn seit 25 Jahren ganz nahe kenne! 
Besten Dank für Deinen freundhchen Brief und die 
Neujahrswünsche, die ich herzlich erwidere. Möge 
Gott Dich und Deine Familie beschützen und Deinem 
Volke den Frieden bewahren. Dies ist der ernste 
Wunsch Deines 

Dir immer ergebenen, Dich liebenden Vetters, 

Freundes und Verbündeten 

Willy. 



219 



LIV 



Wie es scheint, hatte der Präsident der Französischen Re- 
pubHk (der „Holzfäller Fallieres") in Petersburg angeregt, 
auch einen höheren französischen Offizier — wie dies bis- 
her nur zwischen den Monarchen Deutschlands und Rußlands 
übHch gewesen war — „der Person des Zaren zu attachieren"; 
diese Anregung blieb jedoch ohne Resultat. — Der Vater 
der Kaiserin- Witwe von Rußland, König Christian IX. von 
Dänemark, starb am 29. Januar 1906. — Der russische Ge- 
neral Sajontschkowski kämpfte tapfer in der Mandschurei an 
der Spitze seines Regiments Wiborg, dessen Chef Kaiser 
Wilhelm IL war. , 



Berlin, 29. I. 1906 

Liebster Nickv! 

General v. Jacobi brachte mir Deinen Brief und 
Deine W^ünsche, für die ich bestens danke. Er war sehr 
glücklich über den freundlichen Empfang, den er bei 
Dir und in der Gesellschaft gefunden hat. Ich freue 
mich sehr, von ihm zu hören, daß es Dir ebenso wie 
Alix und den Kindern gut geht. Er hatte einen großen 
Eindruck von dem guten Aussehen und der Haltung 

220 



der Regimenter, die Du besichtigt hast, wobei er an- 
wesend sein durfte. Aber es tat ihm sehr leid, daß er 
bei dem Jagdausflug so traurige Figur machte, da er 
seine eigenen Büchsen nicht mithatte und überhaupt 
nur ein mäßiger Sportsmann ist. 

Der Gedanke an einen aufgeblasenen aide-de-camp, 
von unserem Kollegen, „dem Holzhauer FaUieres", 
geschickt, damit er sich an Deiner Seite herumtreibe, 
hat mir maßloses Vergnügen bereitet. Aber abgesehen 
davon, daß es furchtbar komisch ist, ist die Idee doch 
auch in mancher Beziehung nützlich. Je enger Du 
Frankreich zu Dir herüberziehst — vorausgesetzt, 
daß es Dir gehngt — desto mehr bleibt es vom Unheil 
fern. Die Marokko-Geschichte wird, soweit ich sehen 
kann, schon werden — ohne Krieg. Der entscheidende 
Punkt ist dabei, daß bisher noch keine Macht Neigung 
gezeigt hat, Frankreich mit Waffen zu unterstützen 
für den Fall, daß es Marokko besetzen will. Ohne die 
Gewißheit bewaffneter Hilfe wird Frankreich eine 
solche Invasion kaum wagen. Letzten Endes wird man 
sich auf ein Arrangement einigen, das allen Beteihgten 
den Frieden sichert, und zugleich dem Handel der 
ganzen Welt die offene Tür in Marokko ehrenvoll 
erhält. Daß die Franzosen Rußland jetzt eine An- 
leihe verweigert haben, hat nicht so sehr mit der 
Marokko-Angelegenheit zu tun, da sich Frankreich 
seit Eröffnung der Konferenz von Algeciras sehr be- 
ruhigt hat, vielmehr mit den Berichten der russischen 
Juden, die die Führer der Revolution sind, an ihre 



221 



Stammesgenossen in Frankreich, die die ganze fran- 
zösische Presse unter ihrem unheilvollen Einfluß 
haben. Berlin ist überfüllt mit Russen und Adels- 
familien, die aus den baltischen Provinzen geflüchtet 
sind. Über 50 000 Deiner Untertanen sind hier, un- 
gefähr 20 000 in Königsberg, und weitere Tausende 
in den kleinen Provinzstädten von Preußen, Posen 
und Schlesien. Besonders die baltischen Adligen be- 
finden sich in trauriger Notlage, da sie alles verloren 
haben: Ihre Schlösser sind verbrannt, ihre Güter ge- 
plündert, ihre Wälder zum Teil verwüstet. Manche 
Baronin hat als Wirtschafterin zu anderen Familien 
gehen müssen, junge Komtessen und Baronessen 
mußten als einfache Ladenmädchen in Warenhäuser 
eintreten, nur um sich und ihre Mütter vor dem Hun- 
gertod zu bewahren. Unsere Großgrundbesitzer haben 
freiwilhg einige Familien in ihren Landhäusern unter- 
gebracht, und auch die Kaiserin hat Mädchen in ihr 
Seminar aufgenommen, um den Müttern eine Er- 
leichterung zu schaffen. Du hast keine Vorstellung 
von den schrecklichen Verlusten und Nöten bei den 
Besten Deines Adels aus Kurland und Livland. Da 
viele meiner aktiven Offiziere Töchter aus diesen Fa- 
milien geheiratet und den Hauptteil ihrer Unter- 
haltskosten von ihren Schwiegereltern bezogen haben, 
stehen auch diese armen Burschen plötzHch vis-ä-vis 
de rien, da sie von ihrem Gehalt nicht leben können. 
Nach meiner Meinung sind viele Millionen dazu 
nötig, diesen armen Leuten wieder aufzuhelfen und 



222 



sie beim Wiederaufbau ihrer zerstörten Wohnungen zu 
unterstützen. Hoffentlich wird ihnen Deine Regierung 
diese Summen bereitwdlhg zur Verfügung stellen. Ein 
dahingehender Befehl von Dir würde in ganz Europa 
ausgezeichneten Eindruck machen und diese beklagens- 
werten Menschen in ihrer Verzagtheit aufrichten. 

Während ich Dir diese Zeilen schreibe, erhalte ich 
eben die überraschende, ganz unerwartete Nachricht 
vom Tode Deines teuren Großvaters. Was für ein 
edler, idealer, ritterhcher Monarch ist mit ihm 
dahingegangen! Gehebt von seiner FamiHe und von 
seinen Untertanen, die zu ihm als zu ihrem Vater 
aufbhckten. Ich spreche Dir mein tiefes Beileid zu 
diesem großen Verlust aus, den wir Monarchen alle 
empfinden und beklagen, da wir einen der Besten aus 
unseren Reihen verloren haben. Deine arme Mutter 
wird in großer Trauer sein, aber es wird sie trösten, 
daß sie bei ihrem angebeteten Vater in seinen letzten 
Augenblicken sein konnte. Ich beabsichtige natür- 
Hch, der Leichenfeier beizuwohnen. 

General Sajontschkowski wurde mir vorgestellt und 
hat einen ausgezeichneten Eindruck auf mich gemacht; 
ich freute mich, ihm zu den glänzenden Leistungen 
meines tapferen Regiments von Wiborg beglück- 
wünschen zu können, das so kühn für Kaiser und Land 
gekämpft hat. Nun leb' wohl, Hebster Nicky, die besten 
Grüße für Alix und die Kinder von Deinem wohl- 
geneigten Freund und Vetter 

Willy. 



223 



LV 



Am 25. Februar feierte das deutsche Kaiserpaar das Fest 
seiner silbernen Hochzeit. 



Berlin, 6. III. 1906 

Liebster Nicky! 

Die Rückkehr des Generals ä la suite v. Jacobi nach 
Zarskoe gibt mir Gelegenheit, Dir durch ihn diese 
Zeilen zu senden. Sie sollen meinen aufrichtigsten und 
herzlich gefühlten Dank ausdrücken für Deine freund- 
lichen Wünsche zu unserer silbernen Hochzeit und für 
das prächtige Geschenk, das Du gütigst uns beiden ge- 
schickt hast. Das Geschenk ist in der Tat ganz prächtig! 
Reizend in der Farbe und auserlesen in der Arbeit; 
die Zahlen in kostbaren Juwelen heben sich wunderbar 
ab von dem sanften Dunkelgrün des Steins. Deine 
Gaben riefen bei unseren Gästen große Aufmerksam- 
keit hervor und \jTirden nach Gebühr be\yundert. Es 
war sehr freundlich von Dir, an unseren Hochzeitstag 

224 



zu denken und so an unseren Festlichkelten teil- 
zunehmen. Es machte mir viel Vergnügen, alle die 
Deputationen zu begrüßen, die Du mir sandtest. Zu- 
mal meine wackeren „Wiborgs" waren der Mittelpunkt 
bewundernder Neugier. Sie machten überall einen sehr 
guten Eindruck und wurden denkbar „fetiert". Die 
Festlichkeiten waren sehr anstrengend und zogen sich 
übermäßig in die Länge, doch zum Glück hat Viktoria 
sie recht gut überstanden, nachdem sie gerade einen 
heftigen Influenzaanfall gehabt hatte. Seit drei Tagen 
haben wir hier völligen Sommer, und jedermann ist 
draußen zu Pferd und zu Fuße, mit Auto oder Rad, 
Hunderte sitzen in den Gärten und auf den Terrassen 
der Cafes und trinken im Freien ihren Kaffee oder ihr 
Bier! Ich vermute, dieses warme Wetter wird auch 
bald zu Euch gelangen! Mit besten Grüßen an Alix 
und die Babies und mit nochmaligem Dank für Deine 
reizende Gabe verbleibe ich 

immer Dein sehr ergebener 

und Dich liebender Freund und Vetter 

WiU^. 



i5 225 



LVI 



Am 31. Mai wurde von einem Anarchisten ein Bomben- 
attentat auf das neuvermählte spanische Königspaar verübt, 
wobei fünfzehn Personen getötet und siebzig verwundet 
wurden. — Der russische Gesandte in Kopenhagen, Iswolsky, 
wurde am 12. Mai als Nachfolger des Grafen Lambsdorff 
zum russischen Minister des Auswärtigen ernannt. — Die 
britische Regierung hatte in Petersburg wdssen lassen, daß ein 
britisches Geschwader demnächst nach Kronstadt zu kommen 
gedenke; die russische Regierung bat jedoch, Mitte Juli- 
den geplanten Flottenbesuch zu verschieben, um nicht bei 
der gegenwärtigen schwierigen innerpoHtischen Lage Ruß- 
lands Zwischenfälle hervorzurufen. 



Neues Palais, 14. VL 1906 

Liebster Nicky! 

Aufrichtigsten Dank für Deinen freundlichen Brief, 
den Tatischtschev^r mir überbrachte, und für den zwei- 
ten, den mir Wladimir heute gab. Ich nehme in diesen 
schvderigen Zeiten vollen Anteil an Dir. Das beste 
Mittel, Dich von den quälenden Sorgen zu entlasten, 

226 



welche die Lage in Deinem Lande Dir verursacht, ist, 
wie Du es tust, Dich mit Deiner herrlichen Garde zu 
beschäftigen, indem Du sie besichtigst und zu ihr 
sprichst. Es bereitet Dir Vergnügen und erfreut die 
Truppen, die sich unzweifelhaft in ernsten Augen- 
blicken für das Interesse, das Du ihnen bezeigst, er- 
kenntlich erweisen und sich als treue, zuverlässige und 
scharfe Waffe in der Hand ihres Souveräns bewähren 
werden. Es freut mich, daß Du mit Deinen Husaren, 
die in den Reihen des Regiments gedient haben, zu- 
frieden warst. Mir geht es hier ebenso; auch ich habe 
ein „penchant" für meine Gardehusaren, die ich eine 
Zeitlang befehligt habe. Ich habe sie gestern inspiziert, 
bevor die Manöver der Gardekavallerie begannen; diese 
waren sehr erfolgreich, endeten aber, wie dieses Jahr 
alle Inspektionen, in einem schweren Regenguß. 

Mit Deinen Ansichten über die Anarchistenfrage 
stimme ich vollständig überein. Das Attentat war 
tückisch und teuflisch. Die Schwierigkeit, mit diesem 
Abschaum der Menschheit fertig zu werden, besteht, 
wie Du richtig bemerkst, darin, daß diese Bestien in 
einigen Ländern — vor allem in England — ungestört 
leben dürfen und dort Anschläge gegen das Leben 
beHebiger anderer Menschen aushecken. Wie mir 
mitgeteilt wird, hat der spanische Ministerpräsident 
den Prinzen von Wales ersucht, S. M. dem König 
Eduard VII. das Verlangen der spanischen Nation 
zum Ausdruck zu bringen, daß es als notwendig erachtet 
werde, er soUe seine Regierung veranlassen, sich den 

X5* 227 



Kontinentalmächten zur durchgreifenden Unterdrük- 
kung dieser Mördersekte anzuschließen. 

Dieser Vorfall beweist, daß die von unseren beiden 
Regierungen getroffenen Maßnahmen zur Überwa- 
chung dieser Burschen vollkommen fehlgeschlagen sind. 
Da sie in London absolut ungestraft leben können, so 
entwerfen sie dort ihre mörderischen Pläne. Diese 
Feinde der Gesellschaft gehören aufs Schafott, in ein- 
zelnen Fällen müßten sie auf Lebenszeit in ein Irren- 
haus gesperrt werden. Alle Kontinentalmächte sollten 
in London einen gemeinschaftHchen Schritt tun und 
die englische Regierung auffordern, einem inter- 
nationalen Abkommen zur Bekämpfung dieser Bestien 
beizutreten. Es müßte doch meiner Meinung nach 
möglich sein, durch allgemxeine Übereinstimmung 
Maßregeln zum Schutze des Lebens und der Kultur 
dergestalt zu treffen, daß die Erzeugung von Chemi- 
kahen zum Füllen und zur Verwendung von Bomben 
mit Todesstrafe belegt wird. Die Duma schafft 
Situationen, die für Deine Regierung überaus schwierig 
sind, und die augenblickhchen Zustände sind überaus 
peinhch. Wir müssen aber hoffen, daß es beiden nach 
einiger Zeit doch mögUch sein wird, Mittel und Wege 
zu finden, um zu einem vernünftigen modus vivendi 
zu gelangen, so daß positive Arbeit zum Besten des 
Landes geleistet werden kann. 

Wie ich erwartet habe, ist Deine Wahl auf Iswolsky 
gefallen, der, wie ich überzeugt bin, Dich zufrieden- 
stellen wird; als sehr geschickter Mann wird er mit 

i28 



Leichtigkeit die russische äußere Politik Deinen Wün- 
schen gemäß in friedHcher Richtung lenken. In der 
Bagdadbahn- Frage hat er Schoen eine sehr vernünftige 
Antwort gegeben, so daß meine Regierung, wie ich 
hoffe, imstande sein wird, mit ihm auf der Grund- 
lage gegenseitigen Vertrauens, das aus der Interessen- 
gemeinschaft entspringt, weiterzuarbeiten. Unsere In- 
teressen an dieser Eisenbahn sind rein wirtschaftHcher 
und kommerzieller Natur zum Besten der Menschheit: 
es betrifft eine in voller gesetzHcher Form ausgestellte 
Konzession an eine deutsche Gesellschaft, die die Bahn 
baut und betreibt. Ich kann mir wohl denken, daß die 
Engländer, wie Du Dich ausdrückst, Dir- betreffs 
Asiens in den Ohren Hegen; da Du Dich aber ent- 
schlossen hast, in aller Ruhe ihre Vorschläge abzuwar- 
ten, so ist es sicher, daß — wenn ihre Bedingungen be- 
zügHch Zentralasiens Dir annehmbar erscheinen — 
eine Verständigung mit den Engländern viele Ele- 
mente der Reibung und des Konflikts aus dem Wege 
räumen würde, was auch mich befriedigen würde. 

Jedermann wird unzweifelhaft begreifen, daß der 
gegenwärtige AugenbHck, den die engHsche Flotte ge- 
wählt hat, um uneingeladen ihren Besuch abzustatten, 
Dir und Deinem Lande sehr ungelegen ist und lästig 
fallen muß, und ich kann vollständig Deine Indigna- 
tion verstehen; habe ich doch letztes Jahr ihren Besuch 
bei uns ebenso empfunden. Sie werden sicherHch ver- 
suchen, Deiner ultrahberalen Partei den Nacken zu 
steifen. Die Flotte hat angekündigt, daß sie auf ihrer 



229 



Heimfahrt Pillau und Travemünde besuchen wolle. 
Ich werde sie scharf überwachen lassen. 

Wie Du, sehe auch ich unserer Zusammenkunft am 
Ende dieses Sommers mit großem Vergnügen entgegen. 
Da ich in den ersten Augusttagen wieder in der Ostsee 
zurück sein werde, so wollte ich Dir vorschlagen, mit 
Dir am i. August n. St. zusammenzutreffen — wenn 
schönes Wetter ist — auf der Höhe von Swinemünde, 
im Gewässer von Heringsdorf. Die Gegend ist sehr 
schön und die VerbindungsmögHchkeiten mit dem 
Ufer für Depeschen usw. viel leichter als in Heia. 

Der gute alte Kaiser Franz Joseph, den ich besucht 
habe, war noch immer merkwürdig frisch, wenngleich 
das Alter ihn ein wenig gebeugt hat; auch er war durch 
das Verhalten seines Parlaments sehr gereizt. Die 
Stunden, die ich mit ihm verbrachte, waren infolge 
seiner warmherzigen Güte und Ritterlichkeit höchst 
angenehm. 

Ich habe ein höchst interessantes altes — restau- 
riertes — Schloß besucht, Franzenstein *, das dem 
berühmten Forschungsreisenden Graf Wilczek gehört. 
Es ist ein Wunder gotischer Architektur; die Möbel 
aus dem 13. bis 15. Jahrhundert sind sehr stilvoll und 
lehrreich. 

Tatischtschew wird Dir von meiner Inspizierung 
vergangenes Frühjahr und von den Manövern meiner 
zweiten Brigade erzählen, in dem sich das neue „Re- 
giment" zum ersten Male zeigte, ebenso über die 

* Das Schloß heißt in Wahrheit Kreuzenstein. 



230 



Übungen der Garde- Kavallerie-Division unter meinem 
Kommando, die außerordentlich gut vonstatten gingen. 
Wladimir war hier und gab mir Deine freundlichen 
Zeilen, die mich als den Oberst des Wiborgregiments 
sehr stolz gemacht haben. Ich danke Dir nochmals für 
die große Freundlichkeit, die Du ihnen ervidesen hast, 
und für die Ehrung, die in Deiner Inspizierung lag; sie 
verdienen beides vollauf, da das Regiment sich sehr 
tapfer gezeigt hat. Wladimir hat uns auch zu einer 
großen Viehschau in der Nähe von BerHn begleitet 
und sich anscheinend über die Vorführung von Preis- 
kühen, Stieren, Schw^einen, Pferden usw^., die sehr ge- 
räuschvoll vor sich ging, höchlich amüsiert; die Tau- 
sende von Bauern und kleinen Grundbesitzern äußerten 
ihre loyalen Kundgebungen mit lautem Jubel. Über- 
aus erstaunliche Fortschritte wiesen die Abteilungen 
für elektrische und alkoholische Motoren auf, ebenso 
die alkohoHschen^Gaslampen für den Gebrauch von 
Grundbesitzern. Nun lebe wohl, Hebster Nicky, möge 
Gott Dich segnen und schützen, viele Grüße an Alix 
und „au revoir" in Swinemünde, wo wir uns bemühen 
werden, recht fröhhch zu sein; 
Wie immer 

Dein Dich liebender Freund und Vetter 
Willy: 



231 



LVII 



Kapitän von Hintze war damals deutscher Manneattache 
in Petersburg. 



7. IL 1907 
Liebster Nicky! 

Hintze ist im Begriff abzureisen, und dies bietet mir 
Gelegenheit, Dir diese Zeilen durch ihn zu senden. 
Meine wärmsten Wünsche begleiten Dich im neuen 
Jahr; möge es Deiner unablässigen Arbeit für Dein 
Land und für die Wohlfahrt Deines Volkes gelingen, 
die durch Redereien erhitzten und durch unverant- 
wortliche Wühlerei irregeführten Geister zu beruhigen, 
ich hoffe, war werden, wenn in diesem Jahre bei Deinen 
Untertanen klügere Überlegung vorherrscht und sie 
sich vernünftig benehmen, in der Lage sein, uns irgend- 
wo auf dem Wasser zu treffen, und Heinrich wird dann 
so glücklich sein. Dir die Flotte unter seiner Flagge zu 
zeigen. Ich denke. Du wdrst einen gewissen Fortschritt 

232 



in der Entwicklung seit 1901 bei Danzig feststellen; 
alte Typen sind abgeschafft worden und neue hinzu- 
gefügt, so daß die ganze Flotte einen gleichartigeren 
Eindruck macht: 

Mit besten Grüßen an AHx und die Kinder, deren 
Photographien mir außerordentlich gefallen haben, be- 
sonders die des Jungen, wünsche ich Dir Gottes Segen. 
Ich bin, mein lieber Nicky, 

stets Dein Dich liebender Vetter und Freund 
Willy. 



233 



LVIII 



Anfang November stattete das deutsche Kaiserpaar einen 
Besuch am enghschen Königshofe ab. — Mitte Dezember 
ging das Atlantische Geschwader der Vereinigten Staaten 
nach dem Stillen Ozean in See; die amerikanische Presse 
motivierte diese Flottensendung zum Teil mit einer Ver- 
schärfung der amerikanisch- japanischen Beziehungen, zum 
Teil ledigHch mit Manöverzwecken. Fast zu gleicher Zeit 
hielt der Führer der japanischen Liberalen und frühere 
Ministerpräsident Graf Okuma eine viel beachtete Rede, 
worin er ausführte, dreihundert Millionen von Europäern 
unterdrückte Inder sehnten sich nach dem Schutze Japans, 
und Japan hätte kein Recht, dem indischen Volke eine Ent- 
täuschung zu bereiten. 



28. XII. 1907 

Liebster Nicky! 

Aus vollem Herzen die wärmsten Wünsche für 1908. 
Gott segne und behüte Dich, Alix und die Kinder 
und lasse mich hoffen, daß ich die Freude haben 
werde, mit Dir wiederum zusammenzukommen. 

234 



Durch meinen Besuch in England habe ich, wie ich 
glaube, Mißverständnisse und Mißtrauen vielfach be- 
seitigt, so daß die Atmosphäre geklärt und der Druck 
auf das Sicherheitsventil erleichtert ist. Ganz privat 
und vertraulich für Dich persönlich eine 
Neuigkeit. Ich fand das britische Volk sehr nervös 
wegen der Japaner, die sie zu fürchten und denen sie 
zu mißtrauen beginnen. Die Fahrt der amerikanischen 
Pazifik-Flotte hat London höchUchst geärgert, denn 
sie versuchten alles, was in ihrer Macht stand, es zu 
verhindern. London hat Angst vor einem Zusammen- 
stoß zwischen Japan und Amerika, da sie einem von 
ihnen an die Seite treten müssen, denn es wird eine 
Rassefrage, keine pohtische, nur Gelb gegen Weiß. 
Das Aufgeben Japans würde sofort den Verlust In- 
diens nach sich ziehen, das die Japaner im stiUen 
unterminieren und revolutionieren usw. Die Japaner 
haben diese Entwicklung vorausgesehen und bereiten 
sich darauf vor. Vielleicht werden sie zuerst In- 
dien angreifen und sich nicht um die Phihppinen 
kümmern. Britische See- und Landoffiziere sprachen 
offen zu mir und meinen Offizieren von ihrem Wider- 
willen gegen das „gelbe" Bündnis mit Japan, das sie 
hassen. Bei dieser Stimmung kannst Du Dir vor- 
stellen, was für einen Eindruck die Rede machte, 
die Graf Okuma vor einigen Tagen gehalten hat! 
Sie wirkt wie eine Shimosa-Bombe in London! Jetzt 
haben ihre Zeitungen zum erstenmal den Ausdruck 
„gelbe Gefahr" von meinem Bilde gebraucht, das 

235 



wahr werden \\ird. Ein deutscher Herr, der eben von 
Mexiko zurückkam, berichtete mir, er seihst hätte 
10 000 Japaner in den Pflanzungen in Südmexiko ge- 
zählt, alle in Militärjacken mit Messingknöpfen. Nach 
der Arbeit bei Sonnenuntergang versammeln sie sich 
alle unter Sergeanten und Offizieren, die als einfache 
Arbeiter verkleidet sind, in Trupps und Abteilungen, 
werden gedrillt und üben mit Holzstäben, was er sehr 
oft beobachtet hat, wenn sie sich unbeobachtet glaub- 
ten. Es sind japanische Reservisten, die verborgene 
Waffen mit sich führen und als Armeekorps gedacht 
sind, den Panamakanal zu besetzen und die Land- 
verbindung mit Amerika abzuschneiden. Es ist nicht 
unwahrscheinhch, daß England ein Geschwader in 
den Stillen Ozean senden wird, wozu sie gar keine 
Lust haben. Währenddessen zupfen sich amerika- 
nische und britische Journalisten freundschafthch ein 
bißchen an der Nase, was die Nervosität der Lon- 
doner Presse beweist. Das ist meine geheime In- 
formation für Dich persönlich, so daß Du Zeit 
hast. Deine Pläne danach einzurichten. Es ist eine 
sichere und gute Information, denn Du weißt ja, 
daß ich Dir niemals eine falsche gebe. Die Haupt- 
sache ist, die Augen offenzuhalten und vorbereitet 
zu sein. Die Entwicklung kann langsam vor sich 
gehen, aber vielleicht führen die Ereignisse auch zu 
einem unerwarteten und plötzHchen Ausbruch, bevor 
die Frage reif geworden ist, wie es manchmal zu ge- 
schehen pflegt. Es ist imposant zu beobachten, wie 

236 



gut die Japaner sich auf den Notfall vorbereiten! 
Sie haben es auf ganz Asien abgesehen, bereiten sorg- 
fältig ihre Streiche gegen die weiße Rasse im all- 
gemeinen vor! Denk an mein Bild, es wird wahr! 
Wenn Frankreich in dieser Angelegenheit mit Eng- 
land geht, sind Saigon und Annam verloren! 

Willy. 



237 



LIX 



Am II. August trafen Kaiser Wilhelm und König 
Eduard VII. in Homburg v. d. H. zusammen. 



Wilhelmshöhe, i8. VIII. 1908 
Liebster Nicky! 

Willst Du mir gütigst den Gefallen tun, die ersten 
Abzüge meiner Photographien in den neuen russischen 
Uniformen freundlichst von mir anzunehmen ? Sie 
sind noch nicht veröffentlicht worden, und ich hoffe, 
Dein forschendes Auge wird irgendwelche Fehler in 
der Anordnung herausfinden. Onkel Bertie war ganz 
Sonnenschein in Kronberg und sehr guter Laune. 
Er beabsichtigt, Berlin im nächsten Jahr offiziell mit 
Tante Alix zu besuchen. Das Datum wird noch fest- 
gesetzt. Er sprach auch über die Türkei, gab zu ver- 
stehen, daß es am besten wäre, sie sich selbst zu über- 
lassen, um sich selbst zu organisieren und Mazedonien 
selbst zu reformieren, so daß die Mächte für den 

238 



Augenblick in der Lage wären, die geplanten Reformen 
fallen zu lassen, was ihn sichtlich zu erleichtern schien. 
Ich hoffe, Deine Reise ist von gutem Wetter be- 
gleitet, wir haben hier beständig strömenden Regen. 
Mit besten Grüßen an Alix 

stets Dein Dich Hebender Freund und Vetter 
Willy. 



239 



LX 



Am 5. Oktober war die Annexion Bosniens und Herzegowinas 
durch Österreich-Ungarn erfolgt, wobei die engHsche Presse 
Deutschland der eigentlichen Urheberschaft dieser Annexion 
beschuldigte und ein Teil der russischen Zeitungen der eng- 
Hschen Presse darin sekundierte. Am i. Dezember erklärte 
die Petersburger halbamtUche „Rossija", die staatsrechtliche 
Stellung von Bosnien und Herzegowina sei durch den Ber- 
liner Kongreß so deutlich festgesetzt worden, daß diese 
Stellung nur durch ein neues alleuropäisches Abkommen 
gesetzmäßig abgeändert werden könnte. Am 24. Dezember 
erging eine russische Zirkularnote an die Signatarmächte 
des Berhner Kongresses, worin in Bestätigung der offiziösen 
Ausführungen der „Rossija" erklärt wurde, die bosnisch- 
herzegowinische Frage müßte zunächst der Beratung der 
Kabinette unterHegen. Das Programm einer derartigen Be- 
ratung wurde von Iswolsky wohl den Kabinetten von London 
und Paris, nicht aber gleichzeitig auch der deutschen Regie- 
rung unterbreitet. — Noch weit wichtiger und drohender 
für die Zukunft von ganz Europa war aber die Zusammen- 
kunft des Zaren mit dem König Eduard VH. in Reval am 
9./10. Juni 1908 gewesen, an der der russische Minister des 
Auswärtigen Iswolsky und der britische Staatssekretär Har- 
dinge teilnahmen. Die Triple-Entente, England-Rußland- 
Frankreich, wurde in Reval zur Tatsache. 



^40 



Hubertusstock, 8. I. 1909 

Liebster Nicky! 

Vielen Dank für Deinen freundlichen Brief vom 
25. Dezember, den Du mir durch Tatischtschew über- 
sandt hast. Ich habe mich sehr gefreut, von Dir zu 
hören, und meine Frau wie ich danken Dir auf- 
richtigst für Deine freundhchen Neujahrswünsche. 
Du sagst mit Recht, daß das alte Jahr sehr ereignis- 
reich gewesen ist. Die Annexion Bosniens und der 
Herzegowina war eine wirkliche Überraschung für 
jedermann, besonders aber für uns, da wir über die 
Absichten Österreichs sogar noch später als Du unter- 
richtet worden sind. Ich halte es für meine PfHcht, 
Dich darauf aufmerksam zu machen in Anbetracht 
dessen, daß Deutschland beschuldigt worden ist, 
Österreich zu diesem Schritt getrieben zu haben. 
Diese Behauptung ist absurd und ebenso unwahr 
wie die, die sich auf die Sandschakbahn bezog. Es 
freut mich, aus Deinem Briefe zu ersehen, daß man 
in Rußland jetzt sich darüber klar zu werden beginnt. 
Tatsache ist, daß, nachdem Österreich einm.al, ohne 
uns vorher zu ■ fragen, diesen Schritt unternommen 
hatte, ein Zaudern unsererseits, welchen Weg wir 
als loyale Bundesgenossen einzuschlagen hatten, außer 
Frage stand. Wir konnten nicht auf die Seite seiner 
Gegner treten. Du wirst der erste sein, der diese 
unaere Loyalität billigen wird. 



Dies bedeutet jedoch nicht, daß wir beabsichtigen, 
unsere alten freundschaftlichen Beziehungen zu Ruß- 
land fallen zu lassen. Ich bin sogar fester als je davon 
überzeugt, daß Deutschland und Rußland so eng wie 
möglich vereint sein sollten; ihre Vereinigung wird ein 
mächtiges Boilv/erk für die Aufrechterhaltung des 
Friedens und der monarchischen Einrichtungen bilden. 
Du kennst meine Ansichten darüber; daß meine 
Freundschaft loyal und - aufrichtig ist, habe ich Dir 
durch Tatsachen beweisen können, als ich während 
der Periode von Schicksalsschlägen, die Rußland kürz- 
lich durchzumachen hatte, um Deinetwillen eine 
schwere Verantwortung auf mich nahm.- 

Da ich freundschafthche Beziehungen zwischen 
unseren beiden Ländern hoch bewerte, so erachte ich 
es als um so wichtiger, daß alles, was geeignet wäre, 
sie zu schädigen, aus der Welt geschafft werden sollte; 
Du wirst es mir, wie ich hoffe, nicht verübeln, wenn 
ich Dir ganz freimütig sage, wie ich über diesen 
Gegenstand denke. Kürzlich ist es so dargestellt wor- 
den, als ob wir wegen Deines Übereinkommens mit 
England über Mittelasien Unbehagen empfunden und 
gezeigt hätten. Dieselben Gerüchte werden in Um- 
lauf gesetzt über den Besuch, den Onkel Bertie Dir 
in Reval abgestattet hat. Alles Unsinn! Wir be- 
greifen vollkommen, daß Rußland es gegenwärtig 
vermeiden muß, in einen KonfHkt mit Großbritannien 
zu geraten, und daher bestrebt ist, augenblickliche 
Streitpunkte zu beseitigen; 



242 



Abgesehen davon hast Du mir wiederholt die for- 
male Versicherung gegeben, daß Du mit England 
kein Übereinkommen mehr allgemeiner Natur ab- 
schHeßen würdest. Ich habe Dein Wort, was kann 
ich sonst verlangen ? Uns ist ebensoviel wie Dir 
daran gelegen, unsere Beziehungen zu England zu 
verbessern. Ich freue mich auf den Besuch, den 
mir Onkel Bertie nächsten Monat in Berhn abstatten 
wird, nicht nur weil es mir Vergnügen macht, ihn 
und Tante Alix hier zu haben, sondern auch weil ich 
erwarte, daß der Besuch nützliche Ergebnisse für den 
Weltfrieden haben wird; 

Nein, mein lieber Nicky, weder Dein Überein- 
kommen mit England über Mittelasien noch Eure 
Zusammenkunft in Reval hat in Deutschland irgend- 
welche Unruhe oder Enttäuschung hervorgerufen; 
Der Grund ist ein ganz anderer. Es ist die offenkundige 
Tatsache, daß die russische Politik in den beiden letz- 
ten Jahren sich allmählich von uns mehr und mehr 
entfernt in der Richtung einer immer engeren Kom- 
bination von Mächten, die uns unfreundlich gesinnt 
sind. Die Triple-Entente zwischen Frankreich-Ruß- 
land und England wird von der ganzen Welt als eine 
vollzogene Tatsache betrachtet; Englische und fran- 
zösische Zeitungen versäumen keine Gelegenheit, 
diese angebliche „Triple-Entente" als gegen Deutsch- 
land gerichtet darzustellen, und nur zu oft stimmt 
die russische Presse in diesen Chorus ein. Auf der 
anderen Seite hat die russische Politik letzthin m 



243 



vielen Fällen Mißtrauen gegen die deutsche Politik 
bekundet, so z. B. in Persien und China — ein gänz- 
lich unbegründetes Mißtrauen. In betreff anderer 
Fragen, an denen wir interessiert sind, wie der 
Bagdadbahn, wo wir auf Rußland zählen zu können 
dachten, ist die russische PoHtik weit von uns ab- 
gerückt. Ist es somit überraschend, daß sich zwischen 
unseren beiden Ländern eine gewisse Entfremdung 
herausgebildet hat ? 

Ich brauche Dir nicht zu versichern, daß alle diese 
Fragen einen sehr tiefen Eindruck auf mich machen, 
und ich halte es für meine Pfhcht, Dich auf die Lage, 
wie sie tatsächhch ist, und auf die Ursachen, welche 
zu ihr geführt haben, aufmerksam zu machen, ehe es. 
zu spät ist. 

Die Tendenz der russischen Politik, eine Anlehnung 
an England und Frankreich vorzuziehen, ist in der 
augenblickhchen Kjrisis besonders deuthch hervor- 
getreten. Deine Regierung ist an die meine in der 
bosnischen Frage erst herangetreten, nachdem das 
Programm für eine beabsichtigte Konferenz ent- 
worfen und in Paris und London genehmigt worden 
war. Dieses Programm ist in der französischen Presse 
veröffentlicht worden, bevor man es uns mitgeteilt 
hatte. Die französischen sowohl wie die englischen 
und russischen Zeitungen stimmten einen Jubelchor 
über diesen Erfolg der neuen „Triple-Entente" an. 
Da die Dinge so standen, als Iswolsky nach BerHn kam, 
so blieb meiner Regierung nichts anderes übrig, als 



244 



hinsichtlich mehrerer wichtiger Punkte, die ^ einen 
Teil der russischen Wünsche bildeten, die strikteste 
Zurückhaltung zu beobachten. Wir konnten unsern 
Verbündeten nicht drängen, einem Programm zuzu- 
stimmen, das er, wie wir wußten, nicht annehmen 
würde, ganz abgesehen von der Erwägung, daß das 
Programm ohne uns entworfen war; auf unsere Mit- 
wirkung war in einer Weise verzichtet v/orden, die 
von der Außenwelt als eine absichtliche Demon- 
stration aufgefaßt wurde. Hätte man einen anderen 
Weg eingeschlagen, so wäre es uns möglich gewesen, 
Deiner Regierung nahezulegen, dieses Programm. 
nicht in die Welt zu setzen. W'ir hätten vorge- 
schlagen, daß dem Programm vertrauhche Unterhand- 
lungen zwischen den Kabinetten vorangegangen 
wären; solche Verhandlungen hätten uns mehr als 
eine Gelegenheit geboten, Rußland wertvolle Dienste 
zu ervv^eisen. Hätte Rußland uns rechtzeitig zu Rate 
gezogen, so wären die Dinge heute nicht so schreck- 
lich verworren, wie sie es sind, noch auch in einem 
so kritischen Zustand. Unter den gegenwärtigen Um- 
ständen sehe ich nicht recht ein, was ich tun kann, 
außer beiden Teilen zur Mäßigung zu raten, was ich^ 
schon getan habe. Ich halte es auch für meine PfUcht, 
Dir ganz offen zu sagen, daß ich den Eindruck habe, 
daß Deine Auffassung über die Absichten Öster- 
reichs zu pessimistisch ist, und daß Du Dich darüber 
mehr als notwendig beunruhigst. Jedenfalls^ zweifeln 
wir hier nicht im geringsten daran, daß Österreich 

245 



k 



Serbien nicht angreifen wird. Das würde dem 
Kaiser Franz Joseph, der weise und besonnen und 
ein so ehrwürdiger Mann ist, ganz und gar nicht 
ähnlich sehen. Auch glauben wir nicht, daß Ährenthal 
solche Pläne hegt. Natürlich müssen die kleinen 
Balkanstaaten notwendigerweise klug und loyal sein, 
alle Provokationen vermeiden und kriegerischen Vor- 
bereitungen ein Ende machen. Diese kleinen Staaten 
sind eine furchtbare Plage ! Quantites negligeables ! ? 
Die geringste Ermutigung von irgendeiner Seite 
bringt sie außer Rand und Band. Die Reden, die am 
2. in der Skuptscliina gehalten uoirden, haben wegen 
ihrer revolutionären Tendenz einen sehr schlechten 
Eindruck auf mich gem.acht. Vor sechs Jahren blickte 
die ganze Welt mit Abscheu und Entsetzen auf dieses 
sehr kleine Volk als auf die Mörder ihres Königs! 

Ich hoffe von ganzem Herzen, daß eine friedhche 
Lösung erzielt werden wird, trotzdem zahlreiche und ern- 
ste Schwierigkeiten zu überwinden sind; was ich in die- 
ser Richtung tun kann, wird sicherlich geschehen. Mein 
Wort darauf! Hintze ward diesen Brief überbringen und 
wird, wie ich hoffe. Euch alle gesund und glückHch 
antreffen; ich wünsche Euch noch mal, daß der Herr 
Euch im neuen Jahre Frieden, Wohlfahrt und Glück 
geben möge. Viktoria und ich lassen Alix bestens grü- 
ßen; ich freue mich sehr, daß meine Weihnachtsge- 
schenke gefallen haben. Ich bin, liebster Nicky, wie stets 
Dein treuer und ergebener Vetter und Freund 
Willy. 

246 



LXI 



Die Annexion von Bosnien und Herzegowina drohte eine 
Weile, den europäischen Frieden zu gefährden. _ Die be- 
ruhigenden Vorstellungen Deutschlands, Frankreichs und 
Engknds in Belgrad hatten keinen Erfolg, denn man hoffte 
dort auf russische Hilfe. Erst als das Petersburger Kabi- 
nett in Form von „freundschaftlichen Ratschlägen in Bel- 
grad erklären lieB, Serbien könne im gegenwärtigen Moment 
keinerlei russische Unterstützung erwarten, trat auf dem 
Balkan wieder eine gewisse Entspannung ein -- Uer üriei 
ist' in der enghschen Vorlage vom 3- Juni datiert; es rnuß 
sich jedoch, wie die Beziehung auf Ostern zeigt, um den 
3. April handeln. Otern war 1909 am il. April. 



Neues Palais, 3. VL 1909 
Liebster Nick7! 

Bitte, nimm für Dich und für die liebe Alix ein 
Osterei von mir als Zeichen unverminderter Liebe 
und Freundschaft entgegen. Das mit der griechischen 
Säulenhalle und der Fontäne stellt einen Teil von 
Charlottenhof dar, das nach den Gärten von Petershof 
kopiert worden ist. Dieses ist für Ahx. Der runde 

247 



Tempel ist der ,, Freundschaftstempel", den Fried- 
rich der Große im Park von Sanssouci bauen ließ und 
allen großen historischen Menschenpaaren, die ihre 
Freundschaft unerschütterhch bis zum Tode hielten 
oder dafür starben, gewidmet ist. Dies möge Dir als 
Symbol unserer Beziehungen zueinander gelten, wie 
ich sie sehe. Ostern kommt nun heran, und ich möchte 
Dir noch einmal herzhch für die loyale und edle Art 
danken, mit der Du auf dem Weg zur Erhaltung des 
Friedens freundlich vorangegangen bist. Es ist Deiner 
hochherzigen, selbstlosen Initiative zu verdanken, daß 
Europa vor den Schrecken eines allgemeinen Krieges 
bev/ahrt gebheben ist, und daß die Heihge Woche 
nicht durch menschJiches Blut befleckt wird, das ver- 
gossen worden wäre. Du kannst Deine Ostern in dem 
erhebenden Bewußtsein feiern, daß überall in Europa 
Tausende von Familien dem Herrn auf den Knien für 
den Frieden danken und seinen Segen auf Dein Haupt 
herniederflehen. Ich habe die Absicht, nach Ostern die 
Reise nach Korfu anzutreten, wobei ich auf der Hin- 
fahrt Venedig berühren werde. Wie sehr wünsche ich. 
Dir dieses reizende Fleckchen zeigen zu können; ein 
kleines Paradies auf Erden! Keine Touristen, und von 
der See aus leicht direkt zu erreichen ! Glückliche Ostern 
und die besten Wüns^che für Alix und den Jungen. 

Dein Dir ergebener Freund 
W^iUy 
P S. Auf meiner Heimreise werde ich wahrschein- 
lich Onkel Arthur in Malta besuchen. 



20 



LXII 



Am 13. April bricht in Konstantinopel eine Militärrevolte 
aus, die sich gegen die jungtürkische Regierung richtet und 
dem alttürkisch gesinnten Sultan Abdul Hamid weder un- 
bekannt noch unerwünscht gewesen sein dürfte. In den 
nächsten Tagen werden Plünderte von Offizieren ermordet. 
Der Sultan setzt ein neues, dem Alttürkentum zuneigendes 
Kabinett ein. Das jungtürkische Komitee erklärt die neue 
Regierung für ungesetzmäßig und droht mit einem Marsch 
auf Konstantinopel. Am 23. April rücken 30 000 Mann der 
jungtürkischen Anmarscharmee in Pera ein, und vier Tage 
darauf wird Abdul Hamid abgesetzt. 



Korfu, 8. V. 1909 
Liebster Nicky! 

Da Hintze zu Deinem Geburtstag zurückkehrt, 
nehme ich gern diese Gelegenheit wahr, Dir diese 
Zeilen zu senden. Ich v^oinsche Dir von ganzem Herzen 
eine häufige glückliche Wiederkehr des Tages. Möge 
der Himmel Dich segnen und schützen, desgleichen 
Deine Frau _ und Deine Kinder. Mögest Du in der 

249 



Arbeit für Dein Land und das Wohl Deines Volkes er- 
folgreich sein. 

Vor einigen Wochen, als die Lage gefährlich zu wer- 
den drohte, hat Deine kluge und mutige Entscheidung 
allen Völkern den Frieden erhalten. Es hat mich aufs 
höchste befriedigt, daß Du infolge meiner IMithilfe 
Deine Aufgabe zu erfüllen vermochtest. 

Ich habe natürhch erwartet, daß Du und ich all- 
gemeinen Beifall finden würden, und ich wage zu 
denken, daß wir uns die Dankbarkeit aller wohlwollen- 
den Menschen erworben haben. Aber zu meinem Be- 
dauern und Erstaunen tadeln uns beide statt dessen 
sehr viele; besonders die Presse hat sich im allgemeinen 
in der niedrigsten Weise gegen mich benommen. Einige 
Zeitungen erklären mich für den Urheber von An- 
nexionen, und unter anderem Blech und Unsinn wird 
mir vorgeworfen, Rußland durch meinen Friedensvor- 
schlag gedemütigt zu haben! Du weißt es natürlich 
anders. Aber man muß von der Tatsache dennoch 
Notiz nehmen, daß die Zeitungen zum größten Teil 
die öffenthche Meinung machen. Manche von ihnen 
irren aus Unwissenheit und Mangel an richtiger Infor- 
mation; sie sehen kaum weiter, als ihre Nase reicht. 
Gefährlicher aber und zu gleicher Zeit widerlicher ist 
der Teil der Presse, der das schreibt, wofür er bezahlt 
wird. Die Schufte, die solche schmutzige Arbeit ver- 
richten, leben nicht in der Gefahr des Verhungerns. Sie 
werden die Feindhchkeit einer Nation gegen die andere 
immer weiter anstacheln, und wenn sie scliheßlich 



250 



durch ihre höllischen Umtriebe den ei'^i'ünschten Zu- 
sammenstoß zuwege gebracht haben, setzen sie sich 
seelenruhig hin und verfolgen den Kampf, den sie or- 
ganisiert haben, wobei sie sicher sind, ihren Vorteil zu 
finden, einerlei, wie der Ausgang ist. In dieser Hinsicht 
ist das, was man „öffentHche Meinung" nennt, in neun- 
undneunzig von hundert Fällen eine Fälschung. 

Als Herrscher, die Gott für das Wohlergehen der 
ihnen anvertrauten Völker verantwortlich sind, haben 
wir daher die Pflicht, die Genesis und Entwickelung 
der „öffentHchen Meinung" genau zu studieren, ehe 
wir durch sie unsere Handlungen beeinflussen lassen. 
Finden wir, daß ihr Ursprung auf die trüben, gossen- 
haften Quellen der obengenannten infamen Presse zu- 
rückzuführen ist, so -wird und muß es unsere Pflicht sein, 
die Presse energisch zurechtzuweisen und ihr Wider- 
stand zu leisten. 

Persönhch bin ich dem Zeitungstratsch gegenüber 
vollkommen indifferent, aber ich kann nicht ein ge- 
wisses Gefühl der Besorgnis unterdrücken, daß, wenn 
man nicht sofort den üblen, schmutzigen Lügen ent- 
gegentritt, die über meine PoHtik und mein Land in 
ungezwungener Weise verbreitet werden, es dazu füh- 
ren wird, Bitternis zwischen unseren beiden Völkern zu 
erregen infolge beständiger, unwidersprochener Wieder- 
holungen. Die öffentliche Meinung braucht klare Aus- 
kunft und will gelenkt sein. 

Als ich meine Reise nach Korfu antrat, freute ich 
mich auf eine ruhige Ferienzeit. Aber es sollte anders 



^'51 



kommen ! In Konstantinopel brach, wieder einmal eine 
Revolution aus. Wir armen Regierenden sind, scheint 
es, nicht zu Ferien berechtigt wie andere einfache 
Sterbliche. Die Wirren im Osten haben mich damals 
sehr beunruhigt und tun es noch. 

Der Osten ist ein regulärer Alp, eine „boTte ä sur- 
prises". Ich wäre Dir äußerst dankbar, wenn Du so 
freundlich sein würdest, mir zu schreiben, was Deine 
Meinung über den allgemeinen Ausblick in der Türkei 
ist. Ein Austausch unserer Ansichten ist eilig und not- 
wendig, wenn nicht neue Ereignisse uns abermals über- 
raschen sollen. 

Die Ereignisse des letzten Jahres sind ein lebendiger 
Beweis für die unbedingte Notwendigkeit, dies zu tun ; 
denn sie zeigen deuthch, daß es äußerst vorteilhaft ge- 
wesen wäre, wenn wir sofort, als die Krisis ausbrach, 
miteinander in Verbindung getreten wären. 

Wenn Du und ich in offener und loyaler Zusammen- 
arbeit für die Aufrechterhaltung des Friedens wirken 
— was mein glühendster Wunsch ist — , bin ich voll- 
kommen überzeugt, daß der Frieden nicht nur erhalten 
bleibt, sondern auch nicht einmal gestört wird. Es be- 
steht nicht der Schatten eines Zweifels, daß der Frie- 
den die Lebensinteressen verbürgt, die Sicherstellung 
der Wohlfahrt unserer Völker sowohl wie unserer 
Herrscherhäuser. 

Bitte nimm als Geburtstagsgeschenk eine Aquarell- 
skizze entgegen, die ein geschickter Korfiotischer Maler 
vom Achilleon, vom Olivenhain am Fuß des Kügels aus 



252 



gesehen, gemacht hat. Wir haben hier eine herrliche 
Zeit unter dem blauen Himmel verbracht, umgeben 
von süßen Düften und der wunderbaren Pracht un- 
zähliger Blumen. Beinahe den ganzen Tag verbringen 
wir im Freien und sitzen auf den Marmorterrassen im 
Schatten schöner Palmenbäume. Ich hoffe. Dir ein- 
mal dieses Paradies zeigen zu können, wenn Du mit 
Deiner Jacht im Mittelm.eer bist. Wir haben viele 
reizende Ausflüge per Auto mit Tee-Picknicks gemacht, 
ganz famos. Die Insel ist ganz, entzückend, und die 
Leute sind ruhig, schlicht und sehr höfhch, und keine 
Touristen! Heute treten wir schweren Herzens unsere 
Heimreise an, über Malta, Brindisi, Pola. Wir haben 
den König und die Königin oft gesehen, und ich habe 
.die große Freude gehabt, sehr oft mit meiner Schwester 
zusammenzusein. 

Nun leb' wohl, liebster Nicky. Herzhche Grüße für 
Alix und die Kinder, besonders für meinen Jungen.- 
Gott segne und schütze Euch. Ich hoffe auf ein Wie- 
dersehen und verbleibe stets 

Dein Dich liebender und ergebener 

Freund und Vetter 

Willy; 



25: 



LXIII 



Am 19. Oktober begibt sich der Zar über Deutschland und 
Frankreich nach Italien, wo er am 24./25. dem König Viktor 
Emanuel in Racconigi einen Besuch abstattet. 



Neues Palais, 20. X. 1909 

Liebster Nicky! 

Da Tatischtschew Berlin verläßt, um Dich auf Deiner 
Reise durch unser Land zu begleiten, sende ich Dir eine 
kurze Zeile als Gruß. Möge Deine Reise erfreulich, 
Dein Aufenthalt in Italien angenehm und von so schö- 
nem Wetter begünstigt sein, wie wir es hier haben. 
Unsere Manöver gingen sehr gut vonstatten und waren 
sehr erfolgreich, wie er Dir ja schon berichtet haben 
wird. Disziplin und Marschfähigkeit der Infanterie 
außerordenthch und glänzend. Das Gelände war sehr 
interessant, aber äußerst schwierig, da es sehr hügehg 
und zum Teil bewaldet ist. Die Feldküchen, die Dei- 
nen Modellen nachgebildet sind, haben sich als äußerst 

254 



praktisch erwiesen und sind reichlich benutzt worden ! 
Ein sehr aufregender Augenblick für die Zuschauer des 
letzten Manövertages war das Erscheinen des ZeppeUn- 
Luftschiffs, begleitet von dem Mihtärluftschiff, das um 
das erstere herummanövrierte. Mein Jagdaufenthalt in 
. Rominten war von so ungewöhnlich schönem Wetter 
begünstigt, wie wir es lange nicht gehabt haben. Ich 
schoß 21 Hirsche ab, darunter 6 Kapitalhirsche. Das 
St. -Johannes-Hospital, das ich in der kleinen Grenz- 
stadt Kittkehmen (gegenüber Wyschtynez) erbaut habe, 
hat sich sehr gut bev/ährt; bei meiner Besichtigung sah 
ich mehrere russische Patienten, für die gesorgt werden 
konnte. Ich freue mich, zu hören, daß infolge des neu- 
eingerichteten Röntgenstrahlenkabinetts, das ich dem 
Krankenhaus geschenkt habe, eine große Anzahl rus- 
sischer Patienten hinkommt, um durchleuchtet zu wer- 
den; wir haben sehr viel Gutes getan. Du bist so 
freundhch gewesen, durch den Gouverneur von So- 
walki, Stremankow, eine Summe zu senden, für die ich 
Dich bitte, meinen wärmsten Dank anzunehmen. Er 
kam herüber und besichtigte die Hospitalanlage. Er 
folgte meiner Einladung nach Rominten und speiste 
mit uns; er ist ein sehr netter, angenehmer Mann und 
hält gute Nachbarschaft mit den Kollegen jenseits der 
Grenze, die in Beziehungen zu ihm stehen. Ich denke, 
es wild Dir angenehm sein, zu hören, was für einen 
fähigen und guten Repräsentanten Du an diesem Teil 
der Grenze hast, die ich regelmäßig besuche. Er ge- 
nießt bei meinen Leuten allgemeines Ansehen; Vor 



255 



zwei Tagen ist meine Tochter in der Friedenskirche 
konfirmiert worden. Sie erfreute jeden durch die brave 
Art, in der sie die Probe der Vorlesung ihres Glaubens- 
bekenntnisses vor der Gemeinde ablegte. Alle Leute 
waren tief bewegt, und ich war sehr stolz auf sie; denn 
sie zeigte eine so tiefe Empfindung und einen solchen 
Ernst in der Behandlung des Problems von Leben und 
Religion, daß sie bei der versammelten Geistlichkeit 
damit tiefen Eindruck machte; um so mehr, als sie es 
ganz selbständig niedergeschrieben hatte, ohne Hilfe 
von irgendeiner Seite. Der herrhche Sommer hält an; 
alle Rosen blühen, und die Blumenbeete sind voller 
Farben v/ie im August! Die beigeschlossene Karte ent- 
spricht genau dem Licht des heutigen Abends. 

Mit besten Wünschen verbleibe ich, liebster Nicky, 
stets 

Dein ergebener Vetter und Freund 

WiUy; 



^^'.f) 



LXIV 



Am l8. Dezember verschied der Großonkel des Zaren, 
Großfürst Michael Nikolajewitsch, bei dessen Beerdigung der 
Kaiser sich durch seinen Bruder, den Prinzen Heinrich, ver- 
treten ließ. 



Berlin, ii. I. 1910 

Liebster Nicky! 

Vielen Dank für Deinen sehr freundlichen Brief mit 
den Photographien, die Heinrich mir gebracht hat und 
die mir sehr gefielen. Was für eine ausgezeichnete Idee 
war es von Dir, einen zweistündigen Marsch in Soldaten- 
ausrüstung zu machen und am eigenen Leibe festzu- 
stellen, was es heißt, eine solche Last im Felde zu tra- 
gen. Ich bin sehr froh, daß Du mit dem Aussehen und 
dem Benehmen meiner Deputation bei der Beerdigung 
des armen Onkel Micha zufrieden gewesen bist. Ich 
danke Dir vielmals für den gütigen Empfang, den Du 
ihnen bereitet hast. Sie waren sehr erkenntlich für die 
Erlaubnis, an seinem Sarge zu wachen. 



257 



Heinrich hat getreu alle Botschaften ausgerichtet, 
die Du ihm für mich mitgegeben hast. Ich teile Deine 
Ansichten vollständig. Ich kann durchaus verstehen, 
daß die Entwickelung im Fernen Osten Deine Aufmerk- 
sam.keit fesselt. 

Die Mitteilung, die Du ihm gemacht hast, betreffs 
Deines Entschlusses, vier Armeekorps von unserer Grenze 
zu verlegen, war mir eine große Genugtuung. Um so 
mehr, als Heinrich mir erzählte, daß Du, als Du ihm 
Deinen Entschluß mitteiltest, in den herzhchsten Aus- 
drücken von der traditionellen Freundschaft unserer 
beiden Länder und von ihrer vor einem Jahrhundert 
geschlossenen Waffenbrüderschaft sprachst. Du weißt 
recht gut, wie mir diese geheiligten Beziehungen stets 
am Herzen lagen und noch hegen, und ich brauche Dir 
nicht zu sagen, wie tief dankbar ich für Deine freund- 
Hchen, rührenden Worte bin. 

Ich hoffe, dieser Brief wird Dich am Neujahrstage 
erreichen. Ich ergreife die Gelegenheit, Dir und Alix 
und Euch allen neuerhch die besten Wünsche für 
ein glückhches neues Jahr mit Gottes Hilfe auszu- 
sprechen. 

Ich hoffe, wieder von Dir zu hören, sobald Du im- 
stande sein wirst, endgültig den Tag unserer Zusam- 
menkunft in deutschen Gewässern zu bestimmen. 
Heinrich meinte, daß der Anfang August bei Deiner 
und meiner Rückkehr von Norwegen Dir am besten 
passen würde ? Wie freue ich mich bei dem Gedanken, 
Dich, liebster Nicky, wiederzusehen! 

258 



Beste Grüße an Alix und die Kinder, besonders an 
den Jungen 

von Deinem stets getreuen und ergebenen 
Freund und Vetter 
Willy; 



259 



LXV 



Kapitän von Hintze, der früher als deutscher Marine- 
attache in Petersburg und später als „der Person Seiner 
Majestät des Zaren attachierter" MiHtärhevollmächtigter 
fungierte, hatte sich — wie es damals in Petersburg hieß, 
auf Betreiben des russischen Generalstabes — die Mißgunst 
des Zaren zugezogen und darüber nach Berhn berichtet. — 
Am 4. November stattete das Zarenpaar dem Kaiser in 
Potsdam einen Besuch ab. Obwohl bei der Galatafel, „um 
den familiären Charakter der Zusammenkunft zu wahren," 
die übHchen Anreden unterblieben, wurde damals zwischen 
dem Reichskanzler und dem russischen Minister des Aus- 
wärtigen Ssasonow eine Reihe von Vereinbarungen getroffen, 
die sich namentlich auf die Bagdadbahnfrage bezogen. — 
Der Brief trägt in der Vorlage die Ortsangabe „Neues Palais", 
aber kein Datum, er muß aber, wie die Berufung auf die 
Potsdamer Begegnung und wie der nachfolgende Brief zei- 
gen, etwa der zweiten Hälfte November oder Anfang Dezem- 
ber 19 IG angehören. 



Neues Palais [Ende Nov. oder Anfang Dez. 1910] 

Liebster Nicky! 

Gestatte mir, daß ich Dir vertraulich eine für mich 
sehr wichtige Tatsache unterbreite. 

260 



Es ist die Frage, ob Du vielleicht Wert darauf legst, 
eine Änderung in der Person des Adjutanten eintreten 
zu sehen, der die Ehre hat, von hier aus Deiner Person 
attachiert zu sein. Bei früheren Zusammenkünften hast 
Du immer mit hoher Anerkennung von den Vorzügen 
des Kapitäns von Hintze gesprochen, und daß er sich 
Deines vollen Vertrauens erfreue. Ich möchte daher 
keinen Schritt unternehmen, bevor ich von Dir gehört 
habe, noch etwas ohne Deine Billigung tun. 

Bitte laß mich ganz offen und ohne Rückhalt wissen, 
wie Du über diese Angelegenheit denkst. Solltest Du 
es für wünschenswert halten, daß ich Hintze versetze, 
so möchte ich erst über die Wahl seines Nachfolgers 
mit Dir sprechen. 

Deine Wünsche in dieser Hinsicht sind von höchster 
Wichtigkeit für mich, und ich betrachte es als absolute 
Notwendigkeit, daß der Offizier, der Deiner Person 
attachiert wird. Dein vollstes Vertrauen genießt. 

Ich freue mich, von dem Kanzler zu hören, daß er 
mit Ssasonow einen befriedigenden Gedankenaus- 
tausch über verschiedene Fragen gehabt hat, die zu 
beiderseitiger Befriedigung geregelt werden dürften. 

Wir denken noch immer an den heben Besuch, den 
Ihr uns hier abgestattet habt, und hoffen, daß die 
Heimreise AHx nicht zu sehr ermüdet hat. 

Beste Grüße an sie und die Kinder von 

Deinem ergebenen Vetter und Freund 
WiUy. 



261 



LXVI 



Als Nachfolger des Kapitäns von Hintze wurde mit Zu- 
stimmung des Zaren Generalmajor von Lauenstein zum 
deutschen Militärbevollmächtigten in Petersburg ernannt. 



Neues Palais, 24. 12. 1910 
Liebster Nicky! 

Ich bin Dir sehr dankbar für Deine offene Antwort 
in bezug auf Hintze. Ich ersehe mit tiefem Bedauern 
aus Deinem Brief, daß er sich nicht mehr Deines Ver- 
trauens erfreut; ich habe darum beschlossen, ihn ab- 
zuberufen. 

Als seinen Nachfolger möchte ich vorschlagen. Dir 
den Generalmajor ä la suite von Lauenstein zu schicken, 
gegenwärtig befehHgt er eine Infanteriebrigade in 
Hannover. Er war mein persönHcher Adjutant, bevor 
er sein Kommando übernahm. Du wirst Dich wahr- 
scheinHch seiner von der Zeit her erinnern, als er 
Militärattache in Petersburg war; er hatte auch die 
Ehre, Dein Heer während des Krieges zu begleiten, 
und wie ich höre, stand er sehr gut mit Deinen 



Offizieren. Er ist ein sehr tüchtiger Soldat, überhaupt 
sehr zuverlässig und vertrauenswürdig. Er schreibt 
einen vorzüglichen deutschen Stil und vvnarde infolge- 
dessen Mitglied dreier Kommissionen, von denen die 
Reform unserer Infanterie-, Artillerie- und Kavallerie- 
reglements ausgearbeitet WTirde. Alle drei sind aus 
seiner Feder geflossen. 

Ich setze unbegrenztes Vertrauen in ihn, und in der 
Hoffnung auf Deine Billigung meines Vorschlages 
sehe ich Deiner Antwort entgegen. 

Osten-Sacken war neulich zum Frühstück bei mir. 
Er scheint ganz gesund zu sein und war bester Stim- 
mung. Ich freue mich, daß Du ihn zum St. -Andreas- 
Ritter gemacht hast, und ich schätze Deine sehr freund- 
liche und sympathische Anspielung auf die Beziehun- 
gen unserer beiden Länder sehr hoch ein, die Du in 
dem Briefe machtest, den Du bei dieser Gelegenheit 
an den Heben alten Herrn geschickt hast. 

Ich habe einige reizende Karten von Alix und den 
Kindern in einem Gruppenbild erhalten. Bitte danke 
ihr von mir dafür. Ich schicke Dir ein Jagdmesser und 
für Ahx eine Salatschüssel für den Sakuskatisch, die in 
meiner Majolikafabrik hergestellt und in Dresden in 
Silber gefaßt worden ist. 

Mit den besten Wünschen für ein glückHches, gedeih- 
liches neues Jahr, das ein Friedens] ahr sein möge, und 
mit vielen Grüßen an AHx und die Kinder verbleibe ich 
stets Dein ergebener Freund und Vetter 
Willy. 

263 



LXVII 



Mitte Mai stattete das Kaiserpaar anläßlich der Enthül- 
lung des Denkmals für die Königin Viktoria von England 
einen fünftägigen Besuch in London ab. 



Korfu, 21. IV. 191 1 
Liebster Nicky! 

Da Dein Osterfest herannaht, bitte ich, Dir meine 
wärmsten Osterwünsche mit diesen Zeilen senden zu 
dürfen. Es ist eine Zeit, in der man immer seine Hand- 
lungen und Gedanken vorüberziehen läßt, bevor man 
zum Abendmahl geht, und zu diesem und danach geht 
man mit frischen Entschlüssen und neu gefestigten 
Überzeugungen ins Leben zurück. Zu diesen rechne 
ich unser Verhältnis zueinander und unsere feste 
Freundschaft füreinander, die in Wolfsgarten und in 
Potsdam so glücklich befestigt wurde. Du kannst im- 
mer auf mich und meine treue Teilnahme an Dir, 
Deiner Familie und Deinem Land zählen. 

264 



Wir hatten eine liebliche Zeit hier inmitten von 
Blumen, Duft, blauem Himmel und Sonne. Nur in 
der vorletzten Woche war es kalt und regnerisch. Bei 
einem zufälligen Ausgrabungsversuch wurden wir 
höchst überrascht und interessiert durch die ganz un- 
erwartete Entdeckung von ganz gewaltigen Skulp- 
turen, die, wie es scheint, zu einem antiken Tempel 
gehören, der bis zum 6. und 7. Jahrhundert vor Christi 
zurückdatiert. Ich verbrachte mehrere Tage im glühen- 
den Sonnenschein und sah bei dem Sichtbarwerden 
der verschiedensten Gegenstände zu, was sehr auf- 
regend war und Dich lebhaft unterhalten hätte. 

Anliegend übersende ich Dir einige Photographien 
von unserem Hause und Garten mit der Statue von 
Achilles, die ich auf die Terrasse stellen ließ. Außer- 
dem lege ich einen Artikel bei, der kürzlich in der 
deutschen Presse veröffentlicht und von einem inti- 
men Freund Onkel Berties, einem enghschen Politiker, 
geschdeben woirde mit der Absicht, die Deutschen zu 
überreden, besser von Onkels Politik zu denken, als 
sie es jetzt tun. Sein Name ist unbekannt. Wie Du 
selbst bemerken wirst, ist es ganz auffallend, die 
größte Besorgnis, die Onkel wegen der Zukunft Eng- 
lands beherrschte, war die Möglichkeit der engeren 
Freundschaft zwischen den drei Kaiserreichen (Deutsch- 
land, Rußland, Österreich), die er als gefährHch für 
England ansah, und die er infolgedessen mit allen 
Mitteln seiner Macht zu verhindern suchte. Das ist 
die Erklärung für die beständig von der enghschen 

265 



Presse angewendete Phrase vom „Gleichgewicht der 
Mächte in Europa", d. h., haltet die drei Kaiser aus- 
einander, oder wir sind verloren, denn sie würden den 
ganzen europäischen Kontinent um sich sammeln, 
und das ist gegen das enghsche Interesse. — Ich gehe 
auf Georgs Einladung nach London zu Großmamas 
Enthüllung. Ich hoffe, mehr darüber ausfindig zu 
machen. 

Mit besten Grüßen an Alix und alle bleibe ich 

immer Dein ergebener Vetter und Freund 
\^lll7. 



266 



LXVIII 



Die Reise nach Asien, die der deutsche Kronprinz im 
November 1910 angetreten hatte, sollte mit einer Rückfahrt 
über China, Sibirien und Petersburg abschließen. Jedoch 
schon Ende Januar 191 1 wurde die Weiterfahrt in Kalkutta 
abgebrochen, und der Kronprinz kehrte über Suez nach 
Deutschland zurück. Graf Dohna scheint seine Reise, wie 
der Brief des Kaisers vom 12. I. 191 2 zeigt, noch länger 
ausgedehnt zu haben. 



WiUielmshöhe, 8. VIII. 191 1 

Liebster Nicky! 

Es tut mir leid, daß ich erneut gezwungen bin, an 
Dich' heranzutreten mit einer Bitte wegen General 
V. Lauenstein, der die Ehre hat. Deiner hohen Person 
attachiert zu sein. Als ich ihn für seinen Posten — mit 
Deiner Zustimmung — auswählte, hat er sofort meine 
Aufmerksamkeit auf die Tatsache gelenkt, daß seine 
Frau von sehr zarter Gesundheit wäre. Ich kenne sie 
persönlich und habe mich von der Tatsache überzeugt. 
Doch habe ich ihn bewogen, auf seinen Posten zu 

267 



gehen, da Du so sehr freundlich über ihn geschrieben 
hattest. 

Sie hat nun gerade jetzt ihr drittes Kind bekommen, 
was ihre Gesundheit so sehr angegriffen hat, daß sämt- 
liche Ärzte darin übereinstimmen, es sei ausgeschlossen, 
daß sie das KHma von St. Petersburg vertragen könnte. 
Infolgedessen hat Lauenstein erneut seine Bitte um 
Enthebung von seinem Posten erwähnt. Ich habe 
mit Bedauern zugestimmt, da ich sah, daß man un- 
möglich von ihm verlangen kann, ein von seiner Familie 
dauernd getrenntes Leben zu führen. 

Ich bin sicher. Du wirst meine unter so ernsten 
Erwägungen getroffene Entscheidung bilhgen. 

Ich schlage nun vor, als seinen Nachfolger den 
Generalleutnant aus meinem Gefolge Graf Dohna- 
Schlobitten, z. Z. Kommandeur der Garde-Kavallerie- 
Division, zu senden. Ich glaube wohl. Du erinnerst 
Dich, daß ich ihn Dir während Deines letzten Be- 
suches in Potsdam, woran "wir so angenehme Erinne- 
rungen bewahrt haben, vorgestellt habe. Er war da- 
mals im Begriff, meinen Sohn auf seiner Reise nach 
Indien zu begleiten, und würde auch für die Dauer 
seines Aufenthaltes in Zarskoje in seinem Stabe ge- 
wesen sein, wenn der ursprüngHche Reiseplan aus- 
geführt worden w^äre. 

Dohna ist alles in allem ein richtiger Kavallerist- 
Frontsoldat — ein erstklassiger Pferdekenner, leiden- 
schaftlicher Reiter und Sportsmann und durch und 
durch Weltmann. Er ist im.mer sehr gut mit allen 

268 



Menschen in seinen verschiedenen Stellungen ausge- 
kommen: als Rittmeister bei den I. Garde-Dragonern, 
später als Oberst bei den Garde-Husaren, dann als 
Brigadekommandeur und dann als Führer der Garde- 
Kavallerie-Division. Zuletzt, aber nicht am wenigsten, 
gewann er die Achtung und Sympathie aller Offiziere 
in Indien ; so sehr, daß der Oberbefehlshaber dort ihn 
zum Krönungs-Durbar einlud, wofür ich ihm Urlaub 
bewälhgte. Er wird Dir, davon bin ich überzeugt, bei 
seiner Rückkehr eine lebendige Schilderung dieser 
einzigartigen Festhchkeiten und ihres beispiellosen 
orientahschen Glanzes geben können. Seine Frau ist 
hübsch, sehr gesellschaftlich und eine alte Freundin 
von mir seit langem. Sie erfreut sich einer ausge- 
zeichneten Stellung in der Berhner Hofgesellschaft. 

Dohna genießt mein volles Vertrauen, und ich bin 
überzeugt, meine Wahl wird Deine Zustimmung 
finden. Wir sind sehr betrübt über den plötzlichen 
und vorzeitigen Tod des armen Knesebeck. Er war der 
Privatsekretär meiner Großmutter während il und 
meiner Frau während 21 Jahren! Ein loyaler, zuver- 
lässiger und treuer Freund und durch und durch 
Gentleman. Mit herzlichen Grüßen an Ahx und die 
Kinder (was macht die Bahn ?) bin ich, mein liebster 
Nicky, 

immer Dein ergebener Freund und Vetter 
WiUy. 



269 



LXIX 



Der Brief ist in der Vorlage irrtümlich auf 191 1 datiert, 
er gehört jedoch unzweifelhaft dem -Januar 191 2 an. — 
Der Krönungs-Durbar war ein feierlicher Empfang nach 
der Krönung des Vizekönigs von Indien. 



Neues Palais, 12. I. 1912 

Liebster Nicky! 

Dieser Brief wird Dir durch General Graf Dohna 
überbracht werden, der gerade von Indien zurückge- 
kehrt ist. Er war bei dem Krönungs-Durbar anwesend 
und wird Dir eine lebendige Beschreibung der glänzen- 
den und prächtigen Szenen, an denen er teilgenommen 
hat, geben können. Seine Gattin, die sich seit einigen 
Monaten in Petersburg aufhält, um ihr Heim für den 
zurückkehrenden Gatten einzurichten, wird sicher, 
wie ich hoffe. Dir und Deinem Hofe ebenso angenehm 
sein wie er. Sie schreibt sehr glückliche Briefe über 
die Freundhchkeiten, die ihr von der Gesellschaft 
erwiesen werden. Da er gerade eben erst aus den Tropen 

270 



kommt und der Übergang in Euer Klima bei 20^ Un- 
terschied etwas plötzlich ist, so bitte ich Dich, leutselig 
an ihn zu denken, wenn Festlichkeiten im Freien 
während des Winters auf dem Programm stehen, denn 
er ist sehr mager. Da er außerdem J^ahl ist, habe ich 
ihm eine warme Perücke für die „Wasserweihe" vor- 
geschlagen. Du magst bestimmen, welche Farbe sie 
haben soll! 

Ich sende Dir abermals meine aufrichtigsten Wün- 
sche für ein glückhches neues Jahr und hoffe und bete 
mit Dir zum Himmel, daß er uns ein friedhches ge- 
währen möge; ich weiß wohl, unsere Gefühle für 
unsere beiden Länder sind in diesem Punkte die glei- 
chen. Hoffentlich ist der Weihnachtsabend gut ver- 
laufen und meinen Geschenken nichts zugestoßen; 
besonders hoffe ich, daß die kleinen „tommies" durch 
das Kochen nicht leiden. 

Ist die elektrische Bahn vom vorigen Jahr noch in 
gutem Zustande ? Es hat mir sehr leid getan, als ich 
von dem Tode des armen Generals Stroukow hörte. 
Er war ein ausgezeichneter Mensch, eine alte liebe 
Bekanntschaft und ein treuer Freund von mir. 

Mit meinen besten Wünschen, auch für Alix und 
die Kinder, von denen mir Olga ein so reizendes Tele- 
gramm geschickt hat, bleibe ich immer 

Dein Dich Hebender Freund und Vetter 
Willy. 



271 



LXX 



Dem Plan, die Romintener Heide durch eine Eisenbahn 
mit Suwalki in Westrußland zu verbinden, wurde auch später 
von Seiten der russischen Regierung — wohl aus strategischen 
Gründen — nicht zugestimmt. 



Rominten, 3. X. 191 2 

Liebster Nicky! 

Darf ich es wagen, Deine Aufmerksamkeit und auch 
Dein Interesse auf einen Plan zu lenken, der meinen 
Geist schon seit einigen Jahren beschäftigt hat ? 
Während meines Aufenthalts in Rominten habe ich 
die Frage der Entwicklung der Grenzlande an beiden 
Seiten in meiner Nachbarschaft genau geprüft. Ich 
bin zu dem Ergebnis gekommen, daß die Bezirke auf 
beiden Seiten unserer Grenze vielversprechend sind 
und eine hoffnungsvolle Zukunft erwarten können. 
Aber sie müssen erschlossen und, wenn möglich, auch 
in Beziehungen zueinander gebracht werden. Auf 
der beigefügten Eisenbahnkarte ist eine rote Linie 



272 



eingezeichnet, es ist eine neue Bahn, die um die große 
Romintener Heide herum gebaut werden soll, um so 
den Holztransport leichter zu gestalten, als er jetzt ist. 
Die Linie läuft von Goldap über Pablindsen nach 
Szittkehmen, wo sie die Haupthnie von Eydtkuhnen 
trifft. Die Linie wird Steinbrüche und Kiesgruben 
aufscliließen und wird eine große Masse Holz aus dem 
Romintener Forst transportieren. Ich möchte nun 
Deiner Aufmerksamkeit den Gedanken unterbreiten, 
ob es nicht für Deine Regierung praktisch sein würde, 
eine Linie von Suwalki nach Pablindsen zu bauen und 
dort unsere Linie zu treffen. Das würde den Handel 
zwischen den beiden Bezirken auf gute Art fördern. 
Pabhndsen ist bereits ein Punkt, über den sich ein sehr 
lebhafter Verkehr hin und her entwickelt hat, und er 
verspricht noch mehr, falls eine Linie hinkäme. Dieser 
Plan ist mit Deinen Behörden seit geraumer Zeit 
erörtert worden, und ich speziell habe ihn mit Herrn 
de Stremankow durchgesprochen, der großes Inter- 
esse an ihm nahm und ihn für sehr notwendig und auch 
im Interesse des Gouvernements Suwalki hielt. Er 
versprach mir, er werde Dir über diesen Plan in günsti- 
gem Sinne berichten, und war bereit, aktiven Anteil 
an seiner Förderung zu nehnien, aber er wurde von 
seinem Posten abgelöst, und so war die Sache zu Ende. 
Das ist sehr schade, da die Grenzbevölkerung an der 
Entwicklung dieser Frage sehr interessiert ist, und er 
mit allen Einzelheiten der Frage auf beiden Seiten 
der Grenze sehr gut bekannt war und in dauerndem 

18 273 



„Rapport" mit meinen hiesigen Behörden stand. AU 
dies hat nun aufgehört, da sein Nachfolger bisher noch 
keine Schritte unternommen hat, sich mit seinen 
Kollegen jenseits der Grenze in Verbindung zu setzen, 
obwohl er bereits seit 2 Jahren im Amte ist. Deswegen 
haben mich die Leute von allen Seiten gebeten, die 
Angelegenheit Dir unmittelbar vorzulegen. Das habe 
ich hiermit getan. Ich bitte Dich um Entschuldigung, 
daß ich Dich mit einem so elenden kleinen Grenz- 
detail belästige, aber da Ich 24 Jahre unter diesen 
Leuten lebe, bin Ich mit Ihnen verwachsen, und sie 
haben Vertrauen zu mir gewonnen. Sie sind einfach, 
ruhig und arbeitsam und, wie alle Grenzbezirke, ein 
bißchen vergessen. Und da es eine gute Tat ist, sol- 
chen armen Kerlen weiterzuhelfen, so versuche ich 
mein Glück bei Dir. Ich hatte guten Sport — ungefähr 
19 Hirsche — aber scheußliches Wetter mit Ausnahme 
zweier Tage. Heute Schnee und Hagel. 

Beste Grüße an Ahx und die Kinder und „Weid- 
mannsheil" für Dich 

von 

Deinem Dich liebenden Vetter und Freund 
Willy. 



274 



LXXI 



Ende 191 1 hatte der Ballcanbund — Serbien, "Bulgarien, 
Griechenland und Montenegro — die Feindseligkeiten gegen 
die Türkei eröffnet und in sehr kurzer Zeit auf allen Kriegs- 
schauplätzen so sehr wesentliche militärische Erfolge erzielt, 
daß man annehmen mußte, das Schicksal Konstantinopels 
und der Dardanellen stehe unmittelbar vor einer sehr ernst- 
lichen Entscheidung. Damit aber war die Gefahr eines euro- 
päischen Krieges in nahe Sicht gerückt. Ende November 
schlug die großbritannische Regierung zur Schlichtung der 
gefahrdrohenden Verwicklung eine ßotschafterkonferenz der 
Großmächte in London vor, die dann am 17. St-ptcmber zu 
einer „Reunion" zusammentrat. Gleichzeitig begann eben- 
falls in London eine „Friedenskonferenz" der kriegführenden 
Länder. Konferenz wie „Reunion" gelangten zu keinem 
Resultat, der am 4. Dezember 191 2 abgeschlossene Waffen- 
stillstand wurde am 30. Januar 1913 gekündigt, und am 
3. Februar 19 13 begann der zweite ßalkankrieg. 



Berlin, 3. L 191 3 
Liebster Nicky! 

Der Kurier reist heute mit meinen Geschenken für 
Dich, Alix und die Kinder ab. Ich hoffe, sie werden 
den erlauchten Empfängern gefallen. Zu gleicher Zeit 



x8» 



275 



sende Ich Dir meine herzlichsten Wünsche für Weih- 
nachten und ein friedhches neues Jahr. Ich hoffe ernst- 
lich und vertraue darauf, daß 191 3 sich als ein fried- 
liches erweisen wird, wie Du mir am Neu jahrstag gedrah- 
tet hast. Im ganzen Ist der Ausblick wohl beruhigend, 
und die V^erhandlungen In London, die günstig voran- 
schreiten, werden weiter In verbindlichem und freund- 
schaftlichem Geiste geführt, in welcher Richtung die 
auswärtige Politik Deiner Regierung so geschickt mit 
allen anderen Mächten zusammenarbeitet. 

Ich danke Dir für Deine Mitteilung, die Tatlsch- 
tschew mir übermittelt hat, der meine Antwort an Dich 
schon zurückgebracht haben wird. Ich vertraue dar- 
auf, daß auch diese Frage zu einem befriedigenden 
Ende geführt wird, und daß die Schwierigkeiten, die 
sich ergeben haben, überuainden werden. Dein Kriegs- 
minister, General Suchomlinow, hat mir bei seiner 
Rückkehr von Leipzig einen Besuch gemacht. Er war 
sehr hebenswürdig und äußerst interessant bei der Be- 
schreibung seiner Taten während des Feldzuges 1877. 

Bis jetzt haben wir einen warmen Winter ohne 
Schnee, der es uns erlaubt, uns hübschen langen 
Galopps zu Pferde fast täglich hinzugeben, voraus- 
gesetzt, daß es nicht gerade in Strömen regnet. 

Auf Wiedersehen, liebster Nicky, meine herzhchsten 
Grüße an Alix und die Kinder, besonders den Jungen, 
dem es hoffentlich besser geht, und für Dich von 
Deinem Dich hebenden Vetter und Freund 

WiUy. 

276 



LXXII 



Der zweite Balkankrieg nahm am Tage der Niederschrift 
des hier folgenden Kaiserbriefes seinen Anfang und dauerte 
bis zum 30. Mai 191 3. Die Gefahr eines europäischen 
Krieges schwand jedoch schon am n. März, als Österreich- 
Ungarn und Rußland zu einem Übereinkommen wegen 
beiderseitiger Demobilisierung gelangten. — Mit ,.Dona" 
ist offenbar die Kaiserin gemeint, die den erkrankten Prin- 
zen Adalbert gepflegt hatte. 



Berlin, 3. IL 1913 
Liebster Nicky! 

Vielen, vielen Dank für Deine gütigen Wünsche 
und das herrliche Geschenk, das Du mir freundlichst 
gesandt hast. Welch große Überraschung, als ich in 
mein Geburtstagszimmer trat und die zwei großen 
Bilder sah! Es war wirklich eine reizende Idee von 
Dir, mir diese beiden wundervollen Oiiginale zu 
senden, die von großem künstlerischen und historischen 
Wert für uns hier sind, da sie die Züge so mancher 

277 



hier wohlbekannten Persönhchkeiten darstellen. Diese 
Bilder haben mir wirklich großes Vergnügen gemacht, 
und ich bitte Dich nochmals, meinen herzüchsten 
Dank entgegenzunehmen. 

Ich bin so froh, aus Deinem Brief zu ersehen, daß 
der hebe Junge gute Fortschritte macht, aber be- 
trübt darüber, daß Ahxens Gesundheitszustand nicht 
befriedigend ist! Sicher haben die Wochen, die sie 
mit der Pflege des Jungen verbrachte, sie sehr an- 
gegriffen. Aber ich hoffe zuversichtlich, daß Ruhe 
und eine Kur auf der Krim sie bald wieder in Ord- 
nung bringen. 

Ich hoffe innig mit Dir, daß die Balkanwirren 
bald endgültig ohne weitere Verwicklungen erledigt 
sind, und bin sehr darauf bedacht, zu diesem Zweck 
mit Dir zusammenzuarbeiten. NatürHch hat Öster- 
reich als naher Nachbar dieser Länder Interessen zu 
vertreten. Aber ich stehe unter dem Eindruck, daß 
es dabei nichts für sich selber beanspruchen, sondern 
nur Gewißheit darüber erlangen will, daß keine Ver- 
änderungen der Landkarte entstehen, die sich in Zu- 
kunft zu einer Gefahr für es auswachsen könnten. 
Adalbert ist wieder außer Bett, und morgen wird 
Dona ihre Wohnung wieder bei mir beziehen. Gott 
sei Dank, daß alles so gut abgegangen ist. 

Beste Grüße für AJix, die Kinder und Dich, stets 
Dein ganz ergebener, Dich hebender Vetter 

Willy. 



278 



LXXIII 



Am 24. Mai 1913 erfolgte die VermäKlung dei Kaiser- 
tochter Viktoria Luise (Sissy) mit dem Herzog zu Braun- 
schvveig, bei der auch das Zarenpaar anwesend war. — Die 
Festlichkeiten, von denen der nachfolgende Kaiserbrief spricht, 
fanden in Petersburg am 9. März anläßlich des Romanow- 
Jubiläums (300 Jahre seit der Thronbesteigung des ersten 
Romanow) statt. 



Berlin, 18. III. 1913 

Liebster Nick/! 

Darf ich Dich benachrichtigen, daß wir den Hoch- 
zeitstag unserer heben Sissy nun endgültig auf den 
24. Mai festgesetzt haben. 

Der Hauptzweck meiner Zeilen ist, Dir und Alix 
unsere herzlichste Einladung zu den Hochzeitsfeier- 
lichkeiten zu übermitteln. Wir beide wären nur zu 
froh, wenn Ihr uns das Vergnügen Eurer Gegenwart 
machen könntet. Ich hoffe innigst, daß es Dir mög- 
lich sein wird, Rußland für einige Tage zu verlassen 



und mit vielen Deiner Verwandten zusammenzulcom- 
men; denn wir haben Deine liebe IVIama, Tante Alix, 
Georgie und May, Waldemar usw. eingeladen, um es 
allen Geschwistern zu ermöglichen, miteinander so- 
wohl wie mit Tante Tliyra zusammen zu sein. 
1^ Ich freue mich, daß alle Eure Festhchkeitcn so gut 
und erfolgreich verlaufen sind, und daß Euer Junge 
daran teilnehmen konnte, und daß seine Besserung 
Fortschritte macht und er hoffenthch bald ganz 
wiederhergestellt ist. Nach Ostern kommen die 
Cumberlands zu Besuch, und wir gehen dann für 
einen Monat nach Hamburg, da die verfluchten 
Balkanwirren mich der Möglichkeit beraubt haben, in 
meinem himmlischen Paradiese Korfu zu sein. 

Mit besten Grüßen von Viktoria und mir an Alix 
und alle Kinder immer 

Dein ganz ergebener Vetter und Freund 
Willy. 



280 



LXXIV 



Zu Kaisers Geburtstag 1914 waren aus Athen die Königin 
der Hellenen — die Schwester des Kaisers — und der Kron- 
prinz von Griechenland nach Berhn gekommen. 



I.II. 1914 

Liebster Nicky! 

Vielen Dank an Dich, die liebe Alix und die Kinder 
für Eure freundlichen Wunsche und den reizenden 
Porzellantopf, der mitkam. Gottlob konnte ich 
meinen Geburtstag glücklich verbringen, besonders 
dank der Anwesenheit der heben Sophie und Georgs, 
die den langen Weg von Athen gemacht hatten, um 
den Tag mit mir zu verbringen! Ich bin sehr erfreut, 
daß Ihr noch immer angenehme Erinnerungen an den 
Besuch, den Ihr uns letzten Sommer aus Anlaß von 
Sissys Hochzeit machtet, bewahrt, und Ihr könnt ver- 
sichert sein, daß wir alle von ganzem Herzen Eure 
freundhchen Gefühle und Erinnerungen erwidern. 

281 



Es freut mich zu hören, daß Euer schöner Auf- 
enthalt in der Krim Euch allen so zuträglich war, 
und daß besonders Aiix und der Junge infolge des 
Aufenthalts im warmen Süden sich so viel besser 
befinden. 

In Erinnerung an das Interesse, das Du vor einigen 
Jahren, als Du in Hamburg warst, an der dort von 
mir gebauten Kathedrale nahmst, erlaube ich mir, 
Dir ein Buch zu schenken, das auf meine Veranlassung 
hin über die Kapelle in dem neuen Schloß in Posen 
veröffentlicht worden ist. Sie ist im altbyzantinischen 
Stil, nahm zu ihrer Fertigstellung sieben Jahre in 
Anspruch und wurde in unserer Gegenwart am 
I. August eingeweiht. Es ist eine Nachahmung von 
Motiven, teils aus Ravenna (Theoderichs des Großen 
Grab), teils aus Monreale und von der Cappella 
Palatina in Palermo. 

Die Sendung Bidoselskys, der die Schleife für Alixens 
Dragoner brachte, war ein sehr freundliches, vom 
Regiment gebührend gewürdigtes Erinnerungszeichen; 
er wird am Sonntag mit mir frühstücken. 

Mit besten Grüßen an Aiix und die heben Kinder 
bin ich, hebster Nicky, 

immer Dein ergebener Vetter und Freund 
Will/. 



283 



LXXV 



Generalleutnant von Chelius war der letzte „der Person 
Seiner Majestät des Zaren aller Reußen attackierte" deutsche 
Offizier. 



Berlin, 26. IL 1914 
Liebster NIcky! 

General Graf Dohna, der die Ehre hat, Deiner 
Person zugeteilt zu sein, hat mir seine Absicht an- 
gekündigt, im Monat Mai seinen Dienst zu quittieren. 
Durch den Tod seines Vaters hat er eine sehr große, 
ausgedehnte Besitzung und auch ein sehr schönes 
Schloß Finkenstein geerbt, vor hundert Jahren das 
Hauptquartier Napoleons L vor der Schlacht bei 
Eylau. Er ist für die Personalverwaltung unentbehr- 
lich, und so muß ich zu meinem großen Bedauern 
seinem Wunsche willfahren. Als Ersatz für ihn 
habe ich die Absicht, Dir mit Deiner freundhchen 
Zustimmung Se. Exzellenz Generalleutnant von Chehus 
zu schicken. Er war Regimentsadjutant, als ich die 

283 



Leibgarde-Husaren kommandierte, verbrachte mehrere 

Jahre in Rom als Mihtärattache, kommandierte als 
Oberst mein altes Husarenregiment mit großer Aus- 
zeichnung und war seitdem in meinem persönlichen 
Dienst. Er ist ganz phänomenal als Musiker und 
spielt so gut Klavier wie Rubinstein, d'Albert oder 
irgendein anderer großer Künstler. Er ist sehr liebens- 
würdig, ganz diskret und unbedingt verläßhch. Er 
soll mich nächsten Monat nach Korfu begleiten. Er 
spricht fließend französisch, enghsch, italienisch und 
altgriechisch und ist einer meiner intimsten persön- 
lichen Freunde. 

Mit besten Grüßen an Alix und die Kinder immer 
Dein Dich liebender Vetter und Freund 

Willv. 



ENGLISCHE 

ORIGINALTEXTE DER 

KAISERBRIEFE 



Neues Palais, 8. XI. 1894 

My dear Nlclcy, 

The heavy and responsible task for which Providence had dcstin- 
ed you has come upon you with the suddenness of a surprlse, 
through the so unexpecred and untimely death of your dear lament- 
ed father. These lines are to express my füllest and wärmest 
gympathy with you and your Alix and your poor distressed mother. 
I can well understand the feellngs which must have agitated your 
heart in witnessing the ebbing away of the life of your father, as 
his illness and sudden passing away was so very like my own dear 
Papa's, with whose character and kind geniality the late Tsar had 
so many likenesses. My prayers to God for you and your happiness 
are unceasing. May Heaven comfort you in your grief and give 
you strength for your heavy duties, and may a long and peaceful 
reign give you the opportunity of looking after the welfare of your 
eubjects. The sympathy and real grief at the so untimely end of 
your lamented father in my country will have shown you how 
strong the monarchical instinct is and how Cermany feels for you 
and your subjects. As formcrly you will always find me the same in 
undiminished friendship and love to you. What our poütical ideals 
are we both know perfectly and I have nothing to add to our last 
conversation in Berlin, I only can repeat the exprcssion of absolute 
trust in you and the assurance that I shall always cultivate the old 
rebtions of mutual friendship with your Ilouse in which l was 
reared by my Grandfather, and Bome examples of which I was so 
glad to bc able to give to your dear Papa in these last six months of 
bis reign, and which 1 am happy to hear were fuily appreciated by 

287 



him. I would have come myself to pray with you at the funeral, 
but I have so much to do with administration at home that it ia 
impossible. Henry will be the bearer of my messages, Gen. v. 
Plessen, commandant of my Headquarters, Lieut. Co. v. Mokka, 
my Aide de Camp, and Gen. v. X'illaume your old friend, will accom- 
pany him on board his ship to Cronstadt. At the same time by land 
Col. V. Saustin, of the Kaiser Alexander Garde Grend. Reg. 1, will 
report himself to you as the new Chef of the Regiment. Whereas 
to your Regiment of Hussars I have given your Name of which 
they will be immensely proud. In the first named Guard Regiment 
the person of the late Tsar was always highly venerated and last 
Monday the whole corps of its officers and the four Colours of the 
Regiment joined their prayers with mine at the chapel of the Russian 
Embassy at Berlin. Now, dearest Nicky, Good-bye, God bless 
and protect you and dear Alix, and give you happiness in your new 
marricd üfe, that is the warm wish of 

Your most affate and devoted 

friend and cousin 

William. 



II 



Potsdam, 5. i. 1895 



My dear Nicky, 

Your kind letter which Knorring brought to me involved very 
interesting but very sad news. I am very thankful for your expla- 
nation and fully undersiand the motives which prompt you to 
decide about Count Schouvaloff. In the same time I can assure 
you that I am deeply grieved at losing excellent Paul, who was the 
only ambassador at Berlin with whom I was on really intimate 
terms and who was an "ami intime" to me as far as a non German 
could claim such name. I will miss him very much indced. He fully 
deserves the culogies you gave him in your Rescript and the near 

288 



and intimate relations of our Court and People could not have 
been becter looked after than by him. I hope and trust that the 
person whom you are going to select to replace him will be able 
to carry on the work in the same manner and with the same truth- 
fullness and openness of character like Schouvaloff; as the relations 
of our two countries rest on traditional bases, quite other than 
those with other nations, and are of commanding influenae on the 
whole of the world, At your dear Father's express wish I replaced 
Schweinitz by Werder, if I could at the same time express a wish, 
it would be that you chose either Fahlen, Richter or Staal as rempla- 
cants if possible. 

Now let me wish you a Happy new Year at the side of that dear 
Angel Alix, and may it be a year of peace and prosperity! My 
Xmas gift will I hope amuse you, it is an album with photos from 
the "Fahnenweihe" at Berlin. 

Hoping that we shall be able to meet each other somewhere this 
year. 

I remain 

Your most aflF^t^ friend 
Wüly 



III 

Berlin, 7. II. 1895 
Dearest Nicky, 

Egloffstein will I hope be able to bring over the whole heap 
of porcelain without any breakage. He is instructed to arrange the 
table so as it would be, if you gave a dinner for 50; so that you 
should have the coup d'oeil of the whole atfair. I hope that my 
maniifacture has done everything to fulfill your wishes and that 
the present may be useful to you both. 

Since the sad weeks you had to go through have passed much 
has happened in Europe. You have lost an excellent old servant of 



19 289 



yont predecessors, old Giers, who was-a very good fcUow whom I 
much esteemed. France has changed par surprise her head and 
government and through the amnesty opened the doors to all 
the worst malefactors the tormer people with difficulty had manag- 
ed to imprison. The Impulse given to the Democrats and the 
Revolutionary party is also to be feit here. My Reichstag behaves 
as badly as it can, swinging backwards and forwards between the 
socialists egged on by the Jews, and the ultramontane Catholiks; 
both parties being soon fit to be hung all of them as tar as 1 can see. 

In_England the ministry is toddling on to its fall amidst universal 
derision! In short everywhere the "principe de la Monarchie" 
is called upon to show itself strong. That is why I am so glad at the 
capital Speech you made the other day to the deputations in reponse 
to some addresses for Reform! It was very much to the point and 
made a deep impression everywhere. 

For the opening of our Canal in the end of June I have invited 
all European Governments to send warships to Kiel, I hope your 
fleet wäll also be represented by a ship or two? 

With my respects to your Mammy and many compliments to 
Alix I remain 

Your most affate friend 

Willy. 

IV 

Kaltenbronn, Schwarzwald, 26. IV. 1895 

Dearest Nicky, 

As Prince Radolin leaves shortly for Petersburg I send these 
few lines by him. He is an excellent and warm friend of mine, 
who has been proved by the difficult task he had when being Papa's 
Chief of the Household during his short reign. He stubbornly 
resisted any trials of intrigue from any side. You may place füll 
and implicit confidence in him, his discreetness is proverbial and 

290 



he 18 burning to do everything in his power to please us both and 
to tighten the traditional des which unite our families and coun- 
tries since nearly a Century. He haces the Polen and has no more 
to do with them or interest in them than with the Sandwich Is- 
landers. 

1 thank you sincerely for the excellent way in which you initiated 
the combined action of Europe for the sake of its interesta against 
Japan. It was high time that energetic Steps were taken and will 
make an excellent Impression in Japan as elsewhere. It shows to 
evidence how necessary it is that we should hold together, and 
also that there is existant a base of common interests upon which 
all European nations may work in Joint acmn for the welfare of all 
as is shown by the adherence of France to us two. May the con- 
viction that this can be done without touching a nation's honour 
take root more and more firmly, then no doubt the fear of war in 
Europe will dissipate more and more. The kind and most valuable 
messages which you sent me through Osten-Sacken by Count 
Eulenburg's transmission in Vienna have given me a signal proof 
of your loyalty and openness towards me. I shall certainly do all 
in my power to keep Europe quiet and also guard the rear of 
Russia 80 that nobody shall hamper your action towards the Far 
Eastl For that is clearly the great task of the future for Russia to 
cultivate the Asian Continent and to defend Europe from the in- 
roads of the Great Yellow race. In this you will always find me on 
your side ready to help you as best 1 can. You have well understood 
that call of Providence and have quickly grasped the moment; it 
is of immense political and historical value and much good will 
come of it, I shall with interest await the further development 
of our action and hope that, justas I will gladly help you settle the 
question of eventual annexations of portions of territory for Russia, 
you will kindly see that Germany may also be able to acquire a 
Port somewhere where is does not "gene" you. I am afraid that, 
as the Norwegians are in a State bordering on insanity, I may not 
be able to make my summer tour there, but shall have to cruise 
about on the Swedish coast of the Baltic. Should that be the case 

19* 291 



would not we have a meetlng somewhere for our two yachts where 
it suits you and have a quiet little chat between ourselves? It 
would be so nice. Now good bye dearest Nicky, give my best love 
to Alix and respectful compliments to your Mama, from Ever your 
most 

devoted and aff^t^ friend 
Wüly 

P. S. Radolln is quite "eingeweiht" in all my ideas I just de- 
veloped to you. 



V 

Stora Sundby, lo. VII. 1895 

Dearest Nicky, 

My journey in Sweden and along its shores bring me opposite 
to your shores and to your buen retiro, and I cannot let this moment 
pass, when I am only a short cruise away from you, without sending 
you a line as I shall not unhappily be able to meet you on the salty 
brine. Let me once more thank you with all my heart for the send- 
ing of those splendid ships of yours, which so ably and powerfully 
represented the Russian Navy at Kiel. Alexei was kindness and 
jovialty itself and did everything in his power to make intercourse 
with our Russian comrades everything that could be wished for. 
Your kind permission to place him a la suite of our navy made my 
officers very proud and seemed to have given him pleasure. I had 
the opportunity of some serious talk about Eastern Asian Affairs 
with Alexei and also his good old Baron Schilling who was a very 
great friend of my Grandfathers. He will I suppose already have 
reported to you about it. I was glad to be able to show, how our 
interests were entwined in the Far East, that my ships had been 
ordered to second yours in case of need when thlngs looked doubt- 
ful, that Europe had to be thankful to you that you so quickly had 

292 



perceived the great future for Russia in the cultivation of Asia and 
in the Defence of the Gross and the old Christian European culture 
against the inroads of the Mongols and Buddhism, that it was 
natural that if Russia was engaged in this tremendous work you 
wished to have Europe quiet and your back free; and that it was 
natural and without doubt that this would be my task and that I 
would let nobody try to interfere with you and attack from behind 
in Europe during the time you were fulfilling the great mission 
which Heaven has shaped for you. That was as sure as Amen in 
Church! One incident took place of which I ought to teil you, I 
am quite certain that it happened without Alexei's knowlcdge, but 
having become known among our officers created a very painful 
Impression. On board the Grossiaschtschy — the vessel which / 
invited Admiral Skrydlow and his Captains to pass the Canal with — 
two Engineer Officers were secretly embarked which had not been 
announced to our Authorities. The eldest was Colon. Bubnow. 
These in conjunction with a lieutenant who is specially trained for 
the purpose and who had a large apparatus took photographs of 
our Forts and batteries made notes and sketches all along the road 
and finally — when Skrydlow saw that my Naval Attache was 
rather astonished to see quite stränge people on the ship — were 
introduced to him as two directors of waterworks and waterways. 
At Kiel Bubnow's bearing became so "suspecte" that Police and 
Gendarmes followed him. He went about in piain clothes and was 
prowling about the fortifications, which was strictly forbidden to 
strangers! Now I think this is not quite fair, if you are invited as 
guest at such a fete in a foreign country, which without reserve 
throws open its gates to you and lets you into its war harbour, 
to abuse of hospitality in this manner, to try to spy out your friend 
and that even under assumed character! The consequence is that 
this will make people very careful with Russian warships and created 
uneasy feelings which I so deplore and hope to overcome. Pray 
excuse my mentioning this matter, but I thought it better to teil 
you directly instead of making diplomatic notes etc. as you know 
how I feel for you and Russia. But 1 do wish to have every diffi- 



culty which could arise in the work of drawing our countries closer 
together removecä before it strikes root. 

Goodbye dearest Nicky, my best love to Alex and to you, with 
wishes for a quiet summer and a nice little boy to come, believe 
me, dear Nicky 

Ever your most affectionate 

friend and cousin 

WiUy. 

VI 

Jagdhaus Rominten, 26. IX. 1895 

Dearest Nicky, 

My uncle the Chancellor referring to the kind and sympathetic 
way with which you received him, has owned himself quite won 
by your manner, and was profoundly impressed by your knowledge 
about the political Situation and the quiet and calra manner with 
which you judged the question of interest. He also told me that 
you expressed a wish that I should continue the custom, which 
we have begun, of writing to you if I thought there was occasion 
for it. I do this with pleasure. The Situation in the Far East 
has given you the opportunity of discussing it with my uncle, 
I thank you for the way in which you kindly alluded to my Co- 
operation with Russia in the coaling Station question. The develop- 
ment of the Far East, especially its danger to Europe and our 
Christian Faith is a matter which has been greatly on my mind 
ever since we made our first move together in Spring. At last 
my thoughts developed into a certain form and this I sketched 
on paper. I worked it out with an artist — a first class draughts- 
man — and after it was finished had it engraved for public use. 
It shows the powers of Europe represented by their respective 
Genii called together by the Arch-Angel. Michael, — sent from 
Heaven, — to unite in resisting the inroad of Buddhism, heathenism 

204 



and barbarism for the Defence of the Gross. Stress is especially 
laid on the united resistance of all European powers, which is 
just as necessary also against our common internal foes, anarchism, 
republlcanism, nihilism. I venture to send you an engraving 
begging you to accept it as a token of my warm and sincere friend- 
ship to you and Russia. In the midst of these peaceful occupations 
and of the quiet hunting, feil the stounding news 1 got from 
Paris that the French Chamber's Budget Committee, in discussing 
the Military Budget, propose to recall the XIX, Corps (Algier 
and Tunis) and to form a new Continental Corps on my PVestern 
Frontier. This recall has only been done once before in 1870 
when France made war on us. Such a project, in the deepest 
time of Peace, has fallen like a thunderbolt on Germany and has 
created a deep feeling of alarm. This has been deepened by the 
fact that the proposal became publicly known the Moment after 
Prince Lobanoff and General Dragomiroff had officially assisted 
the Review of the French "Border Army" on the Lorraine Frontier 
amidst the frenetic enthusiasm of the "Border People". This 
Army which the French Papers are telling us since weeks is meant 
for the first rush on our "ßorder Land" in the Revanche war! 
It is already 4 Corps strong against my 2 (XV, XVI). The proposed 
new Corps would increase the already overwhelming French 
forces to 5 Corps, and constitutes a threat as well as a serious 
danger to my country. Of course upon this I must now begin 
to take matters seriously. For this event happening in the moment 
your officers are being decorated and Lobanoff feted, whilst 
my attache's ears were greeted with not overagreeable remarks, 
has made people uneasy here and given affairs an ugly look, as 
if Russia would like France to be offensive against Germany with 
the hopes of help from the first named. Such a serious danger 
will cause me to strongly increase my army, to be able to cope 
with such fearful odds. Heavy as the financial strain would weigh 
on US, my People would never waver a moment to guarantee 
their security, should this be necessary. I perfectly know that 
you personnally do not dream of attacking us, but still you cannot 



be astonished that the European Powers get alarmed how the 
presence of your officers and high officials in official way in France 
fans the inflammable Frenchman into a white heated passion and 
strengthens the cause of Chauvinism and Revanche! 

God knows that I have done all in my power to preserve the 
European Peace, but if France goes on openly or secretly en- 
couraged like this to violate all rules of international courtesy 
and Peace in peace times. one fine day, fny dearest Nicky, you 
will find yourself nolens volens suddenly embroiled in the most 
horrible of wars Europe ever saw! Which will by the masses and 
by history perhaps be fixed on you as the cause of it. Pray dont 
be angry, if I perhaps hurt you quite unintentiously, but I think 
it my duty to our two countries and to you as my friend to write 
openly, as the seclusion and retirement the deep mourning has 
imposed upon you debars you from seeing people and following 
in detail what is happening — behind tbe scenes. 

I have some experience of Politics, and see certain unmistakable 
Symptoms, so I hasten to you, my friend, to plead in the name 
of the Peace of Europe; if you are allied for better, for worse 
with the French, well then, keep those damned rascals in order 
and make them sit still, if not, then dont let your Men who go 
to France make the French believe that you are allied and get 
reckless and turn their heads tili they lose them, and we have 
to fight in Europe instead for it against the Eastl Think of the 
awful responsibility for the shocking bloodshed! Now Goodbye 
dearest Nicky, best love to dear Alex and believe me Ever your 
most devoted and faithful 

friend and cousin 
Willy 
I. R. 



296 



VII 

Neues Palais Potsdam, 25. X. 1895 
Dearest Nicky, 

Uncle Micha's most joyful and unexpected arrival who just 
lunched with us glves me an agreeable opportunity to warmly 
thank you for your kind letter Moltke brought home. He is still 
quitc füll of all your kindness and quite enraptured by your whole 
person and your ways. Your ideas about the press in general 
are exactly the same as mine. It has done and still continues 
to do a deal of härm and we must bear with a great amount of 
spite, lying and nonsense. Still the influenae it horribile dictu has 
must be judged from the spirit in which the People of the different 
races are brought up and read it. Your subjects and mine are 
slower at thought, sober and quieter in their conclusions they 
draw as for instance Southerners or the French. The Roman and 
Gallic races are more easily roused, incensed and more ready to 
jump to conclusions, and once having flared up are more dangerous 
to peade than the Teutonic or Russian Race. Again in England 
the Press is more the mouthpiece of Public opinion than on the 
Continent and goes in more for the interests of its Country! 

Lobanows visit was most interesting to me, he is no doubt 
a very able Diplomatist and a splendid causeur. And what he 
told me was "sehr beruhigend" about France. I thought it right 
to talk quite openly about France with him as he told me you had 
communicated with him. In one respect I took pains to show him 
that I did not wish to be misunderstood. That it is not a fact 
of the "Rapport" or friendship between Russia and France that 
makes one uneasy — every Sovereign is sole master of his countrie's 
interests and he shapes his policy accordingly — but the danger 
which is brought to our Principle of Monarchism through the 
lifting up the Republic on a piedestal by the form under which 
the friendship is shown. The constant appearance of Princes, 
Granddukes, statesmen, generals in "füll fig" at reviews, burials, 

297 



dlnners, races with the head of the Republic or In his entourage 
makes Republicans — as such — believe that they are quite 
honest excellent people, with whom Princes can consort and 
feel at home! Now what is the consequence at home in our 
different countries where? the Republicans are Revolutionists de 
natura and treated — rightly too — as people who must be shot 
or hung, they teil our other loyal subjects: "Oh we are no dangerous 
bad men, look at France! There you see the Royalties hobnobbing 
with the Revolutionaires! VVhy should not it be the same with 
US?" The R. F. is from the source of the great Revolution and 
propagates and is bound to do so, the ideas of it. Dont forget 
that Faure — not his personal fault — sits on the throne of the 
King and Queen of France "by the Grace of God" whose heads 
Frenchmen RepubHcans cut off! The Elood of their Majesties 
is still on that country! Look at it, has it since then ever been 
happy or quiet again? Has it not staggered from bloodshed to 
bloodshed? And in its great moments did it not go from war to 
war? tili it soused all Europe and Russia in streams of blood? 
Till at last it had the Commune over again ? Nicky take my word 
on it the curse of God has stricken that People forever! We 
Christian Kings and Emperors have one holy duty imposed on 
US by Heaven, that is to uphold the Principle "von Gottes Gnaden", 
we can have good relations with the R. F. but never be intime 
with her! I always fear that in frequent and long visits in France 
people without feeling it imbibe Republican ideas. Here I must 
teil you an example! I remember a few years ago a gentleman — 
no German — telling me füll of horror that when he was at a 
fashionable salon in Paris he heard a Russian General answer 
a French ones question whether Russia would smash the German 
Army, answer "Oh nous serons battus a plate couture, mais qu'est-ce 
que ca fait.? Nous aurons alors aussi la Republique!" That is 
what I am afraid of for you my dear Nicky! Dont forget Skobelew 
and his plan for carrying off the Imp.-famlly at a dinner once? 
Therefore take care that your Generals dont like the R. F. too 
much. Please forgive my being so open but I want you to see how 

298 



warmly I feel for you and how anxious I am about you, and that 
you should fully know what my motives are. The next point 
of interest was the news Lobanow told me about Turkey; that 
he had cause to suspect England was after the Dardanells! And 
therefore had revived the Armenian question. I confess that I was 
utterly stupefied at this piece of news. No doubt since Salisbury's 
avenement Englands foreign policy has become most mysterious 
and unintelligible, and the quaint way in which the Fleet sulks 
around the üardanells indicates that it means something there. But 
if they do that they violate the Treaty of Berlin and they cannot 
be allowed to do without the permission of all the other signatory 
Powers; which they never will do, But it seems that they have 
8ome idea or other of chänging their Policy in the Mediterranean, 
for two days ago Malet on his farewell visit to our Foreign Office 
used very blustering words, about Germany behaving badly to 
England in Africa, that it would not stand it any longer and that 
after buying off the French by concessions in Egypt they were at 
liberty to look after us. He even was so undiplomatic to utter 
the Word "war"! Saying that even England would not shrink 
from making war upon me if we did not knock down in Africa. 
I have made an answer to the effect that the British were making 
themselves ridiculous in this case, but obnoxious to everybody, 
and if they got into trouble with anybody eise I would not move 
a Pomeranian Grenadier to help them. I suppose that will cool 
them. It is the same thing I told Lobanow. I told him besides 
that if Russia should be seriously engaged in the Far Fast, I looked 
upon it as my duty to keep your back free from anybody in Europe 
and to See that all be kept quiet, and that nothing would happen 
from me also to France, provided I was not attacked. He warmly 
thanked me for this. I share his fear that Japan has some sort 
of understanding with England and that is why it is so stiffheaded. 
Before concluding let me express my most heartfelt sympathy, 
for the I. of November is now approaching. God alone can 
soothen the pangs of sorrow that will rend your heart on mourning 
such a kind father and such an excellent and good man, so like 

299 



my poor Papa! May I propose sometl)ing to you which I have 
at heart? Consldering our near relations and the constant ex- 
change of letters and messages, which would unnecessarily always 
put the Embassy machines in motion, would you not like to renew 
the old custom our Forcfathers had for nearly a Century, and have 
again a personal aide de camp attached to our respective staffs? 
The more private and "intime" affairs could as in olden times 
go directly by them, which makes matters much simpler? I shall 
take with pleasure anybody whom you really trust into my Maison 
militaire, would you like Moltke? Now I shan't trouble you 
any longer! Goodbye dearest Nicky, my best love to Alix and 
the "future", and believe me always 

Your most devoted and aff^^e 
friend and cousin 
Willy. 

VIII 

Neues Palais, 2. I. 1896 
Dearest Nicky, 

Radolin's return to Petersburg gives me the opportunity of send- 
Ing you a few lines. Please let me thank you most sincercly for the 
signs of kindness and friendship you have given me and my coun- 
try, which has given a sense of quietness and security, and which 
I beg you will continue to bestow on us in the following year. 

With my wärmest congratulations for the New Year and a 
merry Xmas I join my prayers that the Lord may bless and protect 
you, dear Alix, your sweet child and all your family from all Evil, 
sorrow or sickness. May your reign be prosperous and may you 
see the realisatlon of many a scheme you have elaborated for the 
welfare of your subjects. May our countries be able as before to 
join in the strengthening and upholding of Peace and in the defence 
of their faith and interests against any outward or inward foe. 

300 



The political horizon is pecullar just now. Armenla and Venezuela 
are open questions England brought up, and now suddenly the 
Transvaal Republic has been attacked in a most foul way as it 
seems not without Englands knowledge. I have used very severe 
language in London, and have opened Communications with Pant 
for common defence of our endangered interests, as French and 
German colonists have immediately joined hands of their own 
accord to help the outraged boers. I hope you will also kindly 
consider the question, as it is one of principle of upholding treaties 
once concluded. I hope that all will come right, but come what 
may, I never shall allow the British to stamp out the Transvaal l 
1 hope you have better news for your poor brother who has arrived 
as I see at the Riviera! 

Please give my best love to dear Alix and once more thanking 
you for all kindness to Stranz and his men, believe me, dear Nicky, 

Ever 

Your most aff^*^ cousin and friend 
Willy 

IX 

Berlin, 20. II. 1896 

Dearest Nicky, 

General Werder has the great honour and pleasure to be your 
guest and so I entrust this letter to his care. Let me once more 
thank you with all my heart for the picture and the letter you 
sent me for my birthday. The attention was most kind and 
gracious at the same time, as the opening of the Canal was indeed 
something which I had very much at heart and which really was 
a success. I have sent the picture to Kiel where it is to be hung 
in my private apartments, the same in which your dear lamented 
father lived the last time he met me at Kiel. Werder will also 
be the bearer of two photographs. one for you, as a little souvenir 

301 



of mine, and one for Alix, to give her an idea of what my girl 
looks like. She is a real piece of living quicksilvcr and tyrannises 
her papa tremendously. 

Your Embassy has enquired about my being represented at 
the Coronation at Moskau and I have named Henry as my re- 
presentant. I should be very thankful if you would kindly see 
that the question of bis rank is made out clearly, as I heard that 
your Master of Ceremonies has hinted to Radolin that he would 
have to follow all the Hereditary German Granddukes and Princes, 
even the son of the Prince of Montenegro. This is of course out 
of the question. My house as the reigning one in Germany is 
the first, and the Princes belonging to it go before the sons of 
the Reigning princes in Germany. I asked Wladimir about this 
when he was here, and he was of quite the sani^e opinion, and 
told me he would mention the matter to you. Besides he is your 
brother in law, and as such he counts as one of your family, just 
as your Papa did for the Duke of Edinbourgh at his coronation. 

I saw Aunt Sanny at Oldenburg and on her passage here. She 
is very much affected by the slow and harassing death of her 
poor sister, and suffers much from sleeplessness, poor thing! 

The Blue Book in Parliament in London has once more proved 
how right our policy was in Oriental matters and how England 
has tried to get you and us others into trouble. In Transvaal 
their Coup de Bourse has miscarried by the will of Providence, 
and though some Uves were lost, yet revolution, bloodshed and 
general pillage have been stopped. They have behaved very 
improperly to me, but that leaves me untouched, whereas their 
mobilising their celebrated Flying Squadron against us, who have 
hardly any thing to speak of, made them supremely ridiculous. 

Now good-bye, dearest Nicky, best love to Alix, and believe me 

Ever 

Your most devoted Cousin and Frlend 
Willy. 



302 



Coburg, 19. IV. 1896 
Dearest Nicky, 

The merry wedding which is taking place here and the faces 
of many of the guests remind me ot two years ago when It was 
my good fortune to be able to help You to secure that charming 
and accomplished angel who is now Your wife. The reminiscences 
of April 1894 were also feit by the others and from that cause 
they all agreed that we should send You the telegram You will 
have got. I venture to trust that I did not say or promise then 
anything that You have not afterwards found in Your matrimo- 
nial life. May God's blessing be on You both especially in the 
next month when you are going to be crowned under the admiring 
assistance of the world. I thank You most heartily for your kind 
letter You sent me through Werder the day I left for the Medi- 
terranean, he was so happy over his stay in Petersburg, having 
Seen so many well known faces, I quite agree with what You say 
in the end of Your letter about the Britishers, their fanfaronades 
ogainst us make them supremely ridiculous, and no Impression 
un me. The worse they are hampered in Afrika, the better for 
as in Asia. Now good-bye, Dear Nicky, best love to Alix, good 
speed from Your aff^te cousin and friend 

Willy. 

XI 

Letzlingen, 12. XI. 1896 
Dearest Nicky, 

Wladimir is so kind as to take these lines with him to band them 
over to vou and will also be the bearer of my wärmest "Grüße". 
I am glad you are safe home again and that the brilliant tour 
you made through Europe has not tired you too much. 



I am deeply sorry for the awful Bismarkian behaviour which — 
though it is a "coup" aimed against me personally — nevertheless 
represents a breach of loyalty to your Government, and casts a 
slur on the memories of my beloved grandfather as well as on 
that of your beloved father. I have already instnicted my uncle 
the Chancellor how to speak in Parliament and hope you will 
be satisfied with the manner in which the whole treasonable affair 
is treated. I suppose that by this last stroke of the Prince and by 
the shameless way he is treating me in his press — especially try- 
ing to make the people believe that I was and still am under "Eng- 
lisbl" influenae — the clearer heads will begin to understand that 
I had reasons to send this unruly man with his mean cnaracter 
out of Office. I place implicit faith in the hopes that you will 
kindly trust me as you did tili now and that nothing has or can 
change between us two since we arranged our line of action at 
Breslau. Wladimir has come from Paris with the best of impression 
that all is quiet there, which I can corrobate from the reports 
of my ambassador who is on the best of terms with the Govern- 
ment and is quite füll of adrairation for the capabilities and sang 
froid of Hanotaux. The latter I hear is rather nervous about 
Turkey, but as I have heard nothing alarming from there I suppose 
there is no real cause. He, I hear, is strongly opposed to any 
Conference about Turkey, and in that is perfectly right. 

On our frontier in Lithuania we have discovered and have 
localised several cases of leprosy. Some people have brought the 
infection over from the next places in the ßaltic Provinces. I 
consequently have ordered a hospital to be built at Memel to 
place the poor wretches in it. The illness is a tcrrible one, and 
very catching, and I propose to you whether our frontier Provin- 
cial authorities could not combine in watching and looking for 
cases, by combining some doctors for medicine supervision .? 

We have had magnificent Sport and fine weather and were 
very glad to see Wladimir here in his old place. With best love 
to Alix, your affectionate friend and cousin 

Willy. 



xil 

Berlin, 3. III. 1897 
My dear Nicky, 

As you kindly permitted, Col. v. Moltke will in a few days 
have the great uonour to be able to pay bis respects to bis Imperial 
cbef. Tbis gives me tbe opportunity of sending you a few lines 
of v/arm friendsbip in tbese trying times. I am most deeply grate- 
ful for the loyal, clear and statesmanlike way in wbich you grasped 
tbis most unfortunate Cretan affair, and feel justly proud that 
our views on tbis subject are exactly alike. From the "family" 
point of view you must have gone througb moments wbich may 
have taxed your affections to tbe utmost, and tbe resolve to do 
as you did must have been come to after many an internal pang. 
But you were perfectly rlght! And you see by tbe result that 
your "demarche" has rallied all the Powers, willing or not, 
to a common demonstratlon, wbich will I hope, make tbe Peace 
of Europe an undisturbed one. You have shown tbe world once 
more that if tbe 3 great Empires "marchant d'accord" and are 
joined by the otber great Continental Powers, i. e. if tbe wbole 
Continent keeps together in an unbroken front, the rest of the 
World must follow us, even the stftngest! Tbe King of Greece 
must be clean mad if be does not stop in bis mad attempt to set 
the World on fire "pour y allumer sa pipe". I am glad the Turks 
behave so soberly and place strong troops into Macedonia, there 
lies the greatest danger and that must be kept quiet by all means. 
I send you with Moltke some instant photographs taken of 
the Parade after your cravats had been fastened to tbe colours 
of the Alexander Regiment. He is also to place into your hands 
the work wbich has been written about my dear Grandfatber and 
wbich is published for the Centenary of his birthday. His fine 
letters and Speeches are the best characteristic of bim I know. 
Our ball went off very well and the effect was simply magical 
like a dream of old days gone byl 



The cravats which I am going to present mj Grenadiers are 
finished and I should be very thankful for a hint from you whether 
I can present them myself or whether you think it better to send 
our officers wlth them. Now best love to Alix who 1 hope will 
be soon all right, and believe me Ever Your most affate cousin 
and friend 

Willy. 

XIII 

Neues Palais, 4. I. 1898 
Dearest Nicky, 

The new year has just opened and the old year has closed. But 
I cannot let it close v/ithout a glance at these lovely and brilliant 
days of August when I was able to embrace you and Alix, and 
without thanking you for your kind, splendid even lavish hospi- 
tality to Victoria and me. With deep feelings of gratitude do I 
remember the pleasant hours I was able to spend with you, ex- 
changing intercourse showing that we were of one opinlon in 
the principles we follow in the fulfilment of the task^ which has 
been set us by the Lord of all Lords. Lach of us tries to do his 
best for his country's development and welfare, as is his duty! 
But in Community we seek to procure to our countries the blessing 
of Peace! 

J^Liy this New Year be a happy one for you dear Alix and the 
whole of your house and country. May the plans which you 
mature be fulfilled for the welfare of your people. Henry's mission 
is one of the steps I have taken for the help and countenance of 
your lofty Ideals — without which no sovereign can exist — in 
promoting civilisation, i. e. Christianity in the Far East! Will 
you kindly accept a drawing I have sketched for you, showing the 
Symbolising fignres of Russla and Germany as sentinels at the 
Yello'.v Sea for the proclaiming of the Gospel of Truth and Light 
in the East. I drcw the sketch in the Xmas week under the blaze 
of the lights of the Xmas trees! — 

306 



Also an album of photographs representing the review on 
joMT birthday at Wiesbaden before the new Standard of your 
Hussar Regiment and the swearing in of the Recruits of your 
fine Alexander Regiment as well as a scene from its barrack-yard. 
A book of memoirs of the father of my Chief of the Höre 
(Horses? Übers.), Count Wedel, will follow shortly, as the 
binding is not quite finished yet. He served under Napoleon the 
First in 1812 in Russia, was made prisoner by your troops and 
makes very intercsting description of the campaign and of his capti- 
Yity. — Victoria sends her best wishes, she was in bed for a long 
time and suffered much from nerves and a bad throat and only got 
up to-day for the first time. She had much worry on account of 
the two youngest ones who suffered from a bad attack of influenza 
which is raging here, and were laid up for nearly a month. 

Now good bye, dearest Nicky, best love to Alix and my moit 
respectful compliments to your dear mama from Your most 

devoted and faithful friend and cousin 
Willy. 



XIV 

Berlin, 28. HI. 1898 

Dearest Nicky, 

General Werder brought me your and Alix's kind messages 
from Petersburg and was beaming with delight of the Souvenirs 
of his stay which as usual, you managed to render so nice and 
agreeable to him. I thank you most sincerely for all he transmitted 
to me from you, and need not add that I heartily reciprocate your 
wishes. The dear old General is not only a relic of the past, but 
firmly and by conviction deeply attached to you and your house; 
and he therefore is in my eyes a living piece of the old tradition 
which always united our familics for the benefit of our countrici 
and by that for the whole world. 



307 



I must congratulate you most heartily at the successful i»$ue 
of youractionat Port Arthur; we t wo will rnake a good pair of sen- 
tinels at the entrance of the gulf of Petchili, who will be duly 
respected especially by the Yellow Ones! I think the way you 
managed to soothe the feelings of the "fretful Japs" by the masterly 
arrangement at Korea a remarkable fine piece of diplomacy and 
a great show of foresight; which is apt to show what a boon it 
was that by your great journey you were able to study the Question 
of the Far East locally and are now morally speaking the Master 
of Peking! 

Radolin reported to me your very interesting conversation 
about China and your wishes about the Instructors in the Govern- 
ments assumed as under the Russian sphere of influence. I have 
prepared an order to the German officers, but could not yet 
emanate it because it was possible to fix a certain limit of territory 
without an indication on the map — a small pencil line on any 
piece of paper from you would put my mind to rest; because I 
would be most unhappy, if by any misunderstanding the Officers, 
without their fault, trespassed on Russian territory from want 
of a real well recognised boundary line. The idea which was be- 
ginning to be ventilated from over the- Channel on the Press 
that Chinese affairs were to be decided by an International Con- 
ference has been sharply repudiated here by me, for the reason 
that I soon found out that it w^as a masked attempt to tie your 
hands in the Far East, the relations to whom I think there are 
after all your own affair and not other peoples'I The news from 
Henry are good, he is at Hongkong refitting his ship. He made 
good friends with Saissoy Weliky and Navarin at Colombo and they 
sailed together in perfect harmony for some days to the great 
astonishment*of otber people! Ahem! Which amuses me much 
as at the same time it gives me pleasure as Russian Admiral. Co- 
lonel V. Moltke, my Aide-de-Camp, and Commander of your 
"Alexandriner" is the bearer of this and at the same time of a 
box with two hunting rifles of small bore calibre of exceedingly 
good hitting qualities and a most stretched trajectory — I hope 

308 



they will be of good use to you and enable you to kill many a 
good "Capital Hirsch"! Now good bye, dearest Nicky, best 
love to Alix and Weidmannsheil from Ever your most affate and 
devoted friend 

Willy 



XV 

Berlin, 30. V. 1898 

Private and very conjidential. 

Dearest Nicky, 

With a suddenness wholely unexpected to me I am placed 
before a grave decision which is of vital importance to my country, 
and which is so far reaching that I cannot foresee the ultimate 
consequences. The traditions in which I was reared by my beloved 
Grandfather of blessed memory as regards our two houses and 
countries, have as you will own, always been kept up by me as 
a holy bequest from him, and my loyalty to you and your family 
is, I flatter myself, above any suspicion. I therefore come to you 
as my friend and "confident" to lay the affairs before you as 
one who expects a frank and loyal answer to a frank and loyal 
question. 

In the beginning of April the attacks on my country and person 
tili then showered on us by the British Press and people, suddenly 
feil off, and there was, as you will have perceived, a momentary 
lull. This rather astonished us at home and we were at loss for 
an explanation. In a private inquiry I found out that H. M. the 
Queen herseif through a friend of hers had sent word to the Bri- 
tish Papers, that she wished this unnoble and false game to cease, 
This in the Land of the "free Press"! Such an imwonted step 
naturally led us to the conclusion that something was in the air. 
About Easter a Celebratcd Politician proprio motu suddenly sent 
for my Ambassador and k brüle pourpoint offered him a treaty of 

3OQ 



Allianc e with Enghndl Count Hatzfeld, utterly astonished, sald 
he could not quite make out how that could be after all that 
had passed between US since 1895. The answer was that the off er 
was made in real earnest and was sincerely meant. My Ambassador 
Said he would report, but that he doubted very much whether 
Parliament would every ratify such a treaty England tili now al- 
ways having made clear to anybody who wished to hear it, that 
it never by any means would make~ an Alliance with any Conti- 
nental Power whoever it may be! Because it wished to keep its 
liberty of action. In 1897 (Jubilee year) this Principle was cven 
put into verse, saying that England needed no Allies, that le cas 
6cheant it could fight the whole world alone, with the refrain: 
"We've got the ships, we've got the men, we've got the money 
too"! — The answer was that the prospect had completely changed 
and that this offer was the consequence. After Easter the request 
was urgently renewed but by my commands cooly and dilatorily 
answered in a colourless manner. I thought the affair had ended. 
Now however the request has been renewed for the third time 
in such an unmistakable manner, putting a certain short term to 
my definite answer and accompanied by such enormous offers 
showing a wide and great future opening for my country, that 
I think it my duty to Germany duly to reflect before I answer. 
Now before I do it, I frankly and openly come to you, my esteemed 
friend and cousin, to inform you, as I feel that it is a question so 
to say of life and death. We two have the same opinions, we want 
peace, and we have sustained and upheld it tili now! What the 
tendence of the Alliance is, you will v/ell understand, as I am 
informed that the Alliance is to be with the Triple Alliance and 
with the addition of Japan and America, with whom pourparlers 
have already been opened! What the chanccs are for us in refusing 
or accepting you may calculate yourself! Now as my old and 
trusted friend I beg you to teil me what you can offer me and 
will do if I refuse. Before I take my final decision and send my 
answer in this difficult position, I must be able to see clearly, and 
clear and open without any backthoughts must your proposal 

^10 



be, so that I can judge and weigh in my mind before God, as I 
should, what is for the good of the Peace of my Fatherland and 
of the World. You nced not fear for your Ally, in any proposal 
you make should he be placed in a combination wished by you. 
With this Ictter dearest Nicky I place my whole faith in your 
silence and discretion to everybody and write as in old times my 
Grandfather would have written to your Grandfather NicholasI! 
May God help you to find the right Solution and decision! 
It is for the next generation! But time is pressing so, please answer 
soon! 

Your devoted friend 
Willy. 

P. S. Should you like to meet me anywhere to arrange by 
mouth I am ready every moment at sea, or on land to meeti 



XVI 



Dearest Nicky, 

Your kind permission alloiving me to send dear old Werder 
to Moskau as my "representant" for the ceremony of the unveiling 
of your dear Grandfathers statue gives me the opportunicy to 
send you these llnes through him. It is rcally an affair of sentiment 
which prompted me to send him and not a mere form of courtcsy. 
Through Grandpapa I had often heard of Alexander II. and when 
I had the honour to be presented to him I soon feit under his 
"charms" as happened to everybody who was honoured by his 
presence. To his kindness I am indebted that I wcar the uniform 
of the splendid Grenadier Regiment, whose day it is to-day, and 
which is a firm bond uniting me with your fine army, which I 
shall value and cherish to my dying day. 

Your diplomacy has just scored another great success in China, 
to which I take the llberty of congratulating you the more so as 



it was done without the firing of a single shot and without any 
unnecessary nolse or bluster. The effect will be a great impetus 
given to your trade and the industrial establishments of your 
country. Henry has just telegraphed to me how kindly your 
authorities have recelved him, and are doing everything in their 
power to make his stay as agreeable as possible for him, which 
gives me the gratifying opporturiity to thank you most heartilyl — 
I am most astonished at the amount of bash and blarney that 
is being ventilated in the newspapers of Europe about my visit 
to Jerusalem! It is most discouraging to note that the sentiment 
of real faith, which propels a Christian to seek the Country in 
which our Saviour lived and suffered, is nearly quite extlnct in 
the so called better classes of the XIX^Ji Century, so that they must 
cxplain the ' Pilgrimage forcibly by Political motives! VVhat is 
rlght'for thousands even of your lowest peasants is right for me 
too! — Since I communicated to you this June, England has 
still now and then reopened negotiations with us but has never 
quite uncovered its hand; they are trying hard, as far as I can 
make out. to find a Continental army to fight for their interests! 
But I fancy they wont easily find one, at least not minel Their 
newest move is the wish to gain France over from you, and they 
in consequence have suddenly decided to send the Duke of Con- 
naught to the French Army Manoeuvres, a nice little plan of Cour- 
celles, I think, who is ardently at work between Paris and London. 
I already once warned your people of him! Now good bye, dearest 
Nicky! How I envy Werder seeing you and talking with you! 
Best love to Alix ! Are you going to reintroduce the former unif orms 
again and buttons? — Believe me 

Ever 

Your most aff^*« friend and cousin 
Willy. 



^>i: 



XVII 

Yacht Loreley, Stamboul, 20. 10. 189S 

Dearest Nicky, 

Durlng my stay at Stamboul I gave audiences to Ambassadors. 
I had the pleasure of making the acquaintance of Mr. Sinoview. I 
found in him a most accomplished diplomatist, a man with a very 
clear head. An energetic character, in all, what one calls a powerful 
man. I congratulate you on such an excellent choice. We had a 
long conversation and of course his opinion about Oriental matters 
was of the greatest value to me, it was a pleasure to listen to him. 
The conversation also turned on Cretan matters and on the latest 
events that happened there. The source which the latest excesses 
spring from was doubtless not a clear one, and surely not the usual so 
called "mussulman fanaticism" generally talked of in the European 
press. I venture to suppose that intrigues of a certain meddlesome. 
Power have had something to do with them. In the course of 
our conversation Sinoview openly told me that the Situation was 
far from reassuring and that the only possibility for getting out of 
the "impasse" mas to make the Turks leave Crete bag and baggage! 
Whether that must be so I of course do not know, but as I had the 
opportunity of pointing out to you at Peterhof, the question of 
Crete must be solved in a manner, that no general imbroglio come» 
from it which those scoundrels of Cretans are not worth. I have talk- 
ed with many old and prominent Turks who have all assured me 
that the whole People had made Crete a question of National honour. 
That an evacuation pure et simple if acceded to by the Sultan 
would cost him authority, crown, even perhaps his life, and that 
they were all deeply concerncd and afflicted. I therefore venture 
to make this known to you with the hopes that in your wisdom 
you will kindly be able to find a Solution, which is apt to save 
the Sultan's position vis-ä-vis of his army and as Kalif vis-ä-vis of 
the whole Mahometan world. You know by Osten-Sacken's re- 
ports which motives made mc "lay down my fleet on the table". 



Because I feit and saw that a ccrtain Power was using us all others 
as catspaw to get us to help her to take Crete or Suda bay, and 
I would not be of the party who are expected to appear with bread 
and Salt and on the top the kcys of Crete praying the said Power to 
kindly look after the weif are of these poor darling "Cretans who 
may one and all roast in hell"! The rcccnt events have shown mc 
that my suspicions were right and that this certain Power means 
mischief and to use force. That is: They want to expcl the Mussul- 
mcn, who are born and Natives of Crete like the Christian insurgents, 
only converted of Islamism, who are the landed proprietors, after 
these have lost everything they have, and give the property to 
the Christians who were now their own paid tenants and their 
labourers and who revolted against their masters. That is the 
Cretan question in a nutshell! And that is what I call downrigl^t 
robbery! What an effect this act of pillage has had on the Maho- 
metan world you have'no idea, bat I feel and see and hear it. What 
a tcrrlble blow to the prestlge of the Christian in general in the 
eyes of the Mussulraan and renewal of hatred you can hardly imag- 
inc! The Powers concerned in Crete have played a foolish and a 
most dangerous game, and that is what compels me to call your 
kind attention to the matter! Remember what you and I agreed 
upon at Peterhof never to forget that the Mahometans were a 
tremcndous card In our game in case you or I were suddenly con- 
frontcd by a war with the certain meddlesome Power! You as the 
master of millions of Mahometans must be the best judge of this. 
If you quietly go on follov.-ing the lead of the other Power in Crete 
as has been done tili now, the effect will be deplorable upon your 
own Mahometan subjccts and on Turkey, and you will lose a most 
precious a tout out of your play! Thercfore I implore you to give 
thi» matter once more your most serious attention and if poisible 
find means by which you can save the Sultan from a dangerous 
and compromising Situation enver» ses sujets and solve the Cretan 
question in a manner acceptable to him. Dont forget that his 
Army fought valiantly and victoriously for Crete at Larisse and 
Domokos and reconqutred the Province. It would never forget or 



forgive another Power the expulsion of their brothers in Aras and 
their Master from a reconquered Province! What a splendid op- 
portunity for you to step in and save the Sultan from disgrace, 
the World from bloody war and gain the gratitude of all Mahome- 
tans! Otherwise revolution may come, and the Sultan's blood may 
one day be at your door! 

I bog your pardon for intruding like this In your time and repose, 
but the Situation is too serious, the interests at stake are too mani- 
fold, and I should not wish to see Russia lose her fine position she 
still now has rctalned here; all hoping eycs are turned to the great 
Emperor of the East; will he bring the hoped for Solution? My 
perhaps rather rough openess may show you how great and in- 
tense my love for you is. Best love to Alix. 

Your aff^it® cousin and friend 
Willy. 

XVIII 

Damaskus, 9. XL 1898 
Dearest Nicky, 

By the kind telegram you sent me to Jerusalem you intimate 
that you follow our journey with interest; this cncourages me to 
send you a few lines at the end of our tour with some of my im- 
pressions. They are so manifold that it is rather difficult to fix 
thcm. 

In the first place Jerusalem has of course occupied our attention 
on account of the many places filled with reminiscenses of our 
Saviour. The thought that His eycs rested on the same hüls, that 
His fect trod the same ground is most stirring to one's heart, and 
makcs it beat faster and more fervently. But I must frankly own 
that not all one sees relating to the Christian faith is exactly adapt- 
ed for the promotion of this feeling. The manifold and different 
confessions and sects of our Common Christian faith have done too 



much in the way of churchbuilding, the erection of monasterie«, 
chapels, etc., on so called "Tradltional Holy Places". Which ha» 
led to a sort of concurrence or race for the highcst towers er 
blggest churches, which do not at all harmonize with the sites they 
are erected on. In fact one could call it an exhibition of Church- 
modelsl This hasalso affected the clergies of the different churches, 
who have a pleasure in intrigues and political designs fostering 
hatred instead of love, and leading to free fights and battles in the 
churches instead of Psalms-and friendly intercourse. But what i» 
worse still, they have created a worship of stones and wood, for- 
bidden in the 2°^ of the X commandments, instead of the Divlnity 
itself. A Frenchman characteristically said to me: "C'est l'ado- 
ration de la Pierre aux lieux soit-disant Saints, dont la Saintete 
ne peut etre garantie, et h. Divinite n'est pour Rien!" Very true 
but most distressing to our Christian feeling. Very naturally 
this — I beg your pardon — Fetish adoration has created a su- 
preme contempt for the Christians with the Moslems. My perso- 
nal feeling in leaving the holy city was that 1 feit profoundly 
ashamed before the Moslems and that if I had come there with- 
out any Religion at all I certainly would have turned Mahometan! 
The way Religion is understood in Jerusalem, it will never lead 
to the conversion of a single Moslem, or the growth of a single 
tree or the digging of a single new well, I am afraid that Religion 
in Jerusalem is often used by the Clergies as a cover for poUtical 
devices and designs and that is very wrong and does Christianity 
a very great härm as the Moslems have long ago perceived this and 
treat us accordingly. I return home with f eeUngs of great disillusion 
and with the firm conviction that our Saviour's grave quite cer- 
tainly is not beneath that church of the Saint Sepulchre, which in 
its appearance and decoration compares very badly with the 
Mosque of Omar in its simple and awe inspiring grandeur! — 
Alas! — The most interesting and the f Inest town from the orlental 
point of view is no doubt Damascus. Beirut with its lovely villas, 
jardcns and glades reminding one more of a town in the South 
of Italy or in Sicily. The Holy Land is eimply terrlble in its arid 



dr/ness and utter want of trees and water. But here everything is 
changed as if by Magic! The grat River Barader gives life and 
coolness and fosters Vegetation of the finest description. The town 
18 lituated in the midst of vast gardens and shady glades all watered 
by small rivulets giving them the aspect — when seen from above 

— of a large fasanarie of the circumference of 2 Square miles! The 
quiet lovely courtyards with their Arabian Masonry, their shady 
nooks and murmuring fountains with fresh water in marble basins, 
are simply unique, like in a dream! You would be delighted to 
be here as you understand so much about the East! — Our re- 
ception here is simply astounding, never has a Christian — Giaur 

— Monarch been so feted and received with such unbounded 
enthusiasm. It is because I am a friend of their Sultan and Kalif 
and because I always pursued an open and loyal Policy toward 
him; the same I so often advocated for you, too. The hatred of 
the English is strong and growing more and more intense — no 
wonder — whilst in the same time apace with it grows the open 
contempt of France, which has lost all the respect it once possessed 
of oldl That is the unavoidable consequence of the terrible quag- 
mire the French are now floundering about in their interior affairs, 
splashing the dirt right and left tili the whole of Europe reeks 
with the stench! Showing how far the corruption, lying and dis- 
honour has already gained in the nation and before all in the 
army! Here people look upon them as on a dying nation, especially 
since the last and most ignominious retreat of the French from 
Faschoda! What on earth has possessed them?! After such a first 
rate well arranged and plucky expedition of poor and brave 
Marchand? They were in a first rate positlon and able to help 
US others all in Africa who are solely in need of strong help! The 
news here have come as a thunderbolt on the Eastern people, 
nobody would believe them! at all event if it is true, what the 
papers say, that Count Mouravieff councelled France to take thi« 
foolish Step he was singularly and exceptionally ill advised, as it 
has given your ''jriends and allies" a mortal blow here and brought 
down their ancient prestige here never to rise again! The Moslems 



call it France'i second Sedan, and the poor French consul I spoke to 
was in tears saying that all was crumbling to dust around himi 
France will never forget that piece of friendship nor will she ever 
feel very grateful for it. 

These my dear Nicky are the most intcresting of my observationi 
which I openly and without backthoughts refer to after having 
leen with my own eyes and heard with my own ears what is going 
on in this most interesting country. I found all my suppositiont 
and combinations I so often laid before you absolutely confirmed; 
Turkey is very much alive and not a dying man. Bevvare of the 
Musulmen if you touch their National honour or their Khalif. 
Best love to Alix. 

Erer Your most devoted friend and couiin 
Wüly. 



XIX 

Berlin, 6. V. 1900 
Dearest Nicky, 

In haste I just manage to write these few lines to thank you 
from the depth of my hcart for your kind and dear letter you so 
kindly sent me through Costia. Indeed I do so well remember 
the events of your Coming of age and the ceremonies which accom- 
panied it ! How bravely you spoke your oath and how deeply moved 
your dear father was when he embraced you afterwards! How 
time has gone by! Now you too are ruler of a Great Empire and 
have children, and I have a grown up son! What a very kind idea 
it was of you to send Costia and dear old Richter as well as the 
Gentlemen of your suite to be present at the Coming of age of 
my boy. It makes me thankful and proud that you kindly take 
such an interest in the events which take place in our house, which 
is again a proof of the firm bond of friendship which we have in- 
herited from our fathers and which, with God's will and help may 



318 



never cease to existl The ceremony of his taking the oath on th« 
old colours of the I. Rgt. of the Guards was most impressivc and 
vcry touching, the boy behaving most naturally and also very bravely 
before the great assembly of Princes etc. With thousand thanki 
and much love to dcar Alix and the wishes for a good summer I 
remain 

Ever your most aff^t« cousin and 

friend Willy. 

P. S. Our grand manoeuvres thisyear between guards and II A. 
Corps are near Stettin; should you care to see some of it you could 
come with your yacht to Swinemünde and from there I could take 
you straight up the river to the town. 

XX 

Kiel, 15. VI. 1901 
Dearest Nicky, 

My best and wärmest thanks for your kind messages through 
Paulis. Everything shall be arrangcd as you wish. The fleet is to 
be anchored according to the wind, where the anchorage offers 
most Cover. Boyes marked with Russian flags will be laid for your 
vessels. Aviso and torpedoboats will meet you and guide you to 
your berth. Am not going to bring any diplomatist with me; not 
cven the chancellor excepting your wanting to see him. 

Waldersee will be there to "melden" himself. Dear old Schouwa- 
loff is in Berlin and the whole garrison is making its pilgrim.age 
to him; in the strects every soldier makes "front"; in passing his 
window the bands play your Hymn. 

With greatest pleasure I look forward to meet you; Weidmanns- 
heil for Alix. 

Willy 



319 



XXI 

Swinemünde, 8. VII. 1901 
Dearest Nicky, 

I send you these lines through my son Adalbert to whom I trust 
you will kindly extend your grace. It is the first foreign country 
which he visits, and as he is still only a middy I beg you will not 
make too much cf bim officially. He is young and steady and I 
rely upon you that you will kindly see that he does not get into 
wrong or bad Company. 

With best love to Alix and her time I remain, with great pleasure 
anticipating our meeting on the sea. 

Ever your most aff^te cousin and friend 
Willy. 

XXII 

Wilhelmshöhe, 22. VIII. 1901 

Dearest Nicky, 

Your kind letter of the ly^^ has just reached me this morning 
and I hasten to thank you for the kind feelings you express in 
its lines. I am most grateful and highly pleased to see by your let- 
ter that I shall really have the great pleasure of meeting you 
near Danzig. The more so as I shall do it at the head of my 
fleet, which will be most eager to salute its Admiral, and which 
hopes that it will be able to earn his satisfaction when he inspects 
it. For it is well known among the officers and crews of my Navy, 
that with your interest in and knowledge of naval matters you 
lock upon your position as our Hon.-Admiral in real earnest and 
that you inspect with the eyes of an expert. Consequently they 
will use every effort to show what they can do. I only beg you not 
to forget — what you perfectly know through our publications — 
that my fleet is just in the act of expansion and transformation. 

320 



This of course is a drawback to its outward appearance, as old ma- 
terial and new and many different types are grouped together, by 
which the general appearance of the fleet shows a lamentable want 
of harmony and homogenousness. 

You have kindly alluded to Adalberts visit, whom you have 
awfuUy spoiled by your grand hospitality; your praise makes Papa 
and Mama very proud. I hope he will always be worthy of it. 
Your sympathy in my bereavement by the death of poor dear 
Mama has deeply touched me. You are of course able to judge 
from your own sad experience when your poor father died. what 
it means to loose a parent who to all human knowledge might 
have been spared to live for many long years! Yet in this case 
the suffering was so terrible that one could look upon the end as a 
release, when the Lord called her away, and her last hours were I 
am thankful to say quite peaceful and painless. Thanks to the 
great speed of my Yacht and her consorts who took me in 28 hours 
from Bergen to Kiel. I was able to reach Cronberg in time to 
find her still conscious. I have communicated your kind invita- 
tion to meet him, to the Chancellor, who is deeply honoured, 
that you show him such confidence, as he was quite unprepared, 
I myself am very happy, because he is a very good "connoisseur" 
of Russian affairs and traditions and retains a thankful memory 
and deep attachment to your family from his stay in Petersburg. 
Regarding Count Lamsdorf I shall of course receive him should 
he be on board your yacht; should that not be the case, and as we 
are not on shore at all, please do not trouble the poor Minister to 
make the long voyage to Danzig. — The heat we suffered from in 
Norvray was appalling, up to 33° R. in the shade! Like in Syria! 
My suite, some 20 men, managed to finish off 167 bottles of Appolli- 
naris in one day! — May the weather be fine without the above 
result when you come; the details of the programme will be for- 
warded to you by Paulis. Best thanks for the "Anna Medal" just 
received which is pretty and gives me great pleasure and best love 
to Alix from your most devoted and aff^t« 

WiUy. 

21 321 



XXIII 

Neues Palais, 12. XII. 1901 



Dearest NiclcA 



Your dear brother Micha' s visit is Coming to an end and with 
great regret we see him leave. He is a cheering and most engaging 
young man, who has captivated everybody here, even my daughter! 
He shot very well and has bravely gone through all the "corvees" 
of an official dinner with presentation and cercle, though greatly 
relieved that there was no "speechifying". All the people who met 
him were Struck by his clear, open, manly countenance and frank 
expression. He was a success! I am most grateful for the kind 
words about Danzig, which make me uncommonly proud. I hope 
that on my visit next summer I may be able to show a more homo- 
genous squadron and one of the new protected cruisers! I am 
looking forward to our being together with pleasure! Colonel 
Kasnakof is here with the officers of my Dragoons and seems a 
remarkably nice officer; I am so glad to have them all here. — I 
beg you, as a souvenir of my dear Mama, to accept a pin from me 
and a locket for Alix; Micha will band them over to you. With the 
sincerest wishes for a happy new year and merry Xmas^ I remain 
your loving 

cousin and friend 

Willy. 

XXIV 

Neues Palais, 3. I. 1902 

Dearest Nicky, 

These lines are to wish you a merry Xmas and a happy new Year. 
(Russian new year was 13 days later according to old style. Edi- 
tor's note.) May God bless you and protect you and wife and 
children and keep you all sound in body and soul. May your work 

322 



for the Peace of the world be successful as well as the plans you 
are maturing for the welfare of your country. 

I »cnd you as Xmas present an officer's dirk corresponding to 
the model I introduced into our navy by order dated from the 
"Variag", which I beg you to accept as a souvenir of the kind visit 
you paid me off Dantzig and of the merry hours we spent together. 

This new sidearm is so populär among our officers that I believc 
they even go to bed with it. 

My fleet, Henry and I are already looking forward to the day 
we shall be able to repay your visit this year, and I shall be most 
glad to know when you expect us and where ? 

As you take such interest in our navy, it will interest you to 
hear, that the new armoured cruiser "Prince Henry" is rapidly 
nearing completion and has already tried her engines on the spot 
with most satisfactory results. She is expected to join the fleet 
after her trials end of the winter. The new line of Battleship 
"Charlemagne", the 5^11 of the "Kaiser Class" will is it hoped be 
ready for her trials at sea end of next week, and Henry hopes he 
will join him in a month. 

The "Witteisbach" Class is being pushed forward with all speed 
and it is hoped will be able to join Henry's Flag after the manoeuvres. 
This means an addition of 3 Line of Battleships, which will enable 
him to dispose of a fully homogenous fleet of "Peacemakers" 
which no doubt will make themselves most agreeably feit and 
useful in helping you to keep the world quiet. The 5 new Line of 
Battleships have all been contracted for and have been begun. 
They constitute the first Division of the second Squadron. 

Bye the bye I see by the papers, that the "historical" "Variag" 
has arrived at "Koweit". That is a very wise thing that your flag is 
shown there. For it does not seem impossible that another Power 
was in the set of repeating the very successful experiment it made 
on the Nile, to haul down the Sultan's flag, land some men and 
guns, hoist some flag or other under a pretext and then say: 
"J'y suis, j'y reste"! In this case it would have meant paramount 
rule of all the trade routes of Persia leading to the Gulf, by this of 



Persia itself and by that "Ta-ta" to yoiir proposed establishment 
of Russian Commerce, which is very ably begun by the conclu- 
sion of the "Zollverein" with Persia by you. 

The behavlor of the Foreign Power at "Koweit" sets into a 
streng relief, the enormous advanta^e of an overwhelming fleet 
which rules the approaches from the sea to places that have no 
means of communication over land, but which we others cannot 
approach because our fleets are too weak and without them our 
transports at the mercy of the enemy. This shows once more how 
very necessary the Bagdad Railway is which I intend German 
Capital to build. 

If that most excellent Sultan had not been dawdling for years with 
this question the Line might have been begun years ago and would 
now have offered you the opportunity of despatching afew Regi- 
ments from Odessa straight down to "Koweit" and then that 
would have tutned the tables on the other Power by reason of the 
Russian Troops having the command of tbe inner Lines on shore 
against which even the greatest fleet is powerless for many rcasons. 
The uiatn orte — according to an adaptation of the Commander of 
Cronstadt's answer to Peter tbe Great for not saluting him — 
"D'abord, parce que les vaisseauSc ne peuvent pas marcher sur 
terre", whereas you may say "cela suffit"! The original answer of 
the gallant Admiral: "D'abord parce que je n'ai plus de poudre" 
was vouchsafed the day before St. Nicholas to Henry by the Cap- 
tain of the "Askold". My squadron had recelved orders to feast 
your namesday by a rieh display of bunting and of Royal Salute. 
But when Henry enquired from the Captain v. Reitzenstein at 
what o'clock the ceremony was to take place, the latter declared 
he would do nothing of the sort, and even after Serge had sent 
word to him, flatly refused to holst bis pennant and to salute bis 
Emperor, notwithstanding, that she is in commission and has her 
whole crew on board. My squadron was deeply disappojnted and 
much — if I may venture to say so — disgusted at the behaviour 
of this man! I am sending you beside the dirk a most interesting 
book about the South African war, written by an Englishman, 

324 



who wholly conderans the way it was entered into and the ends for 
which it was begun. It is very lucid to the point and shows that 
the Author maintains his impartiality to the last moment; a most 
gratifying exception to the rule now at work In England. The 
parallel he draws between this war and the war against the American 
Cofonies 1775 — 83 is most surprising and striking. The bearer 
of my gifts is my Aide-de-Camp von Usedom — years ago for a 
time Henry's adjutant — he was in Command of the "Hertha" 
during the China affair, and it is he who saved the Seymour Ex- 
pedition and brought it safe back to Tientsin. He was in fact the 
Admiral's Chief of the staff and to him was given the now "histo- 
rical" Order of which my "bluejackets" are so proud "Germans to 
the Front", when the British Sailors refused to go on any farther. 
He was not present at Danzig, having injured his leg by a fall 
from his horse, so I thought you would like to hear from his own 
lips the record of what men composing that ill-starred expedition 
suffered. Now dearest Nicky, goodbye, best love to Alix, Micha 
and your Mama from 

Ever Your 

most affate and devoted Cousin and frlend 
Willy. 

XXV 

Berlin, 30. I. 1902 
Dearest Nicky, 

Let me once more thank you by letter for your kind thought of 
sending your favourite Aide de Camp Obolenski with the pre- 
sents for my birthday. The "pelerine" is most practical and will 
do good Service in all weathers^ notabene in going in a launch to 
and from the "Standart" to the "Hohenzollern" at Reval! — 
The vases are quite charming: the blue one with "pate sur pate" 
is an exquisite specimen and a most handsome decoration in 



my Salons. Obolenski accompanied me all through the different 
functions of my birthday and will be able to teil you what a poor, 
overworked "Landesvater" has to go through before he is able to 
sit down quietly for a morsel of food and a cigarette! However 
we managed to be very jolly as all my "Geschwister" were here 
and Henry managed to keep the family alive, elated as he is with 
the prospect of paying the Americans and their fair ladies a flying 
visit, which to our great amusement seems to create considerable 
"toothache" in the spheres on the side of the Channel! 

But I must not take up your precious time any longer; Obo- 
lenski brings you the tables of the Russian, American, and Japanese 
Navies drawn up according to the latest reports, and photographs 
from Danzig, upon which I always look back with thanks and 
pleasure as your most dutiful and aii^^^ cousin and friend 



Best love to Alix. 



Willy. 

XXVI 

* Generalkommando, Posen,, 2. IX. 1902 

Dearest Nicky, 

Since my return from Reval I have been very busy, as you 
will have seen by the papers. Now that my illustrious guest the 
King has left after a successful visit I am able in the "trouble" 
of manoeuvres to spare a few minutes, which I will consccrate to 
these lines I send you. For needlest; to say so, the souvenir of 
Reval is still vivid before my eyes; with it the kindness and friend- 
ship you showed me, the fine military display, the efficiency of 
your fleet at target practice and at evolutions and last not least 
the many hours of amiable and undisturbed companionship with 
friendly intercourse I was allowed to spend with you, all that is still 
forward in my thoughts and still fully occupies my senses (.? Übers.) 
and my mind that I feel it would be a decided want of tact and 

326 



education if I did not once more thank through this letter from 
all my lieart. The whole stay was a continuous treat for me; 
but it was more. The school of Naval gunnery which was shown 
to me by your Orders is the most vital part of the development 
of the Navy and of its preparation for "business". Through 
this permission you showed me a special mark of confidence — 
in fact a reciprocity for what I showed you at Danzig — which 
implies a complete trust in the visitor, only possible between 
men having the same ideas and principles, and which between 
two Monarchs means united work in the common cause of pre- 
serving the Peace for their countries. This trust and faith you 
have shown me is, I can assure you — - not misplaced, for I fuUy 
reciprocate it. That is shown by the fact that the secret plans 
of my newest ships — invisible to the foreigner — were handed 
over to you and to the discretion of your Naval authorities. To 
these facts add that we both have the same interest in the develop- 
ment of our Navies, so that the passion for the sea is inborn to 
US, that will suffice to show that we must look at our two navies 
as one great Organisation belonging to one great Continent whose 
interest it must safeguard on its shores and in distant seas. This 
means practically the Peace of the World. 

For as the rulers of the two leading Powers of the two great 
Continental Combinations we are able to exchange our- views 
on any general questions touching their interests, and as soon 
as we have settled how to tackle it, we are able to bring our AUies 
to adopt the same views, so that the two Alliances — i. e. 5 Powers 
— having decided that Peace is to be kept, the World must 
remain at peace and will be able to enjoy its blessings. This is 
a vivid illustration of the fact that the two Alliances hold the 
balance of Europe and of the World in keeping in close com- 
munication with each other by the annual meeting of their two 
leaders to exchange their views. 

This is the more necessary as certain Symptoms in the East 
seem to show that Japan is becoming a rather restless customer 
and that the Situation necessitates all coolness and decision of 



327 



the Peace Powers. The news of the attachement of the Japanese 
General Yamai — former leader of the Jap troops in China — 
to the Legation at Peking in order to take in hand the reorganisation 
of the Chinese Army — i. e. for the unavowed object of driving 
every other foreigner out of China — is very serious. 20 to 30 Million 
of trained Chinese helped by half a dozen Jap. Divisions and 
led by fine undaunted Christian hating Jap. Officers, is a future 
to be contemplated not without anxiety; and not impossible. 
In fact it is the coming into reality of the "Yellow Peru" which 
I depicted some years ago, and for which engraving I was laughed 
at by the greater mass of the People. 

As it is interesting to see how the distribution of Naval Power 
would be in case complications should arise in the East I have 
made a rough and approximate calculation, which has takeri the 
form of a table, which I submit to you. The numbers are not 



you. 



accurate as the ships are on constantly changing, but are more 
to serve as a general clue. The vessels nearing completion are 
counted as available, and the oldest ones as well as smaller ones 
are omitted. 

The review went off very well and the V. Corps was as good 
as when you saw it near Görlitz. Everybody was glad to welcome 
your officers and the Governer General Tschertkoff. I am most 
grateful you allowed them to come and am quite charmed with 
the whole bearing of the fine old soldier, who has shown himself 
exactly as you described him to me. I have given him the Black 
Eagle to show how I appreciate his visit. He as well as all your 
officers — who made an excellent impression on me — were 
deeply afflicted and of course we all too including my wife, at 
the mishap of Alix; God grant she may soon recover, and that 
she may feel no ill effects. With Victoria's and my best love to 
you both I remain your most devoted friend and cousin 

V/illy, 
Ad. of Atlantic. 



32! 



XXVII 

Berlin, 14. I. 1903 

Dearcst Nicky, 

These lines will be represented to you by vay boy. My sistere 
generally call him "Billy no. 2" or "little Willy" to discern him 
from his father. I place him under your kind protection and 
hope you will be satlsf ied^ with his manners; he is still very young 
and only beginning to form himself, so that should he make any 
"bevues" you will kindly overlook them. Besides these lines he 
is the bearer of a number of Xmas presents for you which I was 
unable to send earlier. i. A large Model of our new (H.) class 
of battleships, which you said at Reval would please you to accept. 
Schimmelmann is able at any moment to explain it to you. 2. A 
watercolour representing the history of the forms and colourings 
of our Regimental colours and Standards since the time of the 
Great Elector down to my time. The first half is from the Elector 
to 1806, the second to 1900. 3. The whole of the Uniforms, arms, 
cuirasse and accoutrements belonging to your new Cuirassier 
Regiment, which I hope will fit you. They are in charge of my 
old Kammerdiener you saw at Reval "Father" Schultz. He is 
to instruct your "man" how to put on the different things. 4. Some 
brochures and Magazines which I thought might perhaps interest 
you in your hours of leisure. 

With respect to the colours of our army I have a request to 
make to you. On the first (Electoral Table) there are the first 
colours which belonged to the Regiment of Guards of the First 
King glven aftej his coronatlon as Frederick I. Blue with gold 
flames, crowus and eagles, and white with black Eagle and gold 
crowns. These colours had been kept in our Arsenal until in 
the 7 years' war, they were carried off from there by the Russian 
troops that occupied Berlin, with many other things out of the 
Arsenal. We are now with great care and difficulty rewriting 
the history of our colours and I would be so thankful if you kindly 

329 - 



would allow them to be copied In aquarell or oil so that we may be 
able to have an authentic likeness of thqm, as they are in Petersburg. 
Trusting that all will come off Avell and enxying my boy the 
pleasure of seeing you 

I remain 

Ever your most aff^^« friend and 
cousin "Billy" no. i. 

XXVIII 

Neues Palais, 19. XI. 1903 
'Dearest Nicky, 

It is impossible for me to pass over the sudden and tragic death 
of that sweet little sunshine, without sending you just a word 
to teil you, how deeply I feel for you all in this sad affair. . It is 
really very difficult to realise the fact; that this darling child is 
no more among us! How joyous and merry she was that day at 
Wolfsgarten when I was there, so füll of life and fun and health, 
and to think that one shall never see her again in this world ! What 
a terrible heartrending blow for poor Ernie, who doated and 
adored that little enchantress! May Heaven give him power to 
bear up under such a blow. I am still under the charm of the 
two days I was able to spend with you and they remain a delightful 
Souvenir for me. You remember our conversatic^n about the 
Balkans and Turkey, and my later telegram with my instructions 
to my Ambassador to give the Sultan an energetic lecture that 
it was hightime for him to at last conform himself to the "Mürz- 
steg Programme" ? Well these instructions have led to a con- 
versation between my Ambassador and the Sultan a few days 
ago, which took an hour and three quarters. The Sultan was 
very tough; and decidedly in the idea, that a refusal to comply 
with the wishes of Russo-Austria backed by me, would bring 
no great härm to him! The Ambassador had to make use of every 



power of expression feasible for him versus a Monarch, to bring the 
gravity of the Situation home to His Majesty, and left hirn "a sadder 
but a wiser man" after he had made it quite clear to him that on 
no account whatever would I raise a hand in his support or speak 
a Word for him, should he involve himself and his country into 
serious consequences, by refusing to fullfil the wishes of H. M, the 
Russian and the Austrian Emperors, who had shown almost angelic 
patience and forbearance with his bearing, and who strictly 
adhered to the February and Mürzsteg Programm backed up by 
me. The Ambassador is under the impression that very animated 
intrigues are going on in the Palace among a band of organs of 
very shady nature who Surround the Sultan and with incredible 
Hes managed to abuse of his creduHty and to keep away the Grand 
Visier, whose influenae is feared by them, and who is perfectly in 
harmony and loyally "d'accord" with our 3 ambassadors. 

Another interesting piece of news reached me from Sofia. The 
Prince Minister of the "Archplotter" in a conversation after 
dinner, gave utterance of his and his country's extreme dissatisfaction 
at the Mürzsteg Programme! That it was not enough for them, 
and that they must insist on getting more. But as he was quite 
sure that the Imperial Powers would not grant more, they all 
in Bulgaria turned to Italy, England and France! From these 
countries alone hope was forthcoming for the future of Bulgaria 
and Macedonia; alone they would bring "freedom" — i. e. Par- 
liaments and Republics — for the suppressed Balkan Races! This 
shows you again what I hinted at in our conversation, that the 
"Crimean Combination" is forming and working against Russian 
interests in the East. "The democratic countries governed by 
parliamentary majorities, against the Imperial Monarchies." 
History always will repeat itself. 

With best love to Alix and hopes for her speedy recovery I remain 
Ever 

Your true and devoted friend and cousin 

Willy. 



331 



XXIX 

Neue» Palais, 4. XII. 1903 
Dearest Nicky, 

Enclosed I send you some interesting materlal for your amuse- 
ment. Articles about politics, about naval matters, a description 
of f oods in Petersburg — which I do not know whether it is right — 
and an illustration magazine about the last manoeuvres. Perhaps 
you will find topics which will remind you of cur last conversation, 
and show how the development of events is looked upon in Europa, 
perhaps sometimes different from the aspect at Petersburg. If 
they are old news I beg your pardon, but as you said at Wolfs- 
garten, it did not matter, provided it were news relating to the 
interests common to the surety of our 2 nations I venture to 
submit them to you ; they come from cuttings from quite different 
sources and papers. How glad I am that Alix is all right again 
and free from that abominable pain! The shooting results are 
very fine and I wish you "Weidmannsheil" with all my heart. 
I sent Gen.-Adjut. v. Loewenfeld to London to give the long 
Service cross (25 years) to uncle Arthur and in the same time 
to reconnoitre the frame of mind and the flow of public opinion 
about the Eastem question. His mother is an English Lady so 
he speaks it very well. What he saw and heard I shall let you 
know. 

The Officers in Command of my troops in China have been 
for a long time already ordered closely to survey the intercourae 
between Japs and Chinese Military and the growing influence 
of Japan with the Chinese Army, 2 days ago I got a report that 
the Japs are clandestinely arming the Chinese behind your and my 
backs against us. That they have concluded a secret Engagement 
with China to provide the army with 20 000 new repeating Rifles 
and ammunition, 40 field guns, and 12 Mountain guns (rapid 
firing) with ammunition to be there tili next summer. The 
Chinese troops are drilling day and night and, as the people who 



watched them for instance at Pao-ting-fu saw, remarkably well! 
Commanded by Jap instruction officers, whose numbers are 
steadily increasing! Nice business! I believe the Chinese might 
not to be allowed to have Japs in their Army! They are sure 
to rouse Chinese hopes and inflame their hatred against the White 
Race in general and constitute a grave danger to your rear m 
case you would have to face a Jap. adventure on the Seashore. 
Begging your pardon for my liberty I have taken, I hope the 
Admiral of the Pacific will not be angry with the Admiral of 
the Atlantic's signals, who is always on the look out! Ta, ta, 
best love to Alix from 

Your devoted friend and cousin toujours 

en vedette! 

Willy. 

XXX 

Berlin, 3. I. 1904 

Dearest Nicky, 

These lines are meant to reach you on your Xmas Eve and will 
I hope find you well and happy with Alix well again at your side 
and the merry little Company romping around you in the glimmer 
of the light of the Xmas tree. I once more wish you every blessing 
of Heaven on all your ways, may your precious life be spared to 
US all as well as of all those dear to you. May your plans meet with 
füll success: if in peaceful ways, softly as a rippling brook; if by the 
decision of the arms may they be victorious and your Standard» 
wave enwreathed with fresh laureis. Many thanks for your kind 
letter from December 2otli which is a new testimonial of your 
confidence so precious to me. We only shall have to be careful 
lest the scheme, so auspiciously started, should get wrecked on 
8ome question of detail. When I parted from your dear old Grand- 
father the King I was under the impression that the subject 

333 



occupied his mind, and that he was meditating, in order to find 
the form best suited to the requirements of his country. As base 
for our conversation, I used some Danish Newspaper Articles 
about Danish neutrality. As their comments appear to have 
attracted a good deal of attention in Denmark, I enclose a short 
extract of them, which may serve as help to show you the nature 
of the difficulties that the King seemed to foresee and to apprehend 
f rom his people at home. Hence it becomes evident that the King, 
as the party most concerned in the issue of the question, is doubtless 
first of all entitled to an expression of his views, and to have them 
worded and drawn up by somebody possessing his absolute con- 
fidence. It therefore Struck me as the next stop to be taken in this 
matter would be the best, if you were to write to your grandfather 
to submit the proposals to us as soon as they have attained a form 
acceptable to him, and that \ve look forward to his giving us the 
füll scope of his ideas concerning the question of the Danish neu- 
trality. Considering the bygone days of 64 it is clear that the 
Danes still look a little askance at us, and therefore they will view 
a proposal relating to their destiny with more favour if it comes 
from you, who are so nearly related to their King, and who are 
the son of a Princess passionately adored by them. I send you 
enclosed some interesting articles. One about our Navy and Rus- 
sias Policy form the 19^^ Century; one about your commercial 
Fleet. 2 English Paper cuttings from a penny Newspaper which 
is daily read by thousands in the streets of London and elsewhere 
in England. It is to show you with what stuff and in what a tone 
this Press is feeding its readers for many weeks already, and how 
they are blowing at the flames where they can. To us here on the 
Continent this hypocrisy and hatred is utterly odious and in- 
comprehensible. Everybody here understands perfectly that 
Russia following the laws of expansion must try to get at the Sea 
for an iceless outlet for its commerce. By this law it is entitled to 
a Strip of coast where such harbours are situated (Wladiw.,Port 
Arthur) their "Hinterland" must be in your Power so as to allow 
your building the Railways which are to carry the goods to the 

334 



portö (Mandschuria). Between thc two ports is a tongue of laiid 
which may — in One adversary's hand — become a new sort of 
Dardanelles. That is impossible for you to allow. These "Dar- 
danelles" (Korea) must not threaten your Communications, thereby 
hampering your commerce. That is already on the "Black Sea" 
and that is not what you want to the Far East for! Therefore it 
is evident to every unbiassed mind that Korea must and will be 
Russian. When and how that is nobody's affair and concerns only 
you and your country. That is the opinion of our People here at 
home and therefore there is no excitemen,t or "emballement" 
orwarrumors oranything ofthat sort /6^r^. They are sure and that 
Korea will once be yours is a foregone coriclusion here like the 
üccupation of Mandschuria, hence nobody trouble themselvcs 
about it here! 

The new years cards will amuse you, they were taken at your 
arrival at Wiesbaden! a little souvenir of the happy days. A happy 
new Year and Weidmannsheil also for "Big game" from your 
dcvoted 

cousin and friend 
Willy. 



XXXI 

Neues Palais, 9. I. 1904 

Dearest Nicky, 

Only a line to teil you how niy thoughts are occupied with you 
in this serious time, May God grant that everthing will come off 
smoothly and that the Japs may listen to reason; notwithstanding 
the frantic efforts of the vile press of a certain country. That also 
seems to have money left to sink it into the Japanese mobilization 
abyss. I thank you for the communique you sent me officially 
through Osten-Sacken. It is very clear end will doubtless lead to 
a strengthening of Peace. I hope it will appease the feelings of the 

335 



impertinent war party in Japan as it will surely satisfy the rest 
of the Powers anxious for their commerce to whom "open door" 
was once promised. 

I send you a copy of "Marine Rundschau" with an article 
about "ironclad cruisers" written by L. This L is a mask under 
which I hide myself, for I wrote it, but nobody has a blessed notion 
except Tirpitz. As material for my article — written in Novem- 
ber — I managed to get very interesting details about "Rivadaria" 
and "Moreno" — now presented to Japan by England — who were 
then building for Argentina. These plans, which are quite "con- 
ftdentiar' and were submitted to me by express permission of the 
President of the Argentine Republic, were sent me by Amaldo. 
As the ships may interest you, I send you the Atlas, for your 
personal use. I think the ships a perfect type of "Ironclad 
Cruizer" because they manage to get much into a small tonnage 
"multum in parvo". They cost 15 Mill. francs each, which is not 
much. May your men not have to fight against them; it is indeed 
a great pity you did not buy them. The paper cutting shows you 
what a certain people call neutrality. 

Best wishes for a year of happiness and Peace and in the hopei 
of meeting you in it and with wärmest love to Alix. 

Ever Yours most affectionally 
Willy. 

P. S. Forgive me if I trouble you so often with telegrams, but 
at Wolfsgarten, you kindly said that you were thankful for any 
news worth while which I was able to communicate to you; of 
course I rely on your secrecy^ as they are only for you. 

Admiral of Atlantic. 



336 



XXXII 



Dearest Nicky, 

The answer to your kind letter of congratulatlon for my birthday 
which made me so happy, was already begun, when the events 
occurred which led to the war between you and Japan. I thought 
it better to wait for some sort of communication from you, in case 
I should be able to answer you. The outbreak of hostilities has had 
sad consequences for your brave Navy, which have deeply moved 
me ! How could it be otherwise seeing that I am Russian Admiral 
and proud of this rank too ! Evidently the serious events show that 
the warning news I could send you through my ciphers were 
absolutely correct, and that since long the Japanese Government 
were in bitter earnest and decided to have war. Part of the ships 
at Port Arthur are known to me by my inspections, and also their 
officers and crew and my heart is füll of sympathy for the poor 
families stricken by the loss of many of their number. 

I can well imagine how sore at heart you must feel that all 
your pains to secure peace were of no avail. But on the other hand 
this gives you a good conscience and a clear one too, which allows 
a man — as I often say — to march to the fray without knapsack 
or impediments. It seems that Heaven — on whose help and will 
we both rely — has willed that it should be so! Then you must 
look upon the events in the light of a Trial for yourself and your 
country, which is to enable you and them to show and develop all 
the great qualities which are dormant in the Russians, which they 
already once proved in the great times of the first years of the 
iQth Century! 

It is my wish that — subject to your kind approval — if possible 
a' Prince of my house should accompany your troops as spectator 
to learn the art of war. I would choose the Prince Fr. Leopold, my 
brother in-law, who is burning to go and speak Russian. Perhaps 
you will kindly let me know whether my application can be granted. 

337 



You mäy rest assured that day and night my thoughts are occu- 
pled with you all! I send this letter through Schenk — your 
Colonel — who is to offer you the "Grenadier Cap" which the 
Alexander Regiment begs you to accept. I pray Heaven may shield 
and protect you and all your family through Coming times. Wärm- 
est love to Alix and your mother from 

Ever your most devoted friend and cousin 
Willy. 

The news I gave you a month ago conceming the sale of arms 
to China — Yowanshi-kai — from Japan is confirmed. I managed to 
get a copy of the contract signed last October with the Firm of 
Okwa and Comp, in Japan. 

i) i^ooonew Jap. Inftry Rifles (Meyji) with cartridge boxes etc. 
22 taels each and 7 mill. cartridges to be delivered at Tientsin 
April next. 

2) 48 (Arisakha) field guns 7,5 at 5668 yen each. 

12 (Arisakha) mountain guns 7,5 cm, 171 o yen each. 

48 ammunition carts at 8 yen. 

200 shell at 10 yen, 200 shrapnel at 8 yen per gun. 

The row steel material is boxing produced in France (Creuzot) 
— your Ally! — and to be finished in Japan. To be delivered at 
Tientsin in May next. The Vice Roy of Nanking has ordered from 
the same firm in September, 1903, 200 000 chests of Ammunition 
and Knapsacks for 70 000 Men. 

XXXIII 

Gaeta, 29. III. 1904 

Dearest Nicky, 

You will I am sure be interested in the cruise of mine in the 
Mediterranean. Our voyage on the big Lloyd Steamer "König 
Albert" was most successful. We always had smooth water; even 
the Bay ol Biscay behaved like the lake at Petershof. When we 

338 



had some breeze or sea it was direct from aft. The big ship — 
she displaced between 15000 — 16 000 Tons, was most comfort- 
able vvithout any motion, no Vibration from the engines, was 
vcry well kept, and splendidly handled by her first rate Captain. 
The kitchen was excellent, the Company very merry. What a pity 
you could not be there, how you would have enjoyed it all! The 
Spanish coast is very fine but without Vegetation. Vigo a grand 
bay with room for all the fleets of the world. British fleets visit 
there every month; Henry was there last year with our Squadron. 
The Straits are imposing, but Gibraltar is simply overwhelming! 
It is the grandest thing 1 ever saw. VVords are utterly inadequate 
to give the slightest idea of what it is. Grand in its nature and 
by the military Power, that is stored on and around this mighty 
Rock. In mihtary circles I found much interest in the war but 
, no preparations for it and no animosity against Russia. Port 
Mahon is a quiet and the cleanest Spanish town, with a pretty 
land locked harbour. Something like Malta en miniature. Naples 
is too lovely and bewitching; summer climate, lots of flowers 
carnations especially, orange trees füll of oranges! The King was 
well and much interested with the war which he is accurately 
studying. He mentioned that he has news of the mobilisation of 
the Turkestan and Caucasian Troops, who were already moving. 
I Said I thought it most unlikely, and that I had never heard a 
Word about it. I quieted him about the Balkans, which always 
have, it^seems, a great attraction for him and said that nothing 
would happen there. The great Empires being resolved not to 
stand anything from anybody. By the by I see from the papers, 
that our Treaty of Commerce seems to have come to a deadlock. 
I fancy the Geheim-Räthe and Tschinowniks are gone off to a 
sweet slumber, after having spoiled a lot of ink, more than is good 
in fact. I would give anything to see it, what a lark it would be 
if you suddenly were to thump your Imperial fist on the "Table 
of green cloth" and give the lazy ones a jump! After all one cannot 
wait for ever considering the many months that have already been 
wasted. A promise of a nice pic-nic in Siberia will I am sure do 

339 



wonders. Perhaps it would tend to quicken the pace of affaire if you 
were to send some person of importance to Berlin straight to Bülow 
to finish the game off with him personally ; a man of first rate capacity 
and well versed, in such matters; that would do much good. 

To-morrow we leave for Sicily-Messina, where we shall spend 
Easter week. Good bye dearest Nicky. God bless you and be 
with you through all the important times, you know how my 
thoughts are new with you. 

Best love to Alix from your affectionate cousin and friend 

Willy. 

XXXIV 

Berlin, 6. VI. 1904 

Dearest Nicky, 

Your kind letter which Kroupensky delivered to me two days 
ago has greatly touched me. In these days which are of course 
trying to you, your army and the country, it is doubly kind of 
you to give up so much time to me, but on the other band it 
being so, I feit the more proud as I may infer from this fact that 
you count upon me as your real friend as you rightly express it. 
So it is! And I can assure you that nobody follows all the phases 
of the war with greater interest and assiduity than I do. Your 
remark about Kouropatkin was a perfect revelation to me! — I 
am most astonished of his shortsightedness in not implicitly 
obeying your commands. He ought all the more to have followed 
your councels, as you had been to Japan yourself, and therefore were 
a much more competent judge of the Japs than him. Your war- 
nings were quite right and have been fully borne out by the facts. 
I only hope to goodness the General wont jeopardise the final 
success of your Forces by rashly exposing them to an "echec" 
before the whole of his reserves have joined him, which are as I believe 
still partly on the way. The old proverb of Napoleon I still holds 



good "la victoire est avec les gros Bataillons"; one can never be too 
strong for the battle; especially respecting the artillery: an absolute 
superiority must undoubtedly be established to ensure victory. 

I had an interesting conversation about the war with the French 
milit.-Attache, who, on my remarks that I thought it most asto- 
nishlng that the French as your "Allies" did not send their Fleet 
down to keep Port Arthur open tili your Baltic Fleet had arrived, 
answered that it was true, but that they had to reckon with other 
Powers. After many hints and allusions I found out — what I 
always feared — that the Anglo-French agreement had the one 
main effect, viz. to stop the French from helping you! Il va 
sans dire, that if France had been under the Obligation of helping 
you with her Fleet or Army I would of course not have budged 
a finger to härm her; for that would have been most illogical on 
the part of the Author of the Picture "Yellow Peril"! 

I am sure England will by times renew her efforts to make 
proposals to you about mediation — it is in fact the special mission 
of Harding as I know — , . though you have already so strongly 
repudiated it, and which is most presuming in the extreme on 
her part, seeing that the war has only just begun — she is afraid 
for her money, and wants to get Thibet cheaply — I shall cer- 
tainly try to dissuade Uncle Bertie as soon as I meet him from 
harrassing you with any more such proposals. Should in the 
course of events mediation seem advisable to yoM, it is clear that 
the first wish for it must come from you, and you may be sure 
that I shall also always be at your disposal! I may compliment 
you on the bravery and gallantry of your soldiers and sailors who 
deserve all praise and who have fought very well! I have thought 
over your Suggestion about the Com. Treaty and talked the 
matter over with the Chancellor. We have no special interest 
respecting the place where the negotiations should be concluded, 
but as you kindly offer to send Witte over here, we will welcome 
his arrival, and the sooner you invest him with your powers to 
negotiate the better for our two Countries. I have selected major 
Cöifnt LMBsdorf my personal aide-de-»amp, as milit. Attache, 



He is Instructed by me to consider himself as attached to your 
person solely, as it was in the days of Nicolai I and Alexander IL 
He is only responsible in bis reports to me personally and is for- 
bidden once and for all to communicate with anybody eise either 
Gen. Staff, or Foreign Office, or Cbancellor. So you may entrust 
him with any message, enquiry, letter etc. for me and make use 
of him in every respect as a direct link between us two. Should 
you like to send me one of your sulte who enjoys your füll con- 
fidence, I will receive him with pleasure, for I think it highly 
necessary during these grave events, that you should be able to 
quickly communicate with me "le cas ech^ant", without the lum- 
bering and indiscrete apparatus of Chancelleries, Embassics etc. 
I wonder what I am going to hear from Uncle Bertie at Kiel, 
at all event I shall keep you informed. Now good bye dearest 
Nicky, best love to Alix and your Mama and Cod protect you 
all, that is the sincerest wish of 

Ever Your 

most affectionate friend and cousin 

Willy. 

XXXV 



Dearest Nicky, 

What a very kind thought it was of yours to ask me to be God- 
father to your little boy! You can well imagine what our joy was 
when we read your telegram announcing bis birth! "Was lange 
währt, mrd gut" says an old German proverb, so may it be with 
the little dear one! May he grow to be a brave soldier and a wise 
and powerful statesman; and may God's blessing always rest on 
him and preserve him from all härm of body and eoul. May he 
always be as a ray of sunshine to you both during your life as he 
is now in the time of triall Henry is the bearer of these li'nes and 



of my sincerest and heartfelt wislies for you Alix and the boyl 
Accompanied by the gift of a Goblet for my little Godchild which 
he will I hope begin to use when he thinks that a mans thirst 
cannot for ever be quenched by milk only! Perhaps he may then 
find out for himself one day that "Ein gut Glass Branntewein 
soU mitternachts nicht schädlich sein" is not only a "truism", 
but that often "Im Wein ist Wahrheit nur allein" as the butler 
sings in "Undine" to be wound up by the classical word of our 
great Reformer Dr. Martin Luther: "Wer nicht liebt Wein, Weib 
und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang". These wovJd 
be the maxims I would try to see my Godchild educated up toü 
There is great sense in them and nothing can be said against them! 
The course of the war has been most trying to your army and 
navy and I deeply grieve for the loss of so many brave officers 
and men who feil or were drowned in doing their duty, loyally 
fullfilHng the oath they swore to their Emperor. May the reinfor- 
cements which are being sent out increase the numbers and 
powers of your army to such an extent that the absolute supremacy 
may be established also in numbers. As far as I could make out 
Kouropatkine has 180000 men in the field, whereas the Japs 
muster about 250 — 280 000. This seems a disparity still and 
makes your valiant General' s task a very heavy one. Should your 
battleships in making their last dash from Port Arthur, not be 
able to reach Wladiwostock on account of injuries received in the 
fight, their best chance is to try for Tsingtau, where they will 
be well looked after tili the end of the war, instead of being blown 
up or sunk; just as well as we will take care of "Zesarewitsch" and 
the Torpedoboats. May next year bring better luck when the 
army prepared and formed in füll strength will be able to tackle 
their enemy with better chance as there is for the moment; for 
it seems to me that Kouropatkine is still in danger of being cut 
off from his retreac, which he will have to fight for in the direc- 
tion of Mukden; God grant he may getthrough unscathed. The 
old saying of Napolean I still holds true "la victoire est avec les 
gros bataillons". 

343 



There Is no doubt to me you will and must win in the long 
run, but it will cost both money and many men; as the enemy 
is brave and well led and can only be beaten by overwhelming 
numbers and time and patience. Of course the Operations of the 
field army will be easier and will give better results, as soon as 
the Baltic fleet will have arrived on the scene, and forced the 
Jap. Fleet back into their ports, thus restituting the command of 
the sea te you, now lost by the inefficiency of the Admirals in 
command of the Naval Forces at Port Arthur. The command of 
the sea is an absolutely necessary equivalent to the final success 
of the land campaign of the army. As it deprives the enemy of 
his vast Supports, reinforcements, &c. which he can now use 
freely for the pouring in of reserves, ammunitions, commissariat, 
evacuation of wounded, &c. 

When the war broke out in February I worked out a plan of 
Mobilisation on my own account founded upon the number of 
Jap. Divisions oft ist üne. These being lo — 12 Div., it gives 
20 Russ. Div. to search absolute supremacy over them that 
means jo army corps, of these 4 Siberian corps may be deducted 
as being on the spot forming the Manchourian Army, it leaves 
6 corps to be sent from Russia. They would be formed in 2 armies 
of 3 corps each served by a cavalry corps of 8 brigades with 4 
mounted batteries per army. That was what I expected would 
be sent out and what would be sufficient to win with, leaving 
the Manchourian Army as a sort of advanced Guard to mask the 
arrival of the Russian Corps at their base and their formation 
and dislocation as an Army. I did not^enture to write^'you my 
ideas as it is not my business to meddle with your affairs and I was 
afraid of your telling me to mind my o\vn business, as you know better 
what Russia requires. But at this moment the first stage of the cam- 
paign being practically over I thought it might be of interest to you. 

With best love to Alix and the "sunray" I remain Eve? 

Your most dev'oted and affectionate friend and co^isin 

\Villy. 



344 



XXXVI 

Hubertushöhe, lo. X. 1904 
Dearest Nicky, 

In Order not to lose time I at once telegraphed you after having 
Seen Shebeko. I am much touched by all the kind messages you 
sent me through him and I see by them that your faith in my 
loyal ty Is unshaken. It will indeed simplify matters vastly, now 
that Alexejew has becn recallcd. One General who has the ab- 
solute command and control of all the troops in Manschouria 
will I am sure answer better to all the requirements of the war. 
Kouropatkine is it seems populär with his troops, and they place 
füll faith in him; that is the point the most vital for final 
success. — 

Shebeko informed me of your Intention to send the Black sea 
Fleet out also in conjunction with the Baltic Fleet, and asked 
me to express my opinion about this plan to be executed. It is 
a sound military idea and will ensure victory. As to the best 
manner of proceeding, I have, after ripely maturing the question 
and after having taken information, come to the following con- 
clusion. The best plan would be to silently and quietly prepare 
the Fleet for its destination, not to breathe a word about your 
intention to anybody and any other Power. Then at the moment 
you think right, calmly and proudly steam^ through the Darda- 
nells. The Sultan — as we both know for certain — will not 
offer the shadow of resistance and once you are out, we all shall 
be vis ä vis of a "fait accompli**, which we all shall quietly accept. 
I have not the slightest doubt that England will accept it too 
though the Press may fume and rage and their Squadrons steam 
about a little as they often do in the Mediterranean. But they 
wont stir in eamest when they see that the rest of the Powers 
remain quiet. The main point is, that it must happen quite 
suddenly and unawares and take the whole world by surprise, 
without lettlng the secret out beforehand. With your approvBl 

345 



I shall sign an order appointing Lamsdorf to your suite attached to 
your person and you will kindly do the same with Shebeko. 
Best love to Alix Ever yours aff^te i 

Willy. 

XXXVII 

Neues Palais, 30. X. 1904 

My dear Nicky, 

Your kind telegram has given me the pleasure to f eel that I 
was able to be of some use to you in a serious moment. I have 
at oncc communicated with the Chancellor and we both have 
secretly — without informing any other person — dra^n up 
the 3 Articles of the Treaty you wished. Be it as you say. Let 
US stand together. Of course the alliance would be purely defen- 
sive, exclusively directed agalnst European agressor or agressors, 
in the form of a mutual fire insurance Company against incen- 
diarism. It is very essential that America shöuld not feel threatened 
by our agreement. Roosevelt, as I know, owing to the innate 
American dislike to all coloured races, has no special partiality 
for Japan although England does her utmost to work upon Ameri- 
can feeling in favour of the Japanese. Besides the Americans have 
a clear perception of the indisputable fact that a powerful Japa- 
nese Empire is a lasting danger to the American Philippines. 
As for France we both know that the Radicals and antichristian 
parties, which for the moment are the strenger ones, incline 
towards England, old Crimean traditions, but are opposed to 
war, because a victorious General would mean certain destruction 
to this Republic of miserable civilians. The nationalist or clerical 
party disHkes England and has sympathies for Russia, but does 
not dream of throwing in its iot with Russia in the present 
war. Between these two parties the Republican Government 
will remain neutral and do nothing, England counts upon this 



neutrality and upon the consequent Isolation of Russia. I posl- 
tively know that as far back as December last the French Minister 
of Finance, Rouvier frora bis own accord told the Financc Agent 
of another Power, that on no account whatever would France 
join you in a Russo-Japanese war, even if England should take 
sides with Japan. 

To make these Republicans doubly sure, England has handed 
Marocco over to France. The absolute certainty that France 
intends to remain neutral and even to lend her diplomatic support 
to England is the motive which gives English policy its present 
unwonted brutal assurance. This unheard of State of things will 
change for the better as soon as France finds herseif face to face 
with the necessity of choosing sides and openly declaring herseif 
for Petersburg or London. As I said before the Radicals who 
gravitate to England abhor war and militarism whereas the Nationa- 
lists whilc not objecting to war itself, wont fight for England nor 
against Russia. Thus it evidently lies in the interest of both parties 
to bring pressure to bear on and warn England to keep the peace. 
If you and I stand Shoulder to Shoulder the main result will be 
that France must epenly and formally join us both thereby at last 
fulfilling her treaty obligations towards Russia which are of highest 
value to US, especially with respect to her fine harbours and good 
fleet, which would thereby be at our disposal too. This you may 
rest assured will put an end to made up grievances about so called 
breaches of neutrality. This consummation once reached I ex- 
pect to be able to maintain Peace and you will be left free and 
undisturbed band to deal with Japan. May I add that I sincerely 
admire your masterful polltical instinct which caused you to 
refer the North Sea incident to the Hague Tribunal. For just 
this systematically distorted incident has been used by the French 
Radicals, Clemenceau and all the rest of the tag-rag and bobtail 
as a further argument againrt the necessity of France's fullfilling 
her Treaty obligations towards Russia. Of course before we can 
take any Steps in this question and approach France that tiresome 
North Sea incident must first have been brought to a close. For 

347 



me I am informed Delcassee and Cambon have already adopted 
the British view of this incident and accordingly fixed tbe attitude 
of the French Government in a friendly way for England. Should 
we therefore on this question bring pressure to bear on France, 
she would no doubt choose the British side, just what we dont 
want her to do. "II faut que l'incident de la Mer Noire soit 
clos" first, then only after that our action may begin. 

I herewith enclose the draft of the articles of the Treaty as 
wished, may it meet with your approval, nobody knows anything 
about it, not even my foreign office; the work was done by Bülow 
and me personally. "Möge Gottes Segen ruhen auf dem Vor- 
haben der beiden hohen Herrscher und die mächtige dreifache 
Gruppe Rußland, Deutschland, Frankreich für immer Europa 
den Frieden bewahren helfen, das walte Gott", those were bis 
words when we had finished. 

I send to Suwalki in order to salute you on nearing our frontier 
General der Infanterie v. d. Goltz and Oberpräsident von Ost- 
preußen von Moltke. The former commands the i. army corps, 
after having been chief of our Engineering corps; which post 
he filled after his return from Turkey, where he spent many 
years in the fruitless attempts at reorganisation. The latter is 
Governor of Eastern Prussia, a nephew of the old Field Marshai 
and brother of my Gen.-Adjudant, who commanded your Grena- 
diers and was often kindly received by you, when he came in 
special mission. With best love to Alix 

I remain cver your aff^te cousin and friend 
Willy. 

XXXVIII 

Vgl. oben S. 135, 



348 



XXXIX 

Neues Palais, 17. XL 1904 
Dearest Nicky, 

Your kind letter shows once more that the localisation of the 
actual war and the avoidance of a European war are the guiding 
principle of our mutual exertions. I take the liberty of abusing 
of your kind permission in our mutual interest to propose two 
changes; one is to modify my proposal, the other the final clause 
of yours. 

It may be possible that the sentence "Afin de localiser la guerre 
Russo-Japonaise" if through the publication officially or by in- 
discretion secretly the Contents of the treaty became known, could 
be interpreted by other Powers as meaning that the treaty was 
valid only in case England went to war as Ally of Japan, i. e. 
directed as menace of frovocation meaning solely against her. 
In reality and practically it is so: but "Toute verite n'est pas 
bonne ä dire". We now see the British Public opinion in a State 
of nervousness nearly bordering on lunacy, of which it has just 
given US all some delightful proofs. It would in this mood look 
upon this treaty as a direct provocation and straightaway urge on 
the final catastrophe we both are trying to avoid or to postpone 
at least. Therefore I suggest a sentence used by yourself "afin 
d'assurer le maintien de la Paix en Europe", which could answer 
perfectly to our purpose and can on no account be looked upon as 
a frovocation. We only think of ourselves and refrain from pointing 
with fingers at anybody (which besides is looked upon as a want 
of manners in society). Nobody — with a clean conscience n. b. — 
has any right to feel annoyed at such a treaty and it will be very 
difficult for the irate Jingoes in England to turn its conclusion 
into a "causa belli". 

This change in the wording of the treaty, to my belief, neces- 
sitates a certain limitation of time. Either a short one with an 
abrogative limit, at any moment of year, or if you like it better a 

349 



longer term. The Prolongation would in case — as I fervently 
hope, the treaty meets the wishes of and proves a boon to the 
two nations — go on quite by itself automatically. This can 
be arranged exactly as you like it. 

The next change refers to the newly added final clause of the 
treaty. It must be born in mind that should you for instance 
wish the treaty to remain unpublished, indiscretions are possible — 
walls have ears and diplomatists tongues that will wag — under 
such circumstances the meaning put upon this sentence would 
be that I had precisely bound myself to he!p you to defcnd the 
Conquests of Russia which would tend to immediately replace 
Article I in a purely aggresive light. This would lead the whole 
political World to infer that we had — instead of concluding 
la Defensive Alliance — formed a sort of chartcred Company 
limited for Annexation purposes, possibly involving secret clauses 
for the private benefit of Germany. The general mistrust ensuing 
would gravely imperil our mutual Situation, because America 
would immediately join England — which on no account must 
be allowed — acting under the suspicion that Russia and Ger- 
many were on the move for aggressive Operations to further selfish 
ends. But it will just be the main task of Russian and German 
diplomatists to stop America joining England. Should the Treaty 
become known cither by official publication or indiscretions, 
Bülow — in answering questions in Parliament — must be able 
to declare, that no secret clauses exist able to barm the defensive 
nature of the treaty or assuring Germany — au detriment des 
autres — anything eise beyond the help in the Defence of the 
Peace of Europe, if it were cndangered by anybody eise. This 
is why I submit a different wording of the sentence. The ruling 
idea in it is the continuous polemic of the Russian Press in the 
last months against a Peace- Congress for mediation, like in 1878 
of which your papers are afraid that it may be summoned together 
again — and signs there are that some Powers are already working 
in that direction, especially Paris and London — and which would 
do everything in its power to bring the victors and vanquished 



to one and the same level and try to rob the former of their con- 
quests and advantages as in 1878. Besides this sentence in its 
new form excludes all possibilities once for all for Germany ever 
being a party to such a Peace Congress, and at the same time 
robs all evilwishers and critics of the opportunity to suggest that 
we have any goal in view but that of preserving Peace without 
provocation. These are my two proposals I venture to submit 
to your kind approval, which I hope may be accö^rded to them, 
intending by them to avoid letting England take an active part 
in this war, and if possible to hinder America from joining her. 
I dont know whether you think it necessary to communicate 
the secret Clause (III) to France? It is quite as you like, but 
I believe that the other articles will retain her from turning aside. 
Delcasse 1 am sure will immediately find out the Anti-Congress 
tendency in the sense, and considering that he has already opened 
negotiations between London and Paris and with other Powers 
for the summoning of a Peace Congress for Mediation, he will 
be pleased in a certain difficulty having a suddenly break off 
his negociations already "entamees". Doubtless the French would 
much prefer any other grouping of Powers to that of the Alliance 
ä trois as in 1895, but the Russo-German Treaty once a fact our 
combined powers will enact a strong attraction on France, which 
.you have already foreseen in your telegram of October 29 th 
when you say "After the arrangement is accepted by us, France 
is bound to join." Of course it will be the work of your diplomacy 
to make the necessary arrangements with France, Germany in 
the meantime remaining silently Standing behind you. The 
Democratic Civitians and Freemasons Delcasse, Combes & Cie. 
have as much to fear from victory as from rout, and the moment 
they are aware that France would be unable to remain neutral 
and under the necessity of choosing sides, they will do all within 
their power to restrain England from going to war. Last not 
least an excellent expedient to cool British insolence and over- 
bearing would be to make some military demonstrations on the 
Persic-Afghan frontier, where the British thinks you powerless 



to appear with troops dui^ng this war; even should the forces 
at your disposal not suffice for a real attack of India itself they 
would do for Persia — which has no army — and a pressure on 
the Indian frontier from Persia will do wonders in England and 
have remarkably quieting influenae on the hot headed Jingoes 
in London. For I am aware and informed that this is the only 
thing they are afraid of and that the fear of your entry into India 
from Turkestan and into Afghanistan from Persia was the real 
and only cause that the guns of Gibraltar and of the British Fleet 
remained silent 3 weeks ago! The Indian frontier and Afghanistan 
are the only part of the Globic where the whole of her Battle- 
fleets are of no avail to England and where their guns are power- 
less to meet the invader. India's loss is the death stroke to Great 
Britain! 

This is how I hope that our treaty will fullfill its tas ksto pre- 
serve the Peace of Europe. Should the revised draft and the 
motives submitted meet with your approval the signing can be 
done immediately. I expect that Lambsdorff will receive your 
commands for the drawing up of formalities. God grant that 
we may have found the right way to hem in the horrors of war 
and give his blessing in our plans. Believe me dearest Nicky, 
with best love to Alix 

Ever your 

most affate cousin and friend 
Willy. 

XL 

Vgl. üben S. 146. 



352 



XLI 

Berlin, 7. XII. 1904 
Dearest Nicky, 

Tlie British Government, as you will have seen in the English 
press, seems to think the actual moment opportune for an action 
against the provisioning of your Baltic fleet with coal. Under 
pretext that it is its duty to maintain strictest neutrality it has 
jorbidden the German vessels belonging or chartered by the Ham- 
burg- American- Line to leave British ports. My fears— I wrote 
to you longer ago — that this would happen have at last come true, 
and it is now incumbent upon me to take early Steps to fix the 
attitude Germany has to take up vis-ä-vis of this action. It is far 
from my Intention to hurry you in your ansv/er to my last remarks 
about your proposal about our defensive treaty. But you will I 
am sure be fuUy alive to the fact, that I must now have absolutely 
positive guarantees from you, whether you intend leaving me 
unaided or not in case England and Japan should declare war 
against me, on account of the CoaHng of the Russian Fleet by 
Germany. Should you be unable to absolutely guarantee me, 
that in such a war you will loyally flght Shoulder to Shoulder with 
me, then I regret to assert to be under the necessity of immediately 
forbidding German steamers to continue to coal your fleet. 

Alvensleben is under orders to at once elucidate the Coaling 
question with Lambsdorff. 

Best love to Alix. 

Ever your most aff^te cousin and friend 
Willy. 



23 353 



XLII 

Neues Palais, 21. XII. 1904 
Dearest Nicky, 

Sincerest thanks for }our kind letter and two telegrams, as 
well as for your kind order regulating the coaling question, of 
coLirse we are iinable to-day to foresee whether the declaration 
given by your Government will prove sufficient to meet every 
kind of complication which may arise out of the present run of 
affairs. It is however not my Intention to press upon you any 
Solution which might appear undesirable to you. We shall under 
all circumstances remain true and loyal friends. My opinion 
about the agreement is still the same; it is impossible to take France 
into our confidence before wo two have come to a definite arrange- 
ment. Loubet and Delcasse are no doubt experienced statesmen. 
But they not being Princes or Emperors I am unable to place 
them — in a question of confidence like this one — on the same . 
footing as you my equal, my cousin and friend. 

Should you therefore think it imperative to acquaint the French 
Government with our negotiations before we have arrived at 
definite settlement, I consider it better for all parties concerned 
to continue in our present condition of mutual independence, and 
of the spontaneous promotion of each others ends as far as the 
Situation will permit. I firmly trust and believe that the hopes 
of our being useful to each other may be realised not only during 
the war, but also after it during the Peace negotiations, for our 
interests in the Far Fast are identical in more than onerespect. 

I wish you and Alix with all my heart a merry Xmas and a happy 
New Year, and may the Lords Blessing be on you all not forgetting 
the boy. With sincerest love to Alix believe me dearest Nicky 

Ever your most affat^ and devoted cousin and friend 
Willy. 



354 



XLIII 

Berlin, 2. I. 1905 
Dearest Nicky, 

Best thanks for your kind letter and New Years cards which 
are well executed. The Cossack charge is most effective, and 
one cannot help thinking what might have happened if at Liao- 
Yang General Samsonoff had ridden a charge like that with his 
17,000 sabres and lances against the Japan left wing. The news 
of the fall of Port Arthur received here yesterday evening created 
a very great Sensation. We all here feel deepest sympathy for the 
valiant Generals and the brave diminishing band of heroes under 
their Orders who strove to the utmost and last to fulfil their 
duty towards their Emperor and their country; their defence 
of Port Arthur will become proverbial for all ages, and be upheld 
as an example to be emulated as long as a soldier will exist, honour 
to them for ever! The imminence of the fall of the doomed 
fortress had for some time already set the diplomatical tongues 
wagging in the different capitals of the world; many and different 
were the rumours and news of armistices and peace arrange- 
ments which reached me from everywhere. It being rather diffi- 
cult to discern truth from invention of phantasy, I hope you 
wont fancy that I intrude upon your privacy, when I address 
myself to you to beg you to teil me what your plans for the futurc 
are, so that, if possible I may make myself useful to you, and be 
enabled to shape my course of my policy. The more so as Lambs- 
dorff told Alvensleben the other day "Que la France connait 
dejä nos conditions". Now, I prefer being informed by yourself 
directly, instead in a round about way through other agencies, as 
I have firmly stood to you and your country from the first as 
your faithful friend! After a long spell of unusually warm and 
foggy weather which enabled us to ride up to Xmas nearly, a 
very heavy gale suddenly burst upon us followed by sharp frost 
and snow, and winter seems to have set in earnest, this makes me 

^3* 355 



thlnk of the conditions of life through which the Armies in Man- 
churia have to go now, remalning statlonary for so long time as 
the months gone bye. I am so glad that you rewarded the bravery 
of my Regiment, which has greatly distinguished itself on the 
Sha-ho by so many decorations, I hope they also got a good number 
of St. Georges crosses. 

Now that the programme for the renewal of your fleet has 
been published I hope you wont forget to remlnd your authorities 
to remember our great firms at Stettin, Kiel etc.; they will I am 
sure furnish fine spccimens of line of battle ships. I am so glad 
that Ernie has again become engaged and I will go to his wedding 
beginning of next month. I hope you will kindly accept the two 
vases for Xmas, which come from our Royal Porcelain Factory, 
they are a symbol of my wärmest wishes for you and your family 
and country for the Coming year in which God may preserve you 
all; believe me ever your 

most affä*« Cousin and friend 
Willy. 



XLIV 

Berlin, 15. I. 1905 

Dearest Nicky, 

The widow of old Prince Antoine Radziwill, Princess Marie, is 
going to Petersburg to beg for your approval of her late husband's will. 
Prince Antoine was not only a cherished and trusted servant of my 
deceased grandfather as his Adjutant and Adjutant General, but 
also a faithful and beloved personal friend to him as well as to my 
late beloved father and to me. His winning ways and his gay nature 
as well as his chivalrous character won him friends whereever he 
was, and your Grandfather and father have both always cherished 
him. His wife was the intimate long-life friend of my late mother, 



356 



and has been made testatrix by her husband for his will. The 
whole future of her children and family rests on the fact pf your 
kind approval of the will, and I venture to plead her cause to you 
and to beg that you will bestow your kindness on her, as she is 
very sad and broken down by her loss; this she feels the more as 
her eldest son is an hopeless idiot in an Asylum, so that she must 
look after her Grandchildren too. — Your Ambassador Osten- 
Sacken is in great anxiety on account of his poor old wife. She has 
had a very serious Operation made in her back — without having 
been able to use chlproform — and is unable to lie down but must 
spend her nights sitting in a chair and suffering terrible pain, so 
that considering her age of 84, her life is feared for. Poor old 
man, the suspense is very telling upon him, and I am afraid that 
should she die, he will not be able to work as well as formerly and 
perhaps think of retiring. Should a change once take place at 
your Embassy here, I would venture quite privately, to ask you to 
send Isvolsky here. He is one of the best men in yourforeign Ser- 
vice, and an intimate friend of long Standing of Count Bülow's, 
vvho would be overpleased at having him here, as they formerly 
served together as diplomatists, and as he cherished Isvolsky much. 
— Lastly may I once more remind you of your kind promise, 
twice given, and twice put off, that my brother in law Fredric 
Leopold cöuld be allowed to join your army. The last time in 
July all was arranged and ready, when he was put off, which placed 
him in a very difficult position vis ä vis to our army and officers, 
he being as we say "blamirt", especially so, when Charles Hohen- 
zoUern left for Japan, which was done^ because we thought 
Fr. Leopold would leave for Mukden too. Now the people point 
at Fr. Leopold and the poor fellow is awfully crestf allen; he has 
bought lots of clothes and things and made every sort of prepa- 
rations and even learnt your language and will in no way be 
of any hindrance to your generals, as he is a quiet man; as 
the army is large and powerful I thiftk that it does not matter 
if he goes, so I venture again to ask whether you can permit him 
to gor 

357 



With excuses for bothering you with all these matters, but they 
are better arranged between ourselves and best love to Alix I 
remain 

Ever your most aff^^e cousin and friend 

Willy. 

XLV 

Berlin, 6. II. 1905 
Dearest Nicky, 

Your kind letter reached me on the morning of my birthday 
so early that your wishes were the first I received. Please accept 
my wärmest thanks for them and God grant theymaybe fulfilled! 
Your letter reached me in a moment of dire anxiety, for just then 
my poor boy was seriously ill and it was then a matter of life and 
death! The whole following week was a terrible trial and my poor 
wffe suifered agonies watching near the bedside of the patient; 
thanks be to God that he heard our prayers and saved our boys 
life! 

My brother in law is deeply grateful for your kind permission 
accorded to him that he may at last Start for the front. On his way 
out he is to report himself to you and give you these lines. His 
entourage has been limited as you %A'ished and he is instructed to 
keep quite in the background, so as to in no way hamper the 
Commander in Chief, and he begs that the latter may take no undue 
notice of him, and not to forget that he is a simple spectator who 
wants to learn the art of war earnestly. 

You have been through serious troubles from the effervescence 
and agitation among the lower classes, I am glad your soldiers showed 
themselves reliable and true to their sermon to their Emperor. 
The reception of the deputation of workmen — who seem to 
have been ill advised and partially goaded into striking by agitators 
— made a good impression everywhere, as it showed them that 
they could see in the face their "Väterchen" if they asked for 

358 



this honour in due form ! Many and most vague are the plans for 
reforrn in your country — as far as I can make out — but the most 
sensible and best adapted to its people and their customs, seems to 
my humble notion, the formation of a body of men chosen from the 
best and ablest heads in the different"Zemstvos". This body would 
be attached to the "Imperial Council" and to it could be given any 
question of importance having a vital Interest for the whole of 
Russia to be worked out and prepared for the "Imperial Council" ; 
also men well versed with the special' theme under discussion, 
could be called upon to give their advice, being chosen from every 
part of the people ad hoc. And the comble would be if you from 
time to time presided yourself so as to be able to hear as many 
different men as possible, in order to be able to form a correct 
judgement on the question before them. Just like I did in 1890, 
when I called in the great Comittes for the elaboration of the 
"Social Laws" for the working classes, after the great Strike — and 
which I presided for weeks. In this manner the body would be 
able to provide the "Imperial Council" with every Information 
it wants, enabling you in the same time to remain in touch with 
the great bulk of the lower classes; thereby ensuring to the latter 
every means to make themselves heard in matters appertaining to 
their welfare and thus forming a direct canal of communication 
between the simple folk and their "Emperor and Father". Besides 
you would be able — on account of your own Information — to 
keep good watch and control on your "Imperial Council" 
and the "Comittes of Ministers" to see the work by them is 
done as you wish and your People want; this way ensures the exe- 
cutive once for all to the "antocratic Czar" and not to a leading 
Minister with a board of helpless Colleagues blindly following 
his lead. 

On my birthday my tallest aide-de-Camp — well known to 
you — H. v". Plüskow — in Paris the ladies called him "Plus que 
haut"! — has been made Colonel of your Alexander Grenadiers; 
they gave the Guard of honour for my birthday "Razwod" and 
looked magnificent, as you will see on the endosed photos. In due 

359 



time — when things have calmed down and It suits you — the new 
Colonel will report himself to you. 

As I heard that Serge had mentioned that your authorltles were 
annoyed with Krupp for not keeping his time to furnish the 
batteries ordered by Russia I caused an enquiry to be made at 
his works and send you the copy of the report I received, sho-w-ing 
that there is no ground for the above mentioned complaints. 
Inquiries made at the offices of the Hamb. Americ. Line equally 
show that the rumours to the effect, that they had taken guns and 
ammunition out in their ships for Japan, is totally unfounded; they 
have not taken arms or Stores of war of any kind to or for Japan. It 
seems that the clouds of French and English Agents besieging the 
Admirality and War office — angry at our firms furnishing your 
Government well and better than theirs are able — are starting no 
ends of canards "au detriment" of the Germans; I venture to 
suggest they should be less believed and kicked into the Newa be- 
sides. 

The Japs have just ordered 4 Line of Battleships in England; 
they are to be copies of the newest type in England between 
18 00c — 19 000 Tons with 25 cm. guns as medium artillery and 
30 cm. guns as heavy artillery. With best wishes for a better outlook 
for you and your country and much love to Alix 

I remain ever your most aff*^ 
Cousin and friend 

WiUy. 

P. S. End of next month we shall take our boy to the Mediter- 
ranean and to Sicily. 



360 



XLVI 

Berlin, 2i. II. 1905 
Dearest Nicky, 

Fritz Leopold has just returned with your Idnd wishes and com- 
piiments, deeply impressed by your extreme kindness and affability 
as well as by the handsome reception you gave him. How glad I am 
to hear from him, that you are well, calm selfcomposed and hard at 
werk, and that dear Alix and the children are all right. It is so much 
easier to work at a difficult task, when one knows, that those one 
loves are well. I am glad I was able to meet your wishes by send- 
ing Fr. Leop. to Asia by Sea! Your railways are hereby left un- 
hampered! What terrible tidings have come from Moscowl 
These beasts of anarchists have perpetrated a därk and dastardly 
deed. Poor Ella, what ^ fearful blöw it must have been for her, 
may God grant her strength and devotion to bear it! It is very 
hard for the fine old capital of Russia, that her walls should have 
been soiled by so foul a crime but surely she harbours no true 
Citizen drawing a breath who can approve of it! I cannot believe 
that these demons have risen from the ranks of your Moskovite 
subjects, they were probably foreigners from Geneva. For the 
great bulk of your people still place their faith in their "Väter- 
chen" the Czar and worship his hallowed person. I have gained 
thig conviction from my close Observation of the different phases 
of the movement in Russia as far as I was able from the news Com- 
ing directly from there and by the opinions expressed by obser- 
vers, or sometimes Russians, in the European Press. 

The Russian movement is, as you may well imagine, uppermost 
in all conversations and correspondence not only in Russia but also 
without. The whole European Press is flooded with articles about 
Russia, their opinions depending on the Standpoint of the Party 
they belong to. In this manner a — so to say — European point of 
view has emanated, which seems fairly correct rendering of the 
public opinion of Our Continent. Now I thought that it might 

361 



perhaps be of some interest to you — in your solitude at Tsarske — 
to have an idea of this European opinion, and to hear how the 
events in your country are judged by what one sometimes calls 
the "civilized World" in general. I shall therefore in the following 
lines try to draw a little sketch for you of the "reflected Russian 
picture" as seen from outside. Of course as the People outside 
your country are not initiated to the details of the intricate que- 
stions at issue in Russia they often combine or infer from an effect 
they see — without knowing its cause — and therefore often a 
wrong combination will lead to a wrong conclusion, because their 
ignorance of the true facts has left a breach. The foreign spec- 
tators are often forced to "Jump to conclusions", but we must add: 
"Wo die Begriffe fehlen, stellt oft ein Wort zu rechter Zeit sich ein." 

Therefore I must "avant tout" heg your pardon forwriting to 
you thlngs that you will probably since long have learned from 
your diplomats reports and crave your kind forbearance and forgi- 
veness if I — as a loyal firm and devoted friend of yours am obliged 
to do — also must record opinions, which may seem to you harsh, 
ungenerous, false or even hurt your feelings. But Russia is in the 
act of turnlng over a new leaf in her history, and the development 
shows a tendency to prepare the beginning for a certain moderni- 
zation. 

Such a process, you will agree, in a mighty nation like yours is 
bound to command the most widespread interest in Europe, 
and "comme de raison" before all in the neighbouring country. 
The methods to be adopted, the means which are to be used, and 
the men who are to do the work have a direct influence across your 
frontiers, upon the other nations. If I said that the "opinion" was 
a "European" one I must not omit the fact that many Russians who 
have passed through here in the last months, and all those living 
all over Europe — especially in Paris and France — have also 
contributed to lend colour to the picture; so that the facts form- 
ing the base for the "European opinion" mostly are supplied by 
France, who as "Amie et Alliee" is always the best informed about 
Russia. The outcome of it is this: 

362 



"On dit": "The Regime Mirski too suddenly allowed the Press 
a greater liberty than before and dropped the reins — so tightly 
held by Plehwe — too soon. Hence a sudden flood of unheard of 
articles and open letters addressed to the Ruler, a thing up to them 
thought impossible in Russia; some of them most insolent calcu- 
lated to diminish the respect for the Autocratic Rule. This oppor- 
tunity was seized upon by the Revolutlonary Party to get hold of 
the unsuspecting workpeople, to work them up into a State of 
ferment and to make them demand things — they were incapable 
of understanding — in a peremptory, disrespectful manner accom- 
panied by language and acts which came very near looking like 
revolution. This brought the working class — I am sure against 
their will — into direct Opposition to the Government and into 
conflicts with the Authorities, who had to maintain law and order. 
As these misguided and illinformed lads, mostly composed of men 
taüght to look at the Zar as their "Father" and to "tutoyer" him 
as such, were under the Impression that they would be able to 
place their wishes before him by coming before his Palace, it is 
suggested that it might have been practical if the Zar had re- 
ceived a certain number of them — drawn up in the square amld 
a cordon of troops — and had adressed them from the Balcony of 
the Winter Palace, where he would have been accompanied by 
the highest Clergy and the Gross and his Suite, as a "Father" 
speaks to his children, before the Military had to act; it were per- 
haps not impossible that in this manner bloodshed might have 
quite been avoided or at least diminished. 

The example of Nicolai I has been often quoted, who quelled 
a very serious rebellion by personally riding into their midst his 
child in his arms, and brought the rebels to their knees in short time. 
It is thought that now, as then, the person of the Zar has still an 
enormous hold on the simple people, and that they still bow down to 
his hallo wed appearance. A word from such a position and in 
such an "entourage" would have awed and calmed the masses and 
sounded far away over their heads into the farthest corner of the 
Realm surely defeating the agitators. These are still more or 



Ies9 Said to be in command of the masses because such a word has 
not yet been spoken by the Ruler. The agitators consequently 
are continuing their game on the imagination of the people in 
maintaining: "It is His wash, he thinks so, but you cannot hear him 
because of the bands of officials who manage to fence him off and 
keep him far away from his people". The beguiled masses follow 
and believe these men tili it is too late, and blood must flow. 

Many reforms have been begun, and new laws are being dis- 
cussed in batches, but curiously enough the People generally say: 
"This is by Witte, that is inspired by Mouravieff, that is Pobed.'s 
idea". But the Zar is never named for they are unaquainted with 
his real thoughts! Though the Comittee of Ministers or the 
Senate issue the Manifestoes in the Zars name yet these bodies are 
much too vague and mysterious to the looker on as to evoke anything 
like enthusiasm or interest with their acts. In ah Autocratic Re- 
gime, it is argued, it must be the Ruler himself who gives out the 
password and the programm of action in an unmistakable official 
way. It seems that every body is expecting something of this sort.by 
way of an act of will by the Zar personally. As long as this does not 
happen the impression at large will continue, that the announced 
reforms and law paragraphs are only ministerial work meant for 
show and to throw sand into the peoples eyes; and men will con- 
tinue to anxiously miss the firm band on the country's heim, 
guided by a master mind with a clear purpose, steering for a clearly 
defined goal. This State of things creates a feeling of uneasiness 
which in its turn evolves dissatisfaction generating "fault finding k 
tort et ä travers" on a grand scale even with the mildest man of 
the very best intentions and actuated by the sincerest and .purest 
of motives. In consequence the disappointed spectator — perhaps 
also the subjects — is more and more.prepared to throw on the 
Zar's Shoulders the responsibility for everything with which they 
are dissatisfied. In ordinary times this matters very little, and in 
constitutional Nations it is not so dangerous, as the Kings Ministers 
have to mount the breach and to defend his person. But in Russia, 
where the Ministers are unable to shield the sacred person of the 



Ruler, as they are known to be his tools simply, such troubles which 
fill the Russian minds with unrest and uneasiness, and which lead 
to the saddling of the Ruler with the odium for everything dis- 
agreable that happens, are a very serious danger for the Ruler and 
his dynasty, because they tend to make him unpopulär. Now, it is 
argued, that the "intelligentia" and the Society in parts are 
already dissatisfied, should the Zar also become "unpopulär'* with 
the masses the agitators might easily raise such a storm that it 
would be very uncertain, wether the Dynasty would be able to 
weather it. 

On one point all seem to agree in Europe as by common "con- 
sensus" that the Zar personally is solely responsible for the war. 
Its outbreak, the surprise caused by the sudden attack, the evi- 
dence of want of preparatlon is said to be his fault. They say 
that the thousands of families who have lossed their male relatives 
by the war or must miss them for long months lay the blood and 
their complaints at the Steps of the Zar's throne. It is maintained 
that the Reservists called out to leave their homes, do it reluctantly 
detesting to fight in a country whose existence they did not know 
of, and for a cause which is unpopulär to them. They are careworn 
when they think of their wife and children they Jeave behind, slowly 
sinking into poverty and helpless misery, they lay their ariguish 
and their cares at the door of the Zar's Palace wishing he had 
left them at home. 

The reports from the Foreign and Russian correspondents with 
the army show it fighting an uphill fight against a most redoubt- 
able foe. It had to begin war under very difficult circumstances. 
not having had time to properly prepare for the task, under the 
disadvantage of inferior numbers with which it was unable to stem 
the inrushing tide of mishaps and to meet the terrible onslaught of 
a foe known to have been preparing for this action durlng the last 
five years. For all this the Zar is thought to be responsible. Also 
the fearful losses of the Navy are shouldered upon him. 

Now the responsibility for a war is a very serious thing for a 
Ruler, that I know by experience from what my late Grandfather 

365 



told me. He a man personally of the mildest and most peaceful 
disposition and already in old age was called upon to wage 3 wars 
during his reign! And for each of them he took the füll respon- 
sibility. But he had a clear conscience and his people loyally and 
enthusiastically supported him; the whole nation rising like a man 
and resolved to win or die, victory or destruction, but fight to the 
end; he and his subjects feit that Providence was on their side, and 
that is as good as if victory was already won. Such wars then are 
easy to be borne for the Ruler because his whole people share the 
bürden with him. But the responsibility for an unpopulär war is 
quite a different matter; when the glow of flaming patriotism is 
unkindled and when the nation as a whole takes no willing part in 
it, and sullenly sends its sons to the front because the Zar so wills 
it, but without making his cause their own that is a fearful and 
heavy load to bear; whose weight can only be lightened by the 
pureness of motives which give the Ruler the clearness of con- 
science necessary to enable him to expect his subjects to fight for 
him even if they are unable to discern the motives themselves. 

These words must seem very stränge to you and I hear you 
ask with astonishment: "The war unpopulär! Impossible!" I can 
only answer that the amount of private correspondence received 
in France leaves no doubt that it is so. 

The war is very unpopulär with all classes in Russia the offi- 
cers not excepted especially as victories have up to now been denied 
to the Russian arms. The impression rests with the officers of 
the French Army — your Allies — that even the confidence in 
Kouropatkine is beginning to give way, and as if the harmony, 
essential to success, between the different Commanders of the 
Russian forces left much to be desired. If true this State of things 
would hamper the Operations and jeopardzie the chances for vic- 
tory j, and it is necessary that it should be remedied to and that soon, 
or the army and its discipline would suffer by it otherwise. The 
Solution I own is most difficult. '-:- ■ -,:•' 

It seems however that it is generally agreed to, that Kouro- 
patkine has more talents for a chief of the Staff under another 

366 



General as leader, than to be a leader him&elf, as he is rather slov/ 
and lacking somewhat in the dement called the "Offensive"; 
this leader is difficult to find as the Generals, senior to Kouro- 
patkine are mostly too old and out of the ranks since long; besides 
it would be doubtful, whether he would consent to such a change. 
On the other band bis knowledge, it is said, of the country, enemy, 
their mode of fighting, of the feeding and caring for the army are 
quite invaluable and cannot be missed from the field. The result 
of all this pondering is, that people begin to hint that the Zar 
himself might perhaps personally take over the Command in Chief, 
and joining his brave troops, restore their confidence, cheer them 
by taking his share of hardships, electrify them by his presence 
and preserve the Services of Kouropatkine for his troops, as he 
would act as Chief of the Staff to his "War Lord". As I have 
shown above, there is — one may say — a slowly rising sort of a 
tide of misinterpretation, unrest and disobedience which must 
evidently be stemmed and calmed down; and the European Public 
as well as the Russian Nation is instinctively looking toward the 
Zar, and expecting that he will come forth and do something 
grandly, a great personal act; meant to show all that he is the 
Avitocratic Ruler of his People and willing to allay their anxieties 
and pains as far as is in his power. The general expectation is very 
neatly put into words by someone who said: "II faut que l'Empereur 
fasse un grand acte pour affermir son pouvoir de nouveau, et 
sauvegarder sa dynastie qui est menacee, il faut qu'il paye de sa 
personne!" But how! After what I wrote about the war, you are 
perfectly at liberty to ask another question: "Why is the war 
unpopulär, why does it seem that I am not backed up by my whole 
People, why do they lack enthusiasm for the fight; we were attacked 
and our flag insulted, and we have to fight for its honour and 
our prestige ? ! !" The Foreign observers fancy there is an answer 
forthcoming. It is this. In former times your forefathers before 
they went to war used to repair to Moscow, pray in the old Churches 
and then assemble the Notables in the Kremlin inside, and the 
People outside in the courtyard and announce to them with great 



ccremony the necessity for the war and called upon their loval 
subjects to follow them to the field of battle. Such a call from the 
Kremlin in Moscow — which is still the real Capital of Russia — 
ncver failed to find a response from the Russian Nation! Such an 
act, such a call to arms was expected by Moscow and Russia from 
you since the days following the 8th of February of last year, and 
they then were ready to answer with enthusiasm smarting under 
the feil blow, which had fallen on them unawares, and the Citizens 
of the great Capital looked eagerly forward for your Coming: it is 
cven hinted that the officials had your train got ready for starting. 
But the Zar came not. Moscow was left to itself ; the „holy war" 
eagerly expected was not proclaimed, and there was no call to 
arms. This Moscow looked upon as a slight, and smarted under it. 
It has become disaffected and shows her disaffection openly, her 
example being followed all over Russia. The other day the remark 
was made "II est temps que l'Empereur remette la main sur 
Moscou; avec Moscou il parviendra a remettre 1' ordre* en Russie, 
Sans Moscou, cela sera tres difficile." Well European observers 
think that it could be managed, that the Zar could make the ex- 
pected "Grande acte" by going to Moscou and assembling the 
nobility and notables in his magnificent Palace speak to them; 
perhaps beginning with a reprimand for publishing letters and 
adresses sent to him, which is bad manners and must not be repeat- 
ed, and then proclaim the reforms he has prepared for his People 
as far as he thinks fit. Not the promise of a general legislative 
assembly, no Constituante or Convention Nationale, but a Habeas 
Corpus Act and wider extension of the Conseil de l'Empire. No 
liberty of assembly or of the Press, but strict Orders to all censors 
to abstain from any chicanes henceforth. Further the Zar would 
let the hearers know what he has decided about the army — in case 
he thinks it possible or necessary to go out himself — to teil them 
and to exhort them to abstain from all internal quarreis tili the 
enemy is routed. After this the Zar "entoure" by the Clergy 
vTith banners and cross and incense and holy Icons would go out 
on the balcony and read out the same speech he held before, as a 

368 



Manifestoe to bis assembled loyal subjects in the Court Yard 
below, encircled by the serried ranks of the troops "la bayonette 
au canon", "le sabre au poing." When you would teil them that 
you — in case you thought it necessary — would go to share the 
hardships of thelr brothers and relatives in the field, who had to 
go out by your command, and to checr them and rry to lead them 
to victory, it is argued that the People will be deeply touched 
and cheer you and fall on their knecs and pray for you. The Zar's 
popularity would be recovered and he would gain his peoplcs sym- 
pathy bcsides. AU persons who take an interest in the Russian 
events are unanimous in their opinion that "ä la longue" the Zar 
must not remain in perpetuum in Tsarske or Peterhof; but that it 
is sure that should his first appearance be made under the above 
mentioned conditions, the Sensation and impression created in the 
whole World would be enormous, which would with bated breath 
listen to him when he adressed it, as his forefathers formerly did, 
from the ramparts of the Kremlin. 

This, dearest Nicky, is the sketch which I have drawn of th«* 
European Public opinion with respect to the events in Russi?. 
In the beginning I have given you the reasons why I thought it 
my duty to write these lines. I once more crave your pardon for 
having taken up your precious time and in case I should sometimes 
have been too personal in my report. But as your loyal friend I 
am a jealous watcher of your "renommee" in this world and 1 
wish you should by it be rightly and justly judged; and that is my 
duty too to inform you of the opinions the world forms on your 
account so as to enable you to correct them by your acts if you 
feel so incHned. At all events "Honni solt, qui mal y pense." 

With sincerest wishes for the welfare and future of your country 
and house, and best love to A]ix,.and the wish that God may bloss 
and protect you all believe me dearest Nicky as always 

Your most aff^te cousin and friend 
Willy. 



24 360 



XLVII 

Berlin, 3. VI. 1905 
Dearest Nicky, 

The kind lines which you entrusted to Micha's care and were 
given me yesterday have deeply touched me. The memorable 
events you allude to are all clearly graved in my memory and 
remind me how the years have gone by, and how often since long 
we two have been brought into personal relations. The natural 
consequence o£ this is a firm feeling of mutual frlendship that 
developed between us both based on a perfect understanding of 
each other. These relations have flourished through the long 
years for the welfare of our countries, to rule which we have 
been called upon by Providence. They were and I hope will 
continue to be guarantees of Peace and welfare for the two countries 
as well as for the world. I well remember the moment in the 
church of the Winter Palais when you took your oath on the 
glorious tatters of the old Cossack Standard, amid the breathless 
silence of an enormous audience of illustrious people! How 
moved your dear father was when he kissed you after the ceremony! 
How long ago that is! Nowyou are in his place and have to lead 
your country through one of the most difficult phases of its 
developrnent. How I have been feeling for and thinking of you 
all these last months I need not say ! Also of every phase of Admiral 
Roshdestwensky's progress! The great stake which he represented 
in your band has been played and honourably lossed. He did 
everything in his powers to come up to your wishes, but Providence 
willed it otherwise and he met defeat bravely serving his master 
to the last! My füllest sympathy is with him and you. 

From the purely military strategical point of view the defeat 
in the straits of Corea ends the chances for a decided turn of 
the scales in your favour; the Japanese are now free to pour any 
amount of reserves, recrults, ammunition etc. into Mandschuria 
for the siege of Wladiwostok, w^hich will hardly be able to reslst 



very long wlthout a fleet to support it. The Army of Lenewitscb 
will need at least 3 or 4 fresh Army Corps to bring it up to it 
former efficiency and even then it is difficult to foretell what 
the consequences will be and wether another large battle will 
promise more success than the former did ? Formally it is of coiirsf 
possible, even under these adverse circumstances to continue tbe 
war for any amount of time. But then on the other band the 
human part must not he overlooked. Your country has sent 
thousands of its sons to the fronte, where they died, or were taken 
ill and were left cripples for the rest of their lives. Now as I wrotc 
to you in my last letter — Febr. 6th — the war is very unpopula: 
and the people see their sons and fathers reluctantly, even uc- 
willing leave their homes to fight for a cause they not only not 
espouse but abhor! Is it compabible with the responsibility ci 
a Ruler to continue to force a whole nation against its declared 
will to send its sons to be killed by hecatombs only for bis sake? 
Only for bis way of conception of National honour.^ After the 
people by their behaviour have clearly shown their disapproval 
of a continuance of the war.!* \^i{\\ not in time to come the life 
and blood of all uselessly sacrificed thousands be laid at the Rulerr 
door, and will he not once be called upon by Him, the Rula 
and Master of all Kings and men, to answer for those, who weic 
placed under bis control by the Creator, who entrusted theii 
welfare to him? National honour is a very good thing in itseli, 
but only in the case that the whole of the Nation itsclj is determüned 
to uphold it with all the means possible. But when a nations 
ways show that it has enough and that "tout est perdu fort 
Thonneur" is its way of thinking, is it not reasonable that also 
its Ruler should then — no doubt with a heavy hcart — dra-v 
the consequences and conclude peace .'' Even though it be a bitter 
one.? Rather than risking through the Prolongation of an un- 
populär war to create such a bitter feeling in bis country that 
it would not even refrain from taking serious steps to eventually 
force the Ruler to comply to their wish and adept their views? 
Of course there is the Army to be considered. It has fought ard 

^4* . 371 



bravely f ought — through heat and cold f or i V2 years trying 
uO win victoria for you and your country, but up to now Providence 
has withheld success from it. Defeat, fearful loss of life, and 
sufferings unspeakable have instead been sent to the poor Army 
and have been willingly borne by these capital, brave, quiet, 
ielfsacrificing fellows your soldiers. That they should burn for 
i-evenge and bc ready to do battle at every possible moment is 
quite natural. But 19 there any new leader or General among 
the Captains who is able to guarantee success, so that it would 
justify a new tremendous effort at the expense of thousands of 
tiie soldiers lives.-* Is the Army really absolutely convinced that 
^t will yet be able to turn the scales? To this question you of 
course alone are able to know the answer. Should the answer 
however be given in the negative by }'our Generals in your Soldiers 
aame, declaring on their honour that they could only die for 
iheir Emperor but hardly win any decisive victories for him, 
then I think your conscience may be at rest as to wether you 
ought to go on fighting or not, and you could open the Peace 
aegociations which would be hailed wlth joy by all your loyal 
.>abjects throughout Russia after the tribute of blood they readily 
gave their Emperor. You may then say like the old Frcnch Grena- 
dier Bombardon sings: "Das Glück des Kriegs hat wider uns 
entschieden, doch die Armee hat ihre Pflicht getan, die Hälfte 
figl, der Rest ward Invaliden! Je nun, man trägt, was man nicht 
ändern kann!" 

Napoleon I and Fredrick the Great also suffcred defeat! 

It must be looked upon as Gods will that things have taken 
this course! Goi has imposed this burthen on you, and it must 
be börne, but perhaps by His intentions and with His help, lasting 
good may come out of all this in the end; a new life and a new 
Order of things for the development of Russia may spring from 
tliis tlme of trial, which would be a recompense your subjects 
richly deserved. 

Forgive the length of my letter, but I feel bound as your friend 
md coUeague to teil you what I think is true and right! You 



know the motives that prompt me, and you are free to do y/iib 

these lines what you think fit. 

Should however the ideas propounded in this letter coincidr 
with yours and you think that I could be of any even smallest 
use to you for the preparatory Steps to bring about peace, pray 
dispose of me at your leisure. I may perhaps tum your attention 
to the fact that no doubt the Japanese have the highest regard 
for America before all other nations. Because this mighty rising 
Power with its tremendous fleet is next to them. If anybody 
in the world is able to influenae the Japanese and to induce them 
to be reasonable in their proposals, it is President Roosevelt. 
Should it meet with your approval I could easily place myself— 
privately — in rapport with him, as we arc very intimate; also 
my ambassador there is a friend of him. Besides you have Mi, 
Meyer whom I know since years, who has my füllest confirfence^ 
you may send for him, talk with him openly, he is most discreet and 
truthworthy, a charming causeur with agreeable manners! Herc 
the Brides Entry took place in splendid weather and amidst great 
enthusiasm! Best love to Alix from your 

affate friend and cousin 
Willy. 



XLVIII 

Pillau, 27. VII. 1905 
Dearest Nicky, 

On reaching the shores of my home I take the earliest opportunity 
of sending you a line to once more thank you for the way in whicl> 
you received me and the kindness shown to me by you. The 
hours I was allowed to spend in your society will be ever graven 
in my memory, you were like a dear brother to me. I shall always 
respond to your feeHngs with the same warmth and with the 
same intensity as you and you can count on me as on a firm friend > 

373 



who is filled with the sole wish and hope to see you successful 
in your heavy work, and your country soon recover from the 
severe test it has undergone through the will of Providence. The 
Alliance for mutual support in case of need, which we concluded 
Will be of great use to Russia, as it will restore quiet in the minds 
of the people and confidence In the maintenance of peace in Europe, 
and encourage financial circles in Foreign coimtries to place funds 
In enterpriscs to open up Russia, and its vast Stores of wealth 
yet untouched. In times to come it may not be impossible that 
even Japan may feil inclined to join it. This would cool down 
English selfassertion and impertinence, as she is her ally too. 
The 24 th of July 1905 is a cornerstone in European Politics and 
turns over a new leaf in the history of the world; which will be 
a chapter of peace and goodwill among the great Powers of the 
European Continent, respecting each other in friendship, con- 
fidence and in pursuing the general Policy on the lines of a Com- 
munity of interests. The moment the news of the new "groupe- 
ment" will have become known in the world, the smaller nations, 
Holland, Belgium, Danmark, Sweden, Norway will all be attracted 
to this new great centre of gravity, by quite natural laws of the 
attraction of smaller bodies by the larger and compacter ones. 
They will revolve in the orbit of the great block of powers (Russia, 
Germany, France, Austria, Italy) and feel confidence in leaning 
on and revolving around this mass. The dual Alliance combining 
with the Triple Alliance gives a Quintupel AlHance, well able 
to hold all unruly neighbours in order, and to impose peace even 
by force, if there should be a power hairbrained enough to wish 
fco disturb it. In the conversation with that excellent man Birilew — 
<i capital choice you made — I m.entioned that when once your 
types of ships are decided upon, you ought to build them as many 
as possible at once, and not forget the German private firms, 
beside the French. Because they would work as for their own 
country, whereas other Powers would make use of the secrets 
of your buitders and engineers against yourself and country. 
Setween Bjoerkoe and Hochland I met my crusler Coming from 

374 



Schweden, unshaven, unwashed and perfectiy black like a chimney- 
sweep — a picture of woe — from the smoke of the Torpedo- 
boat. I got some French news papers, in which I read a resume 
of the Brest Fetes: II y a 12 ans nous avions Toulon et Cron- 
stadt, c'etait le mariage d'amour. Comme chez tous les mariages 
d'amour est survenu un desillusionnemerxt general surtout depuis 
la guerre 1904 — 05, Maintenant nous avons Brest et Cowes, 
c'est le mariage d' affaires, et comme chez tous les mariages d'af- 
faires il en resultera un mariage de raison! I think that really 
cool! for an Ally! to let her "amie et alliee" drop like that! It 
will do the French a world of good if you draw the reins a little 
tighter. Their 10 milliards of francs they placed in Russia of 
course hinder them from quite falling off, but the language shows 
to what a point the English flatteries have already brought the 
French! I hope they wont go quite off their heads at Cowes. 
To use the metaphor of "mariage" again "Marianne" (France) 
must remember that she is wedded to you and that she is obliged 
to lie in bed with you, and eventually to give a hug or a kiss now 
and then to me, but not to sneak into the bedroom of the ever 
intriguing touche-a-tout on the Island. 

Now good bye dearest Nicky: dont forget about Magnacharta 
(habeas corpus act) and the reconipense for your line army in 
bringing it to a level with the Guards! You promised it to me! 
Dont mind the ill honour of Wlad: or the Guards Opposition, 
remember the 10 army corps in the Field that bled for you, and 
those in the Provinces at home, who are daily fighting for you 
against the Revolution. Best love to Alix from your 

most devoted friend 

Willy. 

P. S. As you told me that Boulygine had already finished a bill 
after your directlons, responding to the ideas I told you about, 
it would I think be urgent to promulgate it now at once, to let 
the members be chosen as soon as fossible so that, when the con- 
ditions for Peace are submitted to you: you can communicate 

375 



them to the Russian Peoplg, zcho would have to hcar the responsibility 
of rejection or approval! This would shield you from a general 
attack on your policy from all sldes if you did It alonel 

XLIX 

Schloß Wilhclmshöhe, 22. VIII. 1905 
Dearest Nlcky, 

Your rn?.nif'st dlrrcting the formation of the "Duma" made 
an excrürnt ii-nprssion in Europe — f eptcially - in my country, 
and I heg you 10 nctlve my wärmest congral uiri: ions. Il is a grcat 
slep forward for the Poliiical devflopm<nt of vnur country and 
giv( s the p. ople an opcning by which thry wi 1 be able to bring 
bc:fore you ih.ir hoprs and wi«h( s, and (nable a tombined work 
of Master and Country for the Naiions Wflfar^. You will be able 
to tüke touch wiih all «orts and condiiions of men and infuse into 
them directly your spirit and your idt as, wiiich was formcrly 
hindercd by the great bulky wall of the "IVhln" bureaucracy 
regarded with much suspition byyoursubj cts. Ixciise my tclegram 
the otbcr day but I thought ihat it may be a good idea to try the 
"mettlc" of the "Duma" and to see wether it is workable or not. 
In the same time you get an exccllent inslght into the mind of your 
Pcople and make thrm carry a part of the responsibility for the 
future, which it would have probably liked to saddle solely upon 
you, thercby maklng a wholesale "criiique" and dissadsfaction with 
deeds done by you alone impossible. 

I send you enclosed some intercsiing ariicles showing the tcn- 
dency of the thoughts pf France. The Briiish have prostitutcd 
themselvcs before France and the Frcnch sailors in the hopes of 
gaining them over from you, and stopping any "rapprochemenl" 
bctween you, me and them. 'i'he Frcnch feit much flattered, but 
I hope the sensible pcople have kcpt their heads cool and clear and 
Seen, that all is "cousu de fil blanc", and that Britain only wants 
to make France her "catspaw" against us, as she used Japan against 

Z7^ 



you. The article in the "Forum" is written by Maurice Low, the 
corrcspondent of the "Morning Post" sent to America. It is 
cleverly written and most indiscret about the extension of the new 
Anglo-Japanese treaty which was kcpt quite secret in London tili 
novv, bat he scems to have let the "cat out of the bag". The 
"Arch intriguer — and mischicfmakcr" in Europe as you rightly 
caM"d the King of England has been hard at v/orkin the last months. 
At Cowes he said to onc of my friends — a German gentleman 
I sf-nt to observe the "Entente Cordialc" — "I cant find out what 
has been going on at Bjoerkoc! Bcnckendorff knows nothing — 
jor he always teils me everything — Cop-.r.hagen knows nothing 
apu '-vv-n ihe Emperors niol'er — zvko clioays let me hnozo everylhing 
— hi:S ht-ard notning from her son tliis limt-; evtn Lambsdorlf — 
who is such a nice man and lets nie know all I war.l to hear — knows 
nothing or at le.ist wont teil! It is very disagrceable!" This shows 
you how very wiue is the net of secret Information he has cast over 
Kurope and ov-r you. H- firit kt bis Press launch the idea of a 
\i;it to me, and whcn all ihe papers of Europe had taken it up 
and talked it over, suddenly publlshcd an insulling dementi, dcclar- 
ing my Foreigfi ojfice had started the idea. The finest lie I ever 
came across! After tbis he goe-s and invites my son behind my back 
to com.e and visit him \v. England! I have of course stopped that 
bnslness. His fleet is in the act of vi:i ing our shoros and I tbink 
this will open the eycs of many Gcrnians who are still loth to vote 
money for an extension of our Fleet; v/e shall send many down by 
rail and steamer to take an object lesson. They will I hope learn 
10 understand the nccessi'.y of bvilldlng a strong fleet. The enclosed 
brochure was sent me from America, I cnclose it, as I think it may 
interest you, especially from (he poiiit of vIew of the future plans 
England has vis-a-vis of Russia in Asia and what she is trying to 
use the Japanese for. Jt throws light on the Japanese expedition 
to the Turkcstan fronticr I told you about. 

Your most äff. Cousin and Friend 
Willy. 



377 



Cronberg, 24. VIII. 1905 

To-day 4 weeks ago "Bjoerkoe"! The delightful hours we spent 
together! And the lasting bonds of unity of friendship which will 
bring fmits of good to our countries, so God will. I just got your 
kind long telegram! So many thanks; most kind to take so much 
trouble. I quite understand your position and resolutions! As soon 
as you are sure of your People backing you up, and they are ready 
for further fighting then all is right, and wish you Heavens help 
and a speedy victory. I am on a visit to my sisters here, who just 
returned from a long stay in England. They tellme the news of 
our meeting at Bjoerkoe threw all the people there and the press 
into the State of wildest excitement. The King and the Court 
before all were quite "aus dem Häuschen", he trying to find out 
from my sisters wether they know anything of what has going on! 
They laughed him in the face of course, and were much amused. 

The extract from the letter of Bismarck to Schleinitz from 
Russia in 1858 will interest you as it shows that history repeats 
itself and the times were very-like what they are now. I saw Gran- 
duke Georg today with Minny of Greece, he told me bis news from 
private source were that the publication of the "Duma" had 
created great satisfaction in Russian provincial circles; and^ that 
sympathy for Germany and acknowledgcment for our behaviour 
to Russia during the war were warm and lively. My sisters and 
Tino and all the family send you their very best love! Dont forget 
the Order ranking the "avancement" of the line equal to the Guard. 
It will answer splendidly! I enclose some new postcards of the 
Saalburg I visited today, it is nearly finished and looks lovely in 
the fine summer weather. 

Now Good bye my dear Nicky, God help you and protect you 
and all your family my prayers will always follow you as from your 

most devoted and aff^te friend and cousin 
Willy. 



25. VIII. 

P. S. Just when I had finished my letter I got a message from 
President Roosevelt. Knowing my interest In the Peace Conference 
he kindly sent me Information of the Situation and of the points 
at issue upon which there is a difference of opinion between Japan 
and Russia, and his proposals for meeting the wishes of both belli- 
gerents as far as it is possible. I think his proposals most sensible 
and practical and hope that they may come up to your expectations. 
As far as I can make out they seem to secure to Russia all the 
advantages of an honourable Peace. But of course it is for you 
solely to decide, as you are best able to judge of the feeling of your 
countrymen. Once more I beg your pardon for being such an 
awful bore and bothering you, but you know that it all comes 
from a friendly heart, which beats warmly for you and your welfare 
as well as that of your country. 

I have ordered my fleet to shadow the British and when they 
have anchored to lay themselves near the British Fleet to give 
them a dinner and make them as drunk as possible to find out what 
they are about; and then sail off again! I think the astonishment 
will be great as the English as well as our people believe that our 
fleet will be in the North Sea! So dont teil anybody for the secret 
must be well kept! Tata! this is the real end of my epistle! 

- Willy. 



LI 

Rominten, 26. IX. 1905 

Dearest Nick}', 

Witte's Visit gives me the agreeable opportunity to send you 
a few words. This always affords me great pleasure and I only 
trust that the letter may not bore you too much. I had most 
interesting conversations with Witte. He has impressed me as a 
man of uncommon perspicacity and- foresight and a rare gift of 

379 



energy. He has managed to turn — with Roosewelts equally 
energtric and clever help — the Portsmouth Conference to a very 
good ^: d. So much so, that in the rest of the world it is regarded 
as a Signal and effective victory of Russla over Japan. This may 
be of iiiterest to you, because doubtless enemies of his and in- 
vidioüs pcople in Russia, may wish to detract from his work, and 
make believe that he has not safeguarded his country's interests as 
he ought to. Grcat men — and he must be I believe counted 
among them — v^'ill ever have to face a certain amount of envy 
and Hls which counterbalance the share of praise lavished on them 
by their admirers. But it is the facts that speak for them., and 
Portsmouth speaks for itself. 

I found to my great satisfaction that his polirical ideas fully 
coincide with the base upon w^hich we rested our views exchanged 
at Bjcerkoe. He is a firm advocate of a Russo-German-France 
Alliance which as he teils me will be gladly "coudoye" by America 
for the maintenance of the Peace and statu quo in the world, 
the balance of which has been disturbed by the Anglo-Japanese 
Treaty. He was consequently very agreeable surprized when I 
told him of our work at Bjcerkoe. It is the grouping of Powers 
which is the most natural — they being the reprcsentants of the 
"Continent" — and will have the consequence of drawing all 
the other It-sser Powers in Europe into the orbit of this great 
block. America will stand on the side of this "Combination". 
Firstly from the "Racial" point of view. they are decidedly "White" 
anti "Yellow". Secondly politically,' from fear of Japan on account 
of the Philippines upon which the Japanese have cast longing 
eyes, their loss would impair the American position in the pacific. 
Thirdly from the dangerous competition of the Japanese trade 
sustained by very cheap labour and without the cost of long 
transport with its tariffs for fright and for the passage of the 
Suez Canal. The sums to be paid for its passage being a hcavy 
tax on the whole European commerce. The same thing will be 
with the "Panama Canal". 

The "Continental Combine" flanked by America is the sole 

380 



and only manner to effectively block the way to the whole world 
bet jming John Bull's private property, which he exploits at bis 
hearcs content aftcr having, by lies and intrigues wlthout end, 
set the rcst of the civilizcd nations by each others ears for bis 
own personal bencfit. We see this pernicious principle at werk 
now in the Marocco qucstion, in which John Bull is equally doing 
bis best to set the French dead against us. Thereby causing endless 
delay and trouble. But your AUics are so hypnoiized by "Cowes" 
and "Brest" and the "Entente Cordiale" that they scarccly do any- 
thingin Foreign Politics without Consulting London first! I think it 
would be a good thing if you would have Nelidoff advised to put 
a stop to this Anglomania and to remind the French that their 
Future lies with you and us; for I hear that he is also somewhat 
"anglomane" Witte kindly gave the French advice about Marocco 
to take reason and I have ordered Radolin to be as "conciliant" as 
possible, so that I hope that w^e shall come to terms in a few days. 
With regard to the Anglo-French "Entente Cordiale" you may 
perhaps find in my letters to you from two years ago, where I 
warn you of the beginning "Rapprochemcnt" of the two Govcrn- 
ments and countries; when they commonly opposed your policy 
in Macedonia after the "Mürzsteg Punctations". I then showed 
that they were rcsuming their old former Policy of the "Crimean" 
and called them the "Crimean Combination". The Liberal 
"Wtstern Powers" have combined as I predicted; and are not 
only opposing you in a foriign Policy, but more hotly and open 
on the field of internal Russian policy. The French and English 
Liberal Press quite openly and in conjunction denounce all mon- 
archical and energetic actions in Russia — the "Zardom" as they 
call it — and openly expose the cause of the Revolutionaries for 
the expansion and maintenance of liberalism and "enlightenment" 
against the "Zardom" and "Imperialism" of "certain" backward 
countries. That isyours and mine. Thephrase by which the French 
are always recaught by England is "to uphold in common the 
interests of Liberalism in the world and to propagate it in other 
countries". That means to foster and help revolutions all over 

381 



Europa especially In countries whlch are happily not yet under 
the absolute dominations of those infernal parliaments. 

Alvensleben who is on leave at home is I am sorry to say quite 
broken down in Health and has begged to be allowed to resign 
and leave the Service. With your kind approval I propose to send 
your court H. v. Schoen Minister at Copenhagen. He was formerly 
a long time in Paris, is raarried to an elegant and most charming 
wife: he accorapanied me on my journey to Tangiers and the 
jMediterranean this year and is a loyal quiet discrcet man; a personal 
friend of mine having my füllest confidence since many years. 
He is well acquainted with all the English intrigues in Denmark, 
many of which he was able to counteract. He knows Italy well, 
speaks French, Italian, English like his mothertongue, is most active 
and a good lawntennis player, in case you should need one. 

The visit of the British Fleet at Swinemünde and Danzig went 
off without collisions. The public was civil and "hospitalier" but 
without enthousiasm. At Esbjerg I had one of my friends who 
speaks Danish and English well. He went on board the ships 
disguised as a coal merchant and frequently dined or lunched with 
the officers. They told him that they were sent to the Baltic 
to show the emperors, that they had no power whatever to decide 
anything as they plcased, for the British Fleet would never allow 
them to ! ! A fine piece of impudence ! ! May your fleet socn lay 
again on the waters in fine ships of new types commanded by able 
bodicd and clear minded officers and well trained men. 

A piece of news that will amuse you came from Vienne a few days 
ago. The American Ambassador Mr. Bellamy Storer told a friend 
of mine, that he had been with the King of England at Marien- 
bad; a few days beforc the conclusion of peace the King told Storer 
that there was no idea of Peace as Japan would never be allowed 
to give up the demand for indemnity, which was due toitas Victor. 
He then went on saying that it was most necessary that Russia 
should be and remain financially helplcss and crippled for a long 
time. Storer said he was in a yctv awkward position as the king 
asked his advice on the promenade loudly before a large number 

.^82 



of people who were accompanying hlm and who were Ustemng..! 
It seems he is afrald America ™ill join the other nations m givrng 
Russia moncy, when a great loan is intemationally ^sued; and 
wanted to influenae Storer to report home to that effcct; «h.ch 
he of course refused to do. 

Now thePeace becing signcd and the rectificaüons even to be 
exchanged, would not you think it practically if wc tvvo mstruct 
our ambassadors at forcign courts identically w.thout letung them 
into the secret of the existence of a treaty - that m all matters 
not specially affecting our countries in their o,.n interest, but m 
all questions of general policy our ambassadors are to work together 
and inform each other of their Instructions and ideas. Thts cornmon 
exposal of a common cause, ^^•lll not fall to impress the World that 
our relations have become closer and thus slowly prepare your 
AUi-s the French for the new orientation which their poUcy 
must take for the entry into our treaty. The Marocco quest.on 
will be settled in a few days. - Witte having talked sense and 
.iven sood advice to both sides, and I have instructed to be as 
°coula;t" as posslble. Witte has charmed all the ladies and Gentle- 
men here by his amusing stories about America and his exper- 
ences which will greatly amuse you tooü Now goodbye dearcst 
Nicky, love to Alix, a kiss to the boy from ever your most devotea 

friend and cousin 
\Yilly. 

LH 

Keues Palais, 28. XI. 1905 

Dearest Nicky, 

The Chancellor, to whom I read somc parts of your letter, 
told me that our purely defensive agreement cannot possibly 
dash with the French treaty concluded by your Father. For _if 
itdid, the meaning vvould be, that by the French treaty Russia 



13 bound to Support France even in a zvar of aggression against 
Germany! But such a contingency i. e. Russla supporting France 
in an aggressive policy against us. we never tili now looked upon 
as deserving even a moment's consideration; because your dear 
father often told me, he would at all times set bis face openly 
against any war of aggression. Besides being on the most friendly 
and intimate terms with me. This is illustrated by the fact that 
in 1891 during the manoeuvres near Narva, he openly expressed 
to me his aversion to the French Republican System, advocating 
the restoration of Monarchy in Paris, for which undertaking he 
begged me to help him. If your French agreement is like ours 
purcly defensive, then there is no incompatibility between the 
two, one does not exclude the other, so that no further declaration 
is required. 

On the other band I can understand that it may be opportune 
for you, not to publicly prociaim yourself as ally, at the moment 
when the international revolutionists are spreading broadcast 
över the world the infamous lie of my having tried to influence 
you in favour of reaction. 

My fervent wish is that you may pass unharmed through the 
present crisis, and that your people may fully grasp your noble 
intentions. Now you must wait and see how the institutions 
you called into life work practically; only after this it will later 
on be possible to judge whether and how modifications would be 
required. 

As for your opinlon of Witte, I of course cannot pretend to 
know him as well as you do, but he certainly impressed m.e as a 
man much above the average. At the same time I am glad you 
took your uncle Nicolas Nicolaiewitsch into your confidence. He 
appears to me as representing an dement of firmness; and firm- 
ness may be necessary to maintain order. Without order young 
liberty cannot live. 

With regard to Tattenbach and Morokko your French In- 
formation is incorrect. I do not aim nor ever aimed at any special 
advantage for Germany, and Tattenbach never advocated anv 

384 



Policy of his own. This is a thing unheard of in my service, my 
representatives in foreign countries only advocating one policy 
and that is mine! We only wish to secure the open Door, that 
is an interest we have in common with all the other seafaring 
and trading nations. There is no reason whatever why an equitable 
arrangemcnt with France should not be arrived at on that ground. 
I trust that you whose permanent aim is to promote peace between 
all nations and goodwill all over the civilized world, will lend 
your powerful help to bring the Conference to a general under- 
standing, based on the maintenance of the open Door. A word 
in this direction to your representative at the Conference would 
be most advantageous in Hghtening the task of my minister. 
With best love to Alix and the baby believe me dear Nicky 

Ever your 

Willy. 

LIII 

Neues Palais, 30. XII. 1905 
Dearest Nicky, 

General Tatischeff has given me your letter and presented 
himself in his new "charge". It is of the highest importance 
for me to know that he enjoys your füll confidence, and I will 
"le cas echeant" with pleasure avail myself of his Services in 
my private relations with you. He is welcome here and in the 
ranks of my headquarters, to which he now belongs. 

The new ambassador von Schoen is leaving to-day with Gen. 
V. Jacobi. I can vouch for the General's character in every way. 
He was my first adjutant I ever had, studied with me at Bonn, 
served in the ist Guards with the ist Batallion; later on for a 
second time because my aide de camp after I came to the throne, 
spent several years as milit. attache at Rome and finally com- 
manded Mama's Regiment at Wiesbaden, where you saw bim. 

^3 385 



I am 8ure that he is as worthy of your confidence as he commands 
mine, who know him intimately since 25 yearsl Best thanks for 
your kind letter and your wishes for New Year, which I heartily 
reciprocate. May God bless and protect you and your family 
and grant Peace to your Peoplc this is the earnest wish of 

Ever your devoted and affate cousin, friend and ally 
Willy. 

LIV 

Berlin, 29. I. 1906 
Dearest Nicky, 

General v. Jacobi brought me your letter and wishes for which 
best thanks. He was most happy at the kind reception he met 
at your hands as well as in society. I am glad to hear from him 
that you are quite well as also are Alix and children. He was 
most impressed by the good looks and "tenue" the Regiment« 
showcd, which were inspected by you, at which ceremony he 
was allowed to assist. But he was very sorry he cut such a miserable 
figure at the shooting party, not having his own guns, and beeing 
only an indifferent sportsman. 

The idea of a swaggering "aide-de-camp" from our Colleague 
"the woodcutter Fallieres" following about in your suite caused 
me unlimited amusement. But besides being awfully funny it 
is in some respects at least also a useful idea. The more closely 
France is drawn over to "you — provided it succeeds — the more 
it gets out of mischief. The Moroccan business will as far as 
I can see come out all right without war. The decisive point is 
that hitherto no other Power has shown any disposition for 
eventually lending France armed support, in case ehe wants to 
invade Morocco. Without the certainty of armed support France 
is not likely to risk such an Invasion. Some arrangement will 
ultimately be agreed upon ensuring Peace for all parties 

386 



concerned with honour assuring at the «ame time lor the trade of 
the whole world the maintenance of the open Door in Morocco. 
That the French refused a loan to Russia now, haa not so much 
to do with the Moroccan Affair, as she has much calmed down 
since the opening of the Conference of Algesiras, but to the reports 
of the Jews from Russia — who are the leaders of the Revolt — 
to their kinsmen in France who have the whole Press under their 
nefarious influence. Berlin is quite füll of Russians and noble 
families fled from the Baltic Provinces. Over 50000 of your sub- 
jccts are here. 20 000 about at Königsberg and other thousands 
in the small Provincial towns of Prussia, Posen and Silesia. Es- 
pecially the Nobles from the Baltic Provinces are in a dire distress, 
having lost all their Castles burnt and their properties pillaged 
and their forests partly destroyed. Many a baroness has gone 
in for simple housekeeping in other families, and young comtesses 
and baronesses have had to enter "Magazins" as simple shopgirls, 
only to save themselves and their mothers from starving. Our 
great landed proprietors have volunteered to harbour some families 
in their country houses, and even the Empress has taken girla 
into her seminary to relieve the poor mothers. You have no idea 
of the terrible loss and distress reigning in the best of your Cour- 
land and Livland Nobility. As many of my officers serving in 
the army have married young ladies from these families, receiving 
their main means of subsistence from their parents-in-law these 
poor fellows are also suddenly placed vis-ä-vis de rien, as they 
cannot live on their pay. To my opinion many millions will be 
necessary for restablishing these poor people and helping to re- 
build their destroyed homes, which sums I trust your Govern- 
ment will readily place at their disposal; an order from you to 
that effect would make an excellent impression in the whole of 
Europe, and rally the dropping spirits of these lamentable people. 
While I am writing these lines I just receive the sudden and 
quite unexpected news of your dear grandfathers death. What 
a noble ideal and chivalrous monarch has passed awayl Beloved 
by his familyand bis subjects who looked upon him as their fatherl 

25* 387 



I decply sympathize with you in this great loss, which we mon- 
archs all feel and deplore, as we have lost one of our best among 
US. Your poor mother will be in a awful distress, but thankful 
that she was there to spend the last moments with her adored 
father! I of course intend going to the funeral. 

General Saionzkowsky was presented to me and made an ex- 
cellent impression upon me; I was glad to be able to congratulate 
him on the brilliant achievements of vny brave Regiment of Viborg, 
that fought so gallantly for its Emperor and Country. 

Now goodbye dearest Nicky, best love to Alix and the children 
from Your aff^^^ friend and cousin 

Willy. 



LV 

Berlin, 6. III. 1906 

Dearest Nicky, 

The return of General ä la suite v. Jacobi to Tsarskoje gives 
me the opportunity of sending these lines through him. They 
are to express my sincerest and heartfelt thanks for your kind 
wishes for our silver wedding and for the splendid present you 
kindly sent us both. They are really most splendid! Lovely in 
colour and exquisite in workmanship; the chiffres in precious 
stones making an excellent set off on the soft dark green of the 
stone. They attracted great attention among our guests and 
were duly admired. It was most kind of you to think of our old 
weddmg and to take part in our festivites like this. I was most 
pleased to salute all the deputations you sent me. Especially 
my brave "Viborgs" were the centre of admirative curiosity; 
they made a very good impression everywhere and were "feted" 
as much as possible. The festivities were most tiring and exerting, 
but happily Victoria got through pretty well after just having 
had a sharp attack of influence. Since 3 days we have perfect 



388 



Bummer here and everybody Is out on horseback and on foot, 
auto or cycle even hundreds are to be seen sitting In the gardens 
and on the terraces of the "cafes" drinking their coffee or bier 
out of doors! I suppose this warm weather will soon reach you 
too! With best love to Alix and the babies and once more thank- 
ing you for your lovely gift. 
I remain 

Ever your most devoted and affare friend and cousIn 

Willy. 

LVI 

Neues Palais, 14. VI. 1906 
Dearest Nicky, 

Sincerest thanks for your kind letter Tatischeff brought me 
and the second one Wladimir gave me today. I fully sympathize 
with you in these difficult times. The best way to relieve the 
cares and worries the Situation at home causes you, is as you do, 
to occupy yourself with your fine Guard by inspecting them 
and speaking to them. It gives you pleasure and gratifies the 
troops, who will no doubt in serious moments, acknowledge the 
interest you show them, by proving a loyal, trustworthy and 
keen weapon in the band of their sovereign. I am glad your 
Hussars satisfied you, who served in their ranks. It is the same 
with me here; as I also have a "penchant" for my Guarde Hussars, 
whom I commanded for a time. I reviewed them yesterday, 
before manoeuvering the Guards Cavalry Division, which was most 
successful, but like all inspections this year ended in a heavy 
shower. 

I quite agree with your views on the Anarchist question. The 
attempt was dastardly and fiendish. The difficulty to cope with 
this pest of Mankind is, as you rightly observe that in some coun- 
tries — before all in England — these beasts may live undisturbed 

389 



and there to plot agalnst the lives of anybody. I am informed 
that the Spanish Prime Minister has charged the Prince of Wales 
to expresa the wish of the Spanish nation to H. M. the King 
Edward VII., that it was deemed necessary he should cause hi« 
Government to join the Continental Powers in the serious re- 
pression of this murderous sect. 

This occurrence shows that the arrangements made by our 
two Goverrmients for the control of these fellows, have completely 
miscarried. Because they can live with absolute impunity in 
London, there mature their murderous designs. The right place 
for these fiends is the scaffold, sometimes the imprisonment for 
life in a lunatic asylum. All Continental Powers should send 
London a Joint invitation to ask the English Government to join 
them by an International agreement to fight these beasts. I should 
think that it would be possible, by a common consent, in the 
defence of life and culture to legally place the fabrication of 
Chemicals for the filling and use of bombs under capital punish- 
ment. The Duma creates most difficult situations for your Govern- 
ment and the circumstances are most trying. But one must hope 
that after a time, both will manage to find means and ways 
to come to a reasonable modus vivendi, so that positive work 
mty be done for the welfare of the country. 

As I expected your choice feil on Iswolsky, who will I am surc 
satisfy you, as a most clever man he will easily guide the courie 
of Russian Foreign politics, along peaceful lines according to your 
wish. He gave a very sensible answer to Schoen in the Bagdad 
Railway question so that I hope my Government will be able 
to continue working with him on the base of mutual confidence 
arising out of the Community of interests. Our interests in this 
Railway are purely economic and commercial for the welfare of 
mankind. It represents a concession in füll legal form to a German 
Company, who is building and running it. I can well imagine 
that the English are, as you say fiddling around you, about Asia, 
but as you have decided calmly to await their proposals, it is 
sure that, if their terms about Central Asia seem acceptable to 



you, an understanding with them would remove many Clements 
of friction and conflict which would also give me satisfaction. 

No doubt everybody wül understand that the actual moment 
chosen by the EngHsh Fleet to pay their selfinvlted visit must 
be most irritating and inopportune to you and your country and 
I am fully convinced of your feelings of Indignation about it from 
my feelings about the visit to us last year. They will certainly 
try to strengthen the backs of your ultra-liberal party. The fleet 
on their return journey have announced their visit to Pillau and 
Travemünde. I shall have them closely watched. 

Like you I look forward with great pleasure to our meeting 
in the end of Summer. As I shall be back in the Baltic in the 
first days of August I thought to propose to you to meet on the 
I. of August new style — if the weather is fine in the roads of 
Heringsdorf off Swinemünde. The place is very pretty and the 
communication with the shore for despatches etc. much easier 

than at Heia. 

The kind old Emperor Francis Josef I went to see, was still 
remarkably fresh, though age has bent him a Uttle, he also was 
much irritated at the behaviour of his parliament. The hours 
I spent with him were most agreeable through his warm hearted 
kindness and chivalry. 

I visited a most interesting old - restored — Castle Franzen- 
steln belonging to the celebrated explorer Count Wilzeck. It is 
a marvel of Gothic architecture, its furniture from the I3th to 
i5th Century most harmonious and instructive. 

Tatischeff will teil you of my inspection this spring and the 
manoeuversof myand Brigade showing the new "Regiment" for 
the ist time, as well as the evolutions of the Guards Cavalry 
Division under my Command, which went off exceedingly well. 
Wladimir was here and gave me your kind lines, which, as Colonel 
of the Viborgs made me feel very proud. I once more thank 
you for the great kindness you showed them, and the honour 
yoüVvethembyinspecting them; they fully deserved it as they 
behaved most gallantly. Wladimir also accompanied us to a great 



cattle show near Berlin and seemed highly amused at the pro- 
duction of prize cows, bulls, pigs, horses etc. that made a great 
noise; the thousands of peasants and small proprietors were most 
jubilant in their loyal demonstrations. Most astonishing progress 
was shown in the departments of the Electric and Alcoholic motors, 
as well as the alcoholic gas lamps for the use of the landed pro- 
prietors. Now goodbye dearest Nicky, God bless and protect 
you, best love to Alix, and "au revoir" at Swinemünde, where 
we shall try to be a merry Company. 

Ever your most aff^^t^ fHend and cousin 

Willy. 

Lvn 

7. II. 1907 

Dearest Nicky, 

Hiiirze is about to leave and this affords me the opportunity 
of sending you these lines through him. My wärmest wishcs accom- 
pany you in the New Year hoping that your steady work for your 
country and the welfare of the people may succeed in calming 
the minds heated by discussion and misled by unwarrantable 
agitation; I hope that, if wiser counsels prevail with your sub- 
jects this year, and they behave themselvcs we shall be able to 
meet on the "water" somewhere and that Henry will be happy 
to show you the Fleet under bis Flag. I think you will find a 
certain progress in its development since 1901 near Danzig old 
types having been eliminated and new ones added so as to render 
the whole fleet more homogenous. 

With best love to Alix and the children, whose photos pleased 
me immensely, specially of the boy and wishing you Gods blessing 
believe me dear Nicky. 

Ever your most aff^te cousin and friend 
Willy. 



LVIII 

28. XII. 1907 

Dearest Nicky, 

With all my heart wärmest wishes für 1908. God bless and 
protect you, Alix and the children, and let me hope of having 
thc pleasure of meeting you again. By my visit to England I think 
I have removed many courses of misunderstanding and of dis- 
trust, so that the atmosphere is clearcd and the pressure on the 
safety valve relieved. As a piece of news only quite private and 
conjidential for you personally: I found the British people very 
nervous about the Japanese whom they begin to fear and mistrust. 
The sailing of the American Pacific fleet has angered London 
highly as they tried everything in their power to hinder it. London 
is afraid of an encounter between Japan and America, because 
they must take sides with one of them, as it will be a question 
of Race, not of Politics, only Yellow versus White. The dropping 
of Japan would immediately entail the loss of India; which the 
Japanese are quietly undermäning, revolutionizing &c. The Ja- 
panese have forseen this development and are preparing for it. 
Perhaps they will jirst attack India and leave Philippines alone. 
British Naval and Army officers spoke openly to me and my 
officers of their disgust at the "Yellow" alUance with Japan, 
whom they hate. In this State of feelings judge what an effect 
Count Okuma's speech a few days ago has made! The action 
is that of a Shimose shell in London! Now their newspapers 
have for the first time used the term of "Yellow Peril" from 
my picture^ which is Coming true. A German Gentleman just 
back from Mexico reported to me having himself counted 10.000 
Japanese men in the plantations in South Mexico, all in Military 
Jackets with brass buttons. After work at sundown they all as- 
semble under sergeants and officers who are disguised as simple 
labourers, in squads and detachements and drill and exercise 
with staffs of wood, which he observed very often, when they 

393 



thought they were unobserved. They are Japanese reservists who 
have hidden arms with them, and intended as army corps to 
seize the Panama Canal and to cut off communication on land 
with America. It is not improbable that England will have to 
send out a squadron to the Pacific, which they are very loth to 
do. Meanwhile American and British Journals are having a llttle 
friendly nosepulling among each othcr, which shows the nervous- 
ness of the London Press. This is my secret infofmation for you 
fersonally^ so that you may have time to arrange for your plans 
it is sure information and good, as you well know by now that 
I never give you wrong one. The main point is to have ones eyes 
open and be prepared. The development may be slow, yet in- 
cldents may create an unexpected and sudden outburst before 
the question has ripened, as will sometimes happen. It is imposing 
to observe how well the Japanese prepare themselves for an emerg- 
ency! They are going in for the whole of Asia, carefully pre- 
paring their blows and against the tvhite Race in generali Re- 
member my picture, it's Coming true! If France sidcs with Eng- 
land in this affair, Saigon and Annam are gone! 

Willy. 



LIX 

Wilhelmshöhe, iS. VIII. 1908 

Dearest Nicky, 

Will you kindly do me the favour of Hndly accepting the first 
proofs of my photos in the new Russlan uniforms. They have 
not yet been published, and I hope your scrutinizing eye would 
find any faults with the turn out. Uncle Bertie was all sunshine 
at Cronberg and in very good humour. He intends visiting Berlin 
officially with Aunt Alix next ycar, date to be fixed. He also 
talked about Turkey, giving to understand that she was best 
left alone, to organize hcrself and to reform Macedonia herseif, 

394 



80 that the Powers were able for the time to drop the projected 
reforms, which seems to relieve him visibly. 

I hope your trip is favoured by good weather, while we have 
incessant pouring rain here, with best love to Alix 

Ever your aff^te friend and cousin 
Willy. 

LX 

Hubertusstockj 8. I. 1909 
Dearest Nicky, 

Many thanks for your kind letter of Dec. 25*^1 which you sent 
me through Tatischeff. I was much pleased to hear from you, 
and my wife and I both thank you most sincerely for your kind 
wishes for the New year. You are quite right in saying that the 
old year was an eventful one. The annexation of Bosnia and 
Herzegowina was a genuine surprise for everybody, but parti- 
cularly so for us as we were informed about Austrias intentions 
even later than you. I think it my duty to draw your attentbn 
to this, considering that Germany has been accused of having 
pushed Austria to take this step. This allegation is absurd; and 
as untrue as it was in the case of the Sandjack Railway. I am 
glad to See by your letter that people in Russia begin to realise 
this now. The fact is that once Austria had taken this etep without 
previously Consulting us hesitation as to the course we had to 
follow as loyal allies was out of the question. We could not side 
with her opponents. You will be the first to approve of this 
loyalty of ours. 

But this does not mean that we intend to drop our old friendly 
relations with Russia. I am even more firmly convinced than 
ever, that Germany and Russia should be as closely united as 
possible; their union would form a powerful stronghold for the 
maintenance of Peace and of monarchical institutions. You know 

395 



my views in the respect; that my friendship is loyal and sincere 
I was able to prove to you by facts when during the period of 
adversities Russia had to pass through recently I took grave re- 
sponsibility on myself for your sake. 

Valuing as I do friendly relatlons between our two countries 
I consider it all the more important, that whatever might injure 
them should be removed. You wont I hope mind my telling 
you quite frankly what I think on that subject. Recently we have 
been represented as lamenting (?) and showing uneasiness about 
your agreement with England concerning Central Asia. The 
same rumours are circulated about the visit Uncle Bertie pald 
to you at Reval. All nonsense! We understand perfectly that 
Russia for the present must avold getting into a conflict with 
Great Britaln, and that for this reason she is bent on smoothing 
away actual points of controversy. 

Apart from this you have repeatedly given me the formal as- 
surance, that you would not enter upon any agreement with 
England of a more general nature. I have yoiir word, what eise 
should 1 require? We are quite as anxious as you to improve 
our relations with England. I am looking forward to the visit 
Uncle Bertie is going to pay me next month in Berlin not only 
because I am gratified to have him and Aunt Alix over here, 
but also because I expect the visit to have useful results for the 
Peace of the World. 

No my dear Nicky neither your agreement with England about 
Central Asia nor your meeting at Reval has produced any un- 
easiness or disappointment in Germany. The cause is quite a 
different one. It is the patent fact that for the last two years 
Russian Policy has been gradually drawing away from us more and 
more, evolving always closer toward a combination of powers un- 
friendly to us. The Triple Entente between France-Russia and 
England is being talked of by the whole world as an accomplished 
fact. English and French papers miss no opportunity of representing 
this alleged "Tripleentente" as being directed against Germany, 
and only too often the Russian Press chimes in joining the chorus. 



On the other hand in many cases late Russian policy has shown 
mistrust in German policy, for instance in Persia and China, 
a mistrust entirely unwarranted. As for other questions in which 
we are interested, such as the Bagdad Railway where we expected 
to count on Russia, she in her policy gave us a wide berth. It 
18 surprising consequently that a certain estrangement should 
have grown up between our two countries? 

I need not assure you that all these questions impress me very 
keenly, and I think it my duty to draw your attention to the 
Situation as it really is and to the reasons which lead up to it be- 
fore it be too late. 

The tendency of Russian policy to prefcr to lean on England 
and France was particularly in the present crisis. Your Govern- 
ment approached mine about the Bosnian question only after 
a Programme for an intended Conference had been drawn up 
and agreed to in Paris and London. This programme was publi- 
shed in the French Press bejore being communicated to us. French 
Papers as well as English and Russian rising a jubilant chorus about 
this achievement of the new "Tripleentente" as matters stood 
when Iswolsky came to Berlin, my Government had no alternative 
but the strictest reserve with regard to several important points 
forming part of the Russian wishes. We could not urge our ally 
to consent to a programme, which we knew she would not accept, 
quite apart from the consideration that the programme, had 
been drawn up without us; our Cooperation having been dispensed 
with in a manner that was judged by the outer world as an 
intended demonstration. Had another course been adopted we 
would have been able to suggest to your Government not to 
launch this programme. We would have suggested preliminary 
confidential negotiations between the cabinets, such negotiations 
affording us more than one opportnnity of rendering valuable 
Services to Russia. Had Russia consulted us in the right time, 
matters would not be in the awful muddle they are in now nor 
n such a critical State. Under the present circumstances I don't 
quitte see, wbat I could do, except giving words of moderation 

397 



to both sides, which I already have done. I also fcel it my duty 
to teil you quite frankly that I am under the impression that your 
views about Austria's intentions are too pessimistic, and that 
you are over-anxious, more than is necessary. We here at any 
rate have not the slightest doubt that Austria is not going to 
attack Servia. This would not at all be like the Emperor Francis 
Joseph, who is wise and judicious and such a venerable Gentle- 
man. Nor do we believe that Aehrenthal harbours any such 
plans. Of course the small Balkan States must necessarily be 
prudent and loyal and avoid all provocations and put a stop to 
warlike preparations. Those small States are an awful nuisance! 
Quantitees negHgeables! The slightest encouragement from any 
quarter makes them frantic. The Speeches that were made in 
the Skupschtina on the 2d made a very bad impression upon 
me on account of their revolutionary tendency. Six years ago 
these very small people were looked upon with disgust and horror 
by the whole world as the murderers of their Kingl 

I do hope M^ith all my heart that notwithstanding numerous 
and serious difficultiea have to be surmounted a peaceful Solution 
will be arrived at; anything I can do in that direction will cer- 
tainly be done. Take my word for it! Hintze will be the bearer 
of this letter and will I hope find you all in health and happiness, 
to whom I once more wish that the Lord may give you Peace 
and prosperity and happiness in the New Year. Victoria and I 
send best love to Alix; so glad my Xmas present» were a success. 
Believe me dearest Nicky, ever Your 

true and devoted cousin and friend 
Willy. ■ 



398 



LXI 

Neues Palais, 3. IV. 1909 

Dearest Nicky, 

Will you kindly accept for yourself and for dear Alix an Easteregg 
from me as a token of undiminished love and friendship. The one 
with the Greek portico and fountain represents a part of Char- 
lottenhof, which was copied in the gardens of Peterhof and is 
for Alix. The round temple is the " Freundschaf tstempel" built 
by Fred: the Great in the park of Sans-souci and dedicated to 
all great historical pairs of men who kept their friendship un- 
severingly down to death, or who died for it. This may serve 
you as a symbol for our relation to each other as I look upon it. 
Easter is now nearing and I want to once more thank you sincerely 
for the loyal and noble way in which you kindly led the way to 
help to preserve peace. It is thanks to your highminded and 
unselfish initiative that Europe has been spared the horrors of 
a universal war, and that the Holy Week will remain unsullied 
by human blood, which would have been spilt. You may celebrate 
your Easter with the elating knowledge that everywhere in Europe 
thousands of families are on their knees thanking the Lord for 
Peace and praying for his blessing on your head. I intend to leave 
for Corfu after Easter passing through Venice on our way down. 
How I wish I could show you this lovely spot, a little Paradise 
on Earthl No tourists and easily reached from the sea directi 
A happy Easter and best wishes to Alix and the boy. 

Ever your devoted friend 
Willy. 

P. S. On my home voyage I shall probably visit Uncle Arthur 
at Malta. 



399 



Lxn 

Corfu, 8. V. 1909 
Dearest Nicky, 

As HIntze Is returning for your birthday I gladly selze the 
opportunity to send you these lines. With all my heart I wish 
you many happy returns. May Heaven bless and protect you 
and your wife and children. May you be successful in your work 
for your country and the welfare of your people. 

A few weeks ago when affairs threatened to become dangerous 
your wise and courageous decision secured peace for all the nations. 
I was most gratified that through my helping Cooperation you 
were able to fuUfil your task. 

I very naturally expected that you and I would win universal 
applause, and I venture to think that we have earned the gratitude 
of all well meaning people. But to my regret and astonishment that 
a great many blame us both instead, especlally the Press in general 
has behaved in the basest way against me. By some papers I am 
being credited with being the Author of annexation and am 
accused among other rot and nonsense of having humiliated Russia 
by my Peace-proposal! Of course you know better. Yet the fact 
must be taken note of that the papers mostly create public opinion. 
Some of them err through their ignorance and lack of correct 
Information; they scarcely see farther than their own noses length. 
But more dangerous and at the same time more loathesome is 
that part of the press which writes what it is paid for. The scoun- 
drels who do such dirty work, are in no fear of starving. They 
will always continue to incite the hostility of one nation against the 
other, and when at last through their hellish devices, they have 
brought about the much desired collision, they placidly sit down 
and watch the fight which they organised, well assured that the 
profit will be theirs no matter what the issue may be. In this 
way in 99 cases out of hundred what is vulgarly called "public 
opinion" is a mere forgery. 

400 



As Sovercigns who are rcsponsible to God for the welfare of 
the Nations entrusted to our care it is our duty therefore to closely 
study the genesis and development of "public opinion" before 
we allow It to influence our actions. Should we find that it takes 
its origin from the tarnished and gutterlike sources of the above 
named infamous press our duty will and mustobllge us to energeti- 
cally correct it and resist it. 

Personally I am totally indifferent to newspaper gossip, but I 
cannot refrain from a certain feeling of anxiety, that if not contra- 
dicted at once, the foul and filthy lies which are freely circulated 
about my poHcy and my country, will tend to create bitterness 
between our two peoples by virtue of their constant uncontradicted 
repetition. Public opinion wants clear Information and leading. 

When I set out for Corfu I was looking forward to a quiet 
hoUday. But alas it was not to be! Another revolution broke 
out at Constantinople. We poor rulers it seems are not entitled 
to holidays like other simple mortals. The troubles in the East 
made me very anxious for the time and still do so. 

The East is a regulär nightmare, a "boite ä surprises". I would 
be most grateful if you could kindly write me what your opinion 
is about the general outlook in Turkey. An exchange of our views 
is urgent and necessary lest fresh events bhould again take U8 
by surprise. 

The events of the last year are a vivid proof of the absolute 
necessity of doing so; as they clearly show that it would have 
been most profitable if we had immediately communicated with 
each other at the outbreak of the crisis. 

If you and I join in open and loyal Cooperation for the main- 
tenance of Peace — which is my most fervent wish — I am thorough- 
ly convinced that Peace will not only be maintained but not even 
be troubled. There is not a shadow of doubt, that Peace guarantees 
the vital interests, the security of welfare of our Peoples as well 
as of our dynasties. 

Will you kindly accept as birthday present a watercolour sketch 
made by a clever Corfiote painter representing the "Achilleon" 

a6 401 



Seen from the olivegrove at the foot of the hlll. We spent a lovely 
time here under a blue sky, surrounded by sweet scents and the 
marvellous display of any amount of flowers spending the whole 
day nearly out of doors, sitting out on the marble terraces in the 
shade of fine palmtrees. I hope that once I may be able to show 
you this paradise when you chance to be yachting in the Medi- 
terranean. We made many charming excursions per Auto with 
teapicnics in the country, quite delightful. The island is quite 
lovely and the people quiet, simple and very polite, and no touristsl 
To-day we leave with a heavy heart on our return journey to 
Malta, Brindisi, Pola. We saw much of the King and Queen 
and 1 had the great pleasure of seeing my sister very often. 

Now goodbye dearest Nicky, best love to Alix and the children, 
especially my boy, God bless and protect you, au revoir 1 hope 
and believe me 

Ever Your most aff^^e and devoted friend and cousin 
Willy. 

LXIII 

Neues Palais, 20. X. 1909 

Dearest Nicky, 

As Tatischeff leaves Berlin to accompany you during your 
journey through our country I send you a short line by way of 
a Salute. May your journey be pleasant and your stay in Italy 
agreeable and favoured by weather as we are here. Our Manoeuvres 
went off very well and were most successful as he will have reported 
to you. Discipline and marching powers of the Infantry very 
exceptional and brilliant. The country was interesting but most 
difficult being very hilly and partly wooded. The fieldkitchens 
copied from your modeis have proved most practical and were 
freely used! A very stirring moment for the spectators at the 
last day of the manoeuvres was the appearance of the Zeppelin 

402 



airship accompanied by the military airship, which manoeuvred 
around it. My hunting stay in Rominten was favoured by such 
an exceptionally fine summer weather as we have not enjoyed 
for a long time. I killed 21 Stags among them 6 of first class. 
The St. Johns hospital which I built in the small frontiertown 
of Kittkehmen (opposite Wyschtynez) has answered very well 
and during my inspection I saw several Russian patients we are 
able to care for. I am glad to haar that on account of the newly 
endowed Röntgen-Ray Cabinet, which I dedicated to the Hospital 
they have a good number of Russian patients who come there 
to be "durchleuchtet'*^ and we have done lots of good, You kindly 
sent a sum through Stremankoff the Governor of Suwalki, who 
kindly came and inspected the Hospitals for which I beg you 
to accept my wärmest thanks. He followed my invitation to 
Rominten and dined with us; he is very nice, quite an agreeable 
man, and keeps "gute Nachbarschaft" with the Russian CoUeagues 
over the frontier, who are on rapport vsdth him. 1 thought you 
would be pleased to know what a capable and good "representant" 
you have on this part of your frontier, which I regularly visit, 
as he is universally respected by my people. 2 days ago my daughter 
was confirmed in the Friedenskirche, and she pleased everybody 
by the brave way she passed the ordeal of reading her "confession" 
out to the Community, all people were deeply moved and I was 
very proud of her. For she showed a depth of feeling, and a 
seriousness in dealing with the problem of life and Religion, which 
deeply impressed the assembkd clergy; the more so as she wrote 
it quite alone, forbidding anyone to help her. The splendid 
Summer still continues, all the roses are out and the flowerbeds 
füll of colour like in August! The enclosed card corresponds 
exactly to the light of this evening. 

With best wishes believe me dearest Nicky ever your most 

devoted cousln and friend 
Willy. 



36* 403 



LXIV 

Berlin, ii. I. 19 lo 
Dearest Nicky, 

jMany thanks for your very kind letter with the photos Henry 
brought me, which pleased me much. What an excellent idea 
of yours making a two hours march In a private's kit and finding 
out for yourself what it means to carry such a load In the fleld! 
I am very glad to hear that you were satisfied with the appearance 
and behavlour of my deputatlons for poor Uncle Micha's funeral. 
Thank you so much for the kInd receptlon you gave them. They 
were very grateful for the permlsslon to do duty on guard near 
his bler. 

Henry falthfully repeated all the messages you entrusted him 
with for me. I entlrely share your vIews. I can perfectly under- 
stand that developments In the Far East are absorbing your 
attention. 

The communicatlon made to hIm about your decislon to wlth- 
draw 4 Army Corps from our frontler has glven me great satls- 
factlon. The more so as Henry told me, that In Informing 
hIm of your decislon you referred In the heartlest terms to the 
traditlonal frlendship of our 2 countrles and to thelr brother- 
hood in arms establlshed a Century ago. You well know how I 
always had and will have these sacred relatlons at heart, and I 
need not teil you how deeply gratified I am at your kind and 
touching words. 

I hope this letter will reach you on New Years day and I seize 
this opportunity of renewing to you and Allx the best wishes 
for the happy New Year for all of you God grant. 

I hope to agaln hear from you as soon as you will be able to 
finally fix the date for our meeting in German waters. Henry 
suggested that he thought the beginning of August on your and 
my return from Norway would suit you best? W^iat a pleasure 

404 



the idca of seeing you dearest Nicky again! Best love to Alix 
and the children, the boy In particular, and believe me 

Ever your true and devoted friend and cousin 
Willy. 

LXV 

Neues Palais 
Dearest Nicky, 

Allow me to lay before you confidentially a matter of Importance 
to me. 

It Is the questlon of whether you would perhaps care to see 
a change in the person of the Aide-de-Camp, who has the honour 
of being attached to your person from here. As at our former 
meeting you always spoke very highly of your appreciation of 
Capt. V. Hintze's qualities, and that he fully enjoyed your con- 
fidence, I do not desire to take any steps before having heard 
from you, or to act without your approval. 

Please let me know quite unrestrainedly and frankly what you 
think about this matter. Should you think it desirable for me 
to replace Hintze, I would first communicate with you about 
the choice of his successor. 

Your wishes in this respect are of the highest importance to me, 
as I consider it an absolute necessity, that the officer, who is attached 
by me to your person should command your füllest confidences. 

I am glad to hear from the Chanccllor that he is having a satis- 
factory exchange of vitws on different questions with Sassonoff, 
which may be settled to mutual satisfaction. 

We are still thinking of the kind visit you payed us here and 
hope that the homeward journey did not fatigue Alix too much. 

Best love to her and the children from your 

devoted cousin and friend 

Willy. 



LXVI 

Neues Palais, 24. XII. 19 10 
Dearest Nicky! 

I am most grateful for your frank answer conceming Hintze. 
I learn with deep regret from your letter that he no longer 
enjoys your confidence, I have therefore decided to recall 
him. 

As his successor I would propose sending Major Gen. ä la sulte 
von Lauenstein at present in command of a Brigade of infantery 
in Hannover. He was my personal Aide-de-Camp before taking 
over his command. You will probably remember him from the 
time he was milit. attache to St. Petersburg; he also had the 
honour of accompanying your army to the war, and as I hear 
he was most populär with your officers. He is a most capable 
soldier and altogether most reliable and trustworthy. He writes' 
a splendid German style, and was consequently member of 
3 committees who set on the Reform of the Reglements of our 
Infantry, Artillery and Cavalry, all three having emanated from 
his pen. 

I place unlimited confidence in him and in the hopes of your 
approval to my proposal look forward to your answer. 

I had Osten-Sacken for lunch the othcr day. His health seems 
perfect and he was in high spirits. I am so glad you made him 
a knight of St. Andrew and I very much appreciate your most 
friendly and sympatheric allusion to the relations of our two 
countries in the letter which you addressed to the dear old gentle- 
man on this occasion. 

I got some charming cards from Alix with the children as 
a group please thank her from me for them. I send you a 
"couteau de chasse" and to Alix a "saladiere" for the zakouska 
table, made in my Majolikafactory, and mounted in silver in 
Dresden. 

406 



With the best wishes for a happy prosperous New Year, which 
may be one of Peace, and much love to Alix and the children 
I remain 

Ever your devoted frlend and cousin 

Willy. 



LXVII 

Corfu, 21. IV. 191 1 

Dearest Nicky, 

As your Easter Is approaching I beg to be allowed to send you 
my wärmest Easterwishes through these lines. It is a time m 
which one always passes in review ones acts and thoughts, before 
one goes to the Communion, and at this and after it one goes 
back into ones life with fresh resolutions and reafflrmed convic- 
tions. To these latter ones I reckon our relations to each other 
and our firm friendship for one another which were so happily 
confirmed at Wolfsgarten and at Potsdam. You may always count 
on me and my faithful interest in you and your family and your 
country. 

We had a lovely time here amid flowers, scent, blue sky and sun. 
Only in the week before last it was cold and rainy. We were 
greatly surprised and interested in the quite unexpected discovery, 
by a Chance experimental digging, of quite enormous sculptures 
belonging as it seems to an antique Temple which dates as far 
back as the 6th and y^h Century b. Chr. I spent several days bask- 
mg in the sun and looking at the appearence of the different objects, 
which was very exciting and would have amused you immensely. 

I send you enclosed some photos from our house and garden, 
with the Statue of Achilles I caused to be placed on the Terrace. 
Besides I enclose an article recently published in the German Press, 
written by an intimate friend of Uncle Bertie, an EngUsh 

407 



Politician; with the intentlon to persuade the Germans to think 
better ofUncles policy than they do now. His name is not known. 
As you will See for yourself, it is very strlking the greatest anxiety 
which governed Uncle for the future of England, was the possi- 
bility of the closer friendship between the 3 Empires (Germany, 
Russia, Austria), which he regarded as dangerous for England, 
and which he consequently tried to inhibit by all means in his 
power. That is the explanation for the phrase perpetually used by 
the Englisch Press "Balance of Powers in Europe" i. e. keep the 
3 Emperors apart, or we are lost, for they would assemble the whole 
European Continent around them and that is against English 
interests. — I go to London for Grandmamas unveiling, at Georgy's 
invitation, I hope to find out more about this. 

With best love to Alix and all I remain 

Ever your devoted cousin and friend 
Willy. 

LXVIII 

Wilhelmshöhe, 8. VIII. 191 1 
Dearest Nicky, 

I am sorry that I am again compelled to approach you with a 
request relating to Gen. von Lauenstein, who has the honour of 
being attached to your august person. When I chose him for his 
post with your approval — he immediately drew my attention to the 
fact that his wife was of very delicate health. I know her personally 
and am aware of the fact. Yet I prevailed upon him to go to his 
post, as you had written so very kindly about him. 

She now has just had her 3^^^^ baby, which has so much affected 
her health, that the doctors have all agreed, that it is quite out 
of the question, that she could stand the climate of St. Petersburg. 
Accordingly Lauenstein has now again remarked his request to be 
relieved of his post. I have regretfuUy consented, seeing that it i? 

408 



Impossible to exact from him to lead a life permanently detached 
from his family. 

I feel assured that you will approve of my decision taken under 
such serious considerations. 

I propose to send as his successor Lieut. Gen. of my suite Count 
Dohna-Schlobitten, now in command of the Guards Cavalry 
Division. I dare say you reraember my presenting him to you 
during your last visit to Potsdam — which left with us such pleasant 
recollections. He was then about to join my son for his trip to 
India, and would have been on his staff during his stay at Zarskoje 
if the original itinerary of the journey had been carried out. 

Dohna is altogether a genuine Cavalry man — Frontsoldat — 
a first rate horseman, passionate rider and sportsman and all 
around man of the world. He has always been populär with 
everybody in his different employments: as Captain in the ist 
Dragoon guards, later as Colonel of my Hussars of the Guard theu 
as Brigadier, and then as Leader of the Guards Cavalry Division. 
Last not least he won every officers esteem and sympathy in India; 
so much so that the Commander in Chief of the Forces there has 
invited him to the Coronation Durbar to which I granted him 
leave. He will I trust on his return be able to give you vivid des- 
criptions of the unique festivities and their unrivalled oriental 
splendor. His wife is good looking, most sociable and an old friend 
of mine from long Standing. She enjoys an excellent position in the 
Berlin Court Society, 

Dohna has my entire confidence, and I trust my choice will 
meet with your approval. We are deeply distressed bypoorKnese- 
becks sudden and untimely death. He was private secretary to my 
Grandmother for ii and to my wife for 21 years! A loyal trusted 
and faithful friend and a thorough gentleman. With best love to 
Alix and the children (what is the Railway doing.?) believe me 
dearest Nicky. 

Ever your devoted friend and cousin 

Willy, 



409 



LXIX 

Neues Palais, 12. I. 1912 
Dearest Nicky, 

This letter will be brought to you by Gen. count Dohna just 
returned from India. He was present at the Durbar and will 
be able to give you vivid descriptions of the splendid and gorgeous 
scenes he took part in. His wlfe, who is staying since a few month3 
at Petersburg to arrange his home for her returning husband, will 
I am sure and hope be as agreeable to you and your Court as he. 
She writes very happy letters about the kindness shown to her 
by the society. As he is only just out of the tropics and the change 
to your climate with 20° being very sudden, I crave your con- 
descension to think of him when opendoor ceremonies in winter 
are on the programme, as he is very thin. Being bald too I suggested 
a warm wig for the "Blessing of the water"! You can decide 
which colour it is to have! 

I once more send you my sincerest wishes for a happy New 
Year, joining in your hopes and prayers to Heaven that He may 
grant us a peaceful one; well knowing that our sentiments in this 
point are identical, for our 2 countries. I hope that Xmax eve went 
off well and that no accidents happened with my gifts; especially I 
hope that the little "tomm.ies" will be none the worse for their 
own cooking. 

Is the electric railway of last year still in good order? I was 
very sorry when I heard of the death of poor Gen. Stroukow, he 
was an excellent man and an old and cherished acquaintance of 
mine and a loyal friend. 

With my best wishes also for Alix and the children, from whom 
I had through Olga such a nice telegram, I remain Ever 

Your most aff^te friend and cousin 
Wüly. 



410 



LXX 

Romintcn, 3. X. 1912 

Dearest Nicky, 

May I venture to call your attention and also your mterest to 
a plan which has already occupied my mind since some years durmg 
my stay at Rominton I have minutely studied the question of the 
development of the frontier country on both sidesin my vicimty. 
I have come to the conclusion that the dlstricts on both sides of our 
frontier are promising and may expect a hopeful future. But they 
must be opened and also, if possible, be brought mto relation to 
each other. On the enclosed railway map, a line is marked m red, it is 
a new railway which is going to be built running around the great Ro- 
minter Heide, so as to render the transport of wood easier than now. 
The line runs from Goldap by Pablindsen to Szittkehmen where it 
»trikes the branch line to Eydtkuhnen. The line will open up stone 
and gravel quarries and pits and will transport a large amount of wood 
out of the Rominten forest. I venture to submit to your attention 
the idea whether it would not be a practical thing for your Govern- 
ment tolay a line from Suwalki to PabUndzen and there jom our - 
line This would develop commerce between the two distrcts m a 
fineway. Pablindsen is already a point over which very "lebhafter 
Verkehr" to and fro has developed and is promising even more, m 
casealinecame there. This plan has been discussed with your authori- 
ties since a considerable lapse of time, and T especially talked it over 
with Mr. de Stremankow who was very much interested m it and 
thought it most necessary also m the interest of the Government 
of Suwalki. He promised me he would report to you in a favourable 
way about thisscheme and prepared to take an active part m furthenng 
it when he was relieved from bis post, and so there was an end to it. 
Thatis a great pity, because the frontier people are most anxious 
for the development of this question and he was quite acquainted 
with all the details of the question on both sides of the frontier 
and in permanent "rapport" with my authorities here. All this 

411 



has stopped now, as his successor has as yet taken no Steps to com- 
municate with his colleagues across the frontier, though he is in 
office since 2 years. Therefore the people from all sides begged me 
to lay the matter directly before you. This I have done. I beg 
your pardon for troubling you with such a miserable little frontier 
detail, but by 24 years living among these people I have grown to- 
gether with them and they have gained confidence in me. They 
are simple, quiet and laborious and as all frontier districts a 
little bit forgotten, and as it is a good deed to help such poor 
fellows on, I try my luck with you. I had good sport — about 
19 stags — but beastly weather excepting 2 days. To-day snow 
and hail. 

Best love to Alix and the children and Weidmannsheil for you 
from 

Ever your most aff^^^ cousin and friend 
Willy. 



, LXXI 

Berlin, 3. I. 19 13 
Dearest Nicky, 

The messenger leaves to-day with my present for you, Alix and 
the children. I hope they may please the august recipients. At 
the same time I send you my heartiest wishes forXmas and a peaceful 
New Year. I earnestly hope and trust that 19 13 may pro ve a peace- 
ful one, as you telegraphed to me on New Years day. I think that 
on the whole the outlook is reassuring, and that the discussions in 
London, which were progressing favourably, will continue to be 
held in a conciliatory and friendly spirit, in which direction the 
foreign Policy of your Government as ably cooperates with all the 
other Powers. 

I thank you for your message Tatischeff transmitted to me, who 
will already have returned my answer to you. I trust that also 



412 



this matter may be brought to a satlsfactory issue and the difficulties 
which have risen overcome. 

Your warminister Gen. Souchomlinow paid me a visit on hiß 
return from Leipzig. He was most agreeable and most interesting 
in his descriptions of his deeds during the campaign 1877. 

Up to now we have had a warm snowless winter here which 
allows US to indulge in nice long gallops on horseback, nearly every 
day, provided it does not pour with rain. 

Goodbye dearest Nicky, my best love to Alix and the children 
especially to the boy, who I hope is getting better, and believe 
myself 

Ever your most aff^^^ cousin and friend 
Willy. 

LXXII 

Berlin, 3. IL 19 13 
Dearest Nicky, 

So many thanks for your kind wishes and the splendid gift you 
so kindly sent me. What a great surprise when I entered my birth- 
day room ! and saw the two grand pictures. It was really a charm- 
ing idea of yours to send me those two beautiful Originals which 
are of great artlstical and historical value to us here, as they re- 
present portraits of so many well known personalities here. These 
pictures gave me a real great pleasure, and I beg you to accept my 
most hearty thanks one more. 

I am so glad to see by your letter, that the dear boy is making 
good progress, but sorry that the State of Alix's health is not satls- 
factory. I am sure the weeks she spent in tending the boy, must 
have been most trying; but confidently hope that rest and a eure 
on the Crimea will soon put her to right again. 

I fervently hope with you that the Balkan troubles may soon 
be finally arranged without further compUcations, and am most 
anxious to cooperate with you for that purpose. Of course Austria 



as a near neighbour to those parts has intefests to look after. But 
I am under the Impression that in doing so, she does not reclaim 
anything for herseif, but only wishes to make sure, that the read- 
justments of the map may occur which might turn over a danger 
to her in future. Adalbert is again out of bed, and to-morrow Dona 
will again take up her quarters togethcr with me. Thank God all 
went off so well. Best love to Alix and the children and believe me 

Ever 

Your most devoted and aff^*"® cousln 

Wüly. 

LXXIII 

Berlin, i8. III. 1913 
Dearest Nicky, 

May I inform you that we now have definitely fixed the date for" 
the wedding of our dear Sissy for the 24th of May. 

The main object of my lines is to convey to you and Alix our 
most cordial invitation to the wedding ceremonies. We both 
would only be too delighted if you could give us the pleasure of your 
presence and I fervently hope that you will be able to leave Russia for 
a few days to meet many of your relatives; as we have asked your 
dear Mama Aunt Alix, Georgie and May, Waldemar etc. to enable 
all the "Geschwister" to meet each other as well as Aunt Thyra. 

I am glad all your festivities went off so well and successfully, 
and that your boy could be present, and that he is progressing 
»atisfactorily and will soon I hope have quite recovered. After 
Easter the Cumberlands are Coming for a visit and then we go to 
Hamburg for a month, as the damned Balkan muddle has deprived 
me of the possibility of being at my heavenly paradise Corfu! 

With best love from Victoria and me to Alix and all the children 
believe me Ever your most devoted cousin and fr'end 

Willy. 

414 



LXXIV 

I. IL 1914 
Dearest Nicky, 

Many thanks to you dear Alix and the children for your kind 
wishes and the lovely china pot which accompanied them. Thank 
God I could spend my birthday in happiness especially owing to 
the presence of dear Sophy and Georgy who had come all the way 
from Athen to spend the day with me! I am most gratified that 
you still keep pleasant recollections of the visit you paid us last 
Summer on the occasion of Sissy's wedding and you may be assured 
that we all most heartily reciprocate your kind feeling and remem- 
brance. 

I am SO glad to hear that you all have benefited so much by 
your nice stay in the Crimea, and that especielly Alix and the boy 
are so much better for their visit to the sunny South. 

Remembering the interest, which you took a few years ago, 
when you visited Hamburg and saw the cathedral I built there, 
I venture to present you with a book, which I have caused to be 
published about the Chapel in the New Castle of Posen, It is in 
the old ßyzantine style, took 7 years work and was consecrated in 
our presence last August. It is copied from motives partly from 
Ravenna (Theodoric the Great's tomb) partly from Mon Reale 
and the Capeila Palatina in Palermo. > • 

The mission of Bidoselsky who brought the cravat for Alix's 
dragoons was a very kind thought and most appreciated by the 
Regiment; he is to lunch with me on Sunday. With best love to 
Alix and the dear children believe me dearest Nicky 

Ever your devoted cousin and friend 
Willy. 



415 



LXXV 

- Berlin, 26. II. 1914 

Dearest Nicky, 

General Count Dohna, who has the honour of belng attached 
to your person has intimated to me his intention of leaving the 
Service in the month of May. By the death of his father he has 
inherited a very large and extensive property as well as a very 
fine Castle of Finkenstein; a 100 years ago the Headquarter of 
Napoleon I before the battle of Eylau. He is absolutely necessary 
for the personal administration of it and so to my great regret 
I must accede to his wish. As remplacant for him I intend to send 
you, with your kind approval, his Excellency Gen. Lieut. v. Che- 
lius. He was regimental adjutant, when I commanded the Leib- 
Garde-Husars, spent several years in Rome as militaire attache, 
commanded my old Husar Regiment as Colonel with great dis- 
tinction and was on my personal Service since then. He is ^uite 
phenomenal as musician, and plays piano as well as Rubinstein, 
d'Albert or any other great artist. He is very agreeable and quite 
discreet and absolutely reliable; he is to accompany me to Corfu 
next month. He speaks fluently French, English, Italian and 
Ancient Greek, and is one of my most intimate personal friends 
I have. 

With best love to Alix and the children Ever your 

most aff^te cousin and friend 

Willy. 



FACSIMILES 

EINIGER ORIGINALBRIEFE 

DES KAISERS 




O^mA <^ te dci Y^ ^ 

Die ersten vier Seiten des Neujahrbriefes vom 4. I. 1898 
(Brief XIII) 



!7' 



419 



^^^ teer tue 'ue^^ olj ^'^ 



CU All AU4 Aife . 

Fortsetzung des Neujahrbriefes vom 4. I. 1898 
420 







llwu- ff] < iAW i^^HAt^<^^ 

Fortsetzung des Neujahrbriefes vom 4. I. 1898 



421 



Fortsetzung des Neujahrbriefes vom 4. I. 1898 
422 




^"^^ic^oS 



(U (w4t Mir /vwH '^ {4W ^M^^tiM-. 

Anfang des Briefes vom 15. I. 1905 (Brief XLIV) 
423 












ciÄfe 






m^ij^h-K \%rJ;m-%^^irjh^ 




Schluß des Briefes vom 15. I. 1905 



424 













Der historische Brief an den Zaren vom 2i. II. 1905 
über die notwendige Reform Rußlands (Brief XLVI) 



425 






(jQc ivi^uu ftl^M^ Wt|»t-£*|>^'^ *^ \aki^-r-'^a^ui.-~ Lt^ JUa (J*'^iMduiC~ 

Ui cJa^ frteixti'fc ; tokfthilti fair ll«*>^ ^ ''^^^ If" fcC***<|>iA**yp^* 
<wu^ftxt u^LuL U-^u ;Jjoüi "aiu tx ää^"«^ X^ fe^ £w(:t^|«J 










v>e<^ *vi{üi^AjWt oA 



'Tv- - 

tWa -^ ft*^ i*** fc4it* 



Fortsetzung des Briefes vom 21. IL 1905 



426 



s 












oaywOvUii vfc Au« W ktvAfel l1v*vuwL fe 6«s«<Cjuce| 4y*««kiA* nVÄciü^^i- 
Fortsetzung des Briefes vom 21. II. 1905 



427 



^ft>l Jl. an xuA J, »^ l>y t^ ^ k/M-owL . ÖU /»/«q m ftii il^ /k*i^ I\ä*^.W 
p6X*.^i^aWA4 Wo- ttjilA QwC*n^OtMaL pi»oi. f»iUfiUArIw a^M;vJ ^% W^'W 4a<^ totsU*«- 
6^-m^ ^4^^^Aiv^^, tVv«ieUl Ui et hf^^J^U frvlj^A, Wt Ä iSiail j*u>>pvy, ytfciUM*^ 



M«.«££i^<it») 



«w.(^H^!j öC^i^- 










Fortsetzung des Briefes vom 2i. IL 1905 



428 












Fönsetzung de^ Briefes vom 21. 11. 1905 



42g 



JL feo^ itt *0 Uta/ huUiit^c 9uAk J Ll'i ^U-^U^^JÜiXta jfe afW iW" 
lM « W Ulli Un>v|*uL\ ^iiiU cUc'l it 4Ma ^tvot ü e^m Vc{: UtW yU ^ «M 

t^iU» ■^-uvTx ciu<U8-{i ttü. öiAiMji^ An bu. '^U^wl*^ >*it4«'J* , 4- iivt i«i^ «^ 



C<^J <«A«/( l^»*Atj ^«^^aC) PY**"" '^^^ft "J^^ ♦^^ ii«;,W bdt'U^itjfl^^'»^' 

U^tj U£«.x*l **-f/<^^ 1U»u<V. Vy t^^tUu &Mäu^ iUAA'h^k 



Fortsetzung des Briefes vom 21. II. 1905 



430 



7 








Fortsetzung des Briefes vom 21. II. 1905 



431 



3-h 

^ * ilv) jliAu^i ^iku Ciikl AhAik wv'tlv ^ U^K iMsiA/^ »/ ttr 

^'VHii öLuiM te /t>^tfe fe/a '*Mt/4 _ ^evu«, /mAiK^ ca'avk tWw< pcüukov* 

fcivJU 5« ic U '^^^ «^ j^i^tiu ^Jj^ i-^feJr w /VKii «Üii "t^ fe" 



'tU^ &u^ ^1^ 6M;^ «h|üJ 



ScliluG des Briefes vom 21. II. 190S 



NAMENVERZEICHNIS 



Abdul Hamid, Sultan 41, 
59f., 62, 66, 81, 94ff., 
129, 249. 

Adalbert, Prinz, Sohn Kaiser 
Wilhelms 73, 75, 277. 

Adlerberg, Russischer Aristo- 
krat 205. 

Ährenthal, Österreichisch- 
ungarischer Minister des 
A^uswärtigen 246. 

Alexander IL, Zar von Ruß- 
land 55, 120, 223. 

Alexander IIL, Zar von Ruß- 
land I, 5, 28, 34, 43, 75, 
184, 215. 

Alexandra, Königin von Eng- 
land 51. 

— Prinzessin von Koburg 

36. 

Alexei Alexandrowitsch, 

Großfürst I4f. 
Alexejew^, russischer Admiral 

1271 

Alfons, König von Spanien 

226. 
Alix, russische Zarin 6, 31, 

34. 45, 73, 99, 102, i22f., 



167, 220, 234, 238, 243, 

247, 258, 263, 275, 278ff., 

282. 
Alvensleben, deutscher Bot- 
schafter in Petersburg 151, 

155, 210. 
Anastasia, Großfürstin,Toch- 

ter des Zaren 73. 
Arthur, Herzog von Con- 

naught 57, 99, 248. 
Auguste, Kaiserin, Mutter 

Kaiser Wilhelms 75, 78, 

197, 205, 218, 246. 
Auguste Viktoria, deutsche 

Kaiserin 36, 162, 222, 224, 

234, ^77- 

Bashford, englischer Jour- 
nalist 149. 

Benckendorff, Russischer 
Botschafter in London 
197. 

Bertie, s. Eduard VH. 

Bidoselsky, russischer Offizier 
282. 

Birilew, russischer Marine- 
minister 190, 192. 



433 



Bismarck, deutscher Reichs- 
kanzler 38 f., 200, 202. 

Bubnow, russischer Oberst 
14, 16. 

Bülow, Fürst, deutscher 
Reichskanzler 76, 86, 113, 

134» 135. Hh 149. 159. 
206, 260. 

Bulygin, russischer Minister 

des Innern 190, 194. 
V. Burghof, Frau 105. 

Cambon, französischer Diplo- 
mat 133. 
.Cecilie, deutsche Kronprin- 
zessin 183. 

Chamberlain, Joe, englischer 
Minister des Auswärtigen 

50. 

V. Chelius, Generalleutnant, 
deutscher Militärbevoll- 
mächtigter beim Zaren 
283. 

Christian IX., König von 
Dänemark, Vater der Kai- 
serin-Witwe von Rußland 
loiff., 220. 

Christian, --Kronprinz von 
Dänemark loi. 

Combes, französischer Mini- 
ster 143. 

Courcel, französischer Bot- 
schafter in London 57. 



d* Albert, Musiker 284. 

Delcasse, französischer Mini- 
ster des Auswärtigen 133, 
I42f., 153. 

Dohna-Schlobitten, Graf, 
deutscher Militärbevoll- 
mächtigter beim Zaren 
267 f., 270, 283. 

Dragomirow, General, Chef 
des Kiewer Militärbezirkes 
18, 20. 

Eduard VII., König von Eng- 
land 117, 120, 197, 206, 
211 f., 227, 238, 240, 242 f. 

265. 

Egloffstein, Graf 7. 

Eitel Friedrich, Prinz, Sohn 
Kaiser Wilhelms 161, 165. 

Ella, Gemahlin des Groß- 
fürsten Sergius, ältere 
Schwester der Zarin 167. 

Ernst August, Herzog zu 
Braunschweig 279. 

Ernst Ludwig (Ernie), Groß- 
herzog von Hessen 94 f., 
154, 156. 

Eulenburg, Graf 11. 

FaUieres, Präsident der fran- 
zösischen Republik 220 f. 

Faure, Felix, Präsident der 
französischen Republik 7, 
26. 

Ferdinand, Fürst von Bul- 
garien 94. 



434 



Franz Joseph, Kaiser von 
Österreich-Ungarn 94, 230 
246. 

Friedrich III., deutscher Kai- 
ser 10. 

Friedrich der Große, König 
von Preußen 187. 

Friedrich Leopold, Prinz, 
Schv^ager Kaiser Wilhelms 
III, 157. 159. i66f. 

Friedrich Wilhelm, deutscher 
Kronprinz 69, 91, 197, 
267, 268. 

Gapon, russischer Pope 161. 

Georg V. (Georgy), König 
von England 200, 266, 280. 

Georg, König von Griechen- 
land 42 f., 253. 

Georg, Prinz von Griechen- 
land, Bruder des Königs 
Konstantin von Griechen- 
land 41. 

Georg, Großfürst 200, 280. 

Giers, russischer Minister 
des Ausw^ärtigen 7, 8. 

v, d. Goltz, General 134. 

Hammann, Chef des Presse- 
amts der Reichskanzlei 50. 

Hanotaux, französischer Mi- 
nister des Auswärtigen 38, 

40- 

Ilarcourt, William, Sir, eng- 
lischer Schatzsekretär 7. 



Hardinge, Charles, britischer 
Staatssekretär Ii7f., 240. 

Hatzfeld, Graf, deutscher 
Botschafter in London 51. 

Heinrich, Prinz, Bruder Kai- 
ser Wilhelms 2, 34, 44, 49, 
56, 80, 82f., 84f., 123, 232, 

257 f- 

V. Hintze, Kapitän, deut- 
scher Marineattache in 
Petersburg 232, 246, 249, 
160 ff. 

Hohenlohe - Schillingsfürst, 
Fürst Chlodwig zu 12, 
18 f., 39. 

Hohenlohe-Langenburg, 
Erbprinz zu 36. 

Iswolsky, russischer Minister 
des Auswärtigen 157, 159, 
226, 228, 240, 244. 

V. Jacobi, General, deutscher 
Militärbevollmächtigter 
218, 220, 224. 

Dr. Jameson, enghscher 
Agent 30. 

Kamimura, japanischer Ad- 

miral 122. 
Karl Anton von Hohen- 

zollern 159. 
Kasnakow, russischer Oberst 

78. 



435 



Kitchener, engliscber Gene- 
ral 63. 

V. d. Knesebeck, Privatsekre- 
tär der Kaiserin Augusta, 
später der Kaiserin Au- 
guste Victoria 269. 

Knorring, Abgesandter des 
Zaren 5. 

Konstantin (Kostja), Groß- 
fürst, Onkel des Zaren 
69f., I99f. 

Konstantin (Tino), Kron- 
prinz von Griechenland 
199. 

Krüger, Präsident der Bu- 
renrepublik 30. 

Krupensky, Abgesandter des 
Zaren 118. 

Kuropatkin,russischer Kriegs- 
minister und Heerführer 
98, ii7f., 124, I27f., 
177. 

Lambsdorff, russischer Mi- 
nister des Auswärtigen 'j^, 
94, 151, 155,^ 197, 226. 

Lambsdorff, Major, Graf, 
Flügeladjutant Kaiser Wil- 
helms 117, 120, 129. 

V. Lauenstein, Generalmajor, 
deutscher Mihtärbevoll- 
mächtigter beim Zaren 
262, 267 f. 

Lenewitsch, russischer Ge- 
neral 185. 



Lobanow-Rostowsky, Fürst, 
russischer Botschafter in 
Wien, später russischer Mi- 
nister des Auswärtigen 4, 
18, 20, 24, 27 f. 

Low, Maurice, englischer 
Journalist 196. 

V. Loewenfeld, Generalad- 
jutant Kaiser Wilhelms 99. 

Loubet, Präsident der fran- 
zösischen Republik 153. 

Makarow, russischer Kom- 
mandeur und Admiral im 
Fernen Osten 109. 

Malet, enghscher Botschafter 
in BerHn 27. 

Marchand, französischer Ma- 
jor 63, (>-]. 

Maria Feodorowna (Dag- 
mar), Gemahlin des Zaren 
Alexander IIL 

May, s. Victoria Mary. 

Meyer 189. 

Michael Alexandrowitsch 
(Micha), Großfürst 24, 
77f., 257. 

Minny von Griechenland = 
Großfürstin Maria 200. 

V. Moltke, Feldmarschall 134 

V. Moltke, Oberpräsident 
von Ostpreußen 134. 

V. Moltke, Oberstleutnant, 
Flügeladjutant KaiserWii- 
heims 3, 24, 29, 42 f., 49, 134. 



436 



Murawjew, russiscKer Mi- 
nister des Auswärtigen 63, 
67, 172. 

Napoleon L, Kaiser der 
Franzosen 46, 118, 125, 
187, 283. 

Nelidow, russischer Diplo- 
mat 209. 

Nikolaus L, Zar von Rußland 

53, 74, 171- 

Nikolaus IL, Zar von Ruß- 
land I, 4, 7, 14, 38, 41, 44, 
63, 69, 71, 84, 94, lOI, 
106, 113, 117, 120, 130, 
135, 138, 166, 190, 195, 
204, 254, 260. 

Nikolai Nikolajevvdtsch, Groß- 
fürst, Großonkel des Zaren 
216, 157. 

Obolenski, russischer Oberst 
84 f. 

Okuma, Graf, japanischer 
Ministerpräsident 234^ 

Okwa & Comp., japanische 
Firma iii. 

Osten-Sacken, Graf, russi- 
scher Botschafter in Wien 
4, II, 60, 107, 158. 263. 

V. Fahlen, Graf, russischer 
Justizminister 4, 6. 

Paul Alexandrowitsch, russi- 
scher Großfürst 36. 



Paulis, Marineordonnanz - 
offizier des Zaren 71, 76. 

Perier, Casimir, Präsident 
der französischen Repu- 
blik 7. 

Plehvv^e, russischer Minister 
des Innern 166, 170. 

V. Plessen, General, Kom- 
mandant des kaiserhchen 
Hauptquartiers 2. 

V. Plüskow, Oberst 164. 

Pobjedonoszew, Oberproku- 
rator des Hl. Synods 172. 

Radohn, Fürst, deutscher 
Botschafter in Petersburg 
10, 13, 30, 34, 48, 209. 

Radziwill, Anton, Fürst 157. 

Radziwill, Marie, Fürstin 

i57-_ 

V. Reitzenstein, russischer 
Kapitän 82. 

V. Richter, General, Kom- 
mandant des zarischen 
Hauptquartiers 4, 6, 69. 

Roosevelt, Präsident der Ver- 
einigten Staaten 131, 188, 
201, 206. 

Roschdjestwenski, russischer 
Admiral 130, 183 f. 

Rosebery, Lord, englischer 
Ministerpräsident 7. 

Rouvier, französischer Fi- 
nanzminister 132. 

Rubinstein, Musiker 284. 



437 



Sajontschkowski, russischer 
General 220. 

Salisbury, englischer Mini- 
sterpräsident 27. 

Samsanow, russischer Gene- 
ral 154. 

Sanny, Verwandte des Kai- 
sers 34. 

V. Sausin, Oberst 3. 

Schebekow, Flügeladjutant 
des Zaren 127 f. 

V. Schenk, Oberst, Komman- 
deur des Alexanderregi- 
mentes III. 

Schilling, Baron 15. 

V. Schimmelmann, deutscher 
Marineattache in Peters- 
burg 92. 

Schleinitz. Freiherr v., 
preußischer Minister 
des Auswärtigen 200, 
202. 

V. Schoen, deutscher Ge- 
sandter in Kopenhagen, 

- später Botschafter in 
Petersburg 210, 218, 
229. 

Schultz, Kammerdiener Kai- 
ser Wilhelms 92. 

Schuwalow, Graf Paul, russi- 
scher Botschafter in Berlin 

4, 5, 71- 
V. Schweinitz , deutscher 
Botschafter in Peters- 
burg 4. 



Sergius, Großfürst, Oheim 
des Zaren, Generalgou- 
verneur von Moskau 82, 
164, 166. 

Sinowjew, russischer Bot- 
schafter in Konstantinopel 

59f- 
Skobelew, russischer General 

23, 27- 

Skrydlow, russischer Admiral 
14, 16. 

Sophia, Gemahlin des Kron- 
prinzen Konstantin von 
Griechenland, Schwester 
Kaiser Wilhelms 281. 

Ssasonow, russischer Minister 
des Auswärtigen 265. 

Stael von Holstein, russischer 
Botschafter in London 4, 6. 

Storer, Bellamy, amerikani- 
scher Gesandter in Wien 
211 f. 

Stössel,russischerGeneral 154. 

V. Strantz, Hauptmann im 
Alexander - Garde - Gre- 
nadier - Regiment 32. 

Stremankow, Gouverneur 
von Suwalki 255, 273. 

Stroukow, russischer General 
'271. 

Suchomlinow, russischer Ge- 
neral 276. 

Swjatopolk-Mirski, Fürst, 
russischer Minister des 
Innern 166, 170. 



438 



Tatischtschew, Graf, Gene- 
ral, russischer Militär - 
bevollmächtigter in Berlin 
218, 226, 230, 241, 254. 

Tattenbach, Graf, deutscher 
Gesandter in Tanger 214, 
216. 

Thyra, Herzogin von Cum- 
berland 280. 

Timaschew, russischer Poli- 
zeichef 205. 

Tirpitz, Admiral 107. 

Togo, japanischer Admiral 
109, 122, 183. 

Trepow, russischer General 
161. 

Trubetzkoi, Fürst, Präsident 
des Moskauer Semstwos 
161. 

Tschertkow, russischer Ge- 
neral, Gouverneur von 
Warschau 86, 90. 

Uchtjomski, Fürst, russischer 

Admiral 122. 
v. Usedom, Adjutant Prinz 

Heinrichs 83. 

Victor Emanuel, König von 
Italien 86, 113 f., 254. 

Victoria Luise (Sissy), Prin- 
zessin, Tochter Kaiser 
Wilhelms 34, 45 f., 279, 
281. 



Victoria Mary, Königin 
von England 264, 266, 
280. 

V. Villaume, General 3. 

Waldemar, Bruder des Kö- 
nigs von Dänemark 280. 

Waldersee, General, Graf 71. 

Wedel, Graf, Oberstallmei- 
ster 46. 

V. Werder, deutscher Bot- 
schafter in Petersburg 4, 

6, 10, 33, 47. 55, 57- 
Wilczek, Graf, Forschungs- 
reisender 230. 
Wilhelm L, deutscher Kaiser 

39. 43, 53, 55, 175- 

Wilhelm H., deutscher Kai- 
ser 4, 10, 30, 36, 38, 58, 
63, 71, 74, 84, loi, 106, 
113, 117, 127, 135, 138, 
149, 154, 157, 194, 203ff., 
206, 220, 224, 234, 238, 
260, 264, 281. 

Witte, russischer Minister- 
präsident 113, 120, 172, 
206, 209, 213, 216. 

Witthöft, russischer Admiral 
122. 

Wladimir Alexandrowitsch, 
Großfürst, Onkel des Zaren 
33, 39, 190, 194,226,231. 

Yamai, japanischer General 

89. 




Ullstein &, Co 
Berlin 



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SOUTHERN REGIONAL UBRARY^^^^^ 

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